# Writing Friday : week 28

 

Der Writing Friday ist ein Projekt, das ich bei elizzy entdeckt habe. Jeden Freitag veröffentlichen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Beitrag, den sie zu einem vorgegebenen Thema geschrieben haben. Letzte Woche hatte ich eine Kurzgeschichte geschrieben, in der bestimmte Wörter auftauchen sollten – diesmal handelt mein Beitrag von einem Tag im Leben einer Spinne im Netz. Regeln und übrige Aufgaben stehen am Ende meines Beitrags. Hier nochmal der genaue Wortlaut der von mir ausgewählten Aufgabe: Eine Spinne sitzt in ihrem Netz, begleite sie einen Tag lang.

 

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Arachnophobie

Neun von zehn Spinnen haben Angst vor hysterisch kreischenden Frauen.

Hugi wusste nicht mehr, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hatte, und im Grunde war ihm jemand, der hysterisch schrie, lieber als die Zweibeiner, die sich nicht mit Gebrüll aufhielten, sondern gleich zuschlugen und seine Artgenossen plattmachten. Oder schnurrende Vierbeiner, die zwischendurch gerne mal ein leckeres Insekt als Snack verspeisten. Wenigstens spielten diese Untiere nicht Katz und Maus mit ihrem Futter, sondern ließen es gleich mit einem Happs im Maul verschwinden. Übertroffen nur noch von schreddernden Staubsaugern.

Erschöpft saß Hugi in einer Ecke seines Netzes, das er in der Nacht, besser gesagt in den Stunden vor Morgengrauen gewoben hatte. Irgendjemand hatte sein letztes Kunstwerk aus purer Zerstörungswut zerrissen, und nun hatte er wieder von vorne anfangen dürfen. Äußerlich wirkte er gelassen, doch innerlich war er angespannt. Außer als stundenlang zu warten, dass in den klebrigen Fäden neue Beute auftauchte, konnte er vorerst nichts tun.

Noch war es früh, da konnte ein kleiner Schlummer nicht schaden, doch dazu war er viel zu aufgekratzt. Zum Glück hatte er für sein neues Netz einen höher gelegenen Ort ausgewählt. Katzenfreie Zone. Zweibeiner hatten ihn auch noch keine entdeckt. Hach ja, was war Hugi doch für ein cleveres Kerlchen. Absolut niemand war auf ihn aufmerksam geworden. Vielleicht war ja heute wirklich sein Glückstag, und er konnte sich nach all der Mühe endlich entspannen…

Der Morgen zog sich zäh dahin. Kein Wunder, wenn sich kein Insekt in seine Nähe verirrte. Nicht mal eine klitzekleine Mücke hatte den Weg in sein Netz gefunden. Ob er mit der Wahl seines Platzes vielleicht doch einen Fehler gemacht hatte? Etwas tiefer lief er zwar Gefahr, von Menschen statt von diesen vierbeinigen Ausgeburten der Hölle entdeckt zu werden, aber dafür bestand dort auch eher die Aussicht auf eine nahrhafte Mahlzeit. Hugi fasste einen Entschluss: Wenn sich in den nächsten Stunden hier oben nichts tat, waren Abseilen und ein neuer Netzbau angesagt. Von fern waren die Glockenschläge einer Kirchturmuhr zu hören. Hugi zählte mit: Erst vier helle, melodische Klänge – dann ein dumpfer, sonorer Schlag. Diese Geräusche sollten vorerst seine einzige Unterhaltung bleiben.

Irgendwann hatte Hugi es aufgegeben, die Schläge der Uhr mitzuzählen; genug untätig herumgesessen, jetzt würde er dem geschmiedeten Plan Taten folgen lassen, denn er hatte nicht vor, aus Langweile oder vor Hunger zu sterben. Hugi fühlte, dass jetzt der ideale Zeitpunkt war, sich nach unten schweben zu lassen und ein neues Bauwerk zu beginnen, eines das noch größer und noch prächtiger war.  No risk, no fun? Toller Spruch. Worin das Risiko bestehen sollte, war ihm ein Rätsel. Schließlich hatte sich an diesem verlassenen Ort seit Stunden nichts ereignet. Wie es aussah, befand er sich in einem absolut sicheren Bereich. Mit neuem Elan machte er sich ans Werk.

Man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Soeben noch hatte er sich über die Abgeschiedenheit seines Plätzchens gefreut und sich selbstzufrieden über die Vollkommenheit seines Neubaus in der äußersten Ecke zurückgelehnt, um auf die ersten Besucher zu warten, die sicher noch irgendwo in der Luft herumschwirrten, da spürte er eine Erschütterung, verursacht von einer aufgerissenen Tür. „Sechzehn Uhr – Kaffeepause!“ brüllte es zu ihm nach draußen, dann ergoss sich ein Schwall polternder Füße über den Asphalt unter ihm. Mist. Mit ihrem Lärm würden diese Trampel ihm noch seine ganzen Pläne zunichte machen. Aber wenigstens war der Spuk gleich vorbei. Die Meute zog vorüber und verschwand aus seinem Blickfeld. Aber bestimmt würden sie bald wieder zurückkommen. Also noch länger warten, bis potentielle Opfer im Anflug waren und den in der Sonne glitzernden Fäden seines Geflechts nicht widerstehen konnten. Na gut, dann wartete er eben. Ihm blieb ja auch nichts anderes übrig. Er sollte nicht mehr lange warten.

