Winter 2018 auf der Ostsee – ich war dabei

 


 

Dass sich diese Reise als Überraschungspaket entpuppen würde, hätte ich nicht gedacht, als ich am 27. Februar ins Auto stieg, um in das rund 569 km entfernte Scharbeutz in der Lübecker Bucht zu reisen. Mit genügend Proviant und CDs ging ich entspannt auf große Fahrt. Die erste Überraschung erwartete mich beim Einlegen der ersten CD. Statt „Violator“ von Depeche Mode befand sich „Ultra“ in der Hülle, was mich aber nicht sonderlich störte, denn die Band war ja die gleiche – nur die Musik etwas düsterer. Überraschung Nummer Zwei betraf die Dauer der Anreise: Der ADAC berechnet für diese Strecke über die A5, A7 und A1 eine Gesamtreisezeit von 5 Stunden und 39 Minuten, ich hatte vorsichtshalber zwischen sieben und acht Stunden veranschlagt – am Ende wurden satte zwölf Stunden daraus. Mehrere Staus auf der A7 und der A1 machten es möglich.

Aber ich will ja hier nicht jammern, sondern die positiven Eindrücke der letzten Woche wiedergeben. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich mein verpasstes 18-Uhr-Abendessen in der Jugendherberge auch noch um 21 Uhr nachholen durfte, dank des netten jungen Mannes, der meine Portion einfach nochmal in der Mikrowelle erhitzte. Frühstück und alle folgenden Mahlzeiten der kommenden zwei Tage gab es zur großen Überraschung aller in der Turnhalle, weil der Speisesaal gerade renoviert wurde; da aber die Turnhalle an den ersten vier Märztagen anscheinend für ihren eigentlichen Zweck gebraucht wurde, wurde der Gang vor der Turnhalle kurzerhand zum Speisesaal mit Frischluftgarantie umfunktioniert (obwohl es Zugluftgarantie besser trifft).

An dieser Stelle sehe ich jetzt bei einigen, die das lesen, das große Fragezeichen aufleuchten. Warum in der Jugendherberge übernachten, wenn es doch an der Ostsee haufenweise schnuckelige Ferienwohnungen gibt?

Die Antwort ist einfach: Ich nahm an einem Nähwochenende namens „Sewing by the sea“ teil, das vom 1. bis 4. März in der Jugendherberge von Scharbeutz stattfand. Wir waren 17 Frauen, die von Donnerstagabend bis Sonntagmittag nach Herzenslust und ohne größere Ablenkungen nähen wollten und auch noch den ein oder anderen Spaziergang am Strand direkt vor der Haustür machen wollten. Weil mir vier Tage für diese große Strecke zu wenig erschienen waren, hatte ich meinen Aufenthalt von vornherein um weitere vier Tage verlängert: die zwei Tage vor „Sewing by the sea“ in der Jugendherberge – und die zwei Tage danach in einer Ferienwohnung am anderen Ende von Scharbeutz.

Die Spaziergänge am Strand waren trotz des spontanen Wintereinbruchs ein unerwartetes Vergnügen, denn eisige Temperaturen im zweistelligen Minusbereich gepaart mit teils echt heftigen Windstärken (gefühlte Stärke 9) sorgten für einen Hauch Game-of-Thrones-Feeling: So konnte ich mir lebhaft vorstellen, wie sich die Nachtwache auf der Mauer hoch im Norden von Westeros fühlen muss, nur dass es am Ostseestrand hell und sonnig war.

 

01 starker Wind 28 Feb

02 Strandhus 28 Feb

03 Impression 28 Feb

 

Und noch eine Überraschung: Konnten am Mittwoch die Besucher der Ostsee-Therme nach dem Saunagang noch direkt in die Fluten hüpfen (vorausgesetzt, sie rutschen auf dem vereisten Weg dorthin nicht aus), so war am Samstag das Meer auf geschätzt einen halben Kilometer Breite eingefroren.

 

08 Heranwogen 03 Mar

07 Eisgrenze 03 Mar

 

Tja, so konnte das mit dem Eintauchen des großen Zehs ins Meer nichts werden. Aufs Ausrutschen hatte ich keine Lust, dann lieber noch einen zusätzlichen Saunagang. Was meinen Spaziergang am Samstag betrifft, so habe ich mich nicht sehr weit aufs Eis hinausgewagt, da ich Eisflächen grundsätzlich nicht traue – und schon gar nicht solchen, die permanent in Bewegung sind, von den Strömungen unter der Oberfläche gar nicht erst zu reden.

 

12 Eiswelt 05 Mar

11 Eisscholle 05 Mar

 

Dass diese riesige Eislandschaft keine Sekunde stillsteht, merkte ich, als ich von der Seebrücke aus die vereisten Poller fotografieren wollte. Nach einer Weile wogte um mich herum nämlich alles, während die Brücke und die Poller stillstanden. Die Folge davon war ein leichtes Schwindelgefühl, das zum Glück nicht lange anhielt.

