# Writing Friday – week 27

 

Der Writing Friday ist ein Projekt, das ich bei elizzy entdeckt habe. Jeden Freitag veröffentlichen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Beitrag, den sie zu einem vorgegebenen Thema geschrieben haben, sei es als Kurzgeschichte, Gedicht, oder ähnlichem – genaueres steht in den Regeln, die ich am Ende meines Beitrags aufgeführt habe. Und im Juli gibt es wieder einige neue Schreibaufgaben, aus denen wir uns aussuchen dürfen, was wir möchten. Meine Wahl ist diesmal auf folgendes Thema gefallen: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter, Buch“

 

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Simplicissimus

…. and the winner is… dramatischer Trommelwirbel … Lea!“

Das Gelächter um sie herum schwoll zu ohrenbetäubender Lautstärke an. Am liebsten hätte Lea sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen. Alles, nur das nicht, dachte sie: Nicht nur, dass ihr soeben per Los das uninteressanteste Thema für ihre Semesteraufgabe zugefallen war, wo sie doch nichts mehr hasste als das Vortragen von Referaten und Aufsätzen… bei dieser Lotterie wurden auch die übrigen Mitglieder ihrer Arbeitsgruppe ermittelt, und am liebsten hätte sie ausgerechnet diese beiden auf den Mond geschossen. Ausgeschlossen, dass von den anderen mit ihr, der Außenseiterin, jemand tauschen würde. Sie, Jo und Michael – ihr würde wohl nichts anderes übrig bleiben, als das Ergebnis der Auslosung zu akzeptieren.

Dass mit Jo, diesem Großmaul, ebenfalls niemand tauschen wollte, war das einzige, das sie halbwegs tröstete. Geschieht ihm recht, dachte sie, dass ihm das nicht passt, mit den größten Losern weit und breit ein Team bilden zu müssen. Ja, dumm gelaufen für ihn. Vor seinen Freunden würde er jetzt nicht ganz so toll dastehen, aber die Schadenfreude währte nur kurz. In den nächsten Wochen würden sie zusammen das langweiligste Buch aller Zeiten durcharbeiten müssen, um einen halbwegs brauchbaren Vortrag zum Thema „Komödie“ zusammenzuschustern. Ihr war schon von vornherein klar, wie die Arbeitsaufteilung aussah: Sie durfte sich alleine durch diese dicke Schwarte aus dem 17. Jahrhundert ackern, während Jo das Werk vortragen würde. Für diesen Angeber war das doch ein Kinderspiel. Die Schreibarbeit dagegen würde an dem Dritten im Bunde hängenbleiben, schließlich konnte Michael am schnellsten tippen und hatte, wenn’s ums Notieren von Hand ging, noch die leserlichste Handschrift von ihnen – kaum zu glauben, wenn man nach seinem abgerissenen Äußeren ging. Wir machen uns extra hässlich, damit uns die anderen in Ruhe lassen? Was für ein Freak. Aber irgendwie kam ihr das bekannt vor…

Lea seufzte. Je eher sie die erste Teambesprechung hinter sich brachten, desto besser. Die 700 Seiten Grimmelshausen lasen sich schließlich nicht von alleine, und so wenig sie sich mit diesem Wälzer auch anfreunden konnte, hätte sie sich auf der Stelle damit unter einen ganz bestimmten Baum an ihrem etwas abgelegenen Lieblingsplatz im Park verzogen und mit dem Lesen angefangen, aber da es sich um eine Gruppenarbeit handelte… Sie konnte wohl kaum erwarten, dass die Treffen bei einem von ihnen zu Hause stattfinden würden. Jo würde sich wohl kaum dazu herablassen, das Gruftgirl und den Freak bei sich zu Hause zu empfangen, und genauso ungern würde er vom anderen Ende der Stadt in das Viertel fahren, in dem sie beide wohnten. Also ein Treffpunkt im Stadtzentrum, am besten öffentlich. Die italienische Eisdiele vielleicht?

Eiscafé Claudio. 15 Uhr. Und seid ja pünktlich, ihr Freaks.“ – Bingo. Hatte sie es doch gewusst. Ja, damit konnte sie leben, auch wenn Jos Wortwahl doch sehr zu wünschen übrig ließ. Außerdem musste man nicht ihr sagen, dass sie sich nicht verspäten sollte, sondern Teamplayer Nummer drei. Ausnahmsweise war der aber bereits da und rauchte erst mal eine. Anscheinend war es ihm gelungen, einen Tisch unterm Sonnenschirm zu ergattern. Schirme, so grasgrün wie sein T-Shirt, das Lea mit seinem St.Patrick’s-Day-Aufdruck schon von weitem ins Auge stach. Nur Kinder und einfache Leute mögen lebhafte Farben, meldete sich Goethe aus den Tiefen ihres Hirns. Ja, und Sonne macht albern. Reiß dich zusammen, Lea, bremste sie sich gerade noch rechtzeitig: Auch wenn ich mit meiner Zeit was besseres anfangen kann, sind wir hier, um einen Plan zu machen und nicht, um einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen.

Aber wenigstens darin waren sich alle drei einig. Auch wenn sie zusammengewürfelt worden waren, konnten sie doch wenigstens halbwegs zivilisiert miteinander umgehen.

Zwei Eiskaffee, einen doppelten Espresso und drei Milchshakes später hatten sie den wichtigsten Teil hinter sich und stellten mit Erstaunen fest, dass sie die Zeit herumgebracht hatten, ohne sich anzuschweigen oder anzufauchen. Ihre schlimmsten Macken hatten sie heute zu Hause gelassen: Jo seine Großspurigkeit und Michael seine Ihr-könnt-mich-alle-mal-Attitüde. Und Lea? Auch sie war weniger kratzbürstig als sonst und musste plötzlich an den Film denken, den sie erst neulich gesehen hatte: Der Frühstücksclub. Irgendwie kam sie sich ein bißchen vor wie die Schwarzgekleidete in dieser Gruppe von fünf Schülern, die gezwungen wurden, einen Samstag miteinander nachzusitzen und einen mindestens tausend Wörter langen Aufsatz über sich selbst zu schreiben.

Ja, sie waren wirklich ein wenig wie dieser Frühstücksclub aus dem Film, aber ohne Superhirn und ohne Ballprinzessin. Aber vor allem ohne Stress.

(Fortsetzung möglich)

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Und hier sind sie nochmal, die Regeln:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen.

 

Die Schreibaufgaben für den Juli:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieser Sommertag, war nicht wie jeder andere, denn…” beginnt.
  • Schreibe über eine Romanze in einer Gelateria.
  • Eine Spinne sitzt in ihrem Netz, begleite sie einen Tag lang.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter, Buch
  • Fippo der Fuchs hat sich in die Stadt verirrt. Was erlebt er dort?
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5 Kommentare zu “# Writing Friday – week 27

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