Corlys Serienmittwoch # 56 : 3 Seriencharaktere für eine einsame Insel

 

Auf dem Blog von corly habe ich zum Thema „Serienmittwoch“ eine Mitmachaufgabe entdeckt, die mich reizen würde, obwohl ich den Vorläufer „3 Seriencharaktere für eine einsame Insel“ nicht kenne und bei ihm auch nicht mitgemacht habe. Mal überlegen: Welche drei Seriencharaktere würde ich mit auf eine einsame Insel nehmen? Schwer zu sagen, aber was ich definitiv nicht bräuchte, wäre eine Quasselstrippe oder ein Besserwisser, und da kommen schon mal etliche Ärzte aus „Grey’s Anatomy“ nicht in Frage. Spinnen wir den Faden mal weiter… die aktuelle Aufgabe heißt nämlich:

Serienmittwoch 56: Mitmachaufgabe: Schreib was zum Thema 3 Seriencharaktere für eine einsame Insel – Heute möchte ich, dass ihr mir dazu eine Szene oder eine Geschichte schreibt. Schreibt mir was ihr mit euren Seriencharaktere auf der Insel erlebt habt. Das kann kurz oder lang sein. Ganz wie es euch gefällt.“


Na, wenn das so ist… Let’s get happy and schreib‘ a very abenteuerlich‘ Story, die in meinem Fall dummerweise sehr, sehr lang geworden ist. Ich nenne sie …


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Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrrh! Geronimo!“ Ein wilder Schrei, scheinbar aus dem Nichts kommend, ließ mich entsetzt in die Höhe springen. Ooooouh Mann! Wer um Himmels Willen riß mich so unsanft aus dem Schlaf, den ich endlich nach meiner langen Suche nach einem Unterschlupf in dieser Einöde gefunden hatte? Ich stand vor meiner halb eingestürzten Baracke und starrte entgeistert hinunter zum Strand, der übersät war mit rauchenden Trümmern aus Metall, Glas und schwelendem, einst blauem Holz. Kaum zu glauben, dass sich hier kurz zuvor außer Steinen, Seetang und Hinterlassenschaften der Möwen nichts aufregendes befunden hatte; und nun sah es aus, wie nach dem jüngsten Gericht. Irgend etwas war abgestürzt, und ich hatte keinen Schimmer, was das wohl sein mochte. Lebenszeichen? Fehlanzeige. Oder doch nicht?

Plötzlich regtes sich etwas. Vielleicht der, der mich so unsanft geweckt hatte? Vorsichtig näherte ich mich den Holzteilen, die an einer Stelle eine Art Wall bildeten, und fasste sie näher ins Auge. Mit allem hätte ich ja gerechnet, aber nicht mit dem Krater, der sich hinter dem Wall auftat; und in diesem Krater irrte jemand stöhnend, auf allen Vieren und völlig orientierungslos umher. Hustend, schnaufend und rußbeschmiert, kam er langsam in meine Richtung gekrochen. War das eine Arbeit, bis ich ihn aus dem Krater herausgezogen hatte. Und nochmal zwei gefühlte Stunden später wußte ich dann auch endlich, wer der Schiffbrüchige war. Obwohl er strenggenommen nicht mit einem Schiff gestrandet war, und einen Doktor konnte man doch immer gebrauchen. Ein bißchen einsilbig war er ja schon, aber offensichtlich stand er noch unter Schock, nach dem Verlust, den er bei dieser Havarie erlitten hatte. „Meine Tardis, meine Tardis…“ war zunächst alles, was aus ihm herauskam.

Der einzige Überlebende eines solchen Unglücks zu sein, ist grauenhaft – ich weiß… Nur zu gut konnte ich mir vorstellen, was nun in ihm vorgehen mochte. Alles, was ich für ihn tun konnte, war ihm eine Ecke in der Baracke und etwas aus meinem Wasservorrat anzubieten, den ich seit meiner Entdeckung der kleinen Quelle angelegt hatte. Ohne diese Frischwasserversorgung hätten wir beide sicher alt ausgesehen – der Fed-Ex-Flieger, der nur kurz nach meiner Ankunft hier runtergekommen war, hatte nämlich alles mögliche geladen, aber nur kein Wasser: Konservendosen, Werkzeug, Elektronischen Schnickschnack (der erst durch den Aufprall und dann durch den Kontakt mit Wasser unbrauchbar geworden war), Sportgeräte und anderes Zeugs, das Leute eben so Online kaufen und sich liefern lassen. Einiges hatte ich ohne Mühe herausfischen können, weil ich schnell genug gewesen war. Andere Dinge, wie den altmodischen Werkzeugkoffer, hatte ich erst nach mehrmaligen Tauchgängen bergen können, und bei dem Basketball hatte die Strömung dafür gesorgt, dass er fast wie von selbst vor meinen Füßen zu liegen kam. Einen Korb hatte ich zwar nicht, aber einen Edding, und mit dem hatte ich ihm ein Gesicht aufgemalt und meinen neuen Freund „Wilson“ getauft. Blöd war nur, dass man mit Wilson nicht viel unternehmen konnte, geschweige denn eine Unterhaltung führen, aber dafür kaute er einem auch nicht das Ohr ab. Ganz einfach ein pflegeleichter, wenn auch etwas langweiliger Geselle.

