24.04.15 : Spring Style Along – on the verge of sewing

Was, glauben Sie, ist Ihre größte Schwäche?“, hieß es einmal in einem internen Bewerbungsgespräch, bei dem ich gnadenlos durchgerasselt bin. Damals war ich mit den Gedanken nicht ganz bei der Sache und antwortete das Erstbeste, was mir in den Sinn kam. „Dass bei mir Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht“ ? – Heute würde ich eher mit „Ungeduld“ antworten oder „dass ich aufpassen muss, mich vor lauter Eifer zu verzetteln“… Ach, stimmt ja, den letzten Punkt hatte ich in dem Gespräch auch erwähnt. Na ja, macht nichts; bekanntlich ist ja kein Meister vom Himmel gefallen. Und schon gar nicht, wenn es um geliebte Hobbys geht.

Worauf ich mit meiner langen und umständlichen Vorrede hinaus will? Auf die Tatsache, dass ich am Wochenende mit großer Wahrscheinlichkeit andere Dinge tun werde, als mein angefangenes und liegengelassenes Oberteil beim nächsten Schritt des Spring Style Along von mamamachtsachen und Marjakatz zu präsentieren. Das Thema des kommenden Sonntags lautet zwar „26.04. : On the verge of sewing“,und zwar hier. Im Prinzip finde ich mich darin auch wieder – denn schließlich heißt es

Der Zuschnitt ist gemacht, bald kann es losgehen. Ich habe schon eine kleine Garderobe aus geliebten Stücken zusammengestellt. Die ersten Stücke sind gefunden, jetzt schnell das Hauptthema!“

– was ich nur bestätigen kann, denn ich habe tatsächlich eine Grundgarderobe, die von meinem anvisierten ersten Shirt vervollständigt werden soll. Aber irgendwie wurmte es mich schon die ganze Zeit, ein Stück Stoff (auch wenn es nicht das hübscheste ist) an ein Probeteil zu verschwenden, das im Verborgenen vor sich hin gammelt. Nennt mich geizig, aber mir widerstrebt es, auf der einen Seite etwas von Nachhaltigkeit und der Verwendung qualitativ hochwertiger Stoffe zu faseln und dann auf der anderen Seite massenhaft billigen Tünnef für nichts und wieder nichts zu verbraten, was den Grundgedanken der Nachhaltigkeit ad absurdum führt. Ich bitte darum, mir den Gebrauch dieses vielstrapazierten Begriffs nachzusehen – mir fällt grad nichts passenderes ein, um den Gedanken, der mich die ganze Zeit schon kirre macht, in Worte zu fassen.

Jetzt, wo das Teil schon mal auf der Puppe war, so unversäubert, brachte ich es dann doch nicht übers Herz, es in der Finsternis meines Nähkellers hängen zu lassen, und so ließ ich mich vom Glotzophon berieseln, während ich alle Säume nach innen umschlug, diese dann von Hand festnähte und zum Schluß mit hoher Temperatur so zurechtbügelte, dass eine schöne Kante zurückblieb. Nun ist das Teil doch noch anziehfertig, und ein Teil meines Outfits liegt schon bereit und wartet darauf, dass ich hineinschlüpfe.

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Ob der Pulli, den meine Freundin für mich gestrickt hat, ohne mich vorher zu vermessen, farblich auch dazu passt, werde ich sehen. Eins hat meine Freundin aber super hinbekommen: Der Pullover sitzt wie angegossen.

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Da es heute früh noch sehr frisch ist, ziehe ich ihn auf dem Weg zum Zug übers Top. Mit Fotos von anderen Teilen meiner Garderobe für den Spring Style Along werde ich nach und nach aufwarten. Bis zum 3. Mai habe ich dann Zeit, mir auch über noch dazu passende Accessoires Gedanken zu machen – hier dann doch noch mal der restliche Zeitplan:

3.05. – Marja: It’s all about glitter – die Accessoires!

Eine Elster hat immer einen passenden Ring parat – mein Schmuck zum Outfit. Nach dem Zuschnitt kann ich noch eine Stola aus den Resten nähen. Während ich die ersten einfachen Nähte gemacht habe, überlege ich, was ich Passendes kombinieren könnte. Sie stand lange bei Muttern – aber diese Tasche passt perfekt zu meinem Spring Style!

