Serienmittwoch # 87 : das „perfekte“ Serien-Dinner

 

 

31


 

In ihrer neuesten Mitmachaufgabe fragt Corly nach einem Dinner, das wir uns vorstellen, und wer daran teilnimmt und was es alles zu essen gibt. Bei mir hat’s heute mal länger gedauert, weil ich Lust hatte, mal wieder etwas kreatives zu schreiben. Aber zuerst die Kurzfassung: In den Hauptrollen

 

Dr.Who, Rose Tyler und Jack Harkness (Torchwood)

Captain Jean Luc Picard und Worf (Star Trek TNG)

Captain Janeway (Star Trek Voyager)

Captain Ross Poldark und Caroline Penvenen (Poldark)

Damien Salvatore (Vampire’s Diary)

Ragnar Lodbrok (Vikings)

Lady Daenaerys mit ihren Drachenbabys (Game of Thrones)

 

und ihre Picknickkoffer, Lunchboxen und sonstige Transportbehältnisse mit Speis und Trank fürs Picknick. Und wer den rudimentären Bericht dieser seltsamen Zusammenkunft lesen möchte, dem wünsche ich Spaß mit dem Lesen der folgenden Zeilen:

 

White Dinner

Das Holodeck bot jede Menge Platz für ein opulentes Mahl mit Gästen in jeder erdenklichen Anzahl – anläßlich seines 999. Geburtstages hatte der Doktor zu einem Diner en Blanc – oder genauer gesagt, einem Weißen Picknick eingeladen, mit zwei besonderen Ehrengästen: Captain Jean Luc Picard und Captain Kathryn Janeway.

Und ich mittendrin; mit knurrendem Magen saß ich zwischen Rose Tyler und Jack Harkness und wartete gespannt darauf, wer als nächstes mit seinem Picknickköfferchen hereinspazieren würde. Picknicks sind ja nun wirklich eine feine Sache: Jeder kann mitbringen, was ihm mundet und wovon er bzw. sie meint, was den anderen am Tisch schmecken könnte. Okay, zugegeben – auf den Inhalt von Worfs Snackbox bin ich nun wirklich nicht scharf; ich mag mein Essen nicht mehr lebend, und man kann es mit der Frische ja auch übertreiben.

Rose, als ehemalige Begleitung des Doktors – an den die meisten die Frage „Doctor… Who?“ richten – hatte eine Kühlbox mit frisch gefangenem Fisch von der Norwegischen Bad Wolf Bay dabei. Fisch, den der Koch-Droid des Holodecks in Windeseile zu Sushi verarbeitet hatte. Gerade wollte ich einen Blick in den Thermobehälter von Jack Harkness, dem Leiter des nicht mehr existenten Torchwood-Teams, werfen, da stürmte Lorelai Gilmore aus Stars Hollow mit einer großen Umhängetasche herein, aus der sie mehrere Riesenthermoskannen hervorholte: Ich tippte auf Kaffee. Und so war es auch; in einer war Lukes Spezialmischung aus seinem Café, in der nächsten extrastarker türkischer Mokka, und in der dritten koffeinfreier Kaffee. Die Muffins und Donuts kamen als nächstes auf den Tisch. Sogar sie waren weiß. Und so ging es nach und nach weiter. Allmählich füllte sich der Saal, und es war gar nicht so einfach für mich, den Überblick zu behalten. Aber da ich an diesem Abend meine Brille vergessen hatte, konnte ich sowieso nur die Personen erkennen, die sich am Tisch in nächster Nähe befanden, sowie deren mitgebrachte Köstlichkeiten.

Mein Sichtbarkeitsradius beschränkte sich daher auf meine beiden direkten Nachbarn und die drei Gäste, die nacheinander mir gegenüber Platz genommen hatten: Captain Ross Poldark, Caroline Penvenen (eine Freundin von Ross Poldark) und Damien Salvatore. Aber wenn ich gedacht hatte, dass Poldark eine interessante Speise aus dem 18. Jahrhundert aus seiner großen Messengerbag hervorzaubern würde, so war ich gründlich auf dem Holzweg gewesen, denn darin befanden sich Brandy, Portwein und Rum – eindeutig Schmuggelware. Die Zollbanderole war auf den angestoßenen Krügen mit Korkverschluss jedenfalls nicht vorhanden. Die größte Überraschung aber stand mir noch bevor.

Nicht nur, dass Damien jegliche Kleidungsregeln mißachtet hatte und in stylischem Schwarz erschien (selbst Jack Harkness hatte auf seinen heißgeliebten Armeemantel verzichtet und sich ein weißes Dinnerjacket übergeworfen); zu Carolines großem Erstaunen schleppte er eine große Obststeige herein, auf der sich besonders schöne Blutorangen stapelten. Dass Orangen für Caroline eine besondere Bedeutung hatten, konnte er ja nicht wissen. Mir dagegen fiel unpassenderweise der uralte Witz ein, der bereits einen Bart angesetzt hatte: „Frage: Wovon ernährt sich ein Vampir, der zum Vegetarier geworden ist? – Antwort: Blutorangen“ – Muhahahaha. Mildes Lächeln reihum. Die einzige, die sich darüber allerdings gar nicht mehr einkriegen konnte, war Caroline. Bevor sie vor lauter Lachen keine Luft mehr bekam, geleitete ich sie nach draußen, nicht ohne noch einen kurzen Blick auf den Rest der Tafel zu werfen.

