Es war einmal ein Wollknäuel


lila Schal aufribbeln

 

Es waren einmal ein Strang lila Garn und eine Kone Wolle, aus denen ein Schal für meinen Schatz werden sollte. Und weil sich beides in der ursprünglichen Form nicht verstricken ließen, musste der Strang zu einem Knäuel aufgewickelt werden; eine Aufgabe, bei der mir mein Schatz im letzten Sommer gerne behilflich war. Bis Ende September hatte der Schal nach fleißigem Stricken in der Freizeit und beim Pendeln von und zur Arbeitsstätte immerhin schon eine Länge von sechzig Zentimetern erreicht, doch dann kam der 6. Oktober, und ein Herzinfarkt setzte dem Leben meines geliebten Mannes ein Ende.

Nun lag er da, der angefangene Schal und das viele Material, und ich konnte einfach nicht damit weitermachen. Was für einen Sinn hätte das auch gehabt? Der Mensch, für den ich diesen Schal stricken wollte, war nicht mehr da und würde auch nie mehr zurückkehren. Aber zurückgeben wollte ich Stränge und Konen auch nicht (man hätte sie wohl auch nicht zurückgenommen). Ich tat das einzig Denkbare, das mir in dieser Situation möglich war: Die Sachen packte ich in eine Tüte und verstaute sie im hintersten Winkel des Zimmers, wo Bücher, CDs und andere nicht täglich benötigte Dinge lagern.

Einen Schal wollte ich dennoch stricken, aber nicht mit diesem Garn! Des Rätsels Lösung: Ich habe das gleiche Garn in einer anderen Farbe, in einem warmen Hellgrün gekauft; und der Schal wuchs und wuchs, teilweise auch während der Bahnfahrt zu und von der Nähnerd-Klassenfahrt, die im November in Berlin stattfand.

Vor kurzem bekam ich spontan Lust, mal wieder im Zeitschriftenregal bei den Handarbeitsmagazinen zu stöbern und fand ein Heft mit neuer Strickmode, das mein Interesse weckte. Eine Kurzarmpullover fürs Frühjahr, gestrickt mit Nadeln der Stärke 4 – das ist genau das Modell, das ich nun zu Stricken beabsichtigte. Beschlossen und getan: Den Schal hatte ich in kürzester Zeit wieder aufgezogen und mit dem Stricken begonnen. Nun wuchs der Pulli, und dem Knäuel, sorgfältig im letzten Jahr von meinem Mann gewickelt, konnte ich zusehen, wie es dabei Stück um Stück schrumpfte– bis irgendwann davon nichts mehr übrig war: auch eine Art, Abschied zu nehmen.

 

lila Schal aufgeribbelt

 

Ein Zurück gab es nicht mehr, und obwohl mich dieser Umstand melancholisch stimmte, freute ich mich aber auch irgendwie auf das Weitermachen mit den nächsten Strängen, denn genau zu diesem Zweck hatte ich sie mir von der netten Ladeninhaberin in Bad Homburg mit einer Maschine zu Knäueln wickeln lassen. Das Ergebnis habe ich beim letzten MeMadeMittwoch präsentiert, und seitdem den Pulli bzw. das Top sehr oft angehabt. Und weil ich jetzt immer noch lila Wolle und einen Rest von dem grünen Garn übrig habe, kaufte ich noch einen Strang in Weiß hinzu – ebenfalls mit der Wickelmaschine zu einem Knäuel aufgewickelt.

Ich glaube, ich werde dieses Jahr noch ganz viel stricken, denn zwei weitere Pullover sind bereits in Planung, einer bunter als der andere.

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