Ombré in Blau und Braun


 

Farbverläufe sind was tolles. Ich habe sie schon des öfteren auf Fotos bewundert, auf denen die tollsten Schals, Pullis und Tücher zu sehen sind; nur konnte ich mir nie vorstellen, ob das auch wirklich funktioniert, wenn man fester oder lockerer strickt und für ein Strickstück mehr oder weniger Maschen braucht als in der Anleitung steht. Letzten Samstag habe ich mir dann ein Herz gefasst und mir eine solche Farbverlaufswolle zum Stricken einer verschlusslosen Jacke gekauft.

 

 

Zwar ist die im Strickmagazin abgebildete Weste aus einem ganz anderen Garn gestrickt, das den Namen „Wärmebild“ trägt, aber die ineinanderlaufenden Lilatöne gefallen mir nicht, weshalb ich mich für eine Wolle mit der Bezeichnung „Zone Aquatique“ entschieden habe. Bei der geht das Blau nach und nach in Braun über, und der Ombré-Effekt ist tatsächlich so, wie ich ihn mir vorgestellt habe.

Neulich habe ich auf dem Blog „blosslynspage“, das ich in meinen Reader aufgenommen habe, ein Bild gesehen, bei dem ich mich spontan an mein Ombrégarn erinnert gefühlt habe:

 

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(Quelle: https://blosslynspage.wordpress.com/2017/04/02/cloudy-high-road-to-glen-coe-scotland/)

 

Passen diese beiden Farben nicht wunderbar zusammen?

Es war einmal ein Wollknäuel


lila Schal aufribbeln

 

Es waren einmal ein Strang lila Garn und eine Kone Wolle, aus denen ein Schal für meinen Schatz werden sollte. Und weil sich beides in der ursprünglichen Form nicht verstricken ließen, musste der Strang zu einem Knäuel aufgewickelt werden; eine Aufgabe, bei der mir mein Schatz im letzten Sommer gerne behilflich war. Bis Ende September hatte der Schal nach fleißigem Stricken in der Freizeit und beim Pendeln von und zur Arbeitsstätte immerhin schon eine Länge von sechzig Zentimetern erreicht, doch dann kam der 6. Oktober, und ein Herzinfarkt setzte dem Leben meines geliebten Mannes ein Ende.

Nun lag er da, der angefangene Schal und das viele Material, und ich konnte einfach nicht damit weitermachen. Was für einen Sinn hätte das auch gehabt? Der Mensch, für den ich diesen Schal stricken wollte, war nicht mehr da und würde auch nie mehr zurückkehren. Aber zurückgeben wollte ich Stränge und Konen auch nicht (man hätte sie wohl auch nicht zurückgenommen). Ich tat das einzig Denkbare, das mir in dieser Situation möglich war: Die Sachen packte ich in eine Tüte und verstaute sie im hintersten Winkel des Zimmers, wo Bücher, CDs und andere nicht täglich benötigte Dinge lagern.

Einen Schal wollte ich dennoch stricken, aber nicht mit diesem Garn! Des Rätsels Lösung: Ich habe das gleiche Garn in einer anderen Farbe, in einem warmen Hellgrün gekauft; und der Schal wuchs und wuchs, teilweise auch während der Bahnfahrt zu und von der Nähnerd-Klassenfahrt, die im November in Berlin stattfand.

Vor kurzem bekam ich spontan Lust, mal wieder im Zeitschriftenregal bei den Handarbeitsmagazinen zu stöbern und fand ein Heft mit neuer Strickmode, das mein Interesse weckte. Eine Kurzarmpullover fürs Frühjahr, gestrickt mit Nadeln der Stärke 4 – das ist genau das Modell, das ich nun zu Stricken beabsichtigte. Beschlossen und getan: Den Schal hatte ich in kürzester Zeit wieder aufgezogen und mit dem Stricken begonnen. Nun wuchs der Pulli, und dem Knäuel, sorgfältig im letzten Jahr von meinem Mann gewickelt, konnte ich zusehen, wie es dabei Stück um Stück schrumpfte– bis irgendwann davon nichts mehr übrig war: auch eine Art, Abschied zu nehmen.

 

lila Schal aufgeribbelt

 

Ein Zurück gab es nicht mehr, und obwohl mich dieser Umstand melancholisch stimmte, freute ich mich aber auch irgendwie auf das Weitermachen mit den nächsten Strängen, denn genau zu diesem Zweck hatte ich sie mir von der netten Ladeninhaberin in Bad Homburg mit einer Maschine zu Knäueln wickeln lassen. Das Ergebnis habe ich beim letzten MeMadeMittwoch präsentiert, und seitdem den Pulli bzw. das Top sehr oft angehabt. Und weil ich jetzt immer noch lila Wolle und einen Rest von dem grünen Garn übrig habe, kaufte ich noch einen Strang in Weiß hinzu – ebenfalls mit der Wickelmaschine zu einem Knäuel aufgewickelt.

Ich glaube, ich werde dieses Jahr noch ganz viel stricken, denn zwei weitere Pullover sind bereits in Planung, einer bunter als der andere.