# Writing Friday – week 35.2

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den August:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.

2) Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.

3) Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast.

4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück

5) Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

Dies wird heute noch ein Freitag, an dem ich mich eines zweiten Schreibthemas annehme, denn schließlich will der eine ausgefallene Freitag ja irgendwie kompensiert werden.

 

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Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil sie innerlich glühte: Vierzig Grad Fieber, und draußen waren es 38°C. Sarah schleppte sich wieder zurück vom Balkon in ihre winzige Wohnung, die sich anfühlte wie ein Backofen. Dabei war es erst Juni. Den Versuch, sich ein kaltes Bad einzulassen, hatte sie recht schnell aufgegeben, nachdem nur noch lauwarmes Wasser aus der Leitung gekommen war. Eis oder Cool Packs hatte sie auch keine im Haus, und um welche zu kaufen, hätte sie das Haus verlassen müssen, aber ihr fehlte die Kraft dazu. Sarah gelang es gerade noch, eine SMS an Andy zu schicken, dann sackte sie erschöpft auf dem Sofa zusammen. Sie konnte nur noch warten, dass er nach Hause kam. Hoffentlich war er bald da…

Es war schon dunkel, als Andy kurz nach zehn die Wohnungstür öffnete, und er wusste sofort: Hier war etwas ganz und gar nicht in Ordnung, denn sonst empfing ihn die volle Festbeleuchtung, wenn Sarah zu Hause war. Musik lief auch keine. Nur das Ticken der Uhr war zu hören. Und Atemgeräusche direkt neben ihm, die vom Sofa kamen. Dass Sarah im Wohnzimmer ein Nickerchen machte, und dann auch noch so früh, war ebenfalls ungewöhnlich. Beunruhigt schaltete er das funzelige Licht im Wohnzimmer an. Vor ihm auf dem Sofa lag Sarah, zusammengekrümmt und mit Schweiß auf der Stirn, während ihr ganzer Körper zitterte, als ob es tiefster Winter wäre.

Automatisch berührte er ihre Stirn und zog die Hand im selben Moment zurück, als ob seine Freundin in Flammen stünde und seine Hand gleich mit. Und nun wusste er auch, was Sarahs Nachricht zu bedeuten hatte und warum sie auf seine Antwort nicht mehr reagiert hatte. Schon da war ihm mulmig gewesen, aber er hatte die Zentrale nicht verlassen können, bevor seine Schicht beendet war.

Eine Lösung musste her, und zwar schnell. Bis die Cool Packs, die er auf dem Rückweg bei der erstbesten Tankstelle gekauft hatte, die richtige Temperatur hatten, um Sarah die nötige Kühlung zu verschaffen, würde es ewig dauern. Eiswürfel? Fehlanzeige! Es gab nur noch eines, was er tun konnte. „Wach auf, Schatz“, weckte er sie und drückte ihr ein Glas mit Sprudelwasser aus dem Kühlschrank in die Hand „Trink das her erst mal aus. Und dann komm mit.“

Zwanzig Minuten später hatte er sie endlich ins Auto verfrachtet und lenkte den Wagen hinaus aus der Stadt. Der Fahrtwind, den sie durch die geöffneten Fenster spürten, zeigte bereits Wirkung, doch erst am idyllisch im Wald gelegenen Badesee, weit draußen vor der Stadt, konnte sie auf Linderung hoffen, denn dort war es bedeutend kühler. Zwar nur fünf Grad, aber die genügten bereits. Zum Glück hatte der Biergarten direkt am See noch geöffnet. Er würde zwar bald schließen, aber für ein großes Radler war noch ausreichend Zeit. Und für Eiswürfel. Jede Menge Eiswürfel. Und wenn das nicht reichte, die nächste Tankstelle, bei der es „Crushed Ice“ im Beutel gab, kam auch bestimmt.

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Und damit hätte ich es dann zum ersten Mal geschafft, zu allen Themen etwas zu schreiben. In Erinnerung an den ersten ungewöhnlich heißen Sommer, den ich 2003 „erleben“ durfte.

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# Writing Friday – week 35.1

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den August:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.   +++   2) Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.   +++ 3) Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast.  +++4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück.   +++5) Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

Damit auch im Urlaub meine Zimmerpflanze nicht zu kurz kommt und meine Vertretung es einfacher beim Gießen hat, habe ich ihr ein Helferlein an die Seite gestellt. Was meine Pflanze davon hält, könnt ihr heute lesen.

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So ein Großmaul

Als ob ich nicht schon viel zu wenig Platz in diesem kleinen Topf hätte, jetzt kommt die da und bringt mir auch noch den da mit. „Die da“ ist das wandelnde Geschöpf, das sich eigentlich um mich kümmern sollte, aber lieber durch die Weltgeschichte gondelt und mich allein in dieser Messiebude zurücklässt. Obwohl ich ja eigentlich nicht alleine bin. Als neueste Errungenschaft protzt da so ein junger Hüpfer von Aloe Vera mit seinen stacheligen Blättern. „Seht her, wie groß und stark ich schon bin – und mit wie wenig Wasser ich auskomme!“ Der Angeber! Ha ha, so ein Wüstenbewohner hat ja auch leicht reden. Obwohl… reden tut der genauso wenig wie ich. Aber obwohl er auch anders könnte, zieht er es vor, nicht zu kommunizieren. Der perfekte Geselle für dieses geschuppte Ungetüm, das Tag für Tag auf seinem Lieblingsast im Terrarium abhängt.

