Meine Weltreise 2018 – der Abschluß

 

War ich von Sønderborg nach Kalifornien nicht auf direktem Weg von A nach B gefahren, so legte ich auf der Heimreise eine Extratour ein. Mein Umweg führte mich über Rüterberg und die Eisenbahn-Elbbrücke bei Dömitz nach Kamerun, wo ich endlich das Geheimnis der Schafe lüftete, die mich schon beim letzten Besuch so freudig begrüßt hatten: Es waren Heidschnucken.


20180624_134017

20180624_134216


Da ich immer noch auf der Suche nach TEXAS war, gab ich als neues Ziel Hessisch-Oldendorf im Ruhrgebiet in mein Navi ein. Dazu musste ich noch nicht mal von meiner geplanten Route abweichen, die mich in Richtung Groß-Oesingen führte, wo es ein Dorf namens Texas geben soll. So ein Zufall! Dass ich am Ende fast 300 Kilometer auf Landstraßen zurücklegte, um hinter Celle endlich auf einer Autobahn zu landen, hätte ich zu Beginn auch nicht gedacht. Das Wetter wurde immer schlechter, und weil ich dank der einsetzenden Finsternis und der Regenkaskaden nicht mehr viel sah, brach ich das Unternehmen ab und gab als aktuelles und für diese Reise letztes Ziel Eschbach bei Usingen in mein Navi ein.


20180624_125715

20180624_130021

20180624_130333

20180624_132137


Im Gegensatz zu den anderen hatte ich kaum Staus zu beklagen, war schließlich aber dann doch froh, als endlich die Ausfahrt in Richtung Bad Nauheim nahte und ich ohne nerviges Gedrängel endlich entspannt die letzten Kilometer durch den Taunus gondeln konnte. Dank der heißen Musik aus dem CD-Spieler ließ ich mich dann aber doch zum Gasgeben verführen… und wurde prompt in einer Ortschaft wegen zu schnellen Fahrens geblitzt. Das war mir aber dann doch egal, denn am Ende war ich eigentlich nur noch froh, so rechtzeitig in Eschbach anzukommen, dass ich um 22 Uhr noch die dritte Folge der aktuellen (vierten) Staffel der Serie „Poldark“ auf BBC One sehen konnte.

Zum Schluß nochmal eine Aufstellung der insgesamt gefahrenen Kilometer:

1. TEXAS (Groß Oesingen): 386 km

2. von dort über KAMERUN nach Hitzacker: ca. 80 km

3. von dort über WELT nach Flensburg: ca. 333 km

4. von dort nach Sønderborg (in der Nähe der dänischen Südsee): 45 km

5. von zurück nach KALIFORNIEN und BRASILIEN: 161 km

6. zurück nach Usingen: 594 km

Das ergibt eine Summe von rund 1600 Kilometern netto. Netto deshalb, weil darin noch nicht die Umwege und Ausflüge enthalten sind. Hinzu kommen die Rundfahrt um die Flensburger Förde, die Fahrten über die Insel Als und die Reise nach Rømø, mehr oder weniger 700 bis 800 Kilometer. Macht insgesamt ungefähr 2500 Kilometer, großzügig gerechnet. Ich glaube, damit bin ich gewappnet für längere Strecken.


Skurrilitätenkabinett

 


Mein Fazit: diese Weltreise war am Ende interessanter als ich mir sie vorgestellt hatte. Im Endeffekt sind hier alle Kontinente zusammengekommen. Ich bin auf deutschen und dänischen Straßen durch Europa gefahren, habe die Schilder eines afrikanischen Landes (Kamerun) und zweier Länder in Nord- und Südamerika (Kalifornien und Brasilien) entdeckt, habe ein weiteres in Asien (Bali) entdeckt, chilenischen Wein getrunken und Musik aus Australien gehört. Der einzige Kontinent, der mir noch fehlt, ist die Antarktis. Aber auch dazu fällt mir bestimmt noch etwas ein. Denn mit Dömitz habe ich jetzt auch noch jedes deutsche Bundesland besucht – außer Bremen, das noch in dieser Sammlung fehlt. Wie wäre es mit einem Besuch der Pinguine im dortigen Zoo?


20180619_145454


Die nächste Reise ist schon in Planung, und vielleicht nehme ich dann eine Freundin mit: und zwar mit an das Weingut am Nil. Das liegt in der Region von Bad Dürkheim an der Weinstraße. Prosit. Möge es nützen.

