Sewing by the Sea, Teil 1 — Up Reisen gohn …

 

ist ein Schwank, den man bei Grimms Kinder- und Hausmärchen finden kann. Aber im Gegensatz zu dem armen Kerl, der überall nur Dresche kriegt, weil er stets das Falsche sagt, ist mir nichts passiert – aber dafür ist meine Nähmaschine KO gegangen, und das bereits bei der Anreise. Ich war nämlich auf dem Weg zu „Sewing by the Sea“, ein privater Nähtreff mit ca. 26 Personen, der in Noer (eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde) stattfand, und jede brachte ihre Nähmaschine mit. An der aufgestellten Pinnwand konnten wir die bei der Vorstellungsrunde präsentierten geplanten Projekte nochmal genauer betrachten:

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Das KO für meine Bernina sah so aus, dass mir die Maschine von einem Koffer rutschte, als ich die Tür zum Abteil öffnen wollte, und kopfüber zu Boden stürzte. Ob das mit einer antiken Maschine auch passiert wäre? 

Ich bin da noch unschlüssig. Aber zum Glück hatten manche sogar zwei Nähmaschinen dabei, und so konnte ich auf der geliehenen W6 meiner Nachbarin doch noch meine Pläne verwirklichen und die kaputte Bernina im Schrank lassen. Deshalb geht an dieser Stelle mein Dank an meine Sitznachbarin, die mir mit ihrer Leihgabe die Veranstaltung gerettet hat, denn sonst hätte ich nur stricken oder mein Handnähprojekt fertigstellen können.

Wie bei allen Nähtreffen dieser Art zuvor auch, sollten wir bereits fertig zugeschnittene Teile mitbringen, denn das Platzangebot war begrenzt. Aus den für den AnNäherung Süd (Oktober 2016) vorbereiteten Projekten wählte ich die folgenden beiden aus:

a) einen Rock aus schwarzer Baumwolle und b) ein gestricktes Schultercape, an das ich ein Kunstfell nähen wollte

Alles hatte vorbereitet und transportbereit auf meinem Nähtisch im Keller gestanden, bis dann die persönliche Katastrophe über mich hereinbrach und ich an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte. Lange Zeit lagen die Sachen beseitegräumt und unangetastet im Regal, weil ich mich zum Nähen einfach nicht aufraffen konnte. Nun bekomme ich aber so langsam wieder Lust dazu, und das erste, was ich dieses Jahr wieder nach Anleitung genäht habe, war ein geradegeschnittenes, knielanges Kleid mit Raglanärmeln und eckigem Halsausschnitt aus der Februar-Burda von 2014. Das dann aber gleich zweimal – und jetzt zum dritten Mal. Eine weise Entscheidung, denn diese Teile nahmen nicht viel Platz im Rollkoffer in Anspruch. Weil ich nämlich beabsichtigte, mit dem Zug anzureisen, schied der voluminöse Mantel, den ich bei der AnNäherung Süd fertignähen wollte, von vornherein aus.

Donnerstag, Freitag, Samstag und den Sonntagvormittag Zeit zum Nähen:

Klingt auf den ersten Blick im Vergleich zur AnNäherung in Bielefeld und der AnNäherung Süd in Würzburg nach unglaublich viel Zeit; kann aber, je nachdem, was man vorhat, zusammenschnurren wie ein Kaschmirpulli bei 60° C in der Waschmaschine oder sich dehnen wie Kaugummi. Einige von uns hatten mehr als drei Projekte dabei, während sich andere auf die Umsetzung nur weniger Pläne beschränkten, darunter ich. Nur zwei Teile zum Nähen auf der Maschine mitzunehmen und den Rest von Hand zu erledigen, war die cleverere Strategie, denn nachdem es zunächst mit dem Kleid so gut gelaufen war, jagte bei dem Rock ein Mißgeschick das nächste.

Das Kleid hatte ich schon am Freitagmittag fertig, dann ging’s ans Nähen des Rocks, und bevor ich den Reißverschluss einsetzte, war auch alles gut. Dann musste ich den Reißverschluss wieder rausnehmen, und da zerriß ich mir beim Trennen zuerst Stoff und Reißverschluss. Bis ich beides geflickt hatte, ging haufenweise Zeit ins Land. Als dann im zweiten Versuch der Reißverschluss richtig saß, passierte der GAU beim Kürzen des Reißverschlusses. Da ich den Metallclip am Ende nicht gesichert hatte, rutschte der mitsamt dem Zipper davon, und ich durfte die Zähnchen mühsam von unten her wieder von Hand in den Zipper einfädeln, was auch nochmal mindestens eine Stunde dauerte. Dann aber saß das Teil so, wie es sollte, und ich sicherte das Ende mit pinkem Garn, damit ich in Zukunft sehen kann, wie weit ich den schwarzen Zipper nach unten ziehen darf. Wenn dann noch die geschrotteten Stellen mit schwarzer Textilfarbe übertüncht sind, kann man von dem Schaden kaum noch etwas sehen.