Meine Süße, meine Schönheit…“ och, menno, für mich hat „Die da“ keine so netten Koseworte. Ich kann ja schon froh sein, wenn sie mal die Jalousien runterlässt, damit ich nicht so viel Sonne abkriege oder, was ganz selten ist, „Hallo“ zu mir sagt. Aber wenigstens bekomme ich wieder regelmäßig frisches Wasser. Das war nicht immer so. Und darum war meine Rache auch gnadenlos: Ich habe alle Blätter zu Stroh werden lassen und von mir geworfen. Damit ihr Staubsauger auch mal was zu tun hat. Ha! Der hab ich‘ s aber gezeigt. Vielleicht hat sie dieses eine, übriggebliebene Blatt zum Umdenken bewegt, und sie gießt mich jetzt endlich öfters. Und weil das anscheinend keine einmalige, kurzlebige Phase war, dachte ich, ich bin mal nicht so und fahre neue Blättchen aus, in frischem, hellem Grün. Schließlich besteht das Leben aus Geben und Nehmen. Gegeben hat „die da“ mir, wie schon erwähnt, „den da“: ein dickbauchiges Großmaul in Orange, das nur so dasitzt und mich mit dem Allerwertesten nicht anblickt. Quaken kann dieser Plastikfrosch auch nicht. Dafür kommt jetzt die Gießvertretung alle paar Tage angeschlappt und füllt das Großmaul mit Wasser, damit ich nicht verdurste. Na ja, besser als nichts, und bald ist „die da“ auch wieder von ihrer Reise zurück. Ob mir bis dahin ein passenderer Name für sie einfällt? Eine zweite Chance hätte sie ja verdient.

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Großmaul

 

Was für eine Diva. Sie ist zwar noch klein, aber schmollen kann sie schon wie eine Große. Wie gut, dass sie nicht nachtragend ist und noch ein paar neue Blättchen hervorgebracht hat.

Die 5 Besten am Donnerstag – Ergothek : erschreckende Serienorte

 

Bei passionofarts‘ „Die Besten am Donnerstag“ bin ich heute nach längerer, urlaubsbedingter Abwesenheit wieder dabei, und diesmal geht es um gruselige oder erschreckende Serienorte. Dieses Thema passt sehr gut zu dem Déjà-vu, das ich an meinen letzten beiden Tagen in meinem Hotel in Toronto hatte, denn bei meinen Orientierungshilfen in den verwinkelten Gängen musste ich unwillkürlich an die Doctor-Who-Folge „Götterspeise“ denken – mein erschreckender Serienort Nummer Eins:

Das Hotel

Ein in sich abgeschlossener Raum, aus dem es kein Entkommen gibt. Es gibt keine Fenster und keine Türen, die nach draußen führen, und permanent dudelt diese Fahrstuhlmusik, die irgendwann jedem den allerletzten Nerv raubt. Dazu irren die Charaktere permanent durch die Gänge des „Hotels“, an dessen Ende ein Tischchen oder eine Topfpflanze als Dekoration aufgestellt worden ist.

 

 

Die Insel

Ein weiterer in sich abgeschlossener Ort, von dem man sich nicht lebendig entfernen kann. In der letzten Neuverfilmung von Agatha Christies Klassiker „Und dann gab’s keines mehr“ stirbt von den zehn Personen, die auf diese Insel eingeladen worden sind, nacheinander jeder, bis es am Ende heißt „And then there were none“.

 

Die Anstalt

Die Irrenanstalt in der Staffel „Asylum“ der Serie American Horror Story. Eigentlich sind ja alle Orte in der gesamten Serie extrem unangenehm, aber diesen finde ich am schauerlichsten. Und das liegt nicht nur an dem Personal, das dort seinem Tagewerk nachgeht.

Das Bergwerk

Dieser eigentlich dunkle Ort wird für Serien gut ausgeleuchtet, damit man etwas sieht. In Historiendramen ist es meist ein weiches Licht. In der Serie „Poldark“ gab es in den Siebziger Jahren allerdings eine Szene, in der einer der Hauptcharaktere in der Dunkelheit in einen vollgelaufenen Schacht stürzt und im kalten Wasser ertrinkt, weil er nicht schwimmen kann. Und damit war auch die Romantik gestorben.

 

Der Schrottplatz

Als in „Torchwood – Miracle Day“ eine Schrottpresse für zu entsorgende Autos zur Todesfalle wurde, hat es mir den Magen umgedreht.

„the final countdown“ – meine beiden Verlängerungstage

 

Die Rundreise lag nun hinter mir – bis zu meinem Abflug blieben mir noch zwei ganze Tage in

Toronto

der Stadt, von der ich zwar einiges gesehen hatte, aber nicht das, was ich mir insgeheim vorgenommen hatte. Dazu gehörten nicht nur ein Museumsbesuch und eine Fahrt zu den Toronto Islands, sondern auch der Versuch, an Karten für eine Show zu gelangen.

