Nix für Lemminge 02 : „Verwandlung“ – die Inspirationssammlung

Nachdem ich in meinem Prequel vom 13. März kurz erklärt hatte, was das Ziel ist und woher ich diesmal meine Ideen beziehe, bin ich jetzt so frei, einige Bilder von meiner umfangreichen Stoffsammlung zu zeigen und kurz zu erläutern, welche Kombinationsmöglichkeiten mir so vorschweben. Menge und Größe der Stoffbahnen lasse ich erst einmal außen vor. Zuerst kommt nämlich das Brainstorming – wie auch schon in der ersten Runde wieder bei mamamachtsachen:

Idee # 1: Zwei Leinensäcke, die sich recht steif anfühlen und außerdem total vergraut aussehen, möchte ich bleichen (aber nicht zu stark – warum, das seht ihr gleich) und dann in Kombination mit hellblau-weiß gestreifter Meterware zu einem Oberteil oder Jäckchen auferstehen lassen. Wenn das Material ausreicht, eventuell noch einen Rock. Falls nicht: so ein Sack läßt sich auch wunderbar zu einer Stuhlhusse umfunktionieren:

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Und nun zu der Preisfrage, warum man das Leinen nicht zu stark bleichen sollte. Den abgetrennten Probestreifen (Bild 1) habe ich zunächst zwei Stunden lang in pures „Eau de Javel“ eingelegt. „Eau de Javel“ ist eine Chlorlösung im praktischen Fünfliterkanister und wird normalerweise von meinem Mann und mir zur Desinfektion unserer Campingtoilette verwendet – oder wenn Gardinen vergilbt sind, einfach eine Kappe voll mit in die Spülkammer der Wachmaschine, und nach dem 40°-Waschgang strahlt die Wäsche wieder wie neu. Nachteil # 1: das Zeug stinkt wie Hulle, und jeder der in unseren Keller kommt, denkt, hier wäre ein Schwimmbad. Und ob das in seiner puren Konzentration gut für die Umwelt ist, glaube ich nicht – besser mit den Resten ab auf den Wertstoffhof.

Nachteil # 3: das Zeug entfärbt leider auch die Klamotten, die man am Leibe trägt, wenn man nicht aufpaßt. Diese leidvolle Erfahrung mußte leider meine Lieblingshose machen, deren Beine am Knöchel jetzt ein mehr oder weniger dekoratives Pünktchenmuster ziert (*heul*). Wie stark das Leinen gebleicht wurde, kann man auf dem letzten Bild gut erkennen. Der Stoff ist tatsächlich nicht mehr grau, sondern cremeweiß. Leider sieht man von dem blauen Streifen auch fast nichs mehr, denn der ist dem Angriff des Chlors zum Opfer gefallen. Und wirklich weicher ist das Leinen auch nicht geworden. Vielleicht hilft Dampfbügeln…

Idee #2: Manchmal sieht man ein gefüttertes Kleidungsstück und denkt sich: Wow – was für ein schönes Futter. Warum versteckt es sich dort, wo es keiner sieht? Warum nicht einmal Außen- und Innenseite tauschen und das, was normalerweise als Oberstoff fungiert (rot-beige-weiß-senfgelb gestreifte Meterware) innen tragen – und das „Futter“ (in diesem Fall roten Metallic- und Gitterstoff) außen und für alle gut sichtbar? Auch hier wieder ein paar Bilder aus meinem Vorrat:

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Vielleicht funktioniert der Keks ja auch, wenn das glitzernde Gitter auf dem gestreiften Stoff aufgebracht wird. Läuft das ganze Experiment am Ende sogar in Richtung Kleidung zum Wenden hinaus? Und das Wichtigste: Ist das Teil am Ende auch noch alltagstauglich? Da bin ich, ehrlich gesagt, noch sehr skeptisch. Aber es ist ja zunächst auch nur eine Idee…

Idee #3: Dieser Wunschkandidat steht ganz weit oben auf meiner Liste. Er war mal ein Kopfkissen, zu dem der Rest der Garnitur schon vor Jahren sein Leben ausgehaucht hat. Warum das ganze nicht noch mit einem türkisen Geschenkband aufbrezeln, das sein trauriges Dasein in der Wartezone meines Nähkörbchens fristet.

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Ob der Stoff noch für ein Blüschen reicht? Auch bin ich gerade am Überlegen, ob dieser Kandidat nicht der ideale Partner für Team 1 wäre…

Idee # 4: Diese Idee ist wahrscheinlich schon von Anfang an für die Tonne gedacht, soll aber von mir trotzdem noch erwähnt werden. Gefunden habe ich einen Stoff in Tarnfarbe, bei dem ich nicht mal weiß, woraus er ist, geschweige denn, was man daraus machen kann. Ob man dazu Spitze kombinieren kann, halte ich für mehr als fragwürdig. Aber sei’s drum – vielleicht mache ich ein Cape draus.