Und auch wenn ich hinterher festgestellt habe, dass bei dem am Samstagnachmittag fertig gewordenen Rock die Taschen etwas zu tief sitzen und ich dies vielleicht nochmal ändern darf, bin ich mit dem Rock trotzdem zu 90% zufrieden. Er sitzt nämlich richtig gut. Andere taten sich da wesentlich leichter als ich, und so richtig toll fand ich den Mantel, genäht nach einem Schnittmuster aus einer Zeitschrift aus den Zwanziger Jahren:

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Seine Anfertigung hat zwar ein Jahr gedauert, aber dafür ist der nun das ganz spezielle Highlight – genau wie das selbstgenähte Hochzeitskleid einer anderen Teilnehmerin, die unter anderem auch die Spitze eines Taufkleids verarbeitet hat. Bei solch anspruchsvollen Aufgaben kann ich wahrscheinlich nicht mithalten, aber Hauptsache, Nähen macht Spaß – und den habe ich mir trotz unbrauchbar gewordener Nähmaschine nicht verderben lassen.

Und weil mir auf der langen Heimreise gestern wegen des hohen Gewichts meiner Maschine der Arm immer länger geworden ist, habe ich mir heute eine Lösung für dieses auf Reisen entstehende Problem einfallen lassen: In dem Laden, in dem meine Bernina nun repariert wird, habe ich mir eine Maschine ausgesucht, die nicht nur kleiner, sondern auch nur noch halb so schwer ist. Die werde ich heute abend gründlich ausprobieren.

Was es noch zu sagen gäbe über Noer, das wird in einem separaten Beitrag geschehen. Jetzt aber nochmal mein Dank an Alexandra, die das Ganze so toll organisiert hat und auf ihrem Blog mamamachtsachen uns Gelegenheit gibt, unsere Erfahrungen dort zu versammeln. Mal sehen, wie viele dort ihre Berichte hochladen.

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Media Monday # 307


 

Frisch von einem viertägigen Aufenthalt an der Ostsee zurück, bei dem 25 Frauen und ich genäht haben, was das Zeug hielt, bin ich zwar noch ganz groggy von der langen Zugfahrt, aber trotzdem neugierig auf den neuesten Lückentext des Media Monday Nr. 307 auf dem Blog medienjournal:

Media Monday # 307

1. Buch-Adaptionen wie jüngst „American Gods“ funktionieren meines Erachtens leider nur in ganz wenigen Fällen. Ausnahmen, die mir einen unvorhergesehenen Lesegenuss beschert haben, weil ich unbedingt die literarische Vorlage kennenlernen wollte, waren „Der Name der Rose“ und „Die Tribute von Panem“.

2. Das Buch „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist auf alle Fälle eine Empfehlung wert, denn mich fasziniert das Wechselspiel von aktueller Handlung, die absurde und groteske Wendungen nimmt und Vergangenheit des Hauptcharakters, die auf geschickte Weise wichtige historische Begebenheiten Themen des 20. Jahrhunderts beschreibt.

3. Wäre schön, öfter mal Filme zu sehen in denen man sich gepflegt gruseln kann, ohne gleich Zeuge einer Blutorgie zu werden. Aber wahrscheinlich gibt schon genug solche Filme und ich habe es nur noch nicht mitbekommen.

4. „Unterleuten“ von Juli Zeh würde ich ja gerne mal lesen, schließlich habe ich schon viel Gutes darüber gehört, und außerdem finde ich das Szenario und das Thema interessant. Aber das trifft auch auf die Bücher „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“, „Der Hut des Präsidenten“ oder „Mädchenmeute“ zu.

5. Wenn Serien abgesetzt werden ist das ja schon blöd, aber hinsichtlich Filmen ärgert es mich ja speziell bei ____ , dass nie die geplante Fortsetzung realisiert worden ist, denn ____ —> Leider kann ich hierzu nichts beitragen, da ich mich zu selten über geplante Filmprojekte informiere. Aber wenn es um Serien geht, fällt mir spontan „Indischer Sommer“ ein – eine Serie, von der ich die 1.Staffel gekauft habe und hinterher erfahren musste, dass sie nach nur zwei Staffeln abgesetzt worden ist.

6. Wo der Gratis-Comic-Tag gerade rum ist, warum gibt es eigentlich keinen Gratis-Saunatag? Etwas Entspannung für lau könnte ich jetzt gut gebrauchen.

7. Zuletzt habe ich eine siebenstündige Zugfahrt hinter mich gebracht, und das war trotz einer dreiviertel Stunde Aufenthalt in Hamburg ziemlich anstrengend, weil ich die Nacht davor nicht viel Schlaf hatte und mir während des Wartens auf die Regionalbahn von Gettorf nach Kiel einen formidablen Sonnenbrand eingefangen habe. Außerdem habe ich im Zug mitbekommen, dass die Deutsche Bahn einem Hackerangriff zum Opfer gefallen sein soll, weshalb u.a. auch keine einzige elektronische Anzeigentafel mehr funktioniert hat.