Wenn ich morgen übernächtigt bin …

… dann könnte es daran liegen, dass ich seit ein paar Stunden einen Vogel hab‘. Einen jungen Mauersegler, um genau zu sein, der anscheinend aus dem Nest gefallen ist. Wie lange er auf der Erde im Schatten schon saß, das weiß ich nicht, denn ich wurde erst durch meinen Schwager auf ihn aufmerksam, der verkündete, das Vögelchen sei schon am Nachmittag dort gewesen, sei aber wahrscheinlich noch nicht tot.

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Huch! Zuerst einmal habe ich das kleine Kerlchen ins kühle Badezimmer im ersten Stock gebracht, dann holte ich mir telefonisch Rat in der Mauerseglerklinik, die aber selbst schon aus allen Nähten platzt und keine Tiere mehr annimmt, weil eine Frau dort sich um 250 Tiere kümmert, die alle von Hand aufgepäppelt werden müssen. Sie gab mir aber eine andere Telefonnummer von einer Dame, die selbst aber auch keine Vögel aufnehmen kann, weil sie sich gerade um 174 Fledermäuse kümmern muss. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich selbst um die Aufzucht zu kümmern.

Autsch! Als ob ich eine Ahnung von Vogelpflege hätte. Das einzige, was mir spontan einfiel, war: dem Tierchen mit einer Pipette Wasser einzuflößen (es schlabberte auch ganz gierig nach dem kühlen Naß), es in einem Schuhkarton auf ein weiches Tuch zu betten und einen nassen Waschlappen mit hinein zu legen, damit das Vögelchen nicht austrocknet. Jetzt steht die zugedeckte Schachtel im dunklen Bad, wo der Patient Nachtruhe halten darf, bevor ich mich um halb sechs aus dem Bett hieve, um ihn mit Eiweiß vom hartgekochten Ei zu füttern. Danach ist Heimchenkaufen angesagt, die Insekten schockfrosten und bei Bedarf (alle zwei Stunden) so ca. fünf Krabbeltiere von Köpfen und Beinen zu befreien und im warmen Wasser aufzutauen. Yippie-yeah. Ach ja, die nette Dame mit den Fledermäusen werden wir morgen besuchen, damit sie sich den Vogel wenigstens noch anschauen kann – dann erfahren wir auch, wie lange wir den kleinen Segler aufpäppeln dürfen.

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PS: Die Segler, die unter unserem Dach überm Badezimmer hausen, sind seit Beginn der Dunkelheit so ungewohnt unruhig. Ob sie spüren, dass einer fehlt? Zu gerne würde ich ihn in sein Nest zurückbefördern. Doch erstens kann ich nicht sagen, wo genau das ist und zweitens (wenn es da ist, wo ich es vermute) bin ich nicht gelenkig genug, an der Fassade hochzuklettern und den Vogel durch die Luke zwischen Dachziegeln und Regenrinne in sein Nest zurückzulegen,

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