Meine Weltreise 2018 – Teil 4 : Kalifornien (21. bis 24. Juni)

 

 

Welcome to the Hotel California… Besser nicht, am Ende dürfen Sie zwar jederzeit auschecken, aber das Hotel niemals verlassen. Mit diesem Flachwitz wollte ich nur kundtun, dass ich sowieso nicht im Beach Hotel California gebucht hatte, sondern in einem Hotel, das direkt daneben lag und auf der anderen Seite von einer Fischräucherei flankiert wurde. Nach Fisch roch es dort aber zum Glück nicht. Zu meiner großen Freude befand sich 700 Meter weiter Brasilien. Der Spaziergang auf der Deichkrone war schon alleine deshalb ein Genuss, weil Seeschwalben in einem Höllentempo dicht über dem Boden bis an mich heranflogen, um im letzten Moment abzudrehen, und das mit wachsender Begeisterung. Und trotzdem fühlte ich mich zu keiner Zeit wie im Hitchcock-Film „Die Vögel“.


3cda0fec34f37e6f063a498e0cee760f


Dabei war ich noch nicht mal auf direktem Weg von Sønderborg nach Kalifornien gefahren. Dank eines Umwegs über WELT mit Mittagessen in Silberstedt und dichten Verkehrs in Kiel, durch das ich während der Kieler Woche durch musste, erreichte ich mein Hotelzimmer erst zwanzig Minuten vor Ende des Fußballspiels „Australien gegen Dänemark“. Ein Blick auf den Bildschirm bewies mir, dass ich nichts verpasst hatte. Eine Tageszeitung in Flensburg hatte den Stil dieser Mannschaft wie folgt beschrieben: „Australien spielt Fußball wie von einem anderen Stern. Einem Stern, der in der Vergangenheit liegt.“ Diesen Eindruck hatte ich auch. Ich ließ Fußball Fußball sein und gönnte mir lieber ein riesiges Stück Erdbeertorte.


 


Im Fischrestaurant schloss die Küche zwar schon um halb neun, und ich erschien zwei Minuten vor halb neun, aber man brachte mir trotzdem noch Fisch, auf den ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte. Und weil die Leute hier so freundlich waren und das Essen so gut, kam ich am nächsten Tag wieder. Dann aber schon um 18 Uhr. Und weil ich das auch noch nie gemacht habe, ging ich morgens zur Kurverwaltung und mietete einen Strandkorb. Schon immer hatte ich mir das so romantisch vorgestellt und mich gefragt, was für ein Gefühl das wohl sein mochte. Danach wusste ich es: Verdammt hart und unbequem – nach drei Stunden tat mir der Hintern weh, und ich gab den Schlüssel zurück, noch bevor die Verwaltung ihre Pforten für den Tag schloss.

An meinem letzten Tag fuhr ich nach Laboe, um mir von der Strandpromenade die Windjammerparade anzuschauen. Ein Großsegler nach dem anderen, begleitet von kleineren Segelschiffchen und noch kleineren Booten fuhr von Kiel aus durch die Kieler Förde und wurde von allen auf der Promenade bewundert und ausgiebig fotografiert.


20180623_120611


Mit dem Handy kamen dabei zwar nicht die prickelndsten Bilder dabei heraus, aber für mich zur Erinnerung reichten sie durchaus. Prickelnd war dafür der Wind, besser gesagt: er biß ziemlich und ging mir durch und durch; da war mir immer mehr nach einem Saunabesuch. Aber damit fing die Misere erst an. Das Bad an der Strandpromenade von Laboe hatte zwar eine Schwimmhalle, aber keine Sauna. Die Schwimmhalle in Preetz hatte zwar auch eine Sauna, war aber wegen Grundreinigungsarbeiten noch bis einschließlich Sonntag geschlossen. Und die Therme in Schönkirchen hatte eine Saunalandschaft, aber zum Schwimmen nur ein winziges Solebecken.


20180623_165442


Das Gelbe vom Ei war diese Lösung zwar nicht, aber auf meiner Odyssee durch das Probsteier Land habe ich eine winzige Siedlung namens Bali entdeckt – klar, dass auch dieses Schild in meine Weltreisesammlung aufgenommen wurde. Und weil der Tag so anstrengend, aber auch so interessant gewesen war, schaute ich zusammen mit drei Gästen aus Hamburg und dem Hotelbesitzer das Vorrundenspiel „Deutschland gegen Schweden“ an.