 

Andere waren spontan mehr für Baseball zu haben, da die Blue Jays ein großes Spiel hatten (wofür auch kräftig die Werbetrommel gerührt wurde) – aber mit Sportveranstaltungen kann man mich jagen. Lieber laufe ich selbst, als anderen dabei zuzusehen, wie sie einem Ball, Ei oder Puck nachjagen, sei es Fußball, Baseball, Rugby oder Hockey, von Basketball ganz zu schweigen.

Was Basketball betrifft, gab es am Freitag lange Schlangen vor einem Laden, der die neuesten Air-Jordan-Sneakers feilbot. Die Massen an Leuten mit Campingstühlchen, die von Polizisten und Security bewacht wurden, erinnerten mich an den Hype, wenn ein neues i-phone auf den Markt kommt und jeder als erster so ein Teil haben will.

 

The Monster Mash

Rette sich, wer kann! So lautete der Untertitel der Sonderausstellung „It’s alive“ im Royal Ontario Museum. Von solchen Ausstellungen erfahre ich grundsätzlich erst vor Ort, und in diesem Fall verbarg sich dahinter eine Wanderausstellung mit dem vollen Titel „Classic Horror and Sci-Fi Art from the Kirk Hammett Collection : July 13, 2019 – January 5, 2020“ – die Exponate bestanden aus alten Horrorfilmplakaten und Filmkostümen, die der Gitarrist von Metallica seit Jahren sammelt.

 

Dass sich in der Sammlung auch speziell gestaltete Gitarren befanden, war für mich das Tüpfelchen auf dem I.

Gut, dass ich von meinem ursprünglichen Plan abgewichen bin, das Museum nur wegen der asiatischen Kunst und dessen futuristischer Archtitektur zu besuchen.

Besser gesagt, ist das Museum ein alter Bau mit atemberaubenden Details im Foyer, und nur die Fassade des Anbaus ist modern und verzichtet auf vertikale und horizontale Linien.

 

 

Und weil’s so schön war, schlug ich dem Regen im Bata Shoe Museum ein Schnippchen, die ideale Ergänzung zu „It’s alive“, denn hier konnte ich die zweifarbigen Schuhe von Bela Lugosi bewundern (auch ein Star des Horrorfilms) –

 

– und die Stiefel von Elton John.

Diamonds are a girl’s best friends & Some like it hot

Nach so viel Kultur nahm ich mein Lauf- bzw. Walktraining wieder auf. Im Takt der Musik immer schön vorbei an den hochpreisigen Designerläden in der Bloor Street und den CN-Tower zum x-ten Mal erneut im Blick, walkte ich zur Abwechslung mal eine andere Straße zum Hafen hinunter, um mich nach den Abfahrtszeiten der Wassertaxis zu erkundigen. Lange ausdehnen wollte ich meinen Aufenthalt am nächsten Tag auf einer der Toronto Islands auch nicht, denn das Musical in dem wunderschönen „Elgin & Winter Gardens“-Theater wollte ich auf keinen Fall verpassen. Vorher vielleicht noch ein Bierchen im Distillery District… volles Programm.

 

Kaffee, schwarz, ohne Milch, ohne Zucker, und ohne künstliche Aromen – egal ob im Pappbecher oder nicht – und heiße Musik auf den Ohren, so lässt sich der Nachmittag aushalten. Der Meinung schien auch derjenige zu sein, der in mir die perfekte Begleitung für sein Night Clubbing gefunden zu haben schien und sich gleich meine Handynummer notieren wollte. Well, well, not so quick: Manchmal trügt der Schein, und das Object of Interest hat kein weitergehendes Interesse an einer Fortführung dieses nicht eingetretenen Dates, poor guy., auch wenn Du noch so charmant bist. Aber er nahm’s sportlich und mit Humor. Vielleicht ist ja woanders noch Luft nach oben.

 

Islands in the stream : just like the old times

Wo es allerdings keine Luft mehr nach oben gab, war mein Smartphone – das signalisierte mir, nachdem ich auf der Centre Island einen nach Futter tauchenden Schwan vor der Skyline von Toronto fotografiert hatte, dass nun der Speicher voll sei. Dumm gelaufen, denn öffnen ließen sich die Dateien auch nicht mehr.

Na gut, den Rest des Tages gab es halt kein Geknipse mehr. Auch gut, erleben wir die verbleibende Zeit wieder so wie früher, als ich noch nicht das Bedürfnis hatte, alles und jeden zu fotografieren, und vom Destillery District, wo es auch sehr gutes Bier gab, hatte ich nun schon Bilder in Hülle und Fülle.

 

The show must go on: Elgin & Winter Gardens

Daher habe ich auch keine Innenaufnahmen von diesem über hundert Jahre alten Theater, das einen noch immer funktionstüchtigen und von Hand betriebenen Aufzug aus dem Jahr 1913 besitzt – mit Gittertüren, die man von innen zuziehen kann, wie man sie aus alten französischen Filmen kennt.

Angeschaut habe ich mir das kanadische Musical „Come from away“, das auch schon am Broadway aufgeführt worden ist. Die Show war zwar am Donnerstagabend bereits ausverkauft, aber für die Aufführung am Freitagabend gab es noch vereinzelt Karten. Da habe ich doch gerne zugegriffen, auch wenn 75 Dollar nicht das Schnäppchen des Tages waren. Ganz weit vorne zu sitzen und dann eine Show zu genießen, bei der nicht nur die Darsteller durchweg briliant gespielt haben, sondern die Musik mit Einflüssen aus Folk und Country auch noch meinen Geschmack traf, war mir jeden Cent wert.

