Mein Glotzophon und ich : Hilfe, sie haben unser Lied geklaut

Nach langen Wochen der Ödnis auf den Bildschirmen gibt es endlich wieder eine Fernsehsendung nach meinem Geschmack; weil auf keinem der 1500 Sender etwas läuft, das mich so richtig interessiert, gibt es in der Woche öfters mal einen DS9-Abend (Star Trek Deep Space Nine, für die, die nicht wissen, was das ist). Schon allein der Kostüme wegen. Aber seit gestern läuft auf vox zur Hauptsendezeit die deutsche Version von „The Great British Sewing Bee“, die gestern unter dem Titel „Geschickt eingefädelt – wer näht am besten?“ ihre Premiere hatte.

Acht Hobbyschneider und -schneiderinnen bekommen Aufgaben gestellt, wie zum Beispiel innerhalb von zweieinhalb Stunden einen „sexy Bleistiftrock“ zu nähen oder aus einem oder zwei Herrenhemden ein „partytaugliches Damenoberteil“ zu kreieren. Die Jury ermittelt pro Folge das beste Stück der Woche und ermittelt die Person, die als schlechteste der Woche das Nähatelier in Berlin verlassen muss – so lange, bis sich ein Sieger oder eine Siegerin herauskristallisiert. Zu gewinnen gibt es einen Gastaufhalt an einer renommierten Pariser Modeschule; die Schule, an der auch schon Karl Lagerfeld oder Yves Saint-Laurent studiert haben. So weit das, was dem Zuschauer erzählt wurde.

Als Fan des britischen Originals war ich natürlich gespannt, wie denn der deutsche Ableger so sein würde und habe vorher bereits jeden greifbaren Artikel und Blogbeitrag dazu verschlungen. So viel Teaser muss sein. Und als ich erfuhr, dass als Kandidatinnen zwei Nähbloggerinnen dabei sind, deren Blogs ich regelmäßig lese und schätze (crafteln.de und ellamara.de), war meine Vorfreude noch größer. Die Befürchtung, dass „Geschickt eingefädelt“ eventuell nicht mehr als eine Plattform zur (Selbst)darstellung des Herrn Kretschmer sein könnte, hatte ich übrigens von Anfang an nicht, da ich mir sicher war, dass die BBC bzw. die Produktionsfirma Tower Productions dies schon zu verhindern wissen werde.

Was für die „Sewing Bee“ das Team, bestehend aus Moderatorin Claudia Winkleman und den Juroren May Martin vom Women’s Institute & Patrick Grant (von Norton & Sons of Savile Row) ist, gibt es bei „Geschickt eingefädelt“ in ähnlicher Konstellation: Als Moderator konnte Guido Maria Kretschmer gewonnen werden, während sich die Jury aus Mode- und Stoffdesignerin Anke Müller und der Bundesvorsitzenden des Maßschneiderhandwerks, Inge Szoltysik-Sparrer zusammensetzt. So weit die ergoogelten Fakten.

Das erste, was mir auffiel, war die Musik, die mir entgegenschallte… Oh, die Instrumentalversion eines Lieds von Florence & The Machine – später dann als Untermalung Musik, die der des britischen Originals ähnelte. Man ahnt es wahrscheinlich schon, aber ich ertappte mich dabei, wie ich fortwährend Vergleiche zur Sewing Bee zog. Dass die Sendung wegen der Vorstellungsrunde länger als nur eine Stunde dauern würde, war zu erwarten, dass es am Ende „nur“ zwei statt drei Aufgaben wurden, ist auch kein Beinbruch. Was mir jedoch fehlte, war der kurze filmische Exkurs in die Geschichte des Schneiderns – bei der „Sewing Bee“ gab es immer ein historisches Thema, das in wenigen Minuten behandelt wurde. Vielleicht kommt es ja noch, bleiben wir mal dran.

Was mir jedoch absolut nicht fehlt, ist die hektische und mir unsympathische Art der Moderation. Nein, ich brauche keine Claudia Winkleman, die mit der imaginären Stoppuhr laut kreischend verkündet: „30 minutes left“ – da ist mir die ruhige Art des Herrn Kretschmer um einiges lieber. Jetzt harre ich mit Spannung der nächsten Folge und hoffe, dass vox sämtliche Folgen ausstrahlt. Bei Privatsendern weiß man ja nie (ich erinnere mich mit Schaudern an Pro7, die von jetzt auf gleich „Sleepy Hollow“ aus dem Programm kickte, wegen mangelnder Einschaltquoten – oder Doctor Who so ungünstig plazierte, dass allein schon deswegen nicht genügend Zuschauer zusammenkamen und der Sender so einen Vorwand hatte, die Sendung abzusetzen). Bei all den Krawallsendungen würde ich „Geschickt eingefädelt“ als Fels in der Brandung eine komplette Ausstrahlung bis zum Ende wünschen.

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(„Geschickt eingefädelt“ gibt es noch fünfmal, jeden Dienstagabend um 20:15 Uhr auf vox)

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4 Kommentare zu “Mein Glotzophon und ich : Hilfe, sie haben unser Lied geklaut

  1. Ich muss sagen ich fand es auch nett anzusehen. Auch wenn ich die dritte Aufgabe vermisst habe 😉 Ich hoffe das kommt noch…
    Ich bleibe jedenfalls dabei.
    Liebe Grüße, Lena

  2. Ich fand es auch NETT, mehr aber auch nicht. Mir fehlten die kleinen historischen Überblicke auch, besonders aber die Maß-Schneider-Aufgabe. Das GBSB hat mich immer hochmotiviert zum Nähen zurückgelassen, vermutlich, weil doch mehr nähen gezeigt wurde und auch alles besser kommentiert wurde. Hast Du schon Lucy Nahtzugabes Analyse gelesen? Sehr zu empfehlen. Frau Winkelmann fand ich übrigens sympahtisch, und die Zeitansagen haben eindeutig die Spannung erhöht.
    Viele Grüße, Stefanie

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