Meine Weltreise 2018 – Teil 3 : Sønderborg (15. bis 21. Juni)

 

 

Südjütland ist wunderschön. Willkommen im Land an der dänischen Südsee. Aloha! – Davon konnte ich mich bei ausgedehnten Ausflügen überzeugen; aber nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto. Wenn ich schon mal meinen Kleinen laufenlassen kann, dann will ich es aber richtig wissen. Angeschaut habe ich mir unter anderem: Nordborg — Augustenborg — Gråsten — Rømø — Aarø — und natürlich Sønderborg .


20180615_185346.jpg


Den Versuch, die gefahrenen Kilometer zu ermitteln, habe ich irgendwann aufgegeben. Aber ich hatte schon einen neuen Plan geschmiedet: Weil ich das Schloß von Glücksburg noch gar nicht gesehen hatte, begab ich mich am Sonntag auf „große Fahrt“. Der Plan bestand darin, das Auto in Glücksburg abzustellen, von dort aus die Fördefahrt nach Flensburg und zurück mitzumachen – mit einer Stunde Aufenthalt in Flensburg, um dort die verlorenen Bilder ein zweites Mal zu knipsen – und dann nach Glücksburg zurückzufahren. Leider machte mir der Parkscheinautomat einen Strich durch die Rechnung, also fuhr ich nach dem Genuß einer Tasse Kaffee mit dem Auto weiter nach Flensburg, vorbei an meinem Hotel, und stellte das Auto vor dem ZOB ab.


20180617_123219


 

Und weil kein Werktag war, konnte ich mir mittags in meinem Lieblingslokal endlich die gegrillte Makrele bestellen, die es unter der Woche nur abends gab. Das Wetter war an diesem Tag auch viel besser zum Fotografieren, und ich konnte das Dampfschiff Alexandra bei den Vorbereitungen zum Ablegen beobachten. Fahrten mit diesem Schiff sind rar, nur an wenigen Sonntagen im Jahr – und genau einen davon hatte ich erwischt… aber keine Lust, mitzufahren. Von außen gesehen, fand ich den Dampfer sowieso viel faszinierender. Was allerdings nicht klappte, war das Fotografieren bestimmter Grafiken und Ampelmännchen in der Fußgängerzone. Die Einkaufspassage, in der die Grafiken hingen, war abgesperrt und die Ampeln abgeschaltet, weil Sonntag war. Schade drum, aber nicht zu ändern.


1dfdd448dc08675b0c82cf6d7c1608b8

3eb8fa0cbd3bbcf84cb5e3510a15fd23

4f05055956af32e8d3b58aa56bf9d7f0

harley

Lasset die Spiele beginnen: Game of Thrones – Pippi Langstrumpf – Avatar (Aufbruch nach Pandora) – Sons of Anarchy.


In Dänemark fand ich dann auch ein Geburtstagsgeschenk für meine Schwester und ganz viele wunderbare Erlebnisse: hilfsbereite Menschen, idyllische Strände, lustige Verkehrs-, Straßen- und Nummernschilder, Yachten und Segelschiffe, leckere Eissorten und andere Leckereien (Burger, Spareribs, Flammkuchen, Toast mit Shrimps, Pasta….), eine super Stimmung beim Harleytreffen am Amerikatag und beim Public Viewing jeden Tag, ein Holzskulpturenfestival, haufenweise saubere Toiletten alle Nase lang und die Erkenntnis, dass die ich die Mittsommernacht im falschen Land erleben würde.

Und was die WM angeht: Ja, ich als latente Nicht-Fußballguckerin fieberte mit vielen Teams mit, ob sie den Sprung von der Vorrunde ins Achtelfinale schaffen würden – und es war mir ganz egal, dass Deutschland gegen Mexiko verlor. Die mexikanischen Fans waren völlig aus dem Häuschen und in ihrer ungebremsten Freude der Knaller. Geschminkt, kostümiert und ausgelassen, ohne ausfallend zu werden – Chapeau! Aber nicht den Sombrero: den durften die Jungs gerne behalten.