Come from away“ hat die Geschichte des kleinen neufundländischen Örtchens Gander zum Thema, das nach dem 11. September 2001 plötzlich 7000 gestrandeten Passagieren, deren Flüge umgeleitet wurden, Unterkunft und Verpflegung gewähren sollte. Auch wenn ich nicht jedes Wort verstanden habe, weil doch ziemlich schnell gesprochen wurde, hat mich die Aufführung mitgerissen, und am Ende gab es Standing Ovations für das gesamte Ensemble, auch für die Musiker, die man die ganze Zeit über gar nicht sehen konnte.

Not enough time : Move on

Wie gerne wäre ich noch länger geblieben, trotz einiger kleiner Pannen wie dem steckengebliebenen Aufzug oder der versehentlich vom Hotel deaktivierten Schlüsselkarte fürs Zimmer. Auch das im Hilton in diesem einen Turm nicht existierende Zimmer oder die Orientierungshilfen im 20. Stock des Chelsea Hotels, die mich an die Dr.-Who-Folge „Götterspeise“ (Praise him) denken ließen, gehören zu den Episoden, die ich mit Humor genommen habe.

 

 

Aber irgendwann muss ja jeder einmal nach Hause, und bekanntlich soll man gehen, wenn es am schönsten ist. Wie wahr, denn am Tag der Abreise goss es wie aus Eimern.

Kein schöner Abschied, aber einer der den Flug nach Hause erträglicher machte. Bei dem ich übrigens in der vordersten Reihe der Economy Class sitzen und mit viel Beinfreiheit das Bordprogramm genießen durfte. „Crazy Rich Asians“ zu gucken und dabei dem Kabinenpersonal zuzusehen, wie es den beiden Klassen im vorderen Bereich Champagner und ausgewählte Leckereien serviert, hat seinen ganz eigenen Charme. Mir hat der französische Rotwein aus der Plastikflasche auch gemundet und kam genauso sicher an wie der Rest um mich herum.   

 


PS: Als ich meine Reiseberichte endlich alle komplett hatte, ist mir aufgefallen, dass diese zwei Wochen doch sehr musikalisch geprägt waren. Doch das ist eine ganz andere Story, die in eine andere Kategorie gehört.

 

 

 

„Der Osten Kanadas“ – Tag 11

 

 

Der Aufreger des Tages erwartete uns auf unserer letzten Etappe

Niagara Falls – Toronto

denn es ging auf direktem Weg zum CN-Tower, wo für uns ein Tisch im schicken Drehrestaurant in luftiger Höhe von 356 Metern reserviert war.

 

Wie, wir kommen vorher nicht ins Hotel und haben keine Chance mehr, uns vor dem Essen umzuziehen? Das war für die meisten nicht das Gelbe vom Ei, und dabei hätten doch eigentlich alle informiert sein müssen, denn es wurde zu Beginn der Reise bekanntgegeben, und solche Pferdefüße merke ich mir immer, und dementsprechend sah dann auch die Wahl meiner Kleidung für diesen Tag aus. Sandaletten mit Absatz an die Füße und die Turnschuhe in den Koffer, und für etwas Schmuck ist auch im kleinsten Rucksäckchen Platz. Et voilà: Fertig ist der Lack.

You lift me up

So ein 360°-Drehrestaurant ist überaus praktisch: Man muss nicht lange nach einem WC suchen, irgendwann kommt eins vorbeigefahren, und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann sich für eins für Männlein, Weiblein und Diverse entscheiden, muss aber dazu ein Stockwerk tiefer, wo sich die Aussichtsplattform mit Teilstücken aus Glas befindet.

Wer da nicht schwindelfrei ist, sollte den Gang über den Glasboden mit freiem Blick senkrecht nach unten lieber meiden. Ich habe zwar ab und zu auch Anflüge von Höhenangst, aber in diesem Fall war ich so mutig und habe es nicht bereut. Entstanden sind die schrägsten Selfies meines Urlaubs.

 

Den Besuch des Städtchens Niagara on the Lake auszulassen, hätte meiner Meinung nach nicht viel gebracht, da keine Garantie bestand, dass zu diesem Zeitpunkt unser Gepäck schon auf den Zimmern gewesen wäre. Dann lieber so und das schöne Wetter genossen, als im Schweinsgalopp nach Toronto zu hetzen und dann doch keinen Erfolg zu haben.

 

Trotz falsch gebrachten Bieres (ich hatte Porter bestellt und kein Lager) und etwas beengter Sitzanordnung am Tisch, weil für unseren Busfahrer auch noch ein Platz geschaffen werden musste (den neben mir) – oder vielleicht gerade wegen solcher kleinen Pannen – war es ein vergnügter Abend. Schade, dass er so kurz war.

 

 

Die meisten sind dann am nächsten Tag nach Hause geflogen. Ein Teil der Gruppe zog mit der Reiseleiterin weiter nach Calgary, eine nach Winnipeg und Vancouver, und ein paar wenige hängten, so wie ich, noch ein paar Tage in Toronto dran. So richtig schick ausgegangen war ich bisher noch nicht. Das sollte sich ändern.        

