Mittendrin-Mittwoch #82 : Die Schrecken des Eises und der Finsternis

 


 

Lesen geht immer, und wenn’s nur ’ne Zeitung ist. Zu Neukäufen kann ich mich nicht aufraffen, und die Stadtbücherei hat mich vor längerem zum letzten Mal gesehen. Also bediene ich mich bei den Büchern in meinem Schrank, die ich schon einmal gelesen habe; dass ich am Montag zu einem Buch gegriffen habe, das ich seit Oktober 2013 besitze, passt hervorragend zu der neuesten Ausgabe des MittendrinMittwoch von elizzy91, die zur Zeit „all the strangest things are true“ liest. Und darum geht’s beim Mittendrin-Mittwoch:

Mittendrin Mittwoch besteht aus immer neuen Zeilen von Büchern in denen ich gerade mittendrin feststecke. Momentaufnahmen von Büchern, die ich gerade lese“

(Zitat aus ihrem Blog)

In welchem Buch liest Du gerade?

Antwort:

Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ von Christoph Ransmayr, 2013 erschienen in der Fischer TaschenBibliothek(ISBN 978-3-596-50985-0)

 

Wie sehen Deine nächsten Zeilen aus?

 

24. Montag: Klotz und ich fußmarod. 25. Dienstag: Helles Wetter. Klotz und ich marod. Unter der Mannschaft werden Geschenke zum Ausspielen gegeben. Ich habe eine Flasche Himbeersaft gewonnen. Johann Haller“

 

Aus den Tagebüchern der österreichisch-ungarischen Polarexpedition, geschrieben im Februar 1873. Die Yacht „Admiral Tegetthoff“ war vom Packeis eingeschlossen, und die Besatzung musste die lange Polarnacht (mehrere Monate am Stück bei fast völliger Dunkelheit) überstehen. Am Valentinstag sendeten sie verkorkte Flaschen mit Post in alle vier Himmelsrichtungen aus, ohne zu wissen, dass die erste der Flaschenposten erst nach 48 Jahren gefunden werden würde.

Nach „Längengrad“ und „Sextant“ ist dies nun bereits das dritte Buch, das sich mit dem harten Leben auf See beschäftigt; nur sind die Widrigkeiten, unter denen die Nordpolexpedition zu leiden hatten, noch extremer gewesen. Länger als ein Jahr im ewigen Eis ausharren zu müssen- das würde mir um keinen Preis der Welt einfallen.

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5 Kommentare zu “Mittendrin-Mittwoch #82 : Die Schrecken des Eises und der Finsternis

  1. wow, was für eine verrückte expedition. ja „damals“ waren diese dinge alle einfach noch wilder. wie faszinierend, dass diese nachricht nach 48 jahren noch aufgetaucht ist!

    • Ja, das fand ich äußerst spannend. Aber trotzdem möchte ich nicht dabeigewesen sein – und dann noch nach der Rückkehr sich anhören zu dürfen, man habe sich die Entdeckung neuen Landes nur eingebildet oder gar erfunden.

      • ja, das waren einfach ganz andere zeiten. ich glaube, man musste schon ein sehr, sehr eigener typ gewesen sein, um sich damals auf sowas einzulassen.

  2. Ich finde es besonders reizvoll, dass Ransmayr nicht nur die Polarexpedition schildert, sondern das Ganze gleich zweifach in Rahmenhandlungen hinein verschachtelt. Er beschreibt damit auch das tragisch-heldenhafte Schicksal dessen, der solche Frostbeulen- und Skorbutgeschichten nicht nur gemütlich hinter dem warmen Ofen durchschmökert, sondern – „von der Arktis gebissen“, wie es so schön heißt – selbst ins Eis aufbricht.

    Betreffs Flaschenpost: Die letzte Flaschenpost dieser Expedition wurde nach 102 Jahren gefunden. https://flaschenposten.wordpress.com/2015/08/21/break-this-bottle-rekord-flaschenpost-vollendet-ihre-reise-wie-vorgesehen/

    Falls dich das Sujet weiter gefangen hält, empfehle ich dir dringend „635 Tage im Eis: die Shackleton-Expedition“ von Alfred Lansing. Das ist nicht nur ein spannender Bericht über das letzte große Abenteuer des „heroischen Zeitalters“ der Polarforschung und ein Klassiker der Reiseliteratur, sondern auch ein richtig gutes Mutmach- und Durchhaltebuch!

    Beschaulicher, aber zauberhaft erzählt und unbedingt zu empfehlen:
    Christiane Ritter, Eine Frau erlebt die Polarnacht.
    Alfred Andersch schreibt über dieses Buch: „Was keiner der Forscher, Wissenschaftler, Groß-Touristen, auch Nansen nicht, beschrieben hat – denn Ästhetik gehört nicht zur Naturwissenschaft, die Form nicht zur Forschung -, das erfahren wir aus dem Buch dieser Frau: wie es sich anhört, wenn das Packeis auf die Küste läuft, daß sich ein Blizzard anfühlt wie eine Schneewand, daß die Stunden nach so einem Schneesturm sich in den Tönen reinsten Blaus abspielen. Zwar schwärmt diese Frau, aber sie schwärmt präzis…“

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