10.05.2015 Being on the needle I

Und weiter geht’s im wöchentlichen Wechsel beim Spring Style Along, diesmal bei Alex, mit dem Resümee bzw. Zwischenstand:

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Das hen geht in die intensive Phase. Ich habe schon zwei Kleider genäht, jetzt kommen noch die Shorts und Oberteile. Ich stehe vor einem technischen Problem und brauche Hilfe!“

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Intensive Phase? Mal überlegen, was ich denn bisher geschafft habe: Wäre ich pingelig, könnte ich jetzt mit vier Tops angeben. Doch zwei davon sind Probeteile, das Top „Fauve“ und das Top „Harley“ – beides aus zwei unterschiedlichen Ausgaben des Magazins „La Maison Victor“; das zweite Top „Harley“ ist tatsächlich das, was ich angestrebt habe, und zwar aus dem Stoff meiner Träume; und heute habe ich noch ein „Harley“ genäht. Es reizte mich einfach, den Schnitt an einem komplett unelastischen Stoff auszuprobieren, und so stückelte ich die Reste, die von meinem Tartanmantel übrig geblieben sind, nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ zusammen. Auf pinterest habe ich dieses Bild gefunden, das mich wahrscheinlch dahingehend beeinflußt hat: ein asymmetrisches Tartankorsett.

 

Sieht cool aus, aber mein Ergebnis ist noch meilenweit entfernt von solcher Schneiderkunst. Und ganz glücklich bin ich damit auch nicht, aber Versuch macht kluch Na ja, ich glaube, der Schnitt ist für einen dehnbaren Stoff besser geeignet. Ändern kann ich immer noch, wenn ich dazu in Stimmung bin. Es wäre auch klüger gewesen, vor dem Zuschneiden darauf zu achten, wie die Karos verlaufen. Was mir bei meinem Mantel gut gelungen ist, ging hier leider daneben, weil mangels Stoffmenge ein Anlegen des Vorder- und Rückenteils im Stoffbruch nicht möglich war. Beim Vorderteil musste ich außerdem noch einen drei Zentimeter breiten Längsstreifen einfügen, aber da stoßen die Karos halbwegs stimmig aufeinander. Beim Rücken habe ich leider entlang der Mittelnaht einen ziemlich großen Versatz. Was soll’s – wenn ich ’nen Blazer oder eine Strickjacke drüber trage, sieht das kein Schwein mehr.

Was war, ist jetzt abgehakt. Nun zu dem, was ich noch vorhabe.

Mit zwei tragbaren Tops allein bin ich meinem Ziel noch nicht wirklich nähergekommen. Ich hätte gerne noch mindestens ein Oberteil und zwei Blusen. Die passenden Modelle schweben mir auch schon vor. Aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne noch ein Kleid. Auch dafür habe ich schon vorgewaschenen Stoff und ein Schnittmuster.

Diese Stoffe sind gedacht für zwei Oberteile aus der burda style.

010 Nachzügler 005 Muster

Am Meer – April 2015

African Dream – Mai 2015

Und wenn ich noch Zeit habe (ansonsten später in diesem Jahr) ein Kleid, das ich neulich beim Stöbern in meiner Schnittmustersammlung gefunden habe, und zwar aus der burda style aus dem März 2008. Irgendwo habe ich gelesen, dass das Hochzeitskleid von Wallis Simpson ganz ähnlich ausgesehen haben soll, wenn es auch bodenlang war. Eine Bildersuche auf Google führt leider nur zu sehr kleinen Fotos. Bei Burda sieht das dann so aus – und in der Märzausgabe von 2008 zeigt das Nähjournal das dann aber so an.

 

Damals habe ich daran beharrlich vorbeigeblättert, weil mir die anderen Modelle in dem Heft, darunter die spacig wirkenden Modelle aus silbernem Glanzstoff, viel spektakulärer vorkamen. Blümchenmuster waren so überhaupt nicht mein Ding. Aber jetzt, sieben Jahre später, finde ich das Kleid richtig schön und kann es mir aus einem anderen Stoff an mir gut vorstellen. Da mir außerdem meine Kombination aus Top „Fauve“ und Mord-auf-dem-Golfplatz-Rock als Cocktail-Dress doch nicht so gut gefällt, bin ich auf die Idee gekommen, dieses von Wallis Simpson inspirierte Kleid zunächst als Probekleid aus im Keller schlummernden einem gestreiften Baumwollstoff zu nähen, danach aus dem Stoff, den ich mir im Januar in Verl gekauft habe  (auf dem Foto ist der der oberste auf dem Stoffstapel und wird durch ein Klebeetikett verunziert), und schließlich aus dem grünem Satin, der für mein Cocktailkleid für „Nix für Lemminge“ bestimmt war und nun auch schon seit fast einem halben Jahr auf seine Erweckung wartet.

025 Stoffstapel

Bleiben noch technische Fragen offen. Ich glaube, die größten Schwierigkeiten habe ich immer noch mit dem Einnähen eines nahtverdeckten Reißverschlusses, den ich zum Glück bisher noch nicht gebraucht habe – aber man kann nie wissen… Das andere technische Problem, das ich habe, liegt weniger in mir noch fehlenden Nähkünsten, sondern in der praktischen Einfädelhilfe, die mich bei der Vorführung der Maschine beeindruckt hat und die mit ein Grund für den Kauf dieser Maschine. Aber als sie dann vor mir stand, war ich so ratlos wie der Ochs vorm Berg. Auch Videos auf youtube haben mir da nicht weitergeholfen. Na gut, dann fädele ich eben weiter von Hand ein. Das kostet leider Zeit, aber ich will ja noch nähen.

Zum Thema Zeit – hier nochmal in Kürze die restlichen Termine:

17.05. – Marja: Being on the needle II

Ich nähere mich dem Ende des Nähens. Wo brauche ich Hilfe? Wem kann ich helfen? Kurze Rekapitulation: Was habe ich bisher geschafft und was möchte ich noch schaffen?

24.05. – Alex: Being on the needle III

Nur noch die Biesen, ich brauche nur noch die Biesen! Es ist nur ein kleines Detail, aber ich will es perfekt! Nach zwei Röcken und fünf Oberteilen geht mir langsam die Puste aus.

Mit Nähen bin ich durch – nun widme ich mich noch kleineren Projekten.

7.06. – Marja: Finale

Fertig! Yeah! Präsentation und Sektempfang!

Mein Glotzophon und ich : eine textile Zeitreise

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Schöner bügeln mit der Bügel-App.

So könnte ich mein Programm bezeichnen, das ich gerade absolviere: Einkaufen, kochen, backen, nähen – zwischendurch bügeln, während dabei der Fernseher läuft. Sender, die nicht viel Gehirnschmalz bieten, sind dafür ideal. Früher hatte ich dabei Talkshows, Musiksendungen oder Sendungen wie Shopping Queen laufen, aber das wurde mir irgendwann dann doch zu seicht. Ob da der Sender Sixx die gehaltvollere Alternative ist, weiß ich noch nicht; im Moment habe ich eine Sendung auf der Mattscheibe, in der aus alter Kleidung neue entsteht. Klamottenrecycling in the UK –

Vintage – aus alt mach neu

Im Grunde eine Voher-Nachher-Show, werden hier auch Tips und Tricks gezeigt, wie man Textilien verändern kann. Färben wäre meine erste Wahl gewesen. Wie der Ombré-Effekt entsteht, ist für mich dagegen mal etwas völlig neues, und ich bin erstaunt, dass auch Mischgewebe mit Kunstfaseranteil zum Färben geeignet ist. Die Faben werden halt nur nicht ganz so intensiv wie auf reinen Naturfasern. Als absoluten Clou wurden die letzten Reste des Färbepulvers auf den noch nassen Stoff gestreut und mit dem Fön fixiert, und schon war das gute Stück gesprenkelt. Ob ich das mal ausprobiere? Wäre eine nette Stoffspielerei.

Aber was können die Schneider in ihrer Werkstatt denn noch so? Eine Teilnehmerin (beinahe hätte ich Versuchskaninchen gesagt) bringt ein unförmiges Schottenkaro-Jackett aus den 80er Jahren vorbei, das sie in einem Second-Hand-Laden gekauft hat und gehofft, sie würde darin umwerfend aussehen und nicht wie Maggie Thatcher zu Beginn ihrer Karriere. Aber… Oh! My! Gosh! — Ihr fleißigen Schneiderlein, thank you so much! Jetzt kann sie sich darüber freuen, dass ihr gekürzter und auf Taille gebrachter Schottenklotz zwar immer noch sanft den Charme der 80er versprüht, sie sich aber darin nun 25 Kilo leichter fühlt.

Und eine andere darf die Erfahrung machen dass Vintage kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt in Richtung Coolness und Nachhaltigkeit ist. Diese junge Dame shoppt am liebsten die neuen High-Street-Fashion-Trends, findet es aber doof, dass sie damit aussieht wie hundert andere Leute, wo sie doch so gerne aus der Masse heraussticht. Second-Hand-Läden meidet sie wie die Pest, weil sie das Gefühl hat, die dort angebotene Kleidung sei schmutzig oder stinke gar. Für die Moderatorin ist es ein hartes Stück Arbeit, sie davon zu überzeugen, dass gerade im Second-Hand-Laden coole Unikate zu finden sind und die Sachen hygienisch einwandfrei sind. Und dort kauft sie dann einen Lederrock und eine Clutch, beides aus den 70ern und ergänzt durch umgearbeitete Sachen aus dem überquellenden Fundus der Kandidatin. „Ist keiner drin gestorben, keine Sorgen“ – Ha Ha Ha.

Und nun noch das Kleid ihrer Oma, das ein Schneider umgearbeitet hat. Aus den 80ern ins heute. Mit gekürztem Rock, Schößchen und Oversized Ärmeln. „It’s Gorgeous, und viel besser als von der Stange.“ Ja, so kann Vintage sein. Hoffentlich haben sie sich und der Kandidatin keinen Bärendienst erwiesen und das Zeug verschwindet zwischen all den vielen Sachen, die sie dicht an dicht im Schrank hortet.

Ich denke, wenn es die Sendung öfters gibt, werde ich sie wieder schauen, zumal sich die Anzahl der Werbepausen sehr stark in Grenzen hält: Während der einen Stunde, die die Sendung gedauert hat, konnte ich in der einzigen Werbepause in aller Ruhe Wäsche aufhängen, und das ist doch auch schon was.

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Vintage – aus alt mach neu“ läuft Samstags von 14:35 bis 15:35 auf sixx.