Allons-y“, riß mich der Doktor aus meinen Grübeleien. Ach, wie schön, er ist zum Reden aufgelegt. Vielleicht würde ich nun erfahren, wie es kam, dass er ausgerechnet hier gelandet und was das Geheimnis der blauen Trümmer war, zwischen die ein funktionsuntüchtiges Telefon aus den Vierziger Jahren geraten war. Indes, meine Geduld wurde in den nächsten Tagen auf eine harte Probe gestellt. Nur häppchenweise bekam ich heraus, was geschehen war, und einen ganz bestimmten Teil davon durfte ich mir selbst zusammenreimen. Viel war es nicht: Er, der Doktor, war mit seiner Tardis unterwegs (wer auch immer das sein mochte) gewesen, als aus heiterem Himmel oder besser gesagt, aus irgendeiner unerforschten Ecke des Universums ein gleißend heller Blitz erschienen war, gefolgt von einem grauenvollen Geräusch, und ihm einen Blick in das Innere der Gloriole ermöglicht hatte.

In diesem einen, letzten kurzen Augenblick hatte er das erfasst, was die kommenden Ereignisse verursacht hatte, bevor sein Reisemobil von einer Kraft ungeahnten Ausmaßes gesprengt worden war und alles um ihn herum in tiefstes Nachtschwarz getaucht wurde. Was immer es auch gewesen war, es war verantwortlich für das Verschwinden seiner Tardis, und es würde ganz bestimmt wiederkommen. „Und dafür müssen wir gewappnet sein“, waren seine Worte, als sich die Schilderung seines Erlebnisses dem Ende zuneigte. „Streng genommen sind das nicht mal meine Worte, sondern die eines Gefährten, der mich einst für kurze Zeit begleitet hat. Er war immer davon überzeugt, dass sich im 21. Jahrhundert alles ändern würde, und die Menschheit gewappnet sein müsse.“ Gewappnet wofür? Für die Begegnung mit Außerirdischen? Ja, nee, is klar.

Danach wünschte ich mir, ich hätte nicht so vorschnell geurteilt. Wie man weiß, ist das Böse immer und überall, und in diesem Fall hatte der Doktor es vor seinem Zusammenstoß gesehen: gekleidet in eine schwarz-rote Uniform, über eine Konsole gebeugt und flankiert von zwei Gestalten mit spitzen Ohren. Die eine in der gleichen, wenn auch andersfarbigen Uniform, die andere, ein Typ in mittelalterlicher Lederkluft mit langen Haaren und einem Köcher mit Pfeilen auf dem Rücken. Und beide waren tatsächlich real. Von wegen Hirngespinst – wie waren die beiden bloß hierher gekommen? Schon hatten sie den Krater erreicht, und nur noch wenige Meter trennten uns voneinander. Na toll. Während der Doktor und ich unbewaffnet waren, trugen die beiden Spitzohren ein kleines Arsenal mit sich. Elektroschocker und Pfeil mit Bogen; was konnten wir dagegen schon ausrichten… Meinen Kumpel Wilson mit einem gezielten Wurf auf beide Typen abfeuern? Eine Sportskanone bin ich noch nie gewesen, und zum Totstellen war es jetzt zu spät. Andererseits… warum kramte und fummelte der Doktor plötzlich so hektisch in seinen Taschen?

Noch bevor die beiden Eindringlinge bei uns waren, hatte der Doktor schon einen Schraubenzieher gezogen und… what? Are you kidding me? – Einen Schraubenzieher: wahrlich eine tolle Waffe. Da lachen ja die Hühner. Aber das Lachen sollte mir im Halse steckenbleiben. Das Ding produzierte so einen infernalischen Lärm, dass ich mir unwillkürlich die Ohren zuhalten musste. Und damit war ich nicht allein, denn auch die Neuankömmlinge wurden vom gleichen Reflex übermannt – und somit außer Gefecht gesetzt. Denn jemand mit zwei gesunden Armen kann nur eins: Ohren zuhalten oder Waffe zücken. Wir durften noch ein Weilchen in dieser akustischen Hölle schmoren, dann schaltete der Doktor den Schallschraubenzieher, wie er das Werkzeug nannte, aus und forderte von unseren spitzohrigen Besuchern eine Erklärung über ihr Auftauchen an diesem abgelegenen Ort, nachdem er sie schon einmal gesehen hatte und danach für immer von seiner geliebten Tardis getrennt worden war. Ja, da wäre ich auch sauer gewesen, wenn man mir meinen Geliebten entreißt und verschwinden lässt, oder vielleicht noch schlimmeres.

