Just another Costume Drama : Was vom Sonntag übrig blieb

Der Tag geht, Johnny Walker kommt“, so lautete vor Jahren ein bekannter Werbeslogan. Zwar passt der auf den ersten Blick scheinbar nicht so richtig zum Fernsehprogramm, das ich am Sonntag genießen durfte, aber an diesem Tag lief auf BBC 1 die letzte Folge von „Call the Midwife“, unmittelbar im Anschluss gefolgt von einer brandneuen achtteiligen Serie namens „Poldark“. Nun also: „Call the Midwife“ geht – „Poldark“ kommt; was bedeutet, dass der Sonntag auch weiterhin im Zeichen des „Original British Drama“ steht. Die schaue ich mir auch ab und zu gerne an, denn mitunter finden sich da wahre Schätzchen. Fans von Kostümfilmen bzw. Historiendramen (Die Tudors, Musketeers, The White Queen, etc.) kommen da voll auf ihre Kosten. Und das ganz ohne Werbung, sieht man von den Trailern zu kommenden Sendungen ab. Obwohl auch die nerven können, auch wenn sie den Film nicht zerreißen, weil sie zwischen zwei Sendungen plaziert werden. Aber wenn man dreimal täglich eine Werbung für die neueste Folge von „Banished“ präsentiert bekommt. Und die läuft seit 5. März auf BBC 2.

Aber ich schweife ab. Einerseits war ich traurig, dass nun „Call the Midwife“ zu Ende ging (allerdings ist eine Fortsetzung im nächsten Jahr geplant), auf der anderen Seite aber war ich schon sehr gespannt auf „Poldark“, eine achtteilige Fernsehserie, basierend auf den gleichnamigen Romanen des vor ein paar Jahren verstorbenen Schriftstellers Winston Graham. Der wiederum ist auch bekannt geworden durch seinen Roman „Marnie“, der von Alfred Hitchcock verfilmt worden ist.

Dass die BBC eine Neuverfilmung der gleichnamigen Serie aus den 70ern plante, wusste ich bereits zu Beginn des neuen Jahres, aber wann es damit losgehen würde, blieb lange im Dunkeln. Durch Zufall erfuhr ich letzte Woche und erhielt dann auch prompt von einer guten Bekannten aus Schottland am Sonntagmorgen eine Mail, dass es definitiv am 8. März losgehen würde, und zwar um 22 Uhr. Etwas spät für mich, aber was tut man nicht alles als wahrer Fan. Ja, ich war eine von denen, die in den 80er Jahren bei der deutschen Fassung jeden Sonntagnachmittag mit den Helden bei ihren Abenteuern mitgefiebert haben. In England waren sie sogar noch krasser drauf: Da hatte dieser Sonntagvormittags ausgestrahlte „Straßenfeger“ so viel Erfolg, dass man in manchen Gegenden die Gottesdienste vorverlegt hat, um die Leute an jenen Vormittagen überhaupt in die Kirche zu bekommen.

Dass die Serie noch heute unglaublich viele Fans hat, konnte ich 1999 bei einem Urlaub in Cornwall feststellen, als ich dort auf die Adresse eines Fanclubs, der Poldark Appreciation Society (PAS), stieß, die regelmäßige Fantreffen organisierte. Und als ich dann erfuhr, dass die PAS im Jahr darauf eine Woche in einem Hotel mit Halbpension, Besichtigungen von Drehorten und einem Ball in einem Landhaus veranstalten wollte, gab es für mich kein Halten mehr. Es traf tatsächlich alles so ein, wie ich es mir vorgestellt hatte, und zu einem Treffen mit dem Hauptdarsteller und mit dem Schriftsteller, Mr.Graham höchstpersönlich kam es auch. Das Glück hätte größer nicht sein können. Leider sind von diesem traumhaften Abend auf dem Lande keine Fotos mehr greifbar. Nur das Kleid, das ich mir zu diesem Anlaß geschneidert hatte, ist mir geblieben – danach habe ich es noch einmal beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig und zuletzt beim Dressmakers Ball in Schwerte getragen.

Nun aber zurück zu der Neuauflage von 2015. Gerade habe ich die zweite Folge hinter mir, und ich habe sehr stark den Eindruck, dass ich eine andere Geschichte sehe als damals. Die Charaktere wirken plötzlich so anders, und manche Nebendarsteller nuscheln dermaßen, dass ich sie überhaupt nicht verstehen kann. Wer jetzt wissen möchte, worum es in „Poldark“ geht, ist – sofern Englischkenntnisse vorhanden – am besten mit den folgenden Links auf BBC One bedient.

Folge Eins – am 8. März 2015

Folge Zwei – am 15. März 2015

Folge Drei – am 22. März 2015

In wenigen Worten beschrieben, geht es um Captain Ross Poldark, der aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in seine Heimat Cornwall zurückkehrt und alles, was ihm lieb und teuer war, in Trümmern vorfindet. Wie er aus diesem Dilemma herausfindet, ist neben der wunderschönen Landschaft Cornwalls das Hauptmotiv der Serie, die auch noch mit vielen Nebensträngen und Intrigen glänzt. In den 70er Jahren wurden 27 Folgen mit jeweils ca. 50 Minuten Länge, verteilt auf zwei Staffeln, gedreht. Das Remake soll mit acht Folgen zu je 59 Minuten auskommen. Mal sehen, wie die BBC diesen Spagat bewältigt hat und wie viele Handlungsstränge gar nicht erst verfolgt worden sind.

Aber wie auch immer sich die Serie entwickeln wird, ich glaube, so einen Kult wie in den Siebziger Jahren wird es um „Poldark“ nicht geben, und am Ende wird es vermutlich ein hübsch anzusehendes und gutgefilmtes Kostümdrama gewesen sein, aber ohne die Faszination von damals. Trotzdem werde ich mir auch alle restlichen Folgen noch aaufzeichnen und anschauen; schon allein wegen der Hauptdarsteller Aidan Turner (bekannt durch seine Rolle als Zwerg Kili in „Der Hobbit“) und Eleanor Tomlinson („Agatha Christie: Poirot“, „The White Queen“ und „Death comes to Pemberley“).

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