Macht und Pracht : Tag des offenen Denkmals – 10. September 2017


 

Schon einmal ein Mausoleum samt Gruft von innen besichtigt? Beim Tag des offenen Denkmals, das unter dem Motto „Macht und Pracht“ steht, hatte ich die Gelegenheit dazu. Auf dem Alten Friedhof in Offenbach am Main. Bei dem Mausoleum, das im Zentrum der eineinhalbstündigen Führung stand, handelt es sich um das sogenannte Krumm-Mausoleum. Diesen Tempel ließ die Witwe des 1912 verstorbenen Lederwarenfabrikanten Heinrich Krumm (Goldpfeil) ihrem verstorbenen Gemahl zu Ehren im Jahr 1919 errichten.

 

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Vor ein paar Jahren wurde es vollständig restauriert und konnte nun heute zwischen 11:30 Uhr und 15:30 Uhr in seiner ganzen Schönheit bewundert werden. In einem Bericht der Offenbach-Post vom 10. Februar 2010 wird es auch als Tadsch Mahal von Offenbach bezeichnet, aber dieser Vergleich erscheint mir dann doch etwas hoch gegriffen; trotzdem fand ich die goldbedampften Glasmosaiken in der Gruft, die sonst mit einer hydraulisch heb- und absenkbaren Metallplatte verschlossen ist, wunderschön…

 

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… fast noch schöner als die blaue Kuppel mit goldenem Mond und Sternen und dem eingemeißelten Spruch „Dein Leben war Liebe – deine Liebe war mein Glück“, den ich leider nicht ganz aufs Bild bekommen habe:

 

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Es war eine sehr interessante Führung, vorbei an den Gräbern der einst Mächtigen. Direkt neben dem Gräberfeld der im 1. Weltkrieg in Offenbacher Lazaretten Verstorbenen befindet sich ein Denkmal für die Opfer eines Chemieunfalls im Jahr 1916. An Prächtigem gibt es auf dem Friedhof, der komplett unter Denkmalschutz steht, noch so einiges; angefangen bei den vielen Skulpturen in Form von Engeln bis hin zu dem alten Baumbestand.

 

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Für mich waren es zwei unterhaltsame und lehrreiche Stunden, die bei einem Stückchen Kuchen und einem Becher Kaffee auf dem Rasen vor dem Mausoleum ihren gelungenen Ausklang fanden.

Hayner Burgfest 9. September 2017


 

Wie lange ist es eigentlich her, dass ich das letzte Mal auf einem Mittelalterlichen Spectaculum war? Muss Jahre her sein – und deshalb hatte ich mir vorgenommen, dass ich dieses Jahr das Hayner Burgfest besuchen würde, und zwar mit einer Freundin, der es auf dem Mittelaltermarkt in Münzenberg so gut gefallen hatte. Treffen wollten wir uns um 19 Uhr an einem noch näher zu bezeichnenden Punkt, weil ich gerne bereits schon am Nachmittag dort sein wollte. Das Wetter war ja soweit okay.

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Das Programm erschien mir nämlich sehr reizvoll, denn aus der Menge der Musikanten und Gaukler stachen für mich folgende drei heraus: die Horus-Falknerei aus Westensee (Schleswig-Holstein), die Filmtierschule Weselohs Tierleben aus Neu Wulmstorf (Niedersachsen) und Lady of Arrows aus meiner Heimatstadt Offenbach (Hessen). Sie veranstalteten die um 15 und 18 Uhr stattfindende Vorstellung „Vom Hühnerei bis zur Falkenjagd – Nutztiere im Mittelalter“.

