Upcycling am 19. August 2017 – oder: Inventur im Kleiderschrank


 

Manchmal hab‘ ich das Gefühl, dass alles raus muss. Na ja, nicht alles, aber vieles – vor allem jenes, was ich nicht mehr brauche, wie zum Beispiel Herrenkleidung, die niemand mehr trägt, weil es ihn nicht mehr gibt und weil es sonst niemanden in der Familie gibt, dem diese Hemden passen könnten – Hemden, die zum Wegwerfen oder zum Anziehen beim Malern oder Werkeln im Garten viel zu schade sind. Irgendwie wurde ich dann vor kurzem aufmerksam auf einen Upcycling-Kurs, bei dem im kleinen Kreis von maximal fünf Personen aus alten Hemden neue Kleidung entstehen sollte.

 

 

Mitgebracht hatte ich sechs alte Herrenhemden: zwei davon aus Jeansstoff, zwei karierte mit langen Ärmeln und zwei blaue Kurzarmhemden mit unterschiedlichem Muster; hinzu kam noch das übrige Material wie Nähmaschine, Schere, Garn, Maßband, etc. … und los ging’s um 10 Uhr in einem Laden in einem Bezirk unserer Stadt, in dem ich einst gewohnt habe.

Hier kann man laut Wirtschaftsinformation unserer Stadt „ausgefallene und süße Kunststücke aus Offenbacher und Frankfurter Wohnzimmerateliers in Designerfächern“, aber auch Wolle und Strickzubehör kaufen und an Workshops teilnehmen. Der Upcycling-Workshop, an dem ich teilnahm, war von 10 bis 17 Uhr dauern. Für die Möglichkeit zu einer Mahlzeit zwischendurch war auch gesorgt, denn draußen, direkt vor der Tür fand ein Sommerfest statt; und wo gefeiert wird, gibt es meistens einen Grill und einen Kühlschrank.

Nachdem ich mir überlegt hatte, mir ein Shirt zu nähen, in dessen Rückenteil ich eine Knopfleiste einbauen wollte, wurde ich von der Kursleiterin vermessen und konnte mir ein Schnittmuster auf Seidenpapier skizzieren. Oversized, mit überschnittenen Schultern und U-Boot-Ausschnitt sollte es werden – das war der grobe Plan, und am Ende mussten die beiden blauen Kurzarmhemden und das karierte Hemd, in dem die gleichen Blautöne abermals auftauchten, dran glauben. Das sah dann so aus, dass ich z.B. Krägen und Ärmel abschnitt, Knopfleisten in die Seiten verlegte oder den Saum des einen Hemdes zur Schulterpartie umfunktionierte. So hatte ich dann vor dem Zusammennähen wenigstens nicht ganz so viele Einzelteile zu versäubern.

 

Vorderteil

Rückenteil

 

Und obwohl mir sieben Stunden als unglaublich lang erschienen, habe ich es trotzdem nicht geschafft, das Shirt, das übrigens ein Minikleid wurde, bis 17 Uhr fertigzubekommen. Viel zu oft musste ich nämlich ständig neu einfädeln, weil entweder der Oberfaden gerissen oder die Spule mit dem Unterfaden leer war. Watt ein Dreck! Und so konnte ich bis kurz vor Ende des Workshops als Einziges Ergebnis zwei ungesäumte Teile vorweisen, die an den Schultern zusammengenäht waren.

 

kurz vor fünf

 

Wenigstens das! Das vorläufig fertige Teil sah da dann übrigens zwar aus wie ein überdimensionaler OP-Kittel in Patchworkoptik, aber das hinderte mich nicht daran, mich für Fotos in Positur zu stellen.

 

Upcycling Einzel 1

Upcycling Einzel 2

 

Was jetzt noch fehlt, sind sämtliche Säume und die Seitennähte; beim Halsausschnitt habe ich auf einen Beleg verzichtet, denn auf noch mehr Gefummel hatte ich keine Lust. Statt dessen habe ich die Kanten nach innen umgeschlagen und von Hand festgenäht. Die Seitennähte habe ich bewusst offen gelassen, weil ich noch nicht sicher bin, ob ich die Ärmel des karierten Hemdes als Bindebänder einbaue oder aus ihnen etwas ganz anderes mache.