Ein Tag im Zeichen des großen Gähnens

Mann, was für eine kurze Nacht. Man sollte eben nicht den Fehler machen, mitten in der Woche ein Konzert zu besuchen, das voraussichtlich erst gegen 22 Uhr beginnt, wenn man weiß, daß sich am nächsten Morgen um halb sechs der Wecker melden wird. Tja, Pech für Mecki – aber ich wollte unbedingt zu diesem Konzert, das dummerweise um 21 Uhr anfangen sollte. Als wir am Veranstaltungsort, eine kleine und niedrige Halle mitten in Frankfurt, ankamen, erkannten wir, daß noch ein „Supporting Act“ angekündigt war – tja, das eigentliche Konzert, auf das ich mich gefreut hatte, sollte erst gegen 22 Uhr beginnen… Ich rechnete im Geiste schon mal hoch, wann wir ungefähr wieder zu Hause ankommen wiürden (schätzungsweise Mitternacht) und versuchte, mich in einem der wenigen Sessel zu entspannen, während der Supporting Act eine Art akustische Endlosschleife mit wechselnden Geräuschen produzierte. Okay, Musik klingt für mich zwar anders, aber das auch jeder Jeck anders ist, kann ich damit leben. Das  Bier war okay, der Sound inzwischen auch, die Spannung wuchs.

Zehn vor zehn betraten dann die Sängerin und drei Musiker (Trommeln, Posaune, Synthesizer) die winzige Bühne, und das Spektakel nahm seinen Lauf. Zuerst eine wilde Breakbeatorgie, bei der die Sängerin ihre Mähne fliegen ließ, dann erschollen gefälligere Klänge, deren Beats dennoch durch Mark und Bein gingen. Düstere elektronische Musik, wie ich sie mag, wenn nur der Sound nicht ganz so dumpf und verzerrt gewesen wäre. Aber man kann nicht alles haben, besonders wenn der Eintritt noch unter 20,– Euro liegt – da sehe ich über die kleinen Schwächen hinweg; bei dieser Halle, die mit gefühlten 120 Personen zu gut zwei Drittel ausgelastet zu sein schien, wäre ein glasklarer Klang auch ein Wunder gewesen. Vielleicht gehören ja meine Ohren auch generalüberholt, um die Feinheiten der Musik besser herauszuhören. Man wird eben nicht jünger. *seufz*

Meinem Schatz gefiel die Musik auch, obwohl er diesen Act so überhaupt nicht kannte – mir war das neue Album übrigens auch nicht geläufig, und von dem Album „Conatus“ wurde nur ein Lied gespielt (mein Lieblingsstück – und zwar als Zugabe)… Die Musik fand er sogar richtig gut, um genauer zu sein, nur die Sängerin war nicht sein Fall. Er war nämlich der Meinung, ohne Hallgenerator hätte man von ihrer Stimme wohl nicht mehr viel gehört, und gegen die tollen Musiker hätte sie wohl stimmlich auch keine große Chance gehabt. Kann natürlich sein, aber ich kenne Frau Danilovas Stimme nur von der LP, und da finde ich sie umwerfend. Hier, beim Konzert, schien sie eher eine unterstützende Funktion für die Hammermusik zu haben, die leider nach 55 Minuten schon zu Ende war. Schade.

Nun ja, everybody likes a different kind of tea. Worauf ich aber wirklich hätte verzichten können, war die Aktion mit dem Garderobenmärkchen, das mir beim Bezahlen der Getränke an der Theke unbemerkt aus der Tasche gefallen war und dessen Verlust mir die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Erst die nette Dame an der Theke konnte Licht in das Dunkel bringen, da so ein Märkchen tatsächlich bei ihr eingetrudelt war; und nachdem ich ihr beschreiben konnte, wie mein Mantel aussah, war sie bereit, mir das Märkchen auszuhändigen. Uff, das war nochmal gutgegangen. Den Abend ließen wir dann in Ruhe mit einem Gläschen Grappa zu Hause ausklingen, und es wurde dann doch halb eins, bis wir das Licht löschten. Dafür hatten wir beide aber wenigstens kein Ohrensausen oder -klingeln, und das einzige, was wirklich nervte, war der Wecker in der Frühe.

Wenigstens konnte ich noch bis dreiviertel acht liegen bleiben, dann wurde es aber auch für mich höchste Zeit, schließlich musste ich ja noch alles, was ich brauchte (Schlüssel, Geld, Jobticket), aus der Abendhandtasche wieder in die Bürohandtasche umpacken – und da fand ich dann zum krönenden Abschluß als Souvenir ein versehentlich übriggebliebenes Getränkepfandmärkchen. Wenn ichdas nicht bis in alle Ewigkeit behalten möchte, soltle ich bald wieder diesen Club ansteuern.

PS: Ach ja, wer bei Google „Zola Jesus“ zum ersten Mal als Suchbegriff eingibt, kann ein kleines blaues Wunder erleben. Da bekommt man neben diversen Links zu der Sängerin auch ein Sammelsurium von weiterführenden Links zu relgiösen Themen, u.a. zu Gott und Jesus angezeigt. Startet man die Suche allerdings öfter, verschwinden diese Links seltsamerweise wieder.

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