Nix für Lemminge 02 : „Verwandlung“ – Entwürfe

Die Katze ist aus dem Sack (und zwar im wahrsten Sinne des Wortes): Meine Idee, zu der ich von der Berliner Designerin Christine Mayer inspiriert wurde, besteht darin, ein Kleidungsstück aus zwei verschiedenen Stoffen zu kreieren: Leinensäcke und hellblau-weiß gestreifter Meterware aus Baumwolle. Alle anderen Stoffe aus meinem Fundus entpuppten sich als wenig geeignet, daraus ein alltagstaugliches Kleidungsstück zu machen.

Alltagstauglich heißt in meinem Fall jobtauglich – und zwar möglichst seriös. Üblicherweise sollte die weibliche Belegschaft in der Branche, in der ich arbeite, entweder Kostüm oder Hosenanzug tragen, aber Kleid mit Blazer ist auch in Ordnung – gängige Farben: schwarz, dunkelblau, anthrazit – bevorzugte Muster: uni (also nix) oder Nadelstreifen; wobei wir auch bei der aktuellen Aufgabe sind, wie immer präsentiert bei Alex  – wo sich auch alle anderen nach und nach versammeln:

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„Aufgabe: ein Outfit zu entwerfen, dessen zentrales Element ein Stoff ist, der entgegen seiner üblichen Verwendungsweise gebraucht wird (…) auch mehrere Stoffe – z.B. Chaneljacke aus Neopren. / Trainingsanzug aus Samt. (…) Ziel: ich mit Materialeigenschaften und den Möglichkeiten, sie zu verändern, auseinanderzusetzen und Assoziationen und Verwendungserwartungen uf den Kopf zu stellen. (…) Bedingungen: alltagstagstauglich und aus dem eigenen Vorrat“ (Ende der Kurzfassung) ———————————————————————————————————————

In einem Forum habe ich vor kurzem gefragt, ob man nicht in einem hellen Businessoutfit, das aber sonst dem branchenüblichen Dresscode entspricht, zwischen lauter grauen und schwarzen Anzügen auffiele. Zur Antwort bekam ich, daß dies sicherlich eine gute Idee wäre, wenn ich für die Assistentin des Chefs gehalten werden möchte. Äh… Aber warum eigentlich? War das wirklich eine brauchbare Antwort? Ich wollte ja nicht wissen, was man im gehobenen Management trägt, sondern ob ein helles Outfit noch dem Dresscode der Finanzbranche entspricht. Aber nicht lang schnacken, sondern macken – äh, machen! —

Und das soll’s wohl werden: Helles Leinen mit blauen Elementen. Aber ich sage es gleich vorweg: Diesmal bin ich bequemer als beim letzten Mal und wandle einen Schnitt aus der aktuellen Burda nach meinem Gusto ab.

Bevor ich mir lange den Kopf zerbreche, habe ich etwas gefunden, was meiner Vorstellung von heller, puristischer „Businesskleidung“ ohne Schnörkel (sog. Clean Chic) schon sehr nahe kommt. Was mich zu der Überlegung bringt, dass Leinen oft mit Trachtenmode oder Landhausstil assoziiert wird – zumal wenn es sich um sehr dickes, rustikal wirkendes Leinen handelt. In diesem Fall dient ein alter Mehlsack als Ausgangsbasis/Grundstoff – sich daraus ein streng geometrisch/architektonisch konstruiertes Kleidungsstück vorzustellen, darauf kommt man wahrscheinlich weniger oft. Ich bin gerade am Überlegen, ob es in den 80er Jahren nicht einmal Anzüge dieser Art von Jil Sander gab? Oder Karl Lagerfeld? Oder Helmut Lang? Schade, dass ich meine alten Hefte alle weggeschmissen habe. Aber, na gut, konzentriere ich mich lieber auf meine streng geometrische Form und verabschiede mich von dem ursprünglich vorgesehenen Thema „Jacke, Weste oder Mantel“:

In der aktuellen Burda (4/2014) sind drei Teile, die ich in die engere Auswahl gezogen habe (die Links führen straightaway auf die Fotos): Etuikleid # 108 auf Seite 36, Bleistiftrock # 114 mit hohem Bund auf Seite 38 und Blusenshirt # 115 auf Seite 39. Alles in weiß und aus unterschiedlichen Materialien genäht – das Kleid aus Pikee, der Rock aus Popeline und das Shirt aus Krepp. Welchen Unterschied die Verwendung von Leinen ausmacht, wäre sicherlich interessant zu erfahren – viel spannender ist für mich die Frage, ob mir der Stoff überhaupt reicht.

Laut Anleitung braucht man für das Kleid 150 cm aus einem 150 cm breiten Stoff, für den Rock 140 cm aus einem 140 cm breiten Stoff und für das Kleid 185 cm aus einem 110 cm breiten Stoff. Meiine Stoffe messen jedoch 97 cm in der Breite und 146 cm in der Länge (Leinensack) und 150 cm in der Breite und 210 cm in der Länge (Baumwollstoff).