Professor Huub van Osten und seine Mitarbeiterin Jana Frederiksen blickten der Delegation nach, die soeben das Gebäude verlassen hatte, um den wohlverdienten Kaffee zu genießen. Normalerweise betraten sie die Forschungsanstalt durch den Vordereingang, aber vor einer halben Stunde war die Glastür in Hunderte von Einzelteilen zersprungen, und niemand wusste wieso. Also musste jetzt jeder durch diesen Seiteneingang, und ausgerechnet hier sollte sich nun Hugis Schicksal erfüllen. Leider gehörte Jana Frederiksen zu der Spezies, die beim Anblick einer Spinne weder in Panik geriet oder von Mordlust ergriffen wurde. Jana hatte anderes im Sinn. „Huub, brauchen wir nicht noch ein Exemplar für die nächste Testreihe?“ Van Osten kam näher und fragte wieso. Was für eine Frage. Jana blieb ihm die Antwort schuldig und deutete auf Hugi. Mist. Damit hatte er nicht gerechnet. Was auch immer diese beiden Gestalten im Schilde führten – Hugi fühlte sich auf einmal äußerst unwohl. Dass der Professor auf einmal verschwand und mit einem großen Behälter wiederkam, versetzte Hugi in Panik. Totstellen als herkömmliche Taktik brachte gar nichts. Und eine Flucht war schier unmöglich. Eine riesige Hand senkte sich über ihn. Dann wurde es dunkel…

Als Hugi das Bewusstsein wiedererlangte, glaubte er, geträumt zu haben. Der einzige Unterschied zu vorher war, dass er sich nicht mehr im Freien befand, sondern in einem riesigen Raum mit Wänden aus Glas, und die Zeitansage kam aus einem quäkenden Kasten aus schwarzem Plastik anstatt von einer Turmuhr. „Hier ist Rado X, der Sender zum Mitmachen. Wir machen eure Träume wahr. Wir haben halb sechs, und im Studio haben wir Professor Yoshiko Kamazaki zu Gast.“ Der Rest ging in unverständlichem Geblubber unter, denn die Delegation, die vorher zum Kaffeetrinken ausgeschwärmt war, kam nun wild durcheinander redend, in den Raum, in dessen Mitte sich Professor van Osten aufgestellt hatte, um den Leuten zum Abschluss seines ereignisreichen Tages nun noch das Forschungslabor mit den Arachniden zu präsentieren. Was er von sich gab, war für Hugi unverständliches Zeugs, von dem er nur eines verstand, dass er nicht alleine hier war. Den Professor ignorierend, näherte er sich der Scheibe, um seine Umgebung näher in Augenschein zu nehmen, und tatsächlich: Es gab hier noch mehr solcher Kästen, in denen jeweils eine Spinne in ihrem Netz hockte.

Aber, ach., was waren das denn für seltsame Gebilde?

In dem einen klafften riesige Löcher, und die gesamte Konstruktion sah wenig durchdacht aus. Dem nächsten fehlten sämtliche Querverbindungen. Nummer drei und vier waren überhaupt nicht fertig geworden. Mit einem weiteren hatte der darin sitzende Baumeister zwar angefangen, schlummerte aber nun friedlich vor sich hin. Und das letzte sah völlig wirr und chaotisch aus. Ihm fehlte jegliche Struktur. Dieser Anblick verstörte Hugi, doch was ihn beinahe den Verstand verlieren ließ, war die Ansprache des Professors, der seine Versuchsreihe mit den Worten „Arachniden und ihre Arbeitsweise unter Einfluß bewusstseinsverändernder Substanzen“ einleitete.

Ihm schwante Übles.

Das mit den riesigen Löchern und der planlosen Struktur war unter Einfluss von Ecstasy entstanden. Der Spinne, deren Netz an eine Kinderzeichnung von Sonnenstrahlen erinnerte, hatte man eine Dosis LSD verpasst, und die Tatsache, dass einige Netze gar nicht fertig geworden waren, führte der Professor auf die Verabreichung von Marihuana und Mescalin zurück. Dass die vorletzte Spinne friedlich schlief, lag an den Schlafpillen, mit denen sie ihr Futter präpariert hatten, und beim letzten war Kaffee die Ursache gewesen. So weit die Studie der NASA – die Professor van Osten und seine Assistentin um einige andere Drogen zu erweitern gedachten, wie zum Beispiel Alkohol, Matchapulver, Antihistaminika, Steroide und Barbiturate. Und Hugi war einer der Auserwählten, mit denen die neue Testreihe beginnen würde.

Als Referenzmodell für normale Spinnennetze.  

 

ENDE

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Die Schreibaufgaben für den Juli:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieser Sommertag, war nicht wie jeder andere, denn…” beginnt.
  • Schreibe über eine Romanze in einer Gelateria.
  • Eine Spinne sitzt in ihrem Netz, begleite sie einen Tag lang.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter, Buch
  • Fippo der Fuchs hat sich in die Stadt verirrt. Was erlebt er dort?

die Regeln:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen

 

7 Kommentare zu “# Writing Friday : week 28

  1. Oh – Armer Hugi – ich dachte es wird witzig, der erste Satz war so gut…Wobei ich mir Spinnen unter Drogen und Co – auch mal anschauen würde.
    Eine interessante Idee und sehr gut geschrieben.

  2. Nicht, dass ich spinnen lieben würde oder zu den kreischenden Frauen gehöre – aber das wünsche ich doch keiner einzigen von ihnen.
    Auf diese Idee wäre ich nie gekommen, super.
    Herzliche Grüße zu dir
    Judith

    • Für den Kleinen hätte ich mir ein Happy Eng gewünscht, aber wenigstens darf er clean bleiben, und er wird gut genährt. Ich drücke ihm die Daumen, dass der Professor und seine Assistentin ihm kein Haar krümmen.

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