Bevor sie ganz verschwunden sind : Handwerksbetriebe in Offenbach

Leider verschwinden sie mehr und mehr aus unseren Städten: Handwerksbetriebe wie z.B. der Bäcker oder der Metzger an der Ecke (und die damit verbundenen baulichen Gegebenheiten); ich erinnere mich noch gut an das Haus, in dem ich zweiundzwanzig Jahre gewohnt habe und in dem es auch eine Bäckerei, samt Backstube, Warenlager und Verkaufsraum gab. Den Verkaufsraum zierten Wandmalereien, und das Konfekt wurde in gläsernen Vitrinen präsentiert, aus denen es mit einer silbern glänzenden Zange herausgenommen und liebevoll verpackt wurde. Die Bäckerei ist schon lange Vergangenheit, und mit ihr gegangen sind auch die Wandmalereien – bald darauf hielt ein Geschäft nach dem anderen hielt nur für kurze Zeit Einzug in jenen Räumen. Zurück blieben weiße Wände und eine nichtssagende Fassade, die keinen Rückschluß mehr auf das gibt, was einst dort war.

Hätte ich nur damals meine Erinnerungen in Bildern festgehalten… so oder ähnlich haderte ich lange mit mir; auch das ist Jahre her. Heute halte ich solche Momentaufnahmen fest, wenn ich sie sehe.

Im aktuellen Fall ist es eine ehemalige Bäckerei, die entdeckt habe, als ich auf dem Weg zu meinem Zahnarzt einmal eine andere Strecke gelaufen bin als sonst. Der Name auf der Tür ist nicht identisch mit dem auf der Leuchtreklame, aber das macht nichts – Eingangstüren dieser Art sehe ich inzwischen nur noch selten, und auch bei den Leuchtreklamen sieht es nicht besser aus. Bei den immer schneller voranschreitenden Veränderungen kann es sich vermutlich keiner, der ein Geschäft gerade erst eröffnet hat, eine solch aufwendige Beschriftung leisten – wer weiß denn, ob es den Laden in einem halben Jahr an dieser Stelle überhaupt noch gibt…

Ähnliches befürchte ich für die Blumenläden, die in meiner Stadt so nach und nach ihre Pforten schließen; in dem Laden, in dem ich jahrelang meine Blumen gekauft habe, ist zwar jetzt wieder ein Blumenladen, und dort habe ich auch wirklich sehr schöne Pflanzen erstanden – leider hatte der Inhaber dieses alteingesessenen Betriebes nicht so viel Glück:

Dieses architektonische Kleinod wird bald abgerissen werden, um neuen Wohnungen zu weichen. Hier darf ich ihm noch ein letztes Mal huldigen.

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2 Kommentare zu “

  1. *Seufz
    Aus der Kategorie: Als der Handel individuell und menschlich war.
    Ich durfte die Zeit der Tante Emma-, Krams-, Haushalts,- Schreibwaren und Spielzeugläden noch miterleben. Klinkerf-Fliesenwände, verschachtelte Innenräume und große Schaufenster mit Messingrahmen. Ich liebe das ehemalige , so typische Tankstellendesign. Deine Bilder haben in wenig Kopfkino ausgelöst. Danke hierfür. 🙂

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