Bielefeld, die Zweite : Wunsch und Wirklichkeit, Teil zwei– mit Fotos

Einen kurzen Überblick über das vergangene Wochenende im Jugendgästehaus Bielefeld gibt es schon; nun gehe ich ins Detail:

000 JuHe

Freitag, 16. Januar 2015 : Wie schon im letzten Jahr, stand auch diesmal wieder eine Vorstellungsrunde auf dem Plan, in der wir ein bißchen über uns erzählten, also wie wir zum Nähen kamen und warum wir nähen, und unser Projekt vorstellten. Hilfreich waren die beiden aufgestellten Pinnwände, an die wir unser Projekt anheften konnten.

003 Pinnwand     004 MyProject

Auf diese Weise kam eine bunte Gesamtübersicht zustande, und wir konnten später zwischendurch nochmal nachschauen, wer was nähte, ohne dass wir uns 37 verschiedene Kleidungsstücke merken mußten. Ich muß sagen, das war eine große Spannbreite an geplanter Kleidung, die da an den Pinnwänden präsentiert wurde. Von Burda (Jahrgänge 1954 bis 2014)

006 mema Jacke 1954

über Modellen aus Nähbüchern bis hin zu Fertigschnitten von Vogue und McCall’s war so ziemlich alles dabei – auch ein selbstentworfener Schnitt sowie ein an Ralph Lauren angelehntes Kleid

012 lauren countrykleid wollixundstoffix

und ein nachgeschneiderter Burberry-Trenchcoat aus edel schimmerndem Stoff in Lila.

005 So on trend    018 burberry   019 burberry

Ich hatte mich für einen Mantel aus der Novemberburda von 2014 entschieden: Modell 104, bei dem es sich um einen verschlußlosen Mantel mit Bindegürtel und Raglanärmeln, aber nicht in schwarz-weiß, sondern in rot-grau kariertem, dünnen Flanell. Eigentlich zu dünn, da der Mantel für dickere Stoffe konzipiert worden ist, was sich besonders an den Ärmeln zeigte, denn hier durfte ich die Ärmel um 1,5 Zentimeter verschmälern. Das habe ich vorher auch noch nie machen müssen; und komplett neu für mich war das Nähen eines Kragens. Schnitteile so anzulegen, dass die Karos stimmig aufeinandertreffen, überigens ebenfalls. Und weil ich mir als besondere Herausforderung für dieses Jahr Muster und Knopflöcher vorgenommen habe, kann ich nun das Thema Kragen erst einmal abhaken bzw. mir noch einmal für später vornehmen.

A propos Muster: Weil mir Karo nicht genug ist, habe ich mich beim Stoffkauf in Verl so ziemlich auf Muster eingeschossen, obwohl mein Wunsch ursprünglich ein anderer war. Für den Rock 112 aus burda 8/2012 suchte ich Effektgewebe bzw. weich fallenden Rockstoff, für das Kleid 121 aus burda 8/2012 zwei Meter Wolltuch 150 cm und 1,35 Meter Futter, und für die Hose 120a aus burda 11/2013 Krepp bzw. leichten weichfallenden Hosenstoff, am liebsten in bordeaux. Außerdem war ich noch auf der Suchee nach Pikee für den Mantel 106 aus burda 4/2009. Bordeaux war jedoch nur der bei Marc Aurel vorrätige Futterstoff, und von gelbem oder orangem Pikee war auch nichts vorhanden. Macht aber nichts, weil mir dort ein dehnbarer, knallgelber Strukturstoff mit hellgrau abgesetzten Waben ins Auge stach, aber davon hätte ich mehr als zwei Meter gebraucht, und dieser Rest war eindeutig zu wenig. Also fallen Hose und Mantel flach, aber Rock und Kleid werde ich definitiv nähen, wenn auch weder in Grau noch in Rot – dafür aber in Blau, wie der Stoffstapel zeigt.

025 Stoffstapel

Da tummeln sich die unterschiedlichsten Muster: Krawattenmuster, Chanelstruktur und Fantasiemuster – regelmäßige und unregelmäßige Rapports.. Und das schönste daran: Alles paßt zusammen. Die nächste Challenge mit dem Mustermix kann kommen: Rock und Kleid aus den oben aufgeführten Burdaheften und zwei Blusen, für die ich aber noch kein Schnittmuster habe.

Nach diesem kurzen Ausblick auf kommende Projekte, konzentriere ich mich wieder auf meinen Mantel, von dem ich hoffte, dass ich bei den Karos keine unliebsame Überraschung erleben würde – darum beschäftigte ich mich bis kurz nach Mitternacht mit dem Versäubern der zugeschnittenen Teile, damit mir beim Nähen nix ausfusselt., und mit dem Anfertigen des Bindegürtels nach meiner eigenen Methode, die von dem Standard des Schlauchnähens und Wendens abweicht. Danach war Zeit zum Plaudern und Snacken – aber nicht zu lange, denn am Samstag sollte es endlich mit dem Nähen losgehen.