 


Das war das Ende der Busrundreise – aber ich hatte noch zwei weitere Tage in Toronto. Wird fortgesetzt.

„Der Osten Kanadas“ – Tag 9 und 10

 

Wir kamen der Natur auf die Spur, denn auf der vorletzten Teilstrecke

Ottawa – Midland – Niagara Falls

fuhren wir durch den Algonquin National Park. Der Wanderweg entpuppte sich als ein gut begehbarer Spazierpfad durch das Logging Museum, das sich der Geschichte der Holzfäller widmet. Besonders gut gefallen hat mir der See, auf dem sich gelbe und weiße Seerosen ausbreiteten. Zwar nicht ganz so üppig, wie in Dänemark oder im Taunus, aber dafür kündigte sich bereits der Indian Summer mit vereinzelten Laubverfärbungen an.

 

 

Die Mittagspause verbrachte ich lieber die ganze Zeit über an einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Wald. Besser dort als in der rummeligen Picknick Area.

I am searching …

nach dem Besonderen, das es in Midland zu sehen geben sollte. Ja, okay, die Wandmalereien und das Hafengebiet dieses kleinen Städtchens waren sehr hübsch, aber da unser Hotel am anderen Ende der Stadt direkt am Highway lag, hatte ich nach diesem anstrengenden Tag kein Verlangen mehr danach, viele Kilometer zu laufen. Ich wollte nicht mal mehr das Hotel verlassen, und da hatte ich nun den Salat. In der Lobby hatte ich große Chipstüten gesehen, aber als ich vor dem Regal stand, erschien mir der Griff nach einem Mikrowellengericht sinnvoller. Eine nette Hotelangestellte gab mir statt dessen den Flyer eines Pizzalieferdienstes, den ich dann auch prompt mitnahm. „Ice Age“ in der Originalversion ohne Untertitel zu gucken und dabei eine leckere Pizza zu verspeisen, die bis vor die Zimmertür geliefert wird, hat definitiv was. Das einzig seltsame war, dass YTV denselben Film gleich danach nochmal gezeigt hat.

Das Frühstück gab es in der ehemaligen Missionsstation Sainte-Marie among the Hurons, die wir vor unserer Weiterfahrt nach Niagara Falls besichtigt haben.

 

Pretty Vegas

Warum bis nach Las Vegas fahren, wenn es Niagara Falls gibt. Wer allerdings mit dem Gedanken spielt, über die große Brücke zu spazieren, um einen Abstecher in die USA zu unternehmen, sollte gültige Papiere dabeihaben, sonst heißt es am Ende „Houston, wir haben ein Problem“. Neben einer Fahrt mit Hornblower Cruises zum Fuß der kanadischen Horseshoe Falls stand auf meinem Programm noch eine Fahrt auf den Skylon Tower hinauf eine Runde mit dem Sky Wheel, einem Riesenrad, das bis zwei Uhr morgens fährt.

 

 

Mittlerweile kannte ich das Programm in- und auswendig und hörte nur noch mit halbem Ohr hin, als plötzlich der Name „Hard Rock Café“ fiel.

 

Moment mal – hatte ich nicht vor meinem Urlaub noch dessen Seite im Internet besucht und den Informationen dort entnommen, dass das letzte in Kanada 2017 geschlossen wurde und es eines an den Niagarafällen geben würde, aber auf der amerikanischen Seite? Aber da war es tatsächlich. Damit war mein Programm um einen Punkt reicher, und meine Reisekasse um einige Dollar ärmer, denn ich es gab zu Hause zwei Leute, denen ich T-Shirts von dort mitbringen sollte. Wenigstens wiegen die Dinger nicht viel, und wo zwei neue Shirts im Koffer Platz haben, da kommt es auch auf ein drittes (für mich) nicht mehr an. Außerdem kann es nie schaden, ein frisches Shirt in Reserve zu haben, zumal bei Temperaturen um die 30°C und sengender Sonne.

 

Crash Boom Bang

Der Ausblick vom Skylon Tower und vom Riesenrad waren wirklich beeindruckend, schon allein wegen des Sonnenuntergangs und weil der Vollmond hoch über den Wasserfällen stand. Leider fing das Feuerwerk genau in dem Moment an, als ich aus dem Riesenrad stieg und mir einen Weg durch die Masse bahnte. Viel gesehen habe ich davon nichts, aber wenn ich meinen Mitreisenden glauben darf, war das Feuerwerk in Ottawa um einiges größer. Dafür war das Angebot an Süßwaren hier unschlagbar. Wenigstens ein Trost für mich – aber auf mich wartete noch der Besuch des Hard Rock Cafés.

Mister Brightside

Am Abend stand auf der kleinen Bühne draußen vor der Bar noch ein Musiker mit Gitarre, der gar nicht mal so übel aufspielte, aber die junge Sängerin mit Gitarre, die ich am Nachmittag hatte erleben dürfen, war dann doch mehr nach meinem Geschmack gewesen.

 

Richtig interessant fand ich jedoch nicht das Angebot an Merchandising-Artikeln, sondern die Gitarrenkollektion im Café selbst. Signierte Gitarren von Garbage, Lenny Kravitz, ZZ Top, Ozzy Osbourne, dem Tennisspieler John McEnroe und vielen anderen – und zwischendrin verschiedene goldene Schallplatten… besser gjng es nicht. Außer vielleicht noch der Mini Walk of Fame, mit Sternen für die Eagles, John Lennon und Rod Stewart.

