Unsortierte Gedanken : Weihnachtliche Musik und wie sich die Vorlieben ändern


 

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? …. vorbei?“ Nein, heute denke ich an einen lieben Menschen im Vereinigten Königreich, wo „erst heute“ Weihnachten gefeiert wird, stilecht mit aufgehängten Strümpfen für den Weihnachtsmann, Christmas Puddings, Knallbonbons und Weihnachtssingern, die von Tür zu Tür ziehen und „christmas carols“ vortragen. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, wie schön es wäre, so zu feiern, wie zu Queen Victorias Zeiten… doch diese Zeit ist lange vorbei – und heute ist heute. Herzlich willkommen in der sogenannten festive season:

O come, all ye faithful (original lat. Adeste Fideles) – 17. Jahrhundert – und Hark! The Herald Angels sing (Melodie: Felix Mendelssohn / Text: Charles Wesley / veröffentlicht 1739) sind nur zwei Beispiele für viele der schönen alten Lieder, die in der Kirche gesungen werden, und auf BBC gibt es sogar sonntags eine ganze Sendung, in der Kirchenlieder gesungen werden (Songs of praise).

Auch wenn ich nie besonders religiös war, so sind es die Lieder, die mir auf Anhieb einfallen, auch wenn auf dem Lieblingsradiosender meines Schwagers die immergleichen Klassiker wie „White Christmas“, „Santa Claus is coming to town“, „Have yourself a Merry Christmas“, „Do you hear what I hear“ u.ä. Gespielt werden (am liebsten in Dauerschleife, so dass ich gestern feststellen musste, dass mir zum ersten Mal tatächlich die zu Tode gedudelten Weihnachtshits „Last Christmas“ und „Do they know it’s Christmas“ gefehlt haben). Doch zurück zu den Christmas Carols: Von Tür zu Tür gehen bei uns die Sternsinger am 6. Januar – auf Wunsch gerne auch später – und segnen das Haus. Aber ob 24. Dezember oder 6. Januar, früher hatte Weihnachten eine andere Bedeutung für mich.

Es gab sogar Zeiten, da schmückte ich mir sogar ein kleines Bäumchen, obwohl ich alleine lebte. Beim Schmücken „Time to say good-bye“ zu hören, hatte etwas eigenartiges aber schönes. Schließlich war ja nun das Jahr fast vergangen, und nur noch wenige Tage lagen vor mir bis zum Neujahrstag. Irgendwann war dann auf einmal Neujahr der schönste Tag des Jahres für mich: Während noch alles schlief, setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee ans Fenster und schaute hinaus in die friedlich wirkende Umgebung, über der eine nach abgebrannten Böllern riechende Luft hing. „New Year’s Day“ von U2 war für eine Zeit daher mein Song für diese Zeit. Irgendwie verbinde ich mit diesem Lied immer Kälte, Sturm und Schnee und eine klaustrophobische Stimmung, die mich nicht gerade fröhlicher stimmt. Und auch bei Hurts mit ihren melancholischen Klängen, ist Weihnachten nicht das, was es für andere ist, denn warum würden sie sich sonst in All I want for Christmas is New Year’s Day“ das Neue Jahr so schnell herbeiwünschen   („everybody waits for Chrismas – for me it’s New Year’s Day. It’s gonna come and take my blues away“). Entdeckt habe ich es auf dem Blog Bette Davis left the bookshop, in dem Beitrag „Besinnliche Weihnachtslieder“.

Leider muss ich ihr da zustimmen, was das vergangene Jahr angeht, denn es ist für mich alles andere als gut verlaufen, aber ich bezweifle, dass das kommende Jahr wesentlich besser aussehen wird. Zumal wir jetzt und in Zukunft zu Hause einer weniger sind. Das passende Lied aus meiner Kindheit zu diesem traurigen Umstand habe ich auf youtube wiedergefunden: „Winter in Kanada“ von Elissa Gabbai aus dem Jahr 1966. Wenigstens fällt in diesem Jahr Weihnachten auf ein Wochenende, und ich muss nicht arbeiten; im Gegensatz zu den letzten Jahren, als ich die Wahl hatte, ob ich lieber an Heiligabend oder an Silvester ins Büro kommen wollte.

Meine Wahl war daher immer auf den Vierundzwanzigsten gefallen, denn ich wollte den Jahreswechsel lieber mit meinem Schatz verbringen. Dieses Mal ist alles anders. Den Baum samt Lichterkette habe ich selbst aufgebaut, während meine Schwester ihn geschmückt hat. Ein paar meiner Lieblingsfiguren habe ich in den Lücken untergebracht und am höchsten Punkt einen Stern aufgehängt, weil die jahrzehntealte silberne Christbaumspitze vor ein paar Jahren zu Bruch gegangen ist und wir keine mehr gefunden haben, die uns gefallen hätte.

 

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(Bildquelle:https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/564x/f2/6f/95/f26f9501befbec3edb1e5a0d12e17d4b.jpg)


Vielleicht kaufe ich fürs nächste Weihnachten eine genauso schöne. Wenn ich nur wüsste, wo… Wo es eins meiner Lieblingslieder gibt, das ich dieses Jahr noch gar nicht gehört habe (außer auf youtube), aber schon: „All I want for Christmas is you“ von Mariah Carey; dennoch habe ich mehr Spaß an der Version, die es im Film „Tatsächlich Liebe“ (Love actually) zu hören gibt, gesungen von der damals elf Jahre alten Olivia Rose Olson; am 26. Dezember auf vox.

Ein anderer „Klassiker“, der für mich in keiner Sammlung fehlen darf, ist „Fairytale of New York“, von Shane MacGowan und Kirsty MacColl (The boys from the NYPD choir were singing „Galway Bay“, and the bells were ringing out for Christmas Day).

Und wem „Last Christmas“ auf den Keks geht, für den hat die Süddeutsche Zeitung gleich mehrere Coverversionen im Angebot: Coldplay, Florence & The Machine, Matthias Reim (hä?) und Postmodern Jukebox (im Stil der Andrew Sisters)… an dieser Stelle hätte ich nun gerne wieder ein Christmas Carol, vielleicht eines aus diesem Jahrhundert, wie zum Beispiel „Mary’s Bocychild“. Die meisten werden es in der Discoversion von Boney M. Aus dem Jahr 1978 kennen. Tatsächlich ist es aber 21 Jahre älter: Es wurde 1956 von Jester Hairson geschrieben und von Harry Belafonte gesungen. Aber die Discoversion aus den Siebziger Jahren hat mir auch als Kind schon gut gefallen, obwohl das Original eher einen besinnlichen Charakter hat.

Hark now hear the angels sing
A king was born today
And man will live for evermore
Because of Christmas Day.

Hark now hear the angels sing a new king born today“ – warum muss ich an diesers Stelle wieder an „Hark! The Herald Angels sing“ denken? Somit wäre die Liste der Lieder, die für mich zu Weihnachten gehören, komplett:

O come, all ye faithful

Hark! The Herald Angels sing

All I want for Christmas is you

New Year’s Day

Winter in Kanada

Fairytale of New York

Last Christmas

Mary’s Boychild

All I want for Christmas is New Year’s Day

und zum Abschluss gönne ich mir neben den Weihnachtsspecials auf BBC (Dr Who, Black Adder und Call the Midwife) die Filme „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (wegen der romantischen Musik) und „Der kleine Lord“ (wegen Sir Alec Guiness) – schade nur, dass es kein Downton-Abbey-Weihnachtsspecial gibt.

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