Schlimmeres? Ja, das Rätsel sollte gelöst werden: Die Tardis war für immer verloren. Aber im Grunde saßen wir vier hier im selben Boot und auf diesem vermaledeiten Eiland im ewigen, ein halbes Jahr dauernden Sommer fest. Denn die beiden Herren waren keinesfalls der Feind, für den wir sie gehalten hatten. Der schwarz-gelb Gewandete hielt sich und seinen Kumpel, der sich Legolas nannte, für den Spielball von jemandem, mit dem er unterwegs rein zufällig zusammengestoßen und mit seinem Raumschiff quer durchs Universum katapultiert worden war . Legolas selbst war durch einen weiteren Zufall in sein Raumschiff gelangt, er wusste selbst nicht wie – und am Schluß waren sie auf der Erde gestrandet, ohne zu wissen, für wie lange. Zuvor aber hatten sie noch diesen Jemand überwältigt und ins nächste Wurmloch befördert, mit unbekanntem Ziel.

Leider war nun auch das Raumschiff fürs erste verschwunden, offenbar aber zum Glück nicht allzu fern. Nichts ist aber bekanntlich für immer, und der schwarz-gelb Uniformierte namens Tuvok war sich ganz sicher, dass sein „Kommunikator“ noch funktionierte. Mit dem sollte der Kontakt hergestellt werden, derweil Legolas die Insel auf der Suche nach jagdbarer Nahrung zu durchforsten gedachte. Im Prinzip eine gute Idee, denn ewig würden die von Fed-Ex „gesponserten“ Vorräte nicht ewig reichen, zumal wir inzwischen zu viert waren. Dumm nur, dass mir mir seit meiner Ankunft noch kein einziges Tier begegnet war, das man hätte jagen können.

Abwechslung auf dem Speiseplan? Fischfang macht’s möglich, und der „Sonic Screwdriver“ des Doktors war hilfreich beim Bau von Angeln, mit denen wir uns unserer neuen Aufgabe widmeten. Irgendwie mussten wir ja etwas Sinnvolles tun, so lange das Raumschiff auf sich warten ließ. Tag um Tag zog vorbei, und allmählich wurde unsere Lage prekär, denn obwohl wir die Baracke endlich dank der Trümmer an unserem Krater wind- und wetterfest machen konnten, wurde es nach und nach merklich kühler und die Tage nicht mehr ganz so lang. Bald schon würde die Jahreszeit nahen, in der sich die Sonne nur noch für wenige Stunden über dem Horizont zeigen würde, um für die übrige Zeit wieder zu verschwinden. Schon zeigten sich die ersten Eisschollen am Horizont, und gelegentlich tauchten kleinere Pinguinschwärme auf.

Doch noch etwas zeigte sich, und das war das, womit ich überhaupt nicht mehr gerechnet hatte. Das Raumschiff! Ein helles Leuchten, ein flirrendes Geräusch, und schon im nächsten Moment war auf dieser Insel keiner mehr von uns. Und noch etwas erschien uns wie ein Wunder. Die Tardis, sie lebte, eingebettet in ein neues Gehäuse, nachdem das alte in Form einer Police Box durch den unfreiwilligen Kontakt mit Tuvoks Raumschiff in unzählige Einzeilteile zersprengt worden war. Am Ende war sie es, die das arg lädierte Raumschiff zu uns geführt hatte; und sie würde mich am Schluß auch wieder in mein altes Leben zurückbringen. Davon war ich fest überzeugt.

The End

tardis


Dramatis personae:

ich (der Esel nennt sich immer zuerst), der Doktor (Doktor wer? – Doctor Who), der Vulkanier Tuvok (mögest du lange und glücklich leben) und Legolas (Elben haben doofe Ohren), and last but not least Wilson (mein monochromer Freund), den ich leider nicht mehr auf die Voyager mitnehmen konnte. Möge er auf dieser Insel im südlichen Atlantik den Rest seines Daseins fristen und zukünftigen Gestrandeten als Gefährte dienen. Vielleicht kommt auch ein Pinguin vorbei und adoptiert ihn als Ei.

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6 Kommentare zu “Corlys Serienmittwoch # 56 : 3 Seriencharaktere für eine einsame Insel

  1. Huhu,

    ich kenne nur Legolas denk ich, aber auf jeden Fall cool geschrieben und Wilson ist genial.

    Darf ich deine Geschichte in meiner Schreibwerkstatt verlinken?

    LG Corly

  2. Pingback: Serienmittwoch: Rückblick Januar | Corlys Lesewelt

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