 

 

Wie lange der Weg ins Hotel dann noch werden kann, bekam ich am eigenen Leib zu spüren. Wenn das nächste WC noch weit ist und die Ampeln im Schneckentempo arbeiten, ist man froh über jede Alternative – in meinem Fall war’s die Cocktailbar, wo ich noch einen letzten Absacker bestellte, bevor ich mir an der letzten Ampel vorm Hotel zu den Klängen der Originalversion von „Mister Brightside“ einen Wolf wartete.

 

 

Kleiner Nachtrag zu diesem erlebnisreichen Tag:

Den Wolf habe ich mir auch im Hilton gelaufen, da ich zuerst den Aufzug in den falschen von drei Türmen genommen habe. Und ordentlich nass geworden sind wir auf dem Niagarafluss schließlich doch, da konnten auch die verliehenen Regenponchos in schickem Pink nicht viel ausrichten. Mein Smartphone lag wasserdicht verpackt in seiner Tupperbox im Rucksack, der wundersamerweise trocken blieb. Aber zu einem Foto von mir vor den Fällen bin ich am nächsten Tag dann doch noch gekommen.                  

 


Endspurt: Als letztes warteten noch Niagara on the Lake und Toronto auf uns.

“Der Osten Kanadas“ – Tag 7 und 8

 

 

Nach so viel Stadt hätte ich jetzt gerne etwas mehr Natur gehabt. Einen Vorgeschmack davon bekamen wir auf der nächsten Teilstrecke

Québec – Ottawa

denn das Mittagessen gab es in der Sucrerie de la Montagne, da wo die Ahornbäume angezapft werden, um aus dem gewonnenen Saft Ahornsirup herzustellen. Das ist jetzt noch nicht wirklich das, was sich viele unter Natur vorstellen (mehr davon wartete auf dem Rest der Reise „Midland – Niagara Falls – Toronto“).

 

Das touristische Vollprogramm bestand aus einer Kutschfahrt, ein paar Worten über die Herstellung des Sirups, danach das mehrgängige Mittagessen mit musikalischer Begleitung, und zum Schluss konnte man die üblichen, beliebten Mitbringsel kaufen.

 

Shine

Ottawa, die Hauptstadt Kanadas erreichten wir am Nachmittag und nahmen die „Stadtrundfahrt“ nebenbei auf dem Weg zum Hotel mit, von dem aus die Flaniermeile am Parliament Hill zu Fuß bequem zu erreichen war.

 

 

Noch ein gutes Stück entfernt lag die Shopping Mall, die auch am Sonntag geöffnet ist und ein Viertel namens Byward Market, in dem es vor kleinen Läden, Bars und Restaurants nur so wimmelt – und dementsprechend voll ist es auch am Abend. Weil um viertel nach neun das große Feuerwerk und um viertel vor zehn die große Lichtshow „Northern Lights“ losgehen sollte, beeilte ich mich mit meinem Essen in einem Café und erreichte den Platz, an dem die Show stattfand, gerade noch rechtzeitig. Gefilmt habe ich nichts, das haben schon genügend andere getan, aber ganz ehrlich… Im Dunkeln auf einem freien Platz mit Blitz zu fotografieren – wie sinnlos ist das denn? Vielleicht spricht aus mir auch bloß der Neid; aber um nicht ganz ohne „Illuminationsfoto“ nach Hause zu fahren, habe ich das Haus gegenüber verewigt.

 

Dessen Fenster waren rund um die Uhr bunt beleuchtet und machten ebenfalls ordentlich was her, und das jeden Tag.

Mirror mirror on the wall : Goldfinger

We look at all that shines… In meinem Fall haben es mir spiegelnde Oberflächen und Lichtreflexe angetan.

 

Und da sich bei Ottawa ein Fluß und der Rideau-Kanal mit seinen Schleusen (die alle von Hand geöffnet werden) treffen, habe ich hier mein fotografisches Eldorado gefunden. Zuerst am Museum für Geschichte, wo wir am nächsten Tag zuerst frühstückten und uns dann eine Führung angediehen ließen – anschließend auf eigene Faust.

 

 

Bei meinem Streifzug durch Ottawa konzentrierte ich mich auf die Gauguin-Ausstellung in der National Gallery und eine Führung durch die Royal Mint, wo heute noch immer Gold- und Silbermünzen hergestellt werden. Den schwer bewachten Goldbarren zu heben, brachte mir einen ordentlichen Muskelkater ein.

 

Den Weg in das Stadtviertel New Edinburgh habe ich mir lieber gespart, so attraktiv war der Straßenzug, den ich dazu entlang laufen musste, dann doch nicht.

 

Auld Lang Syne

New Edinburgh, ein Dudelsackspieler vor dem Parlamentsgebäude, die kleine St. Andrew’s Church mit der schottischen Flagge davor – und dann lande ich im Byward Market ausgerechnet in einem Pub namens „The Aulde Dubliner“, laut meiner Schwester gibt es so eins auch in Dublin.