Ein Blick in die Nähanleitung hatte eine ernüchternde Wirkung auf mich: Für das Kleid sind so viele Einzelteile nötig, dass ich daran vermutlich noch bis zum Herbst dran sitzen würde, also habe ich es fürs erste ad acta gelegt (späterer Versuch nicht ausgeschlossen). Beim Rock sind es jedoch nur 5 Bahnen, zwei Besätze, vier Gürtelschlaufen und ein Bindegürtel. That’s it. Selbst mit dieser bescheidenen Menge wird es knapp, wenn ich ausschließlich gebleichtes Leinen verwenden würde.

Also habe ich mich entschieden, das hintere Rockteil und das mittlere Vorderteil aus Leinen zu nähen, und die beiden seitlichen Vorderteile sowie die Gürtelschlaufen, die Besätze (falls überhaupt notwendig) und den Bindegürtel aus dem gestreifter Baumwollstoff. Wie das aussieht, zeigen die paar Fotos, die ich gestern abend noch gemacht habeBild:

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Hier sieht man auch das Ergebnis meiner am 26. März beschriebenen Bleichmethode:

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Die blauen Streifen erinnern mich an Stonewashed-Jeans: noch so ein Bruch mit den herkömmlichen Sichtweisen, denn seit wann verbinden wir Jeansmode mit Businesskleidung? Aber wie auch immer: jetzt gibt es kein Zurück mehr, und was getan ist, ist getan. Der Stoff ist jetzt in einem zarten Cremeweiß – hier ein Vergleich mit dem anderen Leinensack, der mir als Stuhlhusse dient:

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Leider ist der Stoff nach der Prozedur immer noch hart wie ein Brett: Darum suche ich jetzt nach Methoden, es weicher zu bekommen, damit ich bis zum nächsten Treffen schon etwas schlauer bin, wenn es am 13.04.2014 heißt „Ich habe einen Entwurf, aber wie setze ich das technisch um?“ – Der Vollständigkeit halber hier noch der restliche Ablauf. Viel Zeit bleibt ja nicht mehr:

26.04.2014 – Krise oder was? (Ich hatte diesmal das Gefühl, daß uns der Termin mehr Arbeit gemacht hat, als den Prozeß vorangebracht hat. Ging’s Euch ähnlich? Dann streichen wir den und wer Krise hat und Hilfe braucht, schreit halt trotzdem laut.)
01.05.2014 – Finale (Diesmal ein Feiertag, ein Werktagstermin ist irgendwie doof, oder?)

Wenn’s gut läuft – wer weiß – vielleicht schneidere ich mir auch noch das Blusenshirt. Schau’n wir mal …

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5 Kommentare zu “Nix für Lemminge 02 : „Verwandlung“ – Entwürfe

  1. Interessantes Konzept, wenn der Stoff so fest ist, dann knittert er bestimmt arg und ist auch direkt auf der Haut nicht angenehm, womöglich sogar kratzig?
    Die Stonewashed-Streifen finde ich genial. Bin gespannt, was es wird hier.
    LG Ute

    • Guten Morgen,
      wie das mit dem Knittern aussieht, weiß ich nicht, ich habe ihn aber nochmal bei hohen Temperaturen gewaschen und einen ordentlichen Schuß Essig in die Spülkammer getan. Jetzt ist er nicht mehr ganz so rauh, und wie das mit dem Knittern wird, weiß ich auch noch nicht, aber ich probier’s einfach mal aus. Mehr als schiefgehn kann es nicht.
      Liebe Grüße
      Ulrike

  2. Dieser Leinenstoff ist so toll ich bin immer noch neidisch.
    Bei dem Kleid hätte ich wegen der beiden Schlitze ohnehin gedacht, dass es nicht nach Businesskleidung aussieht. Deshab finde ich den schlichteren Rock auch die passenste Wahl, evntuell würde ich mir überlegen einen strengeren Gürtel (also nicht geknotet sondern mit Schnalle) zu machen.
    LG Christoph

  3. Gefällt mir gut, Dein Projekt.
    Kratzigen Stoff weicher zu kriegen weiß ich leider auch keinen Rat. Ist das Original denn gefüttert? Wenn nicht, ließe sich das ja ändern – und damit eventuelles Gekratze verhindern?
    Den blauen Streifen hast Du jetzt nur hinten, oder? Magst Du ihn vorne nicht oder reicht dann der Stoff nicht mehr?

    • Hei, Fragolinchen –
      yepp, den blauen Streifen mache ich erst mal nur hinten an der Seite, weil sonst der Stoff nicht reicht… übers Füttern müsste ich jetzt mal nachdenken – in der Anleitung steht nix von ’nem Futter, aber da stehen auch ganz andere merkwürdige Sachen drin, z.B. ist kein Gehschlitz vorgesehen, aber dafür ein 10 cm breiter Saum, der ausgestellt sein soll, obwohl auf dem Bild davon nichts zu sehen war.

      Das heißt für mich, den Schnitt für mich passend abzuwandeln, also eher 3 cm Saum, und einen Schlitz einzuarbeiten, damit ich in dem Teil auch laufen kann.

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