20180616_210852


Der Knaller waren auch die Eissorten: Karamelleis, Eis mit Daimstückchen, Lakritzeis… und die Hotdogs erst! Besser als Burger. Der letzte Teil der Reise führte mich nach Kalifornien und Brasilien

2ed213f5d1fc799dd6d47bce7a24503c

Meine Weltreise 2018 – Teil 2 : Flensburg (13. bis 15. Juni)

Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Toll – und wo? So ratlos stand ich am Nachmittag am Rande einer belebten Durchgangsstraße in Flensburg, nachdem ich in WELT zu Mittag gegessen und den berüchtigten Elbtunnel bewältigt hatte. Diese Fahrt war äußerst lehrreich gewesen. So wusste ich jetzt zum Beispiel, wie man nach Wacken kommt und wo Uetersen liegt – der Ort, nach dem unsere Rosen in Eschbach benannt sind. Später ging mir dann auf, dass ich nach meinem Kurzbesuch in Mecklenburg-Vorpommern nun in wirklich jedem Bundesland außer in Bremen gewesen bin. Doch dort würde ich auf meiner Reise nicht mehr hinfahren. Meine Pläne stieß ich so schnell nicht um? Oder doch? Vorerst jedoch nicht. Das Hotel bzw. das Gästehaus fand ich dann doch noch, indem ich eine Runde um den Block fuhr und dann das Ziel erneut ansteuerte. Es befindet sich an einer stark befahrenen, vierspurigen Straße, doch zum Glück ging mein Zimmer im dritten Stock (Jugendstilbau ohne Aufzug) nicht nach vorne zur Straße raus, sondern zum Nachbarhaus.


20180613_174620


Und weil der große Saal im Erdgeschoß (einst ein Tanzsaal) gerade renoviert wurde, führte der Weg zum Frühstücksraum zunächst zur Haustür raus und die Treppenstufen zur Straße runter und dann auf der anderen Seite wieder rauf. Über einen Mangel an Bewegung konnte ich mich nicht beklagen, und auch das Frühstück war top, was störte mich da der verblasste Glanz des Jugendstils? Außerdem waren die Gastgeber herzlich und zuvorkommend, und die Bushaltestelle und eine Bäckerei befanden sich genau gegenüber. Da konnte ich das Auto stehenlassen und mit dem Bus in die Stadt fahren, besser gesagt zum ZOB, um von dort zu meinen Spaziergängen durch den Hafen aufzubrechen. Fischbrötchen und Limo von einer Bude schmecken auf der Hafenmole am Abend noch besser, wenn man einen Blick auf die Schiffe werfen kann, die hier vor Anker liegen.

Ein großes Fährschiff der Irish Ferries interessierte mich besonders. Bei einer knapp zweistündigen Fördefahrt an den Ochseninseln vorbei nach Glücksburg und zurück kamen wir an der W.B.Yeats vorbei, die in dieser Werft gerade neu gebaut wird. Ein Neubau mit Hindernissen, die in diesem Artikel (den Text zum Link gibt’s ganz unten) beschrieben werden.

In Flensburg besuchte ich außerdem das Schiffahrtsmuseum mit dem darin befindlichen Rum-Museum und begab mich auf Shoppingtour, bei der ich ein paar Autofahrerhandschuhe aus blauem Leder und ein paar Handschuhe aus Wollwalk in Magenta erstand. Winter is coming… irgendwann. Die kluge Frau baut vor. Außerdem fanden auch noch mehrere Meter Stoff (African Waxprint made in the Netherlands) und ein paar neue CDs den Weg in mein Gepäck: neben einem Album von The Script und einer Greatest-Hits-CD von Runrig auch das Album „Gold“ von ABBA. Diese Sammlung der bekanntesten Hits habe ich mir als Musikkassette 1999 auf meiner Reise durch Cornwall gekauft, als ich entdeckte, daß mein Mietwagen nur ein Tapedeck besaß. Da dies, neben einer Single-Kassette von Garbage, so ziemlich die einzige Musik gewesen war, lief sie eine Woche lang in Dauerschleife, und trotzdem war das ein super Urlaub gewesen, trotz einiger Pannen.