 

Ja, wo denn sonst! Und auch hier wie anderswo habe ich die Erfahrung gemacht, dass Singles mitnichten immer schauderhafte Plätze angeboten bekommen, von wegen Katzentisch und so… Hier bekam ich einen Spitzenplatz im oberen Stockwerk, direkt an der Ecke, mit Blumenkästen vor der Nase und konnte das Spektakel auf dem Platz unter mir in vollen Zügen genießen.

Kleine Nebenepisode: In „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“ zapfen Katniss und ihre Verbündeten bei den Hungerspielen mit einem Röhrchen einen Baum an, um Flüssigkeit zu gewinnen. Wie passend nach unserem Besuch der Sucrerie de la Montagne. Mit dem Buch war ich dank der vielen schlaflosen Stunden in der Nacht bald durch, also musste Nachschub her. In der auch am Sonntagabend geöffneten Buchhandlung mit angeschlossenem Starbucks entschied ich mich für „Crazy Rich Asians“ von Kevin Kwan als Reiselektüre. Der junge Mann, der mich in diesem Laden so überaus zuvorkommend bedient hat, stammt aus Niagara Falls – der vorletzte Ort auf unserer Strecke, dem wir nun unaufhaltsam näher kamen.    

 


Wird fortgesetzt, die erste Halbzeit ist vorbei.

„Der Osten Kanadas“ – Tag 5 und 6

 


Noch französischer wurde es auf unserer nächsten Teilstrecke

Montréal – Québec

wo wir noch näher an den Sehenswürdigkeiten übernachten würden. Das gab es bei dem Rest der Reise (Ottawa – Midland – Niagara Falls – Toronto) nicht mehr. Hier hatten wir am Nachmittag eine Stadtrundfahrt, denn der nächste Tag stand jedem zur freien Gestaltung offen. Wer keine Walbeobachtungstour gebucht hatte, konnte Québec auf eigene Faust erkunden. Da blieb für mich nur der Abend, denn beim „Whale Watching“ wollte ich unbedingt mit dabei sein.

Dass Québec mit seiner romantischen Altstadt den meisten aus meiner 39köpfigen Gruppe gefiel, erkannte ich sofort, als wir vor dem durchaus beeindruckenden Wandgemälde standen, auf dem nicht nur die Geschichte Québecs, sondern auch die vier Jahreszeiten und die Moderne dargestellt werden. Dass derselben Meinung auch die 5000 Passagiere eines vor Anker liegenden Kreuzfahrtschiffes sind, war für mich aber leider auch die Kehrseite der Medaille und des Romantik-Overkills.

 

There is a light

Viel mehr nach meinem Geschmack waren die direkt hinter unserem Hotel verlaufende Rue St. Jean mit dem ältesten Kaufhaus J.A.Moisan …

 

… und die Rue Cartier mit ihren Straßenlaternen: keine schmiedeeisernen Lampen im viktorianischen Stil, sondern Lampenschirme, die von Kunststudenten alle völlig unterschiedlich bemalt sind.

 

In der Dunkelheit leuchten die so wunderschön und farbenprächtig, dass ich sie alle ablichten musste. Und zwar jede einzelne. Das ist auch äußerst hilfreich, wenn man sich verlaufen hat: Einfach die Lampe suchen, die man zuerst fotografiert hat.

 

Don’t go chasing waterfalls

Die schönsten warten noch. Viel interessanter für mich als die Montmorency Falls außerhalb von Québec, die im Winter einfrieren und dadurch wie geschaffen für den Bau eines Eishotels sind, war der doppelte Regenbogen auf der Rückfahrt und natürlich die dreistündige Fahrt hinaus auf den Sankt-Lorenz-Strom zur Beobachtung von Belugawalen, Finnwalen und Zwergwalen.

 

 

Kein Scherz: Wir haben wirklich welche gesehen, nur mein Smartphone hatte ich wasserdicht verpackt, denn ich hatte keine Lust, von rempelnden und rennenden Zeitgenossen geschubst zu werden und das gute Stück für immer zu verlieren. Außerdem, wie war das nochmal mit der Postkarte, die ich neulich für den Writing Friday entworfen haben? „Do more things that make you forget to check your phone“ – Momente ungefiltert und echt zu erleben, das war genau das, was mir so vorschwebte. Dass mich auf diesem Ausflug jedoch alles an Schottland 2008 erinnern würde, konnte ich nicht ahnen. In diesem Moment wurde mir so richtig bewusst, dass wir damals ebenfalls im August mit dem Boot aufgebrochen waren, um Delphine und Tümmler zu beobachten, und schon befand ich mich mittendrin in einem Film, den ich am liebsten vorzeitig verlassen hätte. Dennoch war ich am Ende froh, dabei gewesen zu sein und tatsächlich so viele Wale gesehen zu haben. Spektakuläre Wolkenformationen krönten diesen Tag.

 

 

Erst sehr viel später auf dieser Reise habe ich erfahren, dass in diesen Teil Kanadas viele Schotten ausgewandert sind; kein Wunder, dass ich diesen Flashback hatte.      

 


Wird fortgesetzt.

„Der Osten Kanadas“ – Tag 3 und 4


Entspannt erste Eindrücke in Toronto zu sammeln, war mir dann doch noch gelungen, und die erste Teilstrecke wartete schon auf uns:

Toronto – Montréal

Free your mind, and the rest (Québec – Ottawa – Midland – Niagara Falls – Toronto) will follow. Und dank meines durcheinandergeratenen Schlafrhythmus‘ war ich auch schon vor dem allgemeinen Weckruf um sechs Uhr morgens wach. Manche brauchen morgens länger, aber zu denen gehöre ich nicht. Da ich auch nicht stundenlang frühstücke, war ich noch vor der für acht Uhr angesetzten Abfahrt am Bus.

