Luminaletagebuch : Fortsetzung

Luminale Highlight Offenbach : Die Highlights liegen im Verborgenen

Der Wetterbericht verheißt für diese Woche trockene, nicht zu kühle Abende. Was gibt es da schöneres, als mit dem Motorroller durch die Stadt zu kreuzen und bei einer Besichtigungstour zu den Offenbacher Highlights der Luminale die Kamera auszuprobieren? Laut Plan lagen im Stadtzehntrum so einige Installationen und Lichtobjekte, deren Beschreibungen so interessant geklungen hatten, dass ich schon den ganzen Montag über sehr gespannt auf sie war. Bei der letzten Luminale war ich mit leider nur unzureichendem Equipment unterwegs gewesen; deshalb griff ich diesmal wieder auf unsere manuell einstellbare Digitalkamera zurück. Es wird ja immer wieder gerne bahauptet, dass man für Belichtungen, die länger als 1/50 Sekunde dauern, unbedingt ein Stativ benötigt, um verwackelten Bildern vorzubeugen. Solche von Generation zu Generation weitergegebenen Pauschalregeln versuche ich von Zeit zu Zeit zu überprüfen, um festzustellen, wie weit es um ihre Gültigkeit im Zeitalter der digitalen Fotografie bestellt ist. Außerdem habe ich schon Aufnahmen gesehen, deren Reiz gerade in einer gewissen Unschärfe oder Verwischung lag, besonders wenn es sich um bewegte Objekte handelte.

SONY DSC

evangelische Stadtkirche

Mit Anbruch der Dunkelheit erreichten wir die Offenbacher Fußgängerzone, beschlossen dort dann, das sogenannte „Creativhaus“ mit seinem angekündigten Eukalyptusgarten auf dem Dach später zu besuchen, weil wir uns erst einmal in der Nähe des Rathauses umschauen wollten. Unser erstes Highlight vermuteten wir fäschlicherweise in einer Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite – ein Blick in unserer Faltblatt brachte uns die Gewißheit, dass wir hier falsch waren und dass die Veranstaltung, eine Lesung mit Orgelmusik, in einer Kirche hinter dem Rathaus bereits angefangen hatte. Da hinein zu platzen, fanden wir unhöflich, und so nahmen wir lieber einen Schriftzug ins Visier, der zu unserer Überraschung an der Fassade des Rathauses prangte.

SONY DSC

Offenbacher Rathaus: Enrichissez-vous! Eclairez-vous!

Hinterher habe ich dann herausbekommen, dass es sich im Offenbacher Programm um Punkt 17 handelt, genauer gesagt um einen von drei Standorten – hier der weiterführende Link dazu.

Auf dem Weg zum nächsten Highlight im Foyer der Städtischen Sparkasse an der S-Bahn-Station „Marktplatz“ waberten seltsame futuristische Klänge durch die Nacht. Zu welchem Kunstprojekt gehörte dieser Klangteppich, in den Vogelstimmen eingewebt waren? Ich fürchte, dieses Geheimnis werde ich nicht so bald lüften; was die versteckt liegende Installation „Schwarzlicht“ angeht, so reichte man uns in der Sparkasse einen Flyer, in dem die Öffnungszeiten und die voraussichtliche Dauer der Ausstellung aufgeführt sind. Wir wollten schon gehen, doch dann kam ein freundlicher Herr, der dort arbeitete, auf die Idee, uns einen kurzen Blick in die auf den ersten Blick scheinbar klaustrophobische Enge der Installation aus Papier und Licht zu werfen: ein verschachtelter Raum, schwarz gestrichen und bedruckt mit roten Grundrißzeichnungen der ehemaligen Synagoge, deren 100. Jubiläum morgen vor der Tür steht; der Boden spiegelte so stark, dass man glaubte, man würde den Boden unter den Füßen verlieren. Sollte ich die am 22. April endende Ausstellung noch einmal besuchen, nehme ich auf jeden Fall meine Kamera mit. Für heute habe ich jedenfalls noch kein Foto davon.

SONY DSC

Blick vom noch nicht fertiggestellten Dachgarten des Creativ-Hauses

Nach dieser kleinen Privatführung war noch Zeit für das Creativhaus, auf dessen Dach es zwar noch keinen Eukalyptusgarten zu sehen gab, in dessen erster Etage und im Erdgeschoß sich jedoch alles rund um den Eukalyptus drehte.

SONY DSC

Skulptur auf dem Dach

Ein Raum mit Schwarzlichtmalerei stellte mein persönliches Highlight dar –

 

– und nachdem wir genügend Zeit darin verbracht hatten, durften wir uns selbst noch kreativ betätigen, indem wir Eukalyptusblätter aus Papier individuell verzieren durften – sei es mit einem selbstgemalten Bild oder einem sinnigen Spruch. Die Damen und Herren, die dieses Projekt gestaltet haben, wählen später die schönsten Blätter aus; diese schmücken dann den Eukalyptusgarten auf dem Dach: Ein Blatt steht für eine Million Menschen auf dieser Erde – insgesamt will man bis nächstes Jahr 7300 Blätter zusammenbekommen und ein Buch über dieses Projekt herausgeben. Viel Glück!

