Fast wie eine Reise in die Vergangenheit

Nachdem ich gestern Abend stundenlang in verschiedenen Blogs geschmökert und mich über eine hochinteressante Chanel-Ausstellung informiert habe, setzte ich heute morgen kurzerhand den Entschluß, mir die Ausstellung „Schuhwerke – Roger Vivier“ im Offenbacher Ledermuseum anzuschauen, in de Tat um. Ich wollte dort ja schon zur Nacht der Museen vor einer Woche hin, aber an jenem Tag hatte ich immense Kreislaufprobleme, und obendrein groß es wie aus Eimern, so dass ich mir statt dessen lieber das letzte Drittel des ESC anschaute. Nun aber konnte es endlich losgehen – Fotografieren durfte ich auch, darüber hatte ich mich vorher informiert – zu meiner Reise in eine Zeit, als man Teenager noch Backfisch nannte…

Wer war Roger Vivier? Auf der Homepage des Deutschen Ledermuseums wird er als der „Fabergé des Schuhbusiness“ bezeichnet (inwiefern dies zutrifft, weiß ich jetzt immer noch nicht). Fakt ist jedoch, dass er nicht nur eng mit Christian Dior zusammengearbeitet, sondern später auch die Modewelt mit seinen Entwürfen für Yves Saint-Laurent bereichert hat.

Bild  Bild(Dior 1958)

Von Roger Vivier stammen auch die Entwürfe für den Krönungsschuh der Königin von England,  für einen Abendschuh der persischen Königin Soraya und Schuhe für Brigitte Bardot, Elizabeth Taylor, Marlene Dietrich und Catherine Deneuve. Die Schuhe, die Madame Deneuve in dem Film „Belle du Jour“ trug, kommen aus dem Hause YSL und tragen ein für Vivier charakteristisches Merkmal: Im rechten Schuh prangt das goldene „YSL“-Logeo, während die Innenseite des linken Schuhs der Schriftzug von Monsieur Vivier ziert. Und was Brigitte Bardot betrifft, so waren in der Ausstellung Sandaletten mit rot-weißem Vichykaro zu sehen: das Karo, das wohl die meisten mit der französischen Schauspielerin in Verbindung bringen.

 

Bild (Der Krönungsschuh)

Diese Werke stellen jedoch nur einen kleinen Ausschnitt dar und lassen das Herz eines jeden Schuhfetischisten höher schlagen – eine Spezies, zu der ich mich nicht zählen würde, aber hier fühlte ich mich wirklich wie in einer anderen Welt bzw. in einer anderen Zeit, angefangen bei den 20er Jahren bis in unser jetziges Jahrzehnt. Und da ich hier ganz alleine unterwegs war, konnte ich so richtig in diesem ledergewordenen Traum versinken.

Bild Bild (Asymmetrie aus den 20ern)

Die Exponate waren mit Liebe und, wie es scheint, auch mit einer Prise Humor zusammengestellt worden, denn mitten im Regal stand ein Paar Minischühchen aus bonbonrosa Plastik, umringt von Modellen aus den 20er und 30er Jahren, die mir mehr oder weniger asymmetrischem Dekor geschmückt waren. Bei einigen waren die Einflüsse des Art Deco unverkennbar. 

Was mir auch sehr gut gefiel, war die Zusammenstellung von einander ähnelnden Modellen, die allerdings in völlig unterschiedlichen Jahrzehnten hergestellt worden sind. Wie zum Beispiel bei den Pumps in Hahnentrittoptik: die Pumps rechts sind von 1964, die Pumps links mit „Comma-Absatz“ von 2014.

 

Bild

Der Comma-Absatz scheint wirklich eine Novität von heute zu sein, genau wie dieses futuristische Ensemble, das ich mir gut in einem Science-Fiction-Film vorstellen könnte: „Bamboo“-Clutch und „Kite“-Pumps, beide finde ich so richtig cool, habe aber völlig vergessen, wann sie entworfen worden sind.

 

Bild  Bild

 

Anschleßend habe ich mir noch den Rest des Museum angesehen, war aber nur im Schuhmuseum. Vor lauter Ausstellungsstücken schwirrt mir noch immer der Kopf, habe mir aber vorgenommen, hier nochmal hinzukommen. Und vielleicht schaue ich mir noch einmal die Vitrine mit den Fußballschuhen von Uwe Seeler, den Stiefeln  von Arved Fuchs‘ Südpolexpedition, dem LA-Lakes-Schuh in Größe 60 und dem signierten Spice-Girls-Plateauschuh an.

Alles in allem war es ein faszinierender zweistündiger Ausflug, der mir viel Spaß gemacht hat. PS: die Vivier-Ausstellung läuft noch bis zum 2. November 2014.

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