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Wenn ich so recht überlege, denke ich, dass die Idee #1 bis jetzt doch von mir weitergesponnen werden wird. Meine Inspriationsquelle, die dieser Idee zugrunde lag, kommt aus Berlin – genauer gesagt von der Designerin Christine Mayer, auf deren Homepage ich fündig geworden bin. Bilder, auf denen man erahnen kann, was mit Recycling so alles möglich sein kann (Achtung: nur das erste Bild ist von Frau Mayers Homepage, den Rest habe ich andernorts entdeckt):

http://www.mayer-berlin.com/img/94_image_mayer_ss_11_FJ_54.jpg

https://www.garnishapparel.com/blog/wp-content/uploads/2011/04/mayer-peace.jpg

http://static.thelabelfinder.com/imaging/flashbigimage/4182902/36574/mayer.-peace-collection.png

http://www.creative-city-berlin.de/uploads/institutions/mayer-peace-collection/portfolio/_cache/20101201140655.jpg_gd.jpg

http://www.theninestreets.com/blog/wp-content/uploads/2011/04/christina-mayer-1.jpg

http://www.shirdakshoponline.com/blog/wp-content/uploads/2013/03/blogselvedge.jpg

Okay, das letzte Bild hat -glaube ich- nur am Rande mit der Peace Collection zu tun – aber troztdem komisch, dass ich mich erst jetzt wieder daran erinnere. Auf dem Blog „the nine streets“ gab es zu diesem Thema auch einiges zu lesen – ich zitiere: „For everyone interested in fashion, this exhibition is a Must See! Using materials that ar up to 150 years old, designer Christine Mayer takes much of her inspriation from the antique ttextiles themselves, marked as they are over time by life and the personalities that have used them.

Christine Mayer, whose background is in costume design, began to put together a sustainable fashion collection a few years ago, working exclusively with recycled materials. Currently, as a slow fashion designer, she produces two collections per year. Her philosophy is that the ancient materials she works with have such an immense history behind them that these clothes embellish the person who wears them.“

Na, wenn das nichts ist – oder was meint ihr? Bis zum nächsten Termin „Das soll’s wohl werden – Entwürfe“ am 30. März ist ja noch ein wenig Zeit. Der weitere Zeitplan nach diesem Termin soll dann so aussehen:

13.04.2014 – Ich habe einen Entwurf, aber wie setze ich das technisch um?

26.04.2014 – Krise oder was? (Ich hatte diesmal das Gefühl, daß uns der Termin mehr Arbeit gemacht hat, als den Prozeß vorangebracht hat. Ging’s Euch ähnlich? Dann streichen wir den und wer Krise hat und Hilfe braucht, schreit halt trotzdem laut.)

01.05.2014 – Finale (Diesmal ein Feiertag, ein Werktagstermin ist irgendwie doof, oder?)

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9 Kommentare zu “Nix für Lemminge 02 : „Verwandlung“ – die Inspirationssammlung

  1. Idee 1: Das Leinen-Recycling ist auf alle Fälle weiterspinnenswert. Denn cremefarbenen Blazer finde ich richtig schön.

    Bei Idee 2 läuft man vielleicht Gefahr, ein Faschingskostüm mit viel Glitzer und Tüll zu nähen? Aber ich lass mich da auch gerne überraschen.

    Ich hoffe, Du findest mich nicht unverschämt, aber Idee 3 alleine als Blüschen? Ich weiß nicht, ich hätte da Angst vor der Verwechslung mit einem Pyjama. In Kombi mit Idee 1 – ja, warum nicht.

    • Hej,
      vielen Dank für die Rückmeldung – ich glaube, diese Bestätigung hat mir noch gefehlt. So wie es aussieht, werde ich nur einen Teil der Säcke bleichen und gebleichte und ungebleichte miteinander verarbeiten. Das Blüschen/Shirt (Kandidat 3) kommt aber auf jeden Fall noch dran, falls noch Zeit übrig ist.
      Lieben Gruß
      Ulrike

  2. Am spannendsten finde ich die 1. Idee. Für die 2. und 3. wäre ich zögerlich wegen Knittern im „Alltag“.
    Bin gespannt, in welche Richtung es geht.
    Mit färben und bleichen experimentiere ich auch (ziehe was Altes dafür an). Richtig kochen mit 90 Grad-Waschpulver kann schon was bringen, wenn ich experimentierfreudig bin nehme ich noch Soda oder Entfärber, bei hartnäckigen Flecken probiere ich außerdem Klorix.
    LG Ute

    • ihr bestärkt mich in Idee 1 – das finde ich schön; und ich glaube, mit dem Entfärben muss ich mir keinen Kopp machen, sondern eher, wie ich den groben Sack weicher bekomme

      • Waschen, waschen, waschen… Bleichmittel helfen da vermutlich nicht, aber vielleicht mechanische Hilfsmittel. Ich habe die Tage recht grobes litauisches Leinen gekauft, das laut Auszeichnung mit Steinen gewaschen wurde (und wunderbar soft ist). Da das für die handelsübliche Waschmaschine eher nichts ist ;), würde ich vielleicht Versuche mit Waschbällen (irgendwo habe ich auch mal was von Tennisbällen gelesen…) machen. Idee 1 finde ich übrigens auch am vielversprechendsten!
        LG, Bele

  3. Als ich deinen Text las, habe ich auch sofort an die Sachen von Christine Mayer gedacht – ich habe die mir schon mal im Laden angeschaut, die sind wirklich wunderschön. Das Leinen ist relativ grob und steif, aber als Jacke geht das. Das solltest du wirklich weiterverfolgen, eine tolle Idee!

  4. Wow, da bin ich sehr gespannt. Ich bin auch eine Sammlerin von altem Leinen und dachte eher an Taschen oder Deko. Aber die Teile von Christine Mayer sehen ja toll aus… danke:-)
    eine gute Woche wünscht
    Christine

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