Kunst & Kultur : warum ich meine NaBloPoMo-Beiträge # 24 bis #26 verschoben habe

Tage der Industriekultur Rhein-Main“ am Freitag, den 24.7.2015 – von 17:00 Uhr bis 19:30 Uhr „Globalisierung zum Anfassen – die Otto-Hahn-Straße in Sprendlingen“ – das Thema der Veranstaltung lautete: „Die Otto-Hahn-Straße in Dreieich – ein Textil-Mekka aus kleinen Modeläden mit billiger Kleidung aus Asien. Wie wirkt sich die Globalisierung hier aus? Welche Wege haben die Arbeiter und die angebotenen Waren hinter sich? Wie soll sich das Gebiet weiter entwickeln? Was hat billige Mode mit Design zu tun? Das erfahren die Teilnehmer beim 90minütigen Spaziergang und der anschließenden Diskussion mit Ortsansässigen und Experten.“

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Diese Veranstaltung im Rahmen der Tage der Industriekultur Rhein-Main (19. bis 26.7.) war die zweite, die mein Mann und ich besuchen wollten und tatsächlich auch stattfand. Die erste war zu unserer Enttäuschung wegen eines Krankeitsfalles aufseiten des Veranstalters entfallen, und deshalb freuten wir uns umso mehr, dass wenigstens diese zustande kam. Ich hatte mir sogar schon Fragen überlegt, die ich bei der angekündigten Diskussion stellen würde, z.B. welcher logsitische Aufwand mit dem im Internet getätigten Kauf der von dort stammenden Textilien verbunden ist. Ich hatte eine Veranstaltung mit dem Schwerpunkt auf sogenannter Fast Fashion und den globalen Auswirkungen auf die hier ansässigen Betriebe erwartet, bekam aber etwas ganz anderes, das nicht minder spannend war.

Den Auftakt bildete ein halbstündiger Vortrag eines Professors, der über die norditalienische Stadt Prato, die vor den Toren von Florenz liegt, publiziert hatte. In Prato befinden sich zwar immer noch die Tuchmacher, deren Stoffe im hochpreisigen Segment zu finden sind, aber seit dem Niedergang der italienischen Textilindustrie liegt die Herstellung von billiger Kleidung fast ausschließlich in chinesischer Hand: von 5000 chinesischen Betrieben sind 3700 Textilhersteller. Und noch eine Zahl: von 250.000 Einwohnern sind (offiziell gemeldet) 50.000 Chinesen.

Mode, frisch von den Laufstegen der Alta Moda kopiert, gelangt so wesentlich schneller in den Verkauf als wenn sie in China hergestellt und per Containerschiff hierher gebracht werden würde – und kann das Prädikat „Made in Italy“ tragen. Da bekommt der Begriff „Fast Fashion“ noch eine weitere Facette hinzu.

Hergestellt wird die Kleidung von chinesischen Arbeitern, die bis zu 15 Stunden am Tag arbeiten und in den Betrieben schlafen und essen. Trotzdem scheinen die Arbeiter diese suboptimalen Lebens- und Arbeitsbedingungen für ein paar Jahre auf sich zu nehmen, weil sie die Aussicht haben, weitaus mehr zu verdienen als in China, wo ähnliche oder gleiche Bedingungen auf sie warten. Western Union ist in Prato sehr wichtig, weil sie auf diesem Weg den erworbenen Reichtum auf direktem Weg nach Hause schicken können; nur leider hat es sich unter Verbrechern sehr schnell herumgesprochen, dass hier sehr viel Bargeld in den Taschen unterwegs ist, und dementprechend häufen sich Überfälle auf Chinesen am helllichten Tag. Böse Zungen reden hier von „mobilen Geldautomaten“. Auf weitere Details möchte ich nicht mehr eingehen. Das Thema „billige Textilien, Design und Globalisierung“ war für uns mit dem Gang durch das Chinese Trade Center und durch ein ähnliches Gebäude, in dem vorwiegend Läden pakistanischer Herkunft zu finden sind, so gut wie beendet.

Was folgte, war ein Einblick in Fragen und Probleme, mit denen Stadtplanungs- und -entwicklungspolitik täglich konfrontiert ist – bei einem Rundgang durch das Sprendlinger Gewerbegebiet, das ein auf den ersten Blick ein recht uneinheitliches Erscheinungsbild aufweist. Da stehen Bauten aus den Anfangstagen nach dem Zweiten Weltkrieg unweit von modernen Gebäuden; zwischendrin Architektur aus den 80er Jahren und das ein oder andere Wohnhaus (recht untypisch für ein Gewerbegebiet). Dieses Gebiet optisch ansprechender zu gestalten, ist schwieriger als Laien wie ich sich das so vorstellen. Aber nicht nur dieses Thema war für mich absolutes Neuland; so richtig überrascht war ich, als wir vor die Aufgabe gestellt wurden, den Zweck zu erfahren, zu dem die Gebäude früher genutzt wurden (Lagerhalle, KfZ-Reparaturwerkstatt, Schnellimbiss). Ziemlich abenteuerlich mutete auch so manche elektrische Installation, Bodenkonstruktion oder Außenfassade an, wie z.B. ein dreistöckiges Gebäude, bei dem nur das Erdgeschoß und der dritte Stock genutzt werden können, weil die beiden Etagen dazwischen von einer gigantischen Klimaanlage mit gewaltigen Metallrohren belegt sind.

Wie man sich die äußere Neugestaltung gewisser Bauten bei der Stadt Dreieich vorstellt, wurde uns von den Experten auf riesigen Schautafeln nach der Vorher-Nachher-Mathode gezeigt: vorher viel Beton – nachher saniert und mit viel Grün dazwischen? Gerne, aber kosten darf es nicht die Welt… und ob das „Arm-aber-sexy“-Prinzip so das richtige ist? Ich bin da skeptisch, aber ich bin ja auch kein Stadtplaner und auch kein Großhändler, der ein besonderes Augenmerk auf eine gepflegte Umgebung nahe seines Lieferanten legt.

Dennoch war es mal interessant, einen gänzlich anderen Einblick in eine mir nahezu unbekannte Materie zu gewinnen; dass wir zwischendurch mit nicht ganz so kalten Getränken gegen aufkommenden Durst und mit Gebäck zur Stärkung bei mörderischen Temperaturen von 32°C versorgt wurden, war ein Service, den ich gerne in Anspruch nahm, auch wenn mit fortschreitendem Abend die Wespen eine Party bei den Käsestangen feierten und Wasser und Säfte sich hartnäckig weigerten, ihre Temperatur zu senken. Die gekühlten Getränke (Bembel Äppelwoi und Mineralwasser), die wir uns im Anschluß bei uns zu Hause nach acht schmecken ließen, mundeten uns dann nur noch besser.

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Den National Blog Posting Month habe ich nicht vergessen, ich habe nur eine kreative Pause eingelegt. Natürlich geht es weiter, wenn ich wieder Internetzugang habe, und das wird morgen sein.

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