 

2c701ae6c322f937df23985e048bc7cc


 

Kann man so ein Gefühl wiederholen? Die Antwort lautet Nein. Jedenfalls nicht mit ABBA. Doch dafür machte ich eine andere Entdeckung. Ich hatte, neben einem spannenden Hörbuch, das man nur einmal hören kann, so viele gute CDs dabei (alphabetisch geordnet): ABBA, Depeche Mode, Florence & The Machine, INXS, Loreena McKennitt, Pink, Runrig, Zola Jesus… und trotzdem ertappte ich mich dabei, wie ich ständig zur gleichen Greatest-Hits-CD griff und ich sozusagen in einer Art australischer Dauerschleife durch die Weltgeschichte fuhr. Create your own soundtrack while the film changes its plot from day to day.


 

bfda91064374c73b9d2ad296656a9ae5

 


 

Leider war damit war das Schicksal der australischen Fußballmannschaft bei der WM besiegelt, denn sie schieden noch vor dem Achtelfinale aus – aber das ist eine Geschichte, die sich später ereignen sollte. Richtig losgehen mit der WM sollte es nämlich in Dänemark, auf das ich mich schon so richtig freute. Mein Ziel lag auch nur 45 Kilometer entfernt von Flensburg, also Zeit genug für mich, um die Gegend zu erkunden.


 

20180613_193350

 


 

Was ich statt dessen erkundete, waren ein Rastplatz an der E45, den Strand von Sønderborg mit seiner Promenade (und der Eisbude darauf) und die Innenstadt von Sønderborg, weil ich das Hotel nicht fand. Mein Navi funktionierte in Dänemark nicht, weil ich die entsprechende Software nicht hatte. Aber wozu hat man denn ein Telefon und die Nummer der Vermieterin? Die erklärte mir den Weg, und nach einer weiteren Fragerunde in einem Baumarkt kam ich dann auch tatsächlich an.


 

20180616_094511

 


 

Allerdings nur noch mit einem Teil meines Gepäcks, denn unterwegs hatte sich die Kofferraumklappe geöffnet und eine Jacke und meine Kameratasche mit meinem Fotoapparat und allem Zubehör (Kabel, Ladegerät, Akkus) in die Freiheit entlassen. Gut, dass ich wenigstens sämtliche Bilder der vergangenen vier Jahre auf dem Rechner zu Hause abgespeichert hatte, dennoch waren alle Fotos der letzten vier Tage unwiederbringlich verloren. In diesem Moment wurde mir klar, dass ein neuer Plan her musste.
20180617_124705

Doch dazu komme ich im nächsten Kapitel. Vorher gibt’s zum Schluss noch den Artikel aus den Kieler Nachrichten über die W.B. Yeats: 

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft hat größere Probleme als erwartet mit dem Neubau W.B.Yeats. Die für Juni geplante Ablieferung des Neubaus muss deshalb verschoben werden. Die für Juli geplanten Abfahrten des neuen Schiffes musste die Reederei jetzt fast komplett absagen. Wie die Fährreederei in Dublin mitteilte, sei man gezwungen, die Abfahrten zwischen dem 12. und 29. Juli mit der „W.B.Yeats“ zu streichen. Betroffen seien davon etwa 2300 Kunden, die bereits am Freitag per Mail informiert wurden, teilte die Reederei in Dublin mit. Jedem Kunden sei eine vollständige Rückerstattung des Fahrpreises oder eine Umbuchung auf die andere Fähre angeboten worden. Die meisten Kunden entscheiden sich laut der Reederei für eine andere Fähre von Irish Ferries. Auf der Route von Dublin nach Cherbourg betreibt die Reederei die Fähre „Oscar Wilde“, bei der es sich um die ehemalige Kiel-Oslo-Fähre „Kronprins Harald“ handelt. Sie wird jetzt einen Großteil der Buchungen der „W.B.Yeats“ übernehmen.

Die Probleme beim Bau der W.B.Yeats liegen in der Ausrüstung. Die Fähre war im Januar als größter Neubau in der Geschichte der Werft vom Stapel gelaufen und sollte den Weg in das Segment der Kreuzfahrtschiffe einläuten. Der 194 Meter lange Neubau soll bis zu 165 Lastwagen und 300 PKW sowie 1885 Passagiere befördern können. An Bord gibt es 435 Kabinen. Einige Suiten sollen sogar einen eigenen Balkon bekommen. Unter der Baunummer 771 war der Bau im April 2017 begonnen worden. Während der Rumpf in Flensburg in der Werfthalle gebaut wurde, kamen die Aufbauten in drei Sektionen aus Polen. Das Auftragsvolumen liegt laut Reederei bei rund 150 Millionen Euro.“

Deshalb hatte ich auch die Chance, das Schiff abzulichten. Wäre es planmäßig ausgeliefert worden, hätte ich es nicht mehr gesehen.

Meine Weltreise 2018 – Teil 1 : Hitzacker (11. bis 13. Juni)

 

Mit einem GEO-Magazin über Weltreisen hatte alles angefangen: So plante ich nun meine eigene, ganz private „Weltreise“: über Texas und Kamerun nach Hitzacker, weil ich mir die Dorfrepublik Rüterberg anschauen und die Schönheit der Elbauen auf mich wirken lassen wollte. Von dort sollte es dann weiter über das Dorf WELT nach Flensburg gehen, von dort nach Sønderborg, und zum Schluss nach Kalifornien und Brasilien, bevor ich nach Hause zurückkehren würde. Aus nostalgischen Gründen und weil ich Geld sparen wollte, übernachtete ich in der Jugendherberge von Hitzacker.

In dem kleinen Städtchen an der Elbe kaufte ich ein Tagebuch, um es mit meinen Erlebnissen handschriftlich zu füllen – dort entdeckte ich auch, dass es in der Festung Dömitz eine Marunde-Ausstellung gab. Marunde ist ein bekannter Cartoonist, dessen Comics früher in jeder Ausgabe der Zeitschrift BRIGITTE zu finden waren.


20180611_182942


In Dömitz erfuhr ich dann nicht nur, dass sich die Ausstellung auf einen Raum beschränkte, sondern auch von der Dame, die die Eintrittskarten verkauft, wie es war, in Rüterberg, zu DDR-Zeiten doppelt eingezäunt, aufzuwachsen. Passieren durfte man den Grenzposten nur zwischen fünf Uhr morgens und elf Uhr nachts – wer später kam, hatte Pech gehabt. Wenn ich so überlege, dann muss Rüterberg eine Exklave der DDR, als Enklave auf dem Staatsgebiet der DDR gewesen sein. Und dennoch wollte anscheinend keiner von dort weg. Auch nicht in die Bundesrepublik, die am anderen Elbufer begann. Am 8. November 1989 gab es dort eine Versammlung, auf der die Anwesenden einstimmig ihre eigene Republik ausrufen, nach dem Schweizer Vorbild mit dem Rütli-Schwur. Am nächsten Tag kam dann aber die Wende, und trotzdem darf das Dorf offiziell die Bezeichnung „Dorfrepublik 1967-1989“ führen. Ich bekam das Gefühl, mich nicht nur auf einer Weltreise zu befinden, sondern auch auf einer Zeitreise.


20180624_131819


Auch die Eisenbahn-Elbbrücke von Dömitz mit ihren scheinbar unendlich vielen Bögen aus korrodiertem Metall noch einmal zu sehen, die sich malerisch in die Elbauen erstrecken, hatte etwas nostalgisches für mich. Für viele ein geschichtsträchtiger Ort, für mich ein Denkmal der Industriekultur, für den neuen Eigentümer ein Investment, an dem sich der Staat beteiligen darf: Angeblich soll die Brücke begehbar gemacht werden – mit einem Glasboden? Hm, vermutlich wird er später Eintritt verlangen, und ich wette, viele Touristen werden sich diesen Spaß etwas kosten lassen. Somit wären dann zwar alle fein raus, aber mit der Ruhe wäre es dann vorbei.


20180624_131916


A propos Ruhe: Die hatte ich zwar in der JuHe nicht, aber ich hatte sie auch nicht erwartet. Und sogar in dem ansonsten stillen Hitzacker (die Rush-Hour um 19 Uhr bestand aus ganzen zehn Autos) gab es musikalische Unterhaltung der anderen Art: eine Privatfeier in einem Haus, bei der jemand sang und ein anderer Gitarre spielte, verlockte mich dazu, es mir draußen auf einer Bank gemütlich zu machen und den Klängen zu lauschen. Einfach schön. Die absolute Ruhe habe ich dagegen in Kamerun gefunden, wo man auf dem Deich spazierengehen und die wunderbare Aussicht genießen kann.


3e3e0ea356864e438b3fda9ae22a161d