Für einen Besuch des Ledermuseums reichte die Zeit dann nicht mehr; aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Besonders beeindruckend fand ich die Aufnahmen von Eukalyptusbäumen mit ihren wie marmoriert wirkenden Stämmen, die sich bogen, wie die Natur sie geschaffen hat – und ein Schattenbild:

 

Links das Schattenbild – rechts das Arrangement, das die Schatten wirft. Eine Schmuckdesignerin aus Idar-Oberstein, die mit Pflanzen und Gewürzen arbeitet, haben wir auch getroffen und ein anregendes Gespräch geführt. Zum Abschluß noch eine Impression aus einem in rotes Licht getauchten Raum:

SONY DSC

Wandskulptur im Creativ-Haus

 

Mit neuen Sinneseindrücken und ein paar Eukalyptusbonbons zum Mitnehmen in den Taschen fuhren wir entspannt nach Hause, mit einem kleinen Umweg über das bunt illuminierte Ledermuseum. Unterwegs sahen wir noch einen Radfahrer, der sich ein Stativ unter den Arm geklemmt hatte. Wie gut, dass ich nicht so bepackt durch die Stadt fahren musste.

Mein Fazit für diesen Abend: Wenn das die Highlights waren, dann lagen diese im Verborgenen. Aber schauen wir, ob diese Meinung noch revidiert werden kann, beim nächsten Teil der Exkursion in die Heyne-Fabrik und diverse Ateliers.

Luminaletagebuch : 13. bis 18. März 2016

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

02 Einlass

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Zu früh! Am vergangenen Samstag war unser „Zu früh!“-Tag. Wie bei jeder Luminale gibt es zum Auftakt eine Modenschau, die von der Schule für ModeGrafikDesign unter dem Motto „Leuchstoff“ veranstaltet wird. Obwohl ich in den vergangenen Jahren immer erst eine Eintrittskarte an der Abendkasse erstanden hatte, wollte ich dieses Jahr auf Nummer sichergehen und organisierte zwei Tickets zu 7,– Euro im Vorverkauf, wobei es uns anheimgestellt war, welche der beiden Shows wir damit besuchen wollten – die um 19 Uhr oder die um 20:30 Uhr. Da wir aber bereits kurz nach halb sieben dort waren, entschieden wir uns für die erste, die dann mir einiger Verspätung anfing. Fünfzig verschiedene Kostüme sollten wir zu sehen bekommen, präsentiert zu Klängen elektronischer Musik und beleuchtet von Schwarzlicht. Eine Herausforderung für jeden Fotografen. Ich kann ja nicht einmal beim Blick in eine solche Lichtquelle die Lichtquelle als solche erkennen – wie soll ich dann mit simplem Equipment bewegliche Motive in diffusem Licht so aufnehmen, dass man halbwegs noch etwas erkennen kann?

01 Modenschau

Diese Frage stelle ich mir alle zwei Jahre bei der Biennale der Lichtkultur und probiere die unterschiedlichsten Kameratypen aus. Ich hatte schon ein einfaches Schiebehandy, eine digitale Spiegelreflexkamera und eine digitale Kompaktkamera, bei der man überhaupt nichts einstellen kann, benutzt. Diesmal kamen eine Bridgekamera und ein Smartphone zum Einsatz. Natürlich hingen meine Augen nicht ununterbrochen am Display, sondern ich genoß noch ausgiebig genug die dargebotene Kunst. Zumal irgendwann im Dunkeln das Smartphone nicht mehr so funktionierte, wie ich wollte. Erst nach der eindrucksvollen Show stellten wir draußen fest, dass ich nicht nur versehentlich die Videofunktion aktiviert hatte, sondern dass das Gerät nach dem Wiedereinschalten der Fotofunktion nur noch Selfies schießen würde, was bei Dunkelheit natürlich zu keinem Ergebnis führen würde. So wurde mein Ausflug in die Experimentalfotografie leider zu früh beendet.

——————————

Zu früh waren wir auch für das eigentliche Programm, das erst am Sonntag anfing, was uns aber zunächst gar nicht auffiel, da der EVO-Turm bereits in den leuchtendsten Farben illuminiert war. Erst, als wir vor der völlig verdunkelten Heyne-Fabrik standen, erkannten wir unseren Irrtum. Schade, so war es nichts mit dem Sammeln von ersten Eindrücken.

——————————

00 Hafen2

Zu früh war es diesmal auch noch, um draußen sitzen zu können, wie vor zwei Jahren. Ach, war das lauschig unter freiem Himmel. Allerdings war es da auch schon April, und wir hatten bereits Sommerzeit, was natürlich auch bedeutete, dass es später dunkel wurde und wir entsprechend lange unterwegs waren. Vielleicht war man ja deswegen diesmal schlauer und hat diese Luminale auf einen Zeitpunkt vor der Umstellung auf Sommerzeit verlegt. Das bietet uns glücklicherweise Gelegenheit, die illuminierten Gebäude und Objekte diesmal früher am Abend bewundern zu können.

——————————

Zu früh waren wir übrigens auch am Morgen für den Besuch eines Eiscafés, das einer Verkaufsstelle für Schokolade, Pralinés und Negerküsse angeschlossen ist – in einem kleinen Ort im Landkreis, der von unserer Heimatstadt knapp 20 Kilometer entfernt liegt. Als wir mit dem Motorroller ankamen, staunten wir nicht schlecht über die herabgelassenen Jalousien und waren beruhigt, als wir erfuhren, dass wir 20 Minuten zu früh waren.

——————————

Alles in allem war es dennoch ein gelungener Tag, der mit sogar noch ein kleines Zeitfenster zum Umarbeiten meines Rocks und Zusammennähen eines Probeteils für das nächste geplante Projekt öffnete. Wie es mit der Luminale weitergeht, folgt in einem Extrabeitrag.