Die fünf Besten am Donnerstag # 53 : Lies mal wieder


 

Tage gibt’s – das hab‘ ich nun davon: Mein Kommentar bei den „5 Besten“ vom letzten Donnerstag auf Goranas Blog, dass ich auf eine einsame Insel lieber Bücher als Filme mitnehmen möchte, hat mir heute prompt eine Retourkutsche eingebracht, über die ich aber gar nicht traurig bin, denn Gorana fragt heute in ihrer Rubrik „Die 5 Besten am Donnerstag:

5 Bücher, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde

 

Drei hatte ich bereits in meinem Kommentar letzte Woche genannt, hinzu kommen noch zwei weitere aus meiner riesigen Privatbibliothek – und alle fünf haben eine Gemeinsamkeit, auf die ich aber am Schluss eingehe. Am liebsten würde ich ja noch viel mehr mitnehmen, zumal ich ja auch noch einige Fortsetzungsromane besitze, und wenn ich alle zusammenzähle, werden aus den fünf schnell fünfzig. Jetzt aber Spaß beiseite – hier kommt meine fünfteilige Auswahl aus meinen „All-Time-Favourites“:

 

1. Michael Ende – „Die unendliche Geschichte“:

Welche Offenbarung, als ich durch meine Deutschlehrerin die Bekanntschaft mit diesem fürs Kino verfilmten Klassiker machte und feststellte, dass der Film nur die erste Hälfte des Romans zusammenfasste und ich beim Lesen feststellte, dass es ab der der Mitte erst so richtig spannend wurde. Was mir besonders gefiel, abgesehen von der Handlung, ist der Druck in den Farben Rot und Grün und dass jedes Kapitel mit dem nächstfolgenden Buchstaben des Alphabets beginnt.


 

2. Umberto Eco – „Der Name der Rose“:

Neugierig geworden durch den gleichnamigen Film mit Sean Connery, musste ich unbedingt Umberto Ecos bekanntestes Werk lesen und hatte beim Schmökern natürlich prompt Schauplatz und Äußeres der handelnden Personen für Augen; für viele ein No-Go, weil Lesen ja die Phantasie anregen soll. Aber da das Buch dank ellenlanger lateinischer Passagen und der erklärenden Fußnoten noch wesentlich umfangreicher ist als der Film ist, gibt die Lektüre noch viel mehr her.


 

3. Robert Crichton – „Die Camerons“:

First things first: Robert Crichton ist nicht mit Michael Crichton, dem Autor von „Jurassic Park“ verwandt. Aufmerksam auf diesen Roman, der in einem schottischen Bergbaustädtchen im 19. Jahrhundert spielt, bin ich durch die gleichnamige Fernsehserie geworden, die 1982 von der ARD im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. Die Handlung hatte ich beim Kauf des Buchs schon wieder vergessen, aber die Personen und das Städtchen sind mir noch lange im Gedächtnis haften geblieben. Auf fernsehserien.de steht das folgende Zitat aus der HörZu: „An ihrem 16. Geburtstag verlässt Maggie Drum ihren Heimatort Pitmungo, ein westschottisches Bergarbeiterdorf. Sie will unbedingt einen Highlander heiraten, einen, der anders ist, als die Männer ihrer Gegend. Mit ihren Ersparnissen kommt sie an die Küste und lernt Gillon Cameron kennen, einen armen Fischer des Hochlandes.“ Immer, wenn ich „Die Camerons“ lese, wird die Sehnsucht nach meinem Lieblingsland Schottland wieder wach. Auch wenn ich niemals auf die Idee käme, freiwillig in so ein rußiges, düsteres Dorf wie Pitmungo zu reisen.


4. Die Gesamtausgabe „Der Trotzkopf“ von Emmy von Rhoden, Else Wildhagen und Suse Lachapelle-Roobol:

Jetzt werden einige aufjaulen, denn immer wieder gerne greife ich zu diesem vierbändigen Sammelband von drei verschiedenen Schriftstellerinnen. Der erste Band beginnt mit dem Tag, an dem die 15jährige Ilse Macket erfährt, dass sie in ein Mädchenpensionat geschickt werden soll, um dort die für eine „höhere Tochter“ angemessene Schulbildung und gesellschaftlichen Schliff zu erhalten. Die folgenden Bände begleiten Ilse durch ihre Zeit als Verlobte, als Ehefrau, und zu guter letzt als Großmutter. Zwar gehe ich in vielen Punkten so gar nicht konform mit dem Frauen-, Familien- und Gesellschaftsbild von damals. Dennoch finde ich diese Reise in eine längst vergangene Zeit höchst vergnüglich, weil sich darin die ein oder andere Passage verbirgt, die ich für damals erstaunlich fortschrittlich halte und die ich genau so ebenfalls unterschreiben würde.


5. Jean Webster – „Daddy Langbein“:

Vom Waisenhaus ans College. Dieses Schicksal widerfährt der jungen Jerusha Abbott, die von einem reichen Unbekannten die Studiengebühren bezahlt bekommt, unter der Bedingung, dass sie ihm jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben muss.. Im Verlauf des 1912 erschienenen Briefromans entwickelt sich diese ungeliebte Pflichtaufgabe für Jerusha zu einer Möglichkeit, sich schriftstellerisch ausdrücken zu können. Laut Wikipedia „zeigen die Motive des Buchs Jean Websters Interesse an sozialen Fragen und der Frauenbewegung“. Einen größeren Kontrast zu dem Buch unter Punkt 4 kann ich mir nicht vorstellen.


 

Und nun die Gemeinsamkeit, falls es nicht schon in den fünf Absätzen durchgeschimmert ist: Alle Bücher sind verfilmt worden – entweder fürs Kino oder fürs Fernsehen: „Die unendliche Geschichte“, „Der Name der Rose“ und „Daddy Langbein“ konnte man auf der Leinwand bewundern; „Die Camerons“ und „Der Trotzkopf“ liefen in der ARD als Fernsehserie. Dummerweise halte ich die Trotzkopf-Verfilmung für am wenigsten gelungen, was aber nicht unbedingt an der Hauptdarstellerin Anja Schüte liegt.

So, das war mein kleiner Ausflug in die Bücherwelt, die mich auf eine einsame Insel begleiten darf; ins Rennen geschafft hat es leider nicht „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ oder Andreas Feiningers Sachbuch über „Schwarz-Weiß-Fotografie“.