„Channel this!“ im Februar : unsortierte Gedanken

Und heute wieder im Sonderangebot: Unsortierte Gedanken zu „Channel This! – Der Stylepate für den Monat Februar : Teddy Girls“ …

Nun bin ich schon zum zweiten Mal bei „Channel This!“ gelandet – einem Projekt von mamamachtsachen, bei dem es sich nicht um einen Sew-Along handelt, sondern um das Zusammenstellen von schon vorhandener Kleidung aus dem eigenen Kleiderschrank zu einem Outfit, das von einem sogenannten Stylepaten inspiriert wurde. An jedem Monatsersten wird ein Bild (oder eine ganze Serie) präsentiert, das als Anregung dienen soll, sich ähnlich zu stylen. Dann hat man bis zum letzten Wochenende Zeit, sich nach Herzenslust durch seinen Kleiderschrank zu wühlen und ein passendes Outfit zusammenzustellen, das idealerweise alltagstauglich sein sollte. Und warum das ganze? Aus Spaß an der Freud‘ oder mit anderen Worten:

Ziel ist es, den Spirit einer Stilvorlage herauszufiltern und mit Bestandteilen der eigenen Garderobe eine alltagsfähige Variante zu bauen. Dafür darf natürlich was Neues genäht werden, muß aber nicht. Die Absicht ist ja, die Kleidung, die man schon hat, mit neuen Augen zu sehen, aus den ewig gleichen 3 Kombinationen auszubrechen und die eigene Stil-Routine zu durchbrechen.“ – Diesmal also Back to the Fifties. Petticoat, Tellerrock, Pumps mit Kitten Heels, Nierentisch und Tütenlampen… äh, nö, so dann doch nicht, denn stilistisch gab es in den 50ern noch etwas mehr als das. Eindrücke gefällig?

The forgotten Girl Gang

Enjoy your style

Inspiration

About the boys

Rock’n’Roll, Sneakers & Blue Jeans verkörpern für mich den Geist der Fifties. Uuuups, jetzt rede ich schon wieder Englisch. Worum es eigentlich gehen soll in diesem Monat, das sind die Teddy Girls. Junge Frauen aus der Arbeiterschicht, deren Kleidungsstil genau wie der ihrer männlichen Gegenparts stark von dem dem abwich, was Männlein und Weiblein gemeinhin in jener Zeit so trug. Und das waren bei den Teddy Girls eben nicht ausschließlich Kleider oder Röcke, sondern auch Hosen.

Frauen in Hosen: Das gab es zwar schon in den 20er Jahren, aber so richtig beliebt wurden sie im Zuge des Rock’n’Roll. Ich glaube, Nietenhosen, hat man sie damals bei uns genannt. Ich erinnere mich noch an Erzählungen aus der Familie, als die ersten Blue Jeans in Mode kamen, mit denen man sich so lange in die Badewanne legte, bis die Jeans knackig eng am Bein anlagen und man stolzer Besitzer bzw. stolze Besitzerin einer echten Röhrenhose war. Eine Badewanne hatte ich bis in die späten 80er Jahre noch nicht (ja, ja, auch das gab’s noch im 20. Jahrhundert: Altbauwohnungen ohne eigenes Bad & WC – der pure Luxus war eine auf eigene Kosten angeschaffte und in die geräumige Wohnküche eingebaute Duschkabine), also kann ich da leider nicht mitreden.