Samstag, 17. Januar 2015 : Genäht haben wir zwischen Frühstück und Mittagessen (ich von halb zehn bis ein Uhr), zwischen Mittagessen und Abendessen (ich von halb zwei bis sechs Uhr) und nach dem Abendessen. Da kommen so einige Stündchen zusammen, in denen ich aber nicht nur genäht, sondern auch zwischendurch die ein oder andere Kaffee und Klönschnackpausen eingelegt habe.

011 schnittmusteraufbewahrung     008 raincoat

  007 empty room   010 halb vier

Und weil ich einmal grandios mit den Taschenbeutel gepfuscht habe, war Auftrennen und erneutes Einsetzen (diesmal richtig herum) angesagt. So ein Anfängerfehler hätte zwar nicht mehr passieren dürfen, aber: beats me. Nobody’s perfect. Aber um Perfektion sollte es ja auch gar nicht gehen. Mein Anspruch war ein anderer, da ich immer neue Herausforderung suche: Immer eine kleine Hürde höher, aber trotzdem noch mit Spaß im Flow bleiben.

Dennoch ging mir nicht alles glatt von der Hand. Besonderes Kopfzerbrechen machten mir der Gehschlitz und der Kragen, aber für beides bekam ich von den anderen wertvolle Tips und Hinweise. Aber auch an meinem Zeitmanagement könnte ich noch etwas feilen. Bis ich am Abend nämlich zum Nähen kam, wurde es neun Uhr, aber dann arbeitete ich konzentriert bis Mitternacht und war ganz stolz darauf, dass ich den Beleg so am Oberstoff befestigt hatte, dass die Karos ohne Versatz aufeinandertrafen. Danach machte ich die Runde, um mich noch ein wenig bei einem Glas Wein mit den anderen zu unterhalten. Diesmal fiel die Plauderstunde deutlich länger aus, und manche zog es sogar nicht vor vier Uhr morgens ins Bett.

Sonntag, 18. Januar 2015 : Sehr weit kam ich auch an diesem Tag nicht mehr. Nach dem Frühstück auschecken, das Auto umzuparken und den neuesten Pfusch zu beheben. Im Überschwang von meinen Fortschritten beflügelt, hatte ich nämlich den Fehler gemacht, die vorderen Belegteile zur Gänze am Oberstoff festzusteppen, aber dafür den Beleg fürs Genick auszusparen. Tja, dumm gelaufen – denn jetzt war erneutes Auftrennen angesagt, danach kam das Aneinandernähen sämtlicher Belegteile und erneutes Annähen an den Oberstoff und den Kragen. Wegen dieses Zeitfressers verzichtete ich darauf, das vorbereitete Futter auch noch einzunähen – lieber heftete ich die Teile, die ich später von Hand annähen werde, um für die große Abschlußpräsentation ein zu gefühlt 80% fertiges Kleidungsstück zu haben.

024 Tasche   013 alle wünsche hoschek kleid 015 lotti 016 marja 017 raincoat  021 Kleid und jacke 022 zwei kleider 023 yvonet

Was bei mir noch zu machen ist, aber das schaffe ich locker diese Woche noch: die nicht ganz durchgehenden Nähte der Taschnbeutel schließen, den Gehschlitz am Mantel befestigen, die Belege von Hand festheften, alle Säume fertigstellen, Gürtelschlaufen zuschneiden und am Mantel festnähen und das Futter einnähen.

An nicht ganz fertig gewordener Kleidung gab es auch so einiges, als Ausgleich dazu gab es auf der anderen Seite wiederum einige Teilnehmerinnen mit fertigen Zweitprojekten. Hut ab vor so viel Tempo und Durchhaltevermögen. Leider waren nicht mehr alle anwesend, weil sie zum Zeitpunkt der Präsentation bereits im Zug nach Hause saßen. Schade, aber vielleicht sehen wir das Ergebnis am kommenden Mittwoch bei memademittwoch.

Zum Abschluß möchte ich sagen, dass ich die beiden Pinnwände und auch den Tauschtisch super fand, der Freitagabend aufgebaut wurde. Hier konnte ich zwei Stoffballen, die ich nicht mehr brauche, sowie diverse Zeitschriften und Garnrollen loswerden und mir im Gegenzug was hübsches aussuchen. Ich entschied mich für zwei bllaue Garnrollen und ein Heft mit Schnittmustern für Kinderkleidung.

009 Tauschtisch

Insgesamt war ich von diesem Wochenende wieder rundum begeistert war, und ich hoffe, noch bei anderen Treffen dieser Art dabeisein zu können.

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5 Kommentare zu “Bielefeld, die Zweite : Wunsch und Wirklichkeit, Teil zwei– mit Fotos

  1. Pingback: Bielefeld, die Zweite : Wunsch und Wirklichkeit, Teil eins – mit Dankeschön und Schleifchen | Blaupause7

  2. Das ist ja ein sehr sehr ausführlicher Bericht. Und die Pinwand. Das ist super.
    Toll wars. Auf deinen mantel bin ich auch gespannt, der Stoff ist sehr vielversprechend.
    lg monika

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