10.05. – Alex: Being on the needle I

Das Nähen geht in die intensive Phase. Ich habe schon zwei Kleider genäht, jetzt kommen noch die Shorts und Oberteile. Ich stehe vor einem technischen Problem und brauche Hilfe!

17.05. – Marja: Being on the needle II

Ich nähere mich dem Ende des Nähens. Wo brauche ich Hilfe? Wem kann ich helfen? Kurze Rekapitulation: Was habe ich bisher geschafft und was möchte ich noch schaffen?

24.05. – Alex: Being on the needle III

Nur noch die Biesen, ich brauche nur noch die Biesen! Es ist nur ein kleines Detail, aber ich will es perfekt! Nach zwei Röcken und fünf Oberteilen geht mir langsam die Puste aus. Mit Nähen bin ich durch – nun widme ich mich noch kleineren Projekten.

7.06. – Marja: Finale

Fertig! Yeah! Präsentation und Sektempfang!

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Da ich nicht so der Schmucktyp bin, richte ich mein Augenmerk dann eher auf einen schönen Gürtel oder eine Uhr, obwohl ich auch Armbanduhren eher seltener trage. Manchmal nervt mich das Gebamsel am Handgelenk einfach nur, und da sowohl mein Handy als Chronometer für unterwegs dient als auch PC und Telefon im Büro die korrekte Zeit anzeigen, besteht für einen zusätzlichen mobilen Zeitmesser bei mir keine Notwendigkeit.

Taschen und Schuhe? Besitze ich auch gar nicht so viel, wie man vielleicht meinen könnte. Aber wer weiß? Am 25. April findet in Frankfurt und Offenbach erneut die Nacht der Museen statt, und diesmal beehre ich das Ledermuseum in Offenbach mit einem Besuch. Das kann ich bequem zu Fuß erreichen und dort in Ruhe eine Kleinigkeit trinken, bevor ich mir die bis zum 28. Juni 2015 verlängerte Ausstellung „Taschen!“ anschaue und den Täschnerinnen bei der Herstellung über die Schultern schaue („19 – 24 Uhr … Handnaht, Flechtnaht und Vergoldung“)

Bild (Ulrich Czerny: Handnaht) – Quelle: http://www.ledermuseum.de/DLM/progr-bilder/handnaht.jpg

Auf seiner Homepage verkündet das Ledermuseum: „Vielleicht entdecken Sie in der Ausstellung (und in der Boutique, gleich zum Mitnehmen) ja DAS eine Stück, das Sie Ihren Enkelkindern noch vererben möchten. Jedenfalls stehen Tradition und Qualität hier als Synonym für Langlebigkeit – sprich: Nachhaltigkeit.“ (Quelle: http://www.ledermuseum.de/DLM/frames_d/hfr_01_d.html)

Darauf bin ich schon richtig gespannt. Und am Sonntag fahre ich dann in den schönen Odenwald, wo mein Mann für fünf Wochen in der Rehaklinik residieren wird. Das werden fünf lange Wochen, in denen ich die Abende allein verbringen werde. Vielleicht schafft es die neue Nähmaschine, mir Langeweile und ungute Gedanken auszutreiben.

For the birds

Warum sich über den Bahnstreik ärgern, wenn der Abend zum Schluß doch noch etwas schönes bereithält? Diese Frage stellte ich mir vor wenigen Augenblicken, als ich nach zwei Stunden quer durch die Tarifgebiete des RMV mit S-Bahn, Bus und einem Abstecher zu meiner Hausbank am anderen Ende der Stadt aus dem Bus stieg und die letzten Meter bis zu meiner Haustür zurücklegte.

Aufgeregtes Piepsen aus einem Vorgarten zu meiner rechten; ich blieb stehen, um dem Geräusch besser nachgehen zu können, und da sah ich es. Ein Amselpärchen, das sich rührend der Fütterung seines Nachwuchses widmete. Die roten Beeren, die das Männchen im Schnabel hielt, waren aber auch zu verlockend für das kleine Kerlchen.

Leider musste ich diesen Schauplatz innigster Harmonie verlassen, bevor diese Familie mich witterte und der Kleine gar nicht mehr zu seinem abendlichen Schmaus käme. Aber ich werde nachher meinem Schatz davon berichten; vielleicht muntert diese kleine Geschichte ihn ein wenig auf.

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