Die schönste Toilette Deutschlands

Ende August war ich mit meinem Schatz in Köln zu einem Whiskytasting bei einem unabhängigen Abfüller mit Übernachtung in einem Hostel. Wir waren gegen Mittag angekommen und hatten den ganzen Samstagnachmittag und Sonntagvormittag zur freien Verfügung. Leider haben wir damals weder das Kolumba (Kunstmuseum des Erzbistums Köln) noch das Duftmuseum (Farrina) gefunden, aber dafür ein Café mit der für mich schönsten Toilette Deutschlands, die ich so sensationell fand, dass ich mir sagte, sollte es mich irgendwann wieder nach Köln verschlagen, mache ich davon auf jeden Fall ein Foto.

Gesagt, getan. Diesmal hatte ich spontan die Idee, während meines restlichen Urlaubs für einen Tag mit dem Fernbus morgens nach Köln und abends wieder zurück zu fahren. Um halb zehn startete der Bus am Frankfurter Hauptbahnhof und kam gegen zwölf am Kölner Hauptbahnhof an. Die Rückfahrt war für 17:50 Uhr geplant, also blieben mir knappe sechs Stunden, in denen ich zwei Museen und „mein“ Café besuchen, einen Abstecher zum Hause 4711 einlegen und in einem Schuhhaus am Eigelsteintor Schuhe kaufen wollte. Den letzten Programmpunkt musste ich dann leider doch streichen, weil mir die Schuhe entweder nicht gepaßt oder nicht gefallen haben (und noch ein Paar Lackschuhe wollte ich mir dann doch nicht kaufen).

Was ich aber diesmal, im Gegensatz zum letzten Augustwochenende dabei hatte, waren ein besserer Stadtplan und ein Fotoapparat, um das Corpus Delicti zu dokumentieren. Teile des Doms habe ich natürlich auch abgelichtet, zum Beweis, dass ich auch da war (ha ha).

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Erst nach diesen obligatorischen Beweisfotos gönnte ich mir eine Tasse Tee im Café. Was war denn nun das Sensationelle an der Toilette? Nun, in dieser Wellnessoase gerieten Unbedarfte schnell ins Grübeln, denn die Türen der einzelnen Kabinen waren durchsichtig. „Wie soll man denn da ungestört …?“ lautete die unausgesprochene Frage, die stumm durch den Raum schwebte. Erst, wenn man die Tür von innen verriegelte, wurde das Glas plötzlich milchig, und wie von Zauberhand erschien auf der milchigen Oberfläche eine Geisha mit einem Besetztschild in der Hand.

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Mein Schatz berichtete mir bei unserem gemeinsamen Kölnbesuch, auf den Türen im Herren-WC erschiene analog dazu ein Ritter in Rüstung. Seltsam. Einen Samurai hätte ich da irgendwie passender gefunden. Schließlich verschönerte diesen Hort der Stille die Skulptur eines Buddhakopfs. Foto geschossen – Mission accomplished.

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Danach ging es weiter mit dem Plan – die Suche nach der Glockengasse und dem Kolumba. In letzterem erhielt ich sogar die Erlaubnis, alles fotografieren zu dürfen, was ich dann auch bei einigen ausgewählten Objekten gerne tat. Leider trübte mir ein Anflug von Höhenangst dann in diesem Museum dann doch ein wenig die Freude an der Ausstellung. Moderne Architektur mit ihren glasklaren und unzerteilten Fensterfronten vom Fußboden bis zur Decke macht’s möglich. Und wer an Klaustrophobie leidet, sollte um das Treppenhaus in diesem Museum auch lieber einen ganz großen Bogen machen.

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Aber ansonsten hat es mir dort gut gefallen, auf jeden Fall besser als bei 4711 und in der Glockengasse – besonders hübsch kann ich die beim besten Willen nicht finden. Man sollte sich halt nicht von der Werbung eins vom Pferd erzählen lassen und vor allem nicht alles für bare Münze nehmen, was Zeichner einem so in all den Jahren vorgaukeln – viel idyllischer und charmanter kam mir dagegen der Gülichsplatz (oder Jülichsplatz) mit dem Fastnachtsbrunnnen und dem Duftmuseum Farina vor – bei der dortigen einstündigen Führung konnte ich mir Kön zur Zeit des Rokoko so richtig gut vorstellen und mein Wissen über die Parfümherstellung sogar noch vertiefen.

Dass die Trennung in Herren- und Damenparfüms eine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist, dass also bis zu diesem Zeitpunkt alle mehr oder weniger das gleiche Parfüm benutzt haben und wir diese Aufteilung einer simplen Marketingstrategie zu verdanken haben, wusste ich bis gestern auch noch nicht. Nix mit rosq und hellblau – hier wird zwischen runden und eckigen Flakons unterschieden, obwohl das gleiche drin ist. Kommt das irgendwem bekannt vor?

Und um zum Schluß nochmal auf 4711 zurückzukommen: zwar bin ich nicht der große Fan unter der Sonne, aber ein gutes hatte mein kurzer Abstecher dort hin doch: Das für dieses Eau de Cologne typische Türkisblau war mein Anstoß, endlich die türkisblaue Kimonojacke zu meinem Bleistiftrock fertigzustellen.

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Das Futter hatte ich ja schon längst fertig – es mußte nur noch eingenäht werden, sowie die Jacke gesäumt und mit Druckknöpfen und einem Bindegürtel versehen werden. Was soll ich sagen? Ich habe heute wenigstens das Futter eingezogen und von Hand eingenäht. Bis morgen lasse ich die gefütterte Jacke erst mal aushängen, dann kommen die Ärmel und der Saum an die Reihe. Am Montag besorge ich dann in dem Stoffladen meines Vertrauens die passenden Druckknöpfe und Stoff für mein nächstes Projekt. Fehlt dann nur noch der Bindegürtel, bevor ich das Teil dann zur Firmenweihnachtsfeier anziehen kann. Dresscode ist „Business Casual Attire“, also keine Jeans und Turnschuhe. Hoffentlich bin ich mit meinem Outfit dann nicht overdressed.

 

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