Wie ich befürchtet hatte, waren es auffallend viele Amphoren, Flakons, Flaschen und Krüge, die die Szenerie dominierten. Das Speisenangebot fiel dagegen äußerst dürftig aus. Eine „Bottleparty“ zu Ehren des Doktors? Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet gewesen… Die Wikinger um Ragnar Lodbrok, die ich am anderen Ende des Raumes erspähte, schienen von dieser Aussicht umso mehr angetan. Der Met schien jedenfalls ganz nach ihrem Geschmack zu sein, und sie waren in blendender Stimmung. Besser gelaunt als die silberhaarige Lady Daenaerys, die ihre drei Drachenbabys mitgebracht hatte. Eine heikle Situation, denn die geschuppten Freunde reagierten äußerst sensibel auf die Stimmungsschwankungen ihrer „Mutter“, die sich in anderen Umständen befand und deshalb den vorhandenen Getränken nicht zusprechen durfte. Vielleicht ein Grund für ihre verdrießliche Miene – und in diesem Zustand war mit den Drachen wirklich nicht gut Kirschen essen. Bevor das Weiße Picknick zu einem flammenden Inferno umzuschlagen drohte, musste umgehend ein Plan her.

Kurzerhand suchte ich mir jemanden, der sich mit den Replikatoren auf der Raumstation auskannte und ließ ihr einen klingonischen Spezialkaffee brauen, der ihr auf Eis serviert wurde. Inzwischen hatte ich Daenaerys überredet, das aufgestaute Feuer ihrer Kinder sinnvoll einzusetzen; zum Brutzeln eines im Replikator hergestellten Dönerspießes. Auf dass das Dinner ein Dinner bleiben und kein Besäufnis werden würde.

Glasspielerei

Mittendrin-Mittwoch #80 : Längengrad

 


 

Diese Woche gibt es nichts, was mich am Mittwoch reizt, allein der Mittendrin-Mittwoch von elizzy 91, die zur Zeit im Thrillerfieber ist, erscheint mir interessant, um mitzumachen, denn zur Zeit lese ich so viel wie schon lange nicht mehr. Und wie man sich denken kann, dreht sich der Mittendrin-Mittwoch ums Lesen – genauer gesagt:

 

Mittendrin Mittwoch besteht aus immer neuen Zeilen von Büchern in denen ich gerade mittendrin feststecke. Momentaufnahmen von Büchern, die ich gerade lese

(Zitat aus ihrem Blog)

In welchem Buch liest Du gerade?

Antwort:

Längengrad“ von Dava Sobel, 1996 im Berlin Verlag erschienen (ISBN 3-8270-0214-1)

 

Und wieder ist es ein Buch, das sich schon ein paar Jahre in meinem Besitz befindet; oft ist es die Aufmachung, die mich im Laden zu einem Buch greifen lässt, und wenn dann noch der Inhalt stimmt, kaufe ich es auch. Und so sehen nun meine nächsten Zeilen aus:

 


Harrisons Bewunderer haben oft darauf hingewiesen, daß er sich schriftlich nicht klar ausdrücken konnte. Er schrieb gewunden und umständlich. Welch brilliante Ideen sich in seinem Kopf auch entwickelt oder in seinen Uhren kristallisiert haben, sein sprachlicher Ausdruck war alles andere als glanzvoll. Sein letztes veröffentlichtes Werk, in dem er die ganze Geschichte seiner unerfreulichen Verhandlungen mit der Längenkommission darstellt, zeigt ihn auf dem Höhepunkt seiner endlosen Umständlichkeit. Der erste Satz erstreckt sich, ohne Punkt und Komma, über fündundzwanzig Seiten.“


 

Anders als der Uhrmacher William Harrison, um dessen Erfindung einer Schiffsuhr, die man kaum warten und nicht ölen muss und die dennoch exakter als alle zu diesem Zeitpunkt gebräuchlichen Chronografen geht, glänzt das spannend geschriebene Sachbuch der Wissenschaftsreporterin der New York Times durch einen präzisen Sprachstil und schafft es, das Leben auf See in längst vergangenen Zeiten anschaulich zu schildern. Viele stellen sich die Seefahrt des 16., 17. oder 18. Jahrhunderts ja unglaublich romantisch vor, aber allein der Gedanke an Krankheiten durch mangelhafte Verpflegung oder das Nichterreichen des Ziels aufgrund unzureichender Navigation hat mir jegliche Seefahrerromantik gründlich ausgetrieben.

Dafür möchte ich der Autorin dieser 229 kurzweiligen Seiten danken. Und elizzy91 für diese tolle Aktion.