Meine Weltreise 2018 – Teil 1 : Hitzacker (11. bis 13. Juni)

 

Mit einem GEO-Magazin über Weltreisen hatte alles angefangen: So plante ich nun meine eigene, ganz private „Weltreise“: über Texas und Kamerun nach Hitzacker, weil ich mir die Dorfrepublik Rüterberg anschauen und die Schönheit der Elbauen auf mich wirken lassen wollte. Von dort sollte es dann weiter über das Dorf WELT nach Flensburg gehen, von dort nach Sønderborg, und zum Schluss nach Kalifornien und Brasilien, bevor ich nach Hause zurückkehren würde. Aus nostalgischen Gründen und weil ich Geld sparen wollte, übernachtete ich in der Jugendherberge von Hitzacker.

In dem kleinen Städtchen an der Elbe kaufte ich ein Tagebuch, um es mit meinen Erlebnissen handschriftlich zu füllen – dort entdeckte ich auch, dass es in der Festung Dömitz eine Marunde-Ausstellung gab. Marunde ist ein bekannter Cartoonist, dessen Comics früher in jeder Ausgabe der Zeitschrift BRIGITTE zu finden waren.


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In Dömitz erfuhr ich dann nicht nur, dass sich die Ausstellung auf einen Raum beschränkte, sondern auch von der Dame, die die Eintrittskarten verkauft, wie es war, in Rüterberg, zu DDR-Zeiten doppelt eingezäunt, aufzuwachsen. Passieren durfte man den Grenzposten nur zwischen fünf Uhr morgens und elf Uhr nachts – wer später kam, hatte Pech gehabt. Wenn ich so überlege, dann muss Rüterberg eine Exklave der DDR, als Enklave auf dem Staatsgebiet der DDR gewesen sein. Und dennoch wollte anscheinend keiner von dort weg. Auch nicht in die Bundesrepublik, die am anderen Elbufer begann. Am 8. November 1989 gab es dort eine Versammlung, auf der die Anwesenden einstimmig ihre eigene Republik ausrufen, nach dem Schweizer Vorbild mit dem Rütli-Schwur. Am nächsten Tag kam dann aber die Wende, und trotzdem darf das Dorf offiziell die Bezeichnung „Dorfrepublik 1967-1989“ führen. Ich bekam das Gefühl, mich nicht nur auf einer Weltreise zu befinden, sondern auch auf einer Zeitreise.


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Auch die Eisenbahn-Elbbrücke von Dömitz mit ihren scheinbar unendlich vielen Bögen aus korrodiertem Metall noch einmal zu sehen, die sich malerisch in die Elbauen erstrecken, hatte etwas nostalgisches für mich. Für viele ein geschichtsträchtiger Ort, für mich ein Denkmal der Industriekultur, für den neuen Eigentümer ein Investment, an dem sich der Staat beteiligen darf: Angeblich soll die Brücke begehbar gemacht werden – mit einem Glasboden? Hm, vermutlich wird er später Eintritt verlangen, und ich wette, viele Touristen werden sich diesen Spaß etwas kosten lassen. Somit wären dann zwar alle fein raus, aber mit der Ruhe wäre es dann vorbei.


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A propos Ruhe: Die hatte ich zwar in der JuHe nicht, aber ich hatte sie auch nicht erwartet. Und sogar in dem ansonsten stillen Hitzacker (die Rush-Hour um 19 Uhr bestand aus ganzen zehn Autos) gab es musikalische Unterhaltung der anderen Art: eine Privatfeier in einem Haus, bei der jemand sang und ein anderer Gitarre spielte, verlockte mich dazu, es mir draußen auf einer Bank gemütlich zu machen und den Klängen zu lauschen. Einfach schön. Die absolute Ruhe habe ich dagegen in Kamerun gefunden, wo man auf dem Deich spazierengehen und die wunderbare Aussicht genießen kann.


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