Sie sind gelb : wie mir moderne Technik den Spaß verdarb

In den letzten Tagen konnte man sehr viel über die partielle Sonnenfinsternis lesen; und einen der besten Beiträge zu diesem Ereignis habe ich auf dem Blog von vorspeisenplatte gelesen, denn der spiegelte am ehesten das wieder, was ich während der Verdunkelung empfand: „Wobei ich auch ohne direkten Blick das Beste mitbekam: Dieses seltsam apokalyptische Licht, das mir auch von der Sonnenfinsternis 1999 am stärksten im Gedächtnis blieb“.(Quelle: vorspeisenplatte.de)

Apokalyptisches Licht – das trifft es für mich tatsächlich, und diese Art von Licht sollte mich zwei Tage später noch einmal heimsuchen. Sonntagabends läuft nämlich seit dem 8. März auf BBC1 um 22 Uhr (nach unserer Zeit) ein neues Kostümdrama, das wir mitschneiden, um es später, wenn wir wacher sind, in Ruhe anzuschauen. Normalerweise bin ich um diese Uhrzeit nicht mehr ganz so aufnahmefähig, doch gestern abend war ich einfach noch nicht müde, und so sah ich mir ausnahmsweise Folge 3 von „Poldark“ an, weil ich wissen wollte, ob die Neuauflage von 2014 an das Original aus den 70er Jahren heranreicht.

Damals schien man noch alle Zeit der Welt zu haben und reicherte die Serie mit allerlei Nebensträngen an; heute hat man nur acht statt dreizehn Folgen zur Verfügung und muss komprimieren, was nicht per se schlecht sein muss. Wenn es Drehbuch und Regie schaffen, die Handlung dicht an der literarischen Vorlage entlangzuführen und auf unzählige Plots zu verzichten, die die Handlung keinen Meter voranbringen, dann bin ich gerne dabei – zumal schon damals die wunderbaren Landschaftsaufnahmen für sich sprachen. Und ganz ehrlich: Was soll sich schon groß an dem weniger bekannten Teil Cornwalls (jenseits von Rosamunde-Pilcher-Filmen) verändert haben?

Als ich 1999 und 2000 das zur irischen See hin gelegene St. Just-in-Penwith und Cape Cornwall besucht habe, bekam ich bei einer Wanderung entlang der Küste die Chance, an einer Führung durch ein Besucherbergwerk teilzunhmen. Schon Daphne du Maurier hat über die teilweise bis weit unters Meer führenden Stollen der Zinnminen geschrieben, und hier konnte ich noch etwas mehr über das harte Leben der Bergleute erfahren. Die Arbeitsbedingungen waren schon für erwachsene Männer nicht einfach. Man denke nur an Holzleitern, über die man hinabsteigen musste; an Grubenhüte, die mit brennenden Kerzen bestückt waren; an das Essen, das die Arbeiter unter Tage verzehrten (im ungünstigsten Fall direkt neben der Pulverkammer) – da frage ich mich, wie dann der Alltag erst für Kinder gewesen sein muss? Die Räder mit Muskelkraft anzutreiben, während von unten giftige Dämpfe emporsteigen (sehr alt sind die bestimmt nicht geworden).

An dieser Stelle klinke ich mich wieder bei „Poldark“ ein, denn von diesem harten Leben bekommt man in der Neuverfilmung immerhin ein kleines Bißchen mit. Historische Recherchen scheint man für das Drehbuch betrieben zu haben und dennoch dicht an den Romanen Winston Grahams geblieben zu sein, auch wenn ich zeitweilig das Gefühl hatte, eine ganz neue Geschichte zu erleben. An den Darstellern kann es nicht liegen, auch wenn ich mich mit der Art, wie ihre Rolle angelegt wurde, teilweise nur schwer anfreunden kann. Den Hauptdarsteller (Aidan Turner) zum Beispiel finde ich brilliant, und auch seine Partnerin (Eleanor Tomlinson) ist ein echter Gewinn. Mit Ross Poldarks Cousin Francis dagegen tue ich mich schwer.

Vielleicht, weil er in der Originalverfilmung doch etwas mehr zu tun hatte, als in edlem Tuch durch die Gegen zu schreiten oder eine Mine hoch zu Roß zu inspizieren. Da konnte er noch seine rustikalen Seiten zeigen und wirkte nicht so hölzern und steif, wie der Butler, der den Tee serviert. Ebenfalls grenzwertig finde ich die Darstellung von Ross‘ Erzfeind George Warleggan. In der Originalverfilmung ist er ein wahrer Fiesling, bei dem nur ganz selten so etwas wie ein Herz durchzublitzen scheint (aber diese Momente muss man mit der Lupe suchen, oder ich bilde sie mir nur ein). Jetzt aber ist von dem dunklen Charakter kaum etwas zu spüren. Mir kommt er nicht ganz so unsympathisch vor, ist mir aber trotzdem zu glattgebügelt. Bei Elizabeth, Ross‘ alter Liebe und Francis‘ Ehefrau, sieht die Sache noch etwas anders aus.

Damals konnte ich mit dieser ätherisch wirkenden Dame herzlich wenig anfangen und fragte mich, was ein Abenteurer wie Ross an so einem zartbesaiteten Etwas findet – die bodenständige Demelza passt doch viel besser zu ihm. In der jetzigen Verkörperung gefällt sie mir besser. Nicht nur, dass das Dilemma, in dem sie sich befindet, viel besser herausgearbeitet wurde – sondern auch die Darstellerin Heida Reed erscheint nicht mehr ganz so puppenhaft. So viel zu den Veränderungen. Klar, wir leben im 21. Jahrhundert, und da kann man auch mal mit einer veränderten Sichtweise an ein bereits verfilmtes Thema herangehen. Mit diesen Veränderungen kann ich sehr gut leben, und BBC-Produktionen waren für mich schon immer, was die Bildqualität angeht, kaum zu schlagen; die Naturdokumentation „Unser blauer Planet“ ist da nur ein Beispiel von vielen.

Aber (und jetzt komme ich mit einem ganz großen Aber): Ist es wirklich notwendig, ständig zwischen unterschiedlichen Farbfiltern hin und her zu wechseln, teilweise sogar mehrmals innerhalb einer einzigen Szene? Dieses Gefrickel begann irgendwann in der Mitte der Folge und wurde dermaßen betrieben, dass es mir gnadenlos die Stimmung killte und mich vom Geschehen ablenkte. Irgendwann ertappte ich mich sogar dabei, dass ich geradezu auf den nächsten Farbwechsel wartete. Auf diesen exzessiven Filtergebrauch hätte man hier getrost verzichten können. Ich meine: Was nützt alle Mühe der Masken- und Kostümbildner, wenn die schönen Farben durch sinnlosen Einsatz von Technik verloren gehen und die ganze Arbeit dadurch für die Katz ist? Wenn aus einem blauen Seidenkleid ein grünes wird, sieht das in etwa so aus:

vorher:    001 ohne  

nachher:       001 mit          

oder so

vorher:   002 vorher  

nachher: 002 nachher

Szenen im Freien werden dadurch auch nur bedingt besser. Warum Aufnahmen so aussehen müssen, als ob sie bei Sonnenauf- oder -untergang stattfinden, ist eines der großen Rätsel, die ich noch nicht lösen konnte. Apokalyptisches Licht? Ich ahne böses.

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