Meine dritte AnNäherung Süd in Würzburg

 

Kurze Triggerwarnung – bis auf Johnny Cash spiegeln die vorgeschlagenen Lieder zu jedem Abschnitt dieses denkwürdigen Wochenendes nicht meinen persönlichen Musikgeschmack wider. Ich fand lediglich die Titel so passend. Johnny Cash dagegen höre ich schon sehr gern.


 

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Be creative : travel light : enjoy

Schon zum vierten Mal fand das von mamamachtsachen.de organisierte Nähtreffen mit dem Namen „AnNäherung Süd“ in Würzburg statt (2016 habe ich ausgesetzt, deshalb ist es für mich das dritte Mal) – diesmal vom 27. bis 29. September 2018: Um die 30 Frauen treffen sich zum ungestörten Nähen, bis die Nadel glüht oder der Arzt kommt (bildlich gesprochen) und gegenseitigem Geben von hilfreichen Tips und Hilfestellungen. Einen Arzt haben wir nicht gebraucht, und im Gegensatz zu den Nadeln haben nur die Bügeleisen geglüht.

 


 


 

Bewährt, wie auch schon beim letzten Mal, hat sich für mich die Kombination aus einstündiger Fahrt mit dem ICE und Weitertransport mit dem Taxi zur Jugendherberge, weil ich ohnehin nur das Notwendigste dabei habe: also die Nähmaschine, meinen Trolley, gefüllt mit Material, den zugeschnittenen Stoffen und etwas Kleidung zum Wechseln. Zu den Vor- und Nachteilen des Bahnfahrens komme ich am Schluss. Gefahren bin ich so zeitig, dass ich es locker zum Kaffeetrinken um 15 Uhr geschafft habe. ~~~~ Musiktip : „Leichtes Gepäck“ von Silbermond

 

 

my projects : Etuikleid #113 aus Burda style 10/2018 & Jogginghose #106A aus Burda style 4/2017


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Jede hatte mindestens zwei Projekte dabei – ich jedoch nicht, denn ich brauche meistens deutlich länger als andere, auch wenn das jeweils von mir bevorzugte Modell laut Anleitung relativ flott genäht werden kann. In diesem Fall aber lag der Schwierigkeitsgrad bei drei bis vier Punkten, also eher etwas für Könner oder Fortgeschrittene, aber bestimmt nichts, was schnell von der Hand geht. Angefangen habe ich mit dem Etuikleid, bestehend aus asymmetrischen Teilen, am Freitag nach dem Abendbrot und bin am Samstagnachmittag kurz vor 15 Uhr damit fertig geworden. Den Stoff habe ich im Juni dieses Jahres in Flensburg in einem kleinen Laden gekauft: zwei Meter zartgrüner Jersey mit weißen stilisierten Pusteblumen.

 


 

 

 


 

Mit dieser Menge bin ich gerade so hingekommen, weil ich die Nahtzugaben von 1,50 cm auf 1,0 cm und die Saumzugaben von 4 cm auf 3 cm reduziert habe; sonst hätte ich die Schnitteile, von denen nur eins im Stoffbruch zugeschnitten wird, nicht untergebracht. Jedenfalls war das meine These, die ich dann vor Ort sofort revidiert habe, weil mir beim Zuschneiden doch ein Fehler passiert ist. Der bestand darin, dass ich den Stoff doppelt gelegt hatte – auch unnötigerweise bei den Teilen, die nur einmal zugeschnitten werden müssen. Dadurch hatte ich ein vorderes Oberteil und eine vordere Rockbahn doppelt, was mir noch nie passiert ist; und am Ende habe ich diese beiden Reserveteile nicht gebraucht, denn beim Nähen ist alles glattgegangen. Sämtliche Falten laufen bei mir übrigens in dieselbe Richtung, und nicht, wie auf dem Schnittbogen eingezeichnet, beim Oberteil voneinander weg. Die meiste Zeit hat übrigens nicht das Nähen beansprucht, sondern das akkurate Abstecken der acht Abnäher (2 an der hinteren Rockbahn, 4 am Oberteil und 2 an den Ärmeln) und die insgesamt vier Falten am Oberteil und der vorderen Rockbahn. Nichts sieht nämlich bescheidener aus, als Fäden, die vom Vorderteil herabhängen oder daraus hervorschauen; also ziehe ich sie von Hand auf die Rückseite, und das bedeutet Einfädeln in ein viel zu kleines Öhr. Queen of Einfädling werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. ~~~~ Musiktip – link zu youtube : „40 shades of green“ von Johnny Cash

Bevor es mit der Hose weiterging, brauchte ich dringend eine längere Pause im Freien. Mitkommen wollte niemand, und so zog ich alleine los, um den sonnigen Nachmittag bei einer Kugel Erdnußeis zu genießen, dazu noch ein Spaziergang den Main runter und auf der anderen Seite wieder rauf, während ich meine auf dem Handy gespeicherte musikalische Neuerwerbung von 1992 hörte – da waren die Menschenmassen auf der Alten Mainbrücke fast schon wieder erträglich, auch wenn es einer der Straßenmusiker mit seinem Verstärker ordentlich krachen ließ. Weintrinken auf der Brücke unter Dauerbeschallung möchte ich dann doch lieber nicht, wenn das bedeutet, dass ich mich in eine lange Schlange vor dem Weinlokal einreihen muss. ~~~~ Musiktip : „Frische Luft“ von Wincent Weiss

 


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A propos „Einreihen“: Einreihen musste ich diesmal nichts, aber dafür Heften wie ein Meister, und zwar bei der Jogginghose mit Taschen in Hüfthöhe, die mit Reißverschlüssen geöffnet und verschlossen werden können. Verwendet habe ich aber keinen Sweatshirtstoff, sondern einen dunkelblauen Baumwollsatin mit eingewebtem Rautenmuster, den ich bei der zweiten Bielefelder AnNäherung in Verl gekauft hatte und der ausfärbt wie Sau. Von wegen Blau steht jeder Frau. Meine Hände sahen aus wie nach dem erkennungsdienstlichen Abnehmen der Fingerabdrücke.