 

14 Poller 05 Mar

13 Seebrücke 05 Mar

15 Pause 05 Mar

16 Spiegelung 05 Mar

 

Ich merke schon, ich schreibe nicht chronologisch, sondern „Kraut und Rüben“. Während ich mich am 28. Februar (Mittwoch) und am Nachmittag des 4. März (Sonntag) in der Ostsee-Therme tummelte, verbrachte ich die Mittagsstunden des 1. März (Donnerstag) und die Morgenstunden des 5. März (Montag) im Sea Life Center. Den Besuch musste ich einfach wiederholen, weil ich beim ersten Mal die Fütterung der Zwergotter Bonnie & Clyde verpasst hatte.

 

 

 

 

Bei meinem zweiten Besuch konnte ich dann auch noch erleben, wie die Meeresschildkröte und die Bambushaie gefüttert wurden. Davon, dass manche Fische ihre Schnauze aus dem Wasser strecken können oder wie sich eine Seeanemone anfühlt, konnte ich mich dabei auch noch gleich überzeugen.

 

 

 

 

Außerdem war mir am Donnerstag die Häutung der Königsboa gar nicht aufgefallen (oder wie viele Katzenhaie hier in ihren Meerjungfrauentäschchen, den sie umgebenden Eihüllen, heranwachsen).

 

04 Königsboa 01 Mar

 

In den vier Tagen dazwischen war das große Nähen angesagt. Und trotzdem wurde trotz der vielen Zeit nur eins von drei geplanten Kleidungsstücken fertig: ein luftiges Kleid für den Sommer, das ich bereits beim aktuellen „MeMadeMittwoch“ gezeigt habe. Der Blouson wurde nur zur Hälfte fertig, weil ich die Ausschnittblende nur einmal statt zweimal zugeschnitten hatte und der Stoff zu Hause lag –  und weil mir zum Kürzen des Reißverschlusses das passende Werkzeug fehlte. Die zugeschnittenen Hosenteile packte ich gar nicht erst aus. Das Einkräuseln diverser Stellen der Jacke und das Beheben des ein oder anderen Nähfehlers beim Kleid stellte sich als zeitraubender heraus als gedacht. Am Ende ging der komplette Sonntagvormittag für das Anfertigen der Knopflöcher und das Annähen der Knöpfe drauf, und so musste ich das Kleid ungebügelt präsentieren. Trotzdem hat „Sewing by the sea“ mir wieder große Freude bereitet.

Am Schluss hatte ich von allen, die gleich nach Hause fuhren, den kürzesten Weg zum nächsten Bett: Bis zum Ferienappartement war es nur ein Katzensprung von zehn Autominuten. Klein aber fein: Schlafzimmer und Wohnküche in einem… Was brauche ich mehr? Ein separates Bad (WC, Waschbecken, Dusche) war vorhanden, zum nächsten Einkaufszentrum war es auch nicht weit, und spazierengehen konnte ich auch im nahegelegenen Naturschutzgebiet unweit einer Streuobstwiese.

 

17 sheep 05 Mar

18 the boss 05 Mar

 

 

Ein letztes Wort zum Abschluss einer gelungenen Woche: Hier komm‘ ich gerne wieder her.

Me Made Mittwoch : März 2018 – lasst Blumen sprechen

 

02 Seide mit Blumen Stoffparadies

 

Moin Moin – noch ganz erfüllt von den Eindrücken der letzten Woche (ich war von Dienstag bis Dienstag in Scharbeutz, in der Lübecker Bucht), hätte ich es um ein Haar nicht geschafft, mein neuestes Schätzchen für das aktuelle Foto zum MeMadeMittwoch zu bügeln. Am aufwendigsten war das Zuschneiden, weil ich den Musterverlauf perfekt erwischen wollte – scheint mir gelungen zu sein.

7th Mar - 1

7th Mar - 2

 

Und während der Winter die Lübecker Bucht fest im Griff hatte (Reisebericht folgt noch), saß ich drinnen und nähte mir bei dem von „mamamachtsachen“ organisierten Nähwochenende „Sewing by the sea“ ein luftiges Sommerkleid aus Seide: das Modell Nr. 112 aus Burdastyle 4/2017.

Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Bluse # 111 aus dem selben Heft, aber statt der herkömmlichen Knöpfe sollte es Druckknöpfe bekommen, und einen Bindegürtel. Den Bindegürtel habe ich zwar genäht, es aber statt der Druckknöpfe bei Knöpfen zum Annähen belassen. Schließlich wollte ich jetzt endlich den Knopflochfuß verstärkt zum Einsatz bringen (was nicht immer von Erfolg gekrönt ist, aber ich bin zuversichtlich).

 

So, genug geschnackt – jetzt geht’s auch schon zur MeMadeMittwoch-Galerie mit allen Teilnehmenden.