Zwischen Toronto und Montréal (das die Olympischen Spiele ausgerichtet hat) lag noch ein Highlight als Teil unseres Programms: eine Fahrt mit dem Schiff zwischen den Thousand Islands – der Inselgruppe im Sankt-Lorenz-Strom, die dem Salatdressing zu seinem Namen verholfen hat.

 

 

If you come to San Francisco…

Nein, das ist nicht die Golden Gate Bridge, auch wenn die USA nicht weit weg sind, wie wir schon in dem malerischen Städtchen Kingston mit seiner Strandpromenade erfahren durften.

 

 

Anscheinend hat man aber in Kanada einen Narren an diesem Brückendesign gefressen, denn in der Nähe von Québec habe ich eine ähnliche Brücke über den Sankt-Lorenz-Strom gesehen. Die letzte, bevor dieses Gewässer in den Atlantischen Ozean mündet.

… be sure to wear some flowers in your hair …

oder einen guten Regenschutz, den ich grundsätzlich nicht dabei habe, egal wohin ich gehe. Denn wenn Wind dazukommt, nützt der beste Schirm oder Poncho nichts. Nass werde ich dann sowieso und muss dann auch noch unnützen Ballast mit mir herumschleppen. Aber ich hatte den perfekten Platz, direkt an einem geöffneten Fenster auf einem bequemen Stuhl und keine krakeelenden und selfieschießenden Dauernervensägen vor der Nase oder im Genick.

Why don’t you stay just a little bit longer? – Ein Quantum Trost

Und zwar in diesem gemütlichen Hotel in einer Nebenstraße, diesmal wirklich gar nicht so weit von den Sehenswürdigkeiten entfernt, in deren Genuß wir am nächsten Tag kommen würden. Die erste Überraschung des Tages: Während ich in Toronto, wo nun wirklich rund um die Uhr Straßenlärm zu hören war, einen Balkon vor dem Zimmer hatte und den durch eine Schiebetür betreten konnte, tat sich hier an diesem Schiebefenster zunächst nichts. Bis ich dann an der Rezeption erfuhr, dass sich einer dieses Problemchens gleich annehmen würde. Dieser nette Herr stand dann kurz darauf mit einem Akkuschrauber vor meinem Zimmer und erklärte mir, die Fenster wären allesamt zugeschraubt worden, um zu verhindern, dass Gegenstände aus dem Fenster geworfen werden – von betrunkenen Gästen. Aber für mich würde er eine Ausnahme machen und die Verschraubung wieder lösen. Da ich gerne bei geöffnetem Fenster schlafe, war das ein Trost für mich. Das hat aber auch nur hier funktioniert (in den restlichen Städten gab es nur noch verglaste Fronten).

Da blieb ich doch gerne im Hotel zum Essen, denn das war hier sehr gut – genau wie die Bar, an der ich schnell mit zwei anderen Gästen ins Gespräch kam: eine Urlauberin aus Alberta und ein Geschäftsreisender aus New Jersey. Obwohl der Herr nicht der Gesprächigste war, hatten wir doch einen lustigen Abend. Ob der mit Wodka gemixte und mit Olive dekorierte Martini dry (gerührt und nicht geschüttelt) seinen Teil dazu beigetragen hat?

I’ve got a hangover…

I’ve been drinking too much. Ouch! Beste Voraussetzungen, um an einer Stadtrundfahrt teilzunehmen, an der wir nicht nur das Olympiastadion aus der Ferne und die Habitation 67 (ein architektonisches Meisterwerk des Brutalismus) aus der Nähe zu sehen bekamen – sondern auch das wahre Highlight, das sich nur zu Fuß erkunden lässt: die Underground City (unterirdische Stadt), in der ein Geschenk der Stadt Berlin an die Stadt Montréal aufgestellt worden ist: ein Stück der Berliner Mauer. Die Mauer muss weg? Hier isse!

 

 

Dieser Spaziergang war genau das Richtige für mich, bevor wir uns noch am Place d’Armes versammelten, um zu erfahren, dass man für den Besuch der berühmten Basilika nicht nur einen Haufen Geld bezahlen, sondern sich in eine lange Schlange einreihen darf. Wie gut, dass ich andere Interessen habe.

I’m singing in the rain

Wenn es heißt, dass diese oder jene Gebäude abgerissen werden, um einem neuen Viertel Platz zu machen, wird bei mir ein Pawlowscher Reflex in Gang gesetzt: Ich muss dieses Gebäude ablichten, bevor es ganz verschwunden ist. In diesem Fall sind es die alten Getreidesilos am LaChine-Kanal. Für die einen sind diese alten Gemäuer ein Ausbund an Scheußlichkeit, für mich das Symbol einer zum Erliegen gekommenen Industriekultur.

 

Mit der richtigen Musik im Ohr läuft es sich auch ohne Schirm ganz gut durch den Nieselregen, und der Rummelplatz am Wasser sieht doch gleich ganz anders aus.

 

So ein Regentag ist geradezu prädestiniert für eine Ