Meine Weltreise 2018 – Teil 2 : Flensburg (13. bis 15. Juni)

Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Toll – und wo? So ratlos stand ich am Nachmittag am Rande einer belebten Durchgangsstraße in Flensburg, nachdem ich in WELT zu Mittag gegessen und den berüchtigten Elbtunnel bewältigt hatte. Diese Fahrt war äußerst lehrreich gewesen. So wusste ich jetzt zum Beispiel, wie man nach Wacken kommt und wo Uetersen liegt – der Ort, nach dem unsere Rosen in Eschbach benannt sind. Später ging mir dann auf, dass ich nach meinem Kurzbesuch in Mecklenburg-Vorpommern nun in wirklich jedem Bundesland außer in Bremen gewesen bin. Doch dort würde ich auf meiner Reise nicht mehr hinfahren. Meine Pläne stieß ich so schnell nicht um? Oder doch? Vorerst jedoch nicht. Das Hotel bzw. das Gästehaus fand ich dann doch noch, indem ich eine Runde um den Block fuhr und dann das Ziel erneut ansteuerte. Es befindet sich an einer stark befahrenen, vierspurigen Straße, doch zum Glück ging mein Zimmer im dritten Stock (Jugendstilbau ohne Aufzug) nicht nach vorne zur Straße raus, sondern zum Nachbarhaus.


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Und weil der große Saal im Erdgeschoß (einst ein Tanzsaal) gerade renoviert wurde, führte der Weg zum Frühstücksraum zunächst zur Haustür raus und die Treppenstufen zur Straße runter und dann auf der anderen Seite wieder rauf. Über einen Mangel an Bewegung konnte ich mich nicht beklagen, und auch das Frühstück war top, was störte mich da der verblasste Glanz des Jugendstils? Außerdem waren die Gastgeber herzlich und zuvorkommend, und die Bushaltestelle und eine Bäckerei befanden sich genau gegenüber. Da konnte ich das Auto stehenlassen und mit dem Bus in die Stadt fahren, besser gesagt zum ZOB, um von dort zu meinen Spaziergängen durch den Hafen aufzubrechen. Fischbrötchen und Limo von einer Bude schmecken auf der Hafenmole am Abend noch besser, wenn man einen Blick auf die Schiffe werfen kann, die hier vor Anker liegen.

Ein großes Fährschiff der Irish Ferries interessierte mich besonders. Bei einer knapp zweistündigen Fördefahrt an den Ochseninseln vorbei nach Glücksburg und zurück kamen wir an der W.B.Yeats vorbei, die in dieser Werft gerade neu gebaut wird. Ein Neubau mit Hindernissen, die in diesem Artikel (den Text zum Link gibt’s ganz unten) beschrieben werden.

In Flensburg besuchte ich außerdem das Schiffahrtsmuseum mit dem darin befindlichen Rum-Museum und begab mich auf Shoppingtour, bei der ich ein paar Autofahrerhandschuhe aus blauem Leder und ein paar Handschuhe aus Wollwalk in Magenta erstand. Winter is coming… irgendwann. Die kluge Frau baut vor. Außerdem fanden auch noch mehrere Meter Stoff (African Waxprint made in the Netherlands) und ein paar neue CDs den Weg in mein Gepäck: neben einem Album von The Script und einer Greatest-Hits-CD von Runrig auch das Album „Gold“ von ABBA. Diese Sammlung der bekanntesten Hits habe ich mir als Musikkassette 1999 auf meiner Reise durch Cornwall gekauft, als ich entdeckte, daß mein Mietwagen nur ein Tapedeck besaß. Da dies, neben einer Single-Kassette von Garbage, so ziemlich die einzige Musik gewesen war, lief sie eine Woche lang in Dauerschleife, und trotzdem war das ein super Urlaub gewesen, trotz einiger Pannen.


 

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Kann man so ein Gefühl wiederholen? Die Antwort lautet Nein. Jedenfalls nicht mit ABBA. Doch dafür machte ich eine andere Entdeckung. Ich hatte, neben einem spannenden Hörbuch, das man nur einmal hören kann, so viele gute CDs dabei (alphabetisch geordnet): ABBA, Depeche Mode, Florence & The Machine, INXS, Loreena McKennitt, Pink, Runrig, Zola Jesus… und trotzdem ertappte ich mich dabei, wie ich ständig zur gleichen Greatest-Hits-CD griff und ich sozusagen in einer Art australischer Dauerschleife durch die Weltgeschichte fuhr. Create your own soundtrack while the film changes its plot from day to day.