Nun aber zurück zum Thema. Denn dazu gibt es auch ein paar sehr schöne Links. Wenn ich mir dort die Bilder anschaue, dann finde ich diesen Stil sehr ansprechend. Schick, aber lässig. Ich könnte mich ja stundenlang von Bild zu Bild hangeln und in die entsprechende Literatur vertiefen – beim Stöbern habe ich einen Artikel über eine ähnliche Strömung bei schwarzen Jugendlichen in den Vereinigten Staaten gefunden, aber wenn ich in bewegten Bildern schwelgen will, schaue ich mir jeden Sonntagabend die BBC-Serie „Call the Midwife“an, die am 18. Januar in die vierte Runde gegangen ist, und das nicht nur wegen des Lokalkolorits oder den Kostümen, sondern hauptsächlich wegen der Handlung. „Call the Midwife“ (dt. „der Ruf des Lebens) dreht sich um den Alltag von Hebammen in Poplar, im östlichen London der 50er Jahre. Sehr ergreifend und mitt großer menschlicher Wärme gespielt, versinke ich nur allzu gerne in die zu Herzen gehenden Geschichten, nicht ohne mein Augenmerk auch auf scheinbare Nebensächlichkeiten zu richten. Ich bin mir fast sicher, dass einige der Komparsen und Komparsinnen als Teddy Girls und Boys zurechtgemacht waren. Insofern ist diese Fernsehserie eine wahre Fundgrube für mich zu der aktuellen Ausgabe von „Channel this!“

Call the Midwife“ ist für mich aber auch in anderer Hinsicht interessant. Der Schauplatz dieser Serie, befindet sich noch Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in desolatem Zustand. Haufenweise Trümmer von zerstörten Gebäuden, zwischen denen die zahlreichen Kinder spielen. Auf den Bildern von Ken Russell, die ich mir inzwischen angeschaut habe, sehen Umgebung und Hintergrund ähnlich aus. Bittere Armut und Kinderreichtum prägen den Alltag im East End bzw. gehen Hand in Hand. Von wegen nostalgische Romantik: Sanitäre Anlagen, wie wir sie heute in jedem Haushalt vorfinden, sind noch nicht für jeden zu haben. In mehrstöckigen Wohnhäusern befinden sich die Toiletten noch nicht in der Wohnung, sondern im Treppenhaus auf halber Etage.

Heute liegt Poplar auf dem Gebiet des Londoner Stadtteils Tower Hamlets, und dieses ist rein zufällig mit meiner Heimatstadt verschwistert. Ach ja, Offenbach und seine Städtepartnerschaften – jetzt, wo ich mir den letzten Absatz nochmal durch den Kopf gehen lasse, fallen mir immer mehr Gemeinsamkeiten auf.

Wohnhäuser ohne Komfort: Auch ich habe in einem dreistöckigen Altbau ohne eigenes Bad oder WC gewohnt. Trümmer gab es aber zum Glück keine.

Bevölkerung: Hugenotten siedelten sich sowohl in Poplar als auch in Offenbach an.

Hafen: Tower Hamlets umfaßt auch das ehemalige Hafengebiet (die Docks kann man bei „Call the Midwife“ immer mal wieder sehen), und auch Offenbach hat einen Hafen. In dessen unmittelbarer Nähe habe ich lange Zeit gewohnt. Alerdings wird in unserem Hafen schon lange keine Kohle mehr verladen. Dafür entsteht dort nun ein niegelnagelneues Wohngebiet. Die Stadt verspricht sich davon eine Aufwertung des Nordends. Ob das schon die berüchtigte Gentrifizierung ist? Hm, wenn ich mir den Wikipedia-Eintrag über Tower Hamlets durchlese, durchläuft unsere Partnerstadt seit den letzten Olympischen Spielen eine ähnliche Entwicklung: u.a. „verlegte die Queen Mary University ihren Hauptcampus in das Stadtviertel Mile End, der günstige Wohnraum ist bei Künstlern und Studenten beliebt“. Über neuen Wohnraum freuen sich sicherlich auch unsere Studenten der Hochschule für Gestaltung.

Das sollte nun beileibe kein Artikel über Stadtplanung und -entwicklung werden. Eher ein Haufen unsortierte Gedanken zu meinen Wurzeln und Inspirationsquellen. Sicherlich werde ich in diesem Monat bestimmt noch ein paar Mal auf meinen Gedankenprozeß zu den Februar-Stylepatinnen zurückkommen. Es bleibt spannend (to be continued / wird fortgesetzt)

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