 

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Nachdem ich mich mit Apfelschorle, einem schottischen Bannock und einem Becher Rosenblüten-Federweißer gestärkt hatte, ging es los mit meinem Rundgang über das Festgelände, wo es zwar viele Stände gab, die die für Mittelaltermärkte typischen Waren feilboten, aber auch mit einigen Überraschungen glänzten, wie z.B. das handbestriebene „Riesenrad“ (ca. 1600) …

 

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… oder den Stand mit Wollstoffen, direkt von einer Weberei. Oder eine Mitmach-Schmiede:

 

Allerdings hatte das Festgelände dann doch größere Ausmaße hatte als gedacht; schon bald hatte ich rundgelatschte Füße (aber das kam nicht allein vom Laufen – der Federweiße hatte sicher auch seinen Anteil daran). Als ich dann zwischendurch mit der Freundin telefonierte, erklärte mir diese, dass sie mir doch am Vortag bereits abgesagt hatte und ihr nicht ganz wohl sei. Schade, da war wohl nichts zu machen – aber Frust kam trotzdem auf, und den konnte ich nur noch mit extrastarkem Mokka mit Kardamom (am Stand unten links im Vordergrund) herunterspülen.

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Der half gegen die bleierne Müdigkeit, denn die konnte ich bei der 18-Uhr-Show am Turnierplatz nun gar nicht gebrauchen. Wie schön, dass es dort dann doch noch jede Menge freie Sitzplätze in der ersten Reihe gab.  So konnte ich die vielen Tiere ganz vorzüglich sehen: ein Winzling von einem Buntfalken, ein Uhu, zwei Wüstenbussarde und einen Kordillerenadler mit bläulich schimmerndem Gefieder. Aber im Mittelalter, erfuhren wir, wurde nicht nur mit Greifvögeln gejagt: Für die Kaninchenjagd bevorzugte man Frettchen; und ein solches Exemplar war ebenfalls Bestandteil der Show. Dass ein Frettchen extrem riecht, konnte meine verstopfte Nase nicht bestätigen, obwohl der Herr, der damit an den Kindern in der ersten Reihe vorbei ging, scherzte, dass man als Mädchen nervige Jungs abschrecken kann, wenn man nach Frettchen duftet.

Ob die anwesenden Mädchen diesen Joke goutierten, wage ich zu bezweifeln. Da fand ich den direkten Größenvergleich zwischen irischem Wolfshund und Shetlandpony mit 60 cm Stockmaß schon spannender. Zum Schluß führte die Lady of Arrows noch das Ringstechen als mittelalterliche Turnierdisziplin und Bogenschießen vom Pferderücken aus vor.

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Sehr beeindruckend. Das Zentrum dieser Zielscheibe zu treffen, ist nicht einfach zu meistern:

 

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Bevor es nach Hause ging, suchte ich aber noch ganz profan den Mittelalterlichen Toilettenwagen auf. Obwohl die Homepage des Veranstalters damit wirbt, dass sich hier stilvoll unter Begleitung keltischer Klänge bestens alle „Geschäfte“ erledigen lassen, hatte ich nicht gezielt danach gesucht. Nachdem ich mit meinem halben Taler die Kasse zum Klingeln gebracht hatte, durfte ich tatsächlich stilvoll Platz nehmen. Die Musik war allerdings nicht keltisch… obwohl: Harfenklänge in Verbindung mit Helge Schneiders Möhrchenlied hört man auch nicht jeden Tag. Schon gar nicht an solchen Orten. Aber: Am Ende zählt doch, dass es gefallen hat. Sehr sogar.

Und zum Abschluss dieses gelungenen Tages gönnte ich mir dann noch ein Fläschschen des schottischen Biers, das ich mir außer den zwei Metern des edlen Woll-Leinen-Gemischs dort auch noch gekauft hatte. Die passende musikalische Untermalung als Ersatz für die entgangene keltische Klangwelt: Die besten Szenen aus dem Royal Edinburgh Military Tattoo – gesendet auf BBC Alba. Ein Spartensender, den ich ab und zu schaue. Moderiert in gälischer Sprache, mit englischen Untertiteln für alle, die des gälischen nicht mächtig sind. Eine Sprache, die ich nie lernen werde, obwohl ich sie schön finde.


 

PS: Dem hier  

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bin ich auf dem Fest öfters über den Weg gelaufen, aber der Genuß des Bieres ist ohne Folgen geblieben. Kein schwummeriges Gefühl – kein Kater. Eine gute Ausgangsbasis für den Besuch des Tag des Offenen Denkmals.