Unsortierte Gedanken zu „Channel This!“ im April – Teil 2

Die Karussellfahrt meiner Gedanken zu „Channel This! im April geht weiter; da der Text zum Thema „Fremde Grenzen vs. Eigene Grenzen“ mal wieder viel zu lang geraten ist, habe ich ihn in lesefreundliche Häppchen aufgeteilt. Gestern abend war es schon spät, und dadurc wurde es etwas chaotisch. Ich weiß ja nicht, ob ich mich irre, aber ich glaube, Grenzen werden letztendlich immer noch von bestimmten Konventionen vorgegeben, und sich im Korsett zu präsentieren, scheint wohl allgemein nicht dazuzugehören; da rutscht man schnell in den Augen der Allgemeinheit in eine bestimmte Szene hinein (Burlesque-, Fetisch-, Gothic-, whatsoever…). Warum das so ist? Für mein Empfinden, bewegen wir uns innerhalb eines unsichtbaren Korsetts (the unwritten Dress Code), das heute ein anderes ist als vor, sagen wir 100 Jahren war. Damals trugen Frauen tatsächlich Korsetts unter ihrer Kleidung, und es dauerte lange, bis die Damenmode davon befreit war. Die Frage ist nur: Wenn diese Befreiung von einem einengenden Kleidungsstück eine wirkliche Erleichterung für den weiblichen Körper war, warum unterwerfen sich manche Frauen solche einem einengenden Panzer? Warum eine solche Unbequemlichkeit auf sich nehmen? Genausogut könnte ich fragen, warum so viele Frauen sich High Heels antun und schmerzende Füße in Kauf nehmen?

Eine Zeit lang bewegte ich mich innerhalb der sogenannten Schwarzen Szene, bei der es sich um keine einheitliche Gruppe handelt, sondern in der es etliche Unterszenen gibt (Gothics, Waver, Mittelalterfans, Heavy-Metal-Fans, Victorian Steampunks und viele mehr), die sich m.E. zum Teil noch überschneiden. Festivals und Konzerte habe ich damals als eine eigene Welt oder auch persönlichen Freiraum, in der ich mich ausprobieren und ausleben konnte, beispielsweise zu Pfingsten beim Wave-Gotik-Treffen (WGT). Gerade beim WGT traf ich allenthalben auf Besucherinnen im Korsett – die meisten davon waren viktorianisch inspiriert. Die haben mir besonders gut gefallen, und inzwischen besitze ich drei Stück in diesem Stil. Getragen habe ich sie leider allerdings nicht sehr oft, sondern nur zu besonderen Gelegenheiten, denn schon das Schnüren ist eine aufwendige Prozedur, die einiges an Übung erfordert – und eine aufrechte, gerade Körperhaltung, um darin mit Anmut und Würde aufzutreten. Viel zu essen empfiehlt sich ebenfalls nicht, wenn man so ein Teil am Leibe hat. Scarlett O’Hara lässt grüßen. Oder Sisi. Oder Besucher des viktorianischen Picknicks beim WGT.  

Die Violinistin Emilie Autumn  mit Hut – oder ohne… Victoria Steampunk… Burlesque… Foto aus der DailymailImpressionen vom WGT

 

 

 

Und so fuhr Frau vor der Befreiung von dem Eingeengtsein durch das Korsett zum Beispiel Fahrrad: Bequem sieht anders aus…

Mit Burlesque hat das wohl nicht mehr viel zu tun, und dabei sollte es doch um Dita von Teese gehen. An dieser Stelle frage ich mich natürlich, inwiefern sich diese Weise, ein Korsett zu tragen, sich von der Ästhetik der Burlesquetänzerinnen unterscheidet. Auf der einen Seite ich und andere Besucherinnen des Wave Gotik Treffens (WGT), die trotz viktorianischem Korsett möglichst wenig Haut zeigten, indem sie langärmelige oder hochgeschlossene Oberteile darunter trugen – auf der anderen Seite die Pin-Up-Looks der 40er und 50er Jahre… obwohl es auf dem WGT auch genügend Outfits zu sehen waren, die stark von letztgenannten Bildern inspiriert zu sein schienen oder gleich zum Fetischbereich tendierten. Da wird das Tragen solcher Kleidung während des WGTs geradezu als Normalität empfunden, während die herkömmlich gekleideten Passanten einem wie Aliens vorkommen (so viel zum Thema „was normal ist und was nicht“).

Besondere Gelegenheiten? Mittelaltermarkt, Mottoparty „Piraten“, zum Spaziergang durch Windsor, Silvesterfete mit Motto „Burlesque“… Ich kann sie locker an einer Hand abzählen, und sie alle entsprachen überhaupt nicht meinem „normalen“ Alltag. „Channel This!“ böte nun wiederum eine Möglichkeit, mich wieder schnüren zu lassen. Und wenn, dann eher so, wie ich es bei mamamachtsachen gelesen habe: „Bei der Bilderrecherche stellte ich fest, daß ich sie fast noch umwerfender finde, wenn die Retro-Pin-up-Ästhetik einer gewissen Relaxedheit weicht, aber der grundlegenden Vorstellung, daß Ausstrahlung, Allüre, Glamour etwas ist, was “mach-bar” ist, keine mytische Qualität, die Frau hat oder nicht, finde ich sehr spannend“

Die Idee hat was. Nur: Wie definiere ich für mich Glamour? Vielleicht wirklich nicht unbedingt wie ein Pin-up-Girl; das wäre nicht meine Welt. Hm. Aber wenn ich die Blicke durchs Zimmer schweifen lasse und überlege, welche Accessoires sich im Schrank befinden, würde meine Wahl wohl auf einen schwarz-weißen Hut, ein weißes Kostüm, dazu passende Handschuhe, Strümpfe mit Naht und Pumps fallen – das passende Drunter dürfe sich mit Leichtigkeit finden lassen.

… to be continued …

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