Ob ich den gutgemeinten Rat von einer anderen Mitstreiterin, die Hose gar nicht erst anzuziehen, beherzige, weiß ich noch nicht. Falls nochmaliges Waschen unter Einsatz von Farbfangtüchern nicht hilft, dieses Problem aus der Welt zu schaffen, habe ich halt das teuerste Probemodell meines Lebens angefertigt.

Die Hose hatte ich schon für ein anderes Nähtreffen im Februar 2018 vorbereitet und zusammen mit dem restlichen Material (Ösen, Kordel, Gummiband) mit an die Ostsee geschleppt, dann aber dort doch nicht genäht. Nun bekam sie eine zweite Chance, wurde aber wieder nicht fertig, da ich mir für das Heften der Teile, die beim Zusammennähen der Hosenbeine nicht verrutschen sollen, viel Zeit nahm und damit erst kurz vor dem Mittagessen abschließen konnte. ~~~~ Musiktip : „Blueprint of my lover“ von den Rainbirds

 


 


 

this is the end : der gelungene Abschluss

 

Nach dem schnell inhalierten Mittagessen gab es den krönenden Abschluss, bei dem jede das vorführte, was sie in der kurzen Zeit genäht hatte. Das sogenannte Defilée wurde in Themen untergliedert, also zuerst die Kleider, dann die Röcke, dann die Hosen, usw. – ich war so frei, mich in meinem Kleid zu präsentieren und dann die Clownshose des Grauens mit Hilfe eines Handtuchs hochzuhalten, damit sie jeder sehen konnte, ich aber keine blauen Finger bekam. Ich mag zwar Wiederholungen, aber zwanzigmaliges Händewaschen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.


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Zu den Kleidungsstücken der anderen, die mir am besten gefielen, gehören eine schwarze Hose mit Bindegürtel nach einem russischen Schnitt, ein Kleid mit Flamingoprint und eine Jacke aus Doubleface (von außen dunkelblau – von innen braun mit Pepitamuster) mit Bindegürtel. Ich habe mit Absicht keine Namen genannt – doch wer sich wiedererkennt, darf sich gerne bei mir melden und „hier“ schreien. ~~~~ Musiktip : „Das Model“ von Kraftwerk

 

Vor- und Nachteile des Bahnfahrens.

 

Für Hin- und Rückreise im ICE habe ich für Fahrkarten der 1. Klasse im Großraumwagen 127,50 Euro bezahlt. Darin enthalten sind die Kosten für die Platzreservierung von 6,90 Euro pro Fahrt. Wenn der Preisunterschied zwischen zweiter und erster Klasse 14 Euro beträgt, lohnt es sich schon, mal über eine Reise in der 1. Klasse nachzudenken. Erstens ist das Plazangebot dort besser, wenn man mehrere kleine Gepäckstücke dabei hat, und zweitens bekommt man Speis und Trank an den Platz gebracht. Wider Erwarten war der Kaffee im Porzellanbecher sogar stark und genießbar.

Natürlich kann es immer passieren, dass bei einem Zug plötzlich die Wagen ganz anders aneinadergereiht werden und man in seinen Wagen von einem anderen Gleisabschnitt aus einsteigen darf, wenn man nicht durch den halben Zug pilgern möchte. Blöd wird’s nur dann, wenn der Zug auch noch von einem anderen Gleis abfährt und der Zustieg in den Wagen trotzdem von einem Abschnitt irgendwo in der Mitte des Gleises erfolgen soll.

Das ist mir auf der Rückreise zum Glück nicht passiert, aber 30 Minuten Verspätung sind trotzdem kein Spaß, genauso wenig wie Sauna to go in der zweiten Klasse und Gefriertruhe in der ersten. Wenigstens wusste ich dann wieder, wieso ich die einzige war, die nur im T-Shirt eingestiegen war, während alle anderen Passagiere sich in warme Jacken gehüllt hatten. Zum Glück hatte ich sie schnell aus dem Trolley gezogen. ~~~~ Musiktip : „Deutsche Bahn“ von den Wise Guys.

 


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Trotz der ein oder anderen kleinen Panne war’s ein schönes Wochenende, und ich bedanke mich ganz herzlich bei der Organisatorin dafür – sowie bei allen anderen, ohne die das Treffen kaum so viel Spaß gemacht hätte.

 

 

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4 Kommentare zu “Meine dritte AnNäherung Süd in Würzburg

    • Hey, du wohnst in Würzburg? Cool. Aber ich sage aus strategischen Gründen nie, wann ich wegfahre. Soll bloß kein Fiesmöpp von Einbrecher auf die Idee kommen, meine Abwesenheit schamlos auszunutzen.

      Zum Flanieren hätte ich nicht so viel Zeit gehabt, denn wir haben von früh bis spät genäht und gefachsimpelt.

      Die eine Stunde, die ich am Main entlangspaziert bin, war für mich nur eine kurze Pause, und außer mir wollte auch niemand raus.

  1. Pingback: Me Made Mittwoch : Oktober 2018 – wenn der Sommer vorbei ist … | Blaupause7

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