Mein Glotzophon und ich : eine textile Zeitreise

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Schöner bügeln mit der Bügel-App.

So könnte ich mein Programm bezeichnen, das ich gerade absolviere: Einkaufen, kochen, backen, nähen – zwischendurch bügeln, während dabei der Fernseher läuft. Sender, die nicht viel Gehirnschmalz bieten, sind dafür ideal. Früher hatte ich dabei Talkshows, Musiksendungen oder Sendungen wie Shopping Queen laufen, aber das wurde mir irgendwann dann doch zu seicht. Ob da der Sender Sixx die gehaltvollere Alternative ist, weiß ich noch nicht; im Moment habe ich eine Sendung auf der Mattscheibe, in der aus alter Kleidung neue entsteht. Klamottenrecycling in the UK –

Vintage – aus alt mach neu

Im Grunde eine Voher-Nachher-Show, werden hier auch Tips und Tricks gezeigt, wie man Textilien verändern kann. Färben wäre meine erste Wahl gewesen. Wie der Ombré-Effekt entsteht, ist für mich dagegen mal etwas völlig neues, und ich bin erstaunt, dass auch Mischgewebe mit Kunstfaseranteil zum Färben geeignet ist. Die Faben werden halt nur nicht ganz so intensiv wie auf reinen Naturfasern. Als absoluten Clou wurden die letzten Reste des Färbepulvers auf den noch nassen Stoff gestreut und mit dem Fön fixiert, und schon war das gute Stück gesprenkelt. Ob ich das mal ausprobiere? Wäre eine nette Stoffspielerei.

Aber was können die Schneider in ihrer Werkstatt denn noch so? Eine Teilnehmerin (beinahe hätte ich Versuchskaninchen gesagt) bringt ein unförmiges Schottenkaro-Jackett aus den 80er Jahren vorbei, das sie in einem Second-Hand-Laden gekauft hat und gehofft, sie würde darin umwerfend aussehen und nicht wie Maggie Thatcher zu Beginn ihrer Karriere. Aber… Oh! My! Gosh! — Ihr fleißigen Schneiderlein, thank you so much! Jetzt kann sie sich darüber freuen, dass ihr gekürzter und auf Taille gebrachter Schottenklotz zwar immer noch sanft den Charme der 80er versprüht, sie sich aber darin nun 25 Kilo leichter fühlt.

Und eine andere darf die Erfahrung machen dass Vintage kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt in Richtung Coolness und Nachhaltigkeit ist. Diese junge Dame shoppt am liebsten die neuen High-Street-Fashion-Trends, findet es aber doof, dass sie damit aussieht wie hundert andere Leute, wo sie doch so gerne aus der Masse heraussticht. Second-Hand-Läden meidet sie wie die Pest, weil sie das Gefühl hat, die dort angebotene Kleidung sei schmutzig oder stinke gar. Für die Moderatorin ist es ein hartes Stück Arbeit, sie davon zu überzeugen, dass gerade im Second-Hand-Laden coole Unikate zu finden sind und die Sachen hygienisch einwandfrei sind. Und dort kauft sie dann einen Lederrock und eine Clutch, beides aus den 70ern und ergänzt durch umgearbeitete Sachen aus dem überquellenden Fundus der Kandidatin. „Ist keiner drin gestorben, keine Sorgen“ – Ha Ha Ha.

Und nun noch das Kleid ihrer Oma, das ein Schneider umgearbeitet hat. Aus den 80ern ins heute. Mit gekürztem Rock, Schößchen und Oversized Ärmeln. „It’s Gorgeous, und viel besser als von der Stange.“ Ja, so kann Vintage sein. Hoffentlich haben sie sich und der Kandidatin keinen Bärendienst erwiesen und das Zeug verschwindet zwischen all den vielen Sachen, die sie dicht an dicht im Schrank hortet.

Ich denke, wenn es die Sendung öfters gibt, werde ich sie wieder schauen, zumal sich die Anzahl der Werbepausen sehr stark in Grenzen hält: Während der einen Stunde, die die Sendung gedauert hat, konnte ich in der einzigen Werbepause in aller Ruhe Wäsche aufhängen, und das ist doch auch schon was.

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Vintage – aus alt mach neu“ läuft Samstags von 14:35 bis 15:35 auf sixx.

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