 

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Leider war damit war das Schicksal der australischen Fußballmannschaft bei der WM besiegelt, denn sie schieden noch vor dem Achtelfinale aus – aber das ist eine Geschichte, die sich später ereignen sollte. Richtig losgehen mit der WM sollte es nämlich in Dänemark, auf das ich mich schon so richtig freute. Mein Ziel lag auch nur 45 Kilometer entfernt von Flensburg, also Zeit genug für mich, um die Gegend zu erkunden.


 

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Was ich statt dessen erkundete, waren ein Rastplatz an der E45, den Strand von Sønderborg mit seiner Promenade (und der Eisbude darauf) und die Innenstadt von Sønderborg, weil ich das Hotel nicht fand. Mein Navi funktionierte in Dänemark nicht, weil ich die entsprechende Software nicht hatte. Aber wozu hat man denn ein Telefon und die Nummer der Vermieterin? Die erklärte mir den Weg, und nach einer weiteren Fragerunde in einem Baumarkt kam ich dann auch tatsächlich an.


 

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Allerdings nur noch mit einem Teil meines Gepäcks, denn unterwegs hatte sich die Kofferraumklappe geöffnet und eine Jacke und meine Kameratasche mit meinem Fotoapparat und allem Zubehör (Kabel, Ladegerät, Akkus) in die Freiheit entlassen. Gut, dass ich wenigstens sämtliche Bilder der vergangenen vier Jahre auf dem Rechner zu Hause abgespeichert hatte, dennoch waren alle Fotos der letzten vier Tage unwiederbringlich verloren. In diesem Moment wurde mir klar, dass ein neuer Plan her musste.
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Doch dazu komme ich im nächsten Kapitel. Vorher gibt’s zum Schluss noch den Artikel aus den Kieler Nachrichten über die W.B. Yeats: 

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft hat größere Probleme als erwartet mit dem Neubau W.B.Yeats. Die für Juni geplante Ablieferung des Neubaus muss deshalb verschoben werden. Die für Juli geplanten Abfahrten des neuen Schiffes musste die Reederei jetzt fast komplett absagen. Wie die Fährreederei in Dublin mitteilte, sei man gezwungen, die Abfahrten zwischen dem 12. und 29. Juli mit der „W.B.Yeats“ zu streichen. Betroffen seien davon etwa 2300 Kunden, die bereits am Freitag per Mail informiert wurden, teilte die Reederei in Dublin mit. Jedem Kunden sei eine vollständige Rückerstattung des Fahrpreises oder eine Umbuchung auf die andere Fähre angeboten worden. Die meisten Kunden entscheiden sich laut der Reederei für eine andere Fähre von Irish Ferries. Auf der Route von Dublin nach Cherbourg betreibt die Reederei die Fähre „Oscar Wilde“, bei der es sich um die ehemalige Kiel-Oslo-Fähre „Kronprins Harald“ handelt. Sie wird jetzt einen Großteil der Buchungen der „W.B.Yeats“ übernehmen.

Die Probleme beim Bau der W.B.Yeats liegen in der Ausrüstung. Die Fähre war im Januar als größter Neubau in der Geschichte der Werft vom Stapel gelaufen und sollte den Weg in das Segment der Kreuzfahrtschiffe einläuten. Der 194 Meter lange Neubau soll bis zu 165 Lastwagen und 300 PKW sowie 1885 Passagiere befördern können. An Bord gibt es 435 Kabinen. Einige Suiten sollen sogar einen eigenen Balkon bekommen. Unter der Baunummer 771 war der Bau im April 2017 begonnen worden. Während der Rumpf in Flensburg in der Werfthalle gebaut wurde, kamen die Aufbauten in drei Sektionen aus Polen. Das Auftragsvolumen liegt laut Reederei bei rund 150 Millionen Euro.“

Deshalb hatte ich auch die Chance, das Schiff abzulichten. Wäre es planmäßig ausgeliefert worden, hätte ich es nicht mehr gesehen.

2 Kommentare zu “Meine Weltreise 2018 – Teil 2 : Flensburg (13. bis 15. Juni)

  1. Falls es Dich interessiert nur so am Rande. Die Irish Ferrys ist jetzt nicht mehr hier in Flensburg und es gab da noch viel mehr Ungereimtheiten mit der Fähre und sogar von Sabotage war die Rede aber das alles nur am Rande vom nördlichen Zipfel der Republik. Eigentlich wollte ich nur sagen, wenn man das Glück hatte, zu sehen wie die Brücke und die Aufbauten mit schwimmenden Kränen auf die Fähre gesetzt wurden, war man (also ich) schon beeindruckt was so alles funktioniert. Besonders wenn man das schön gemütlich vom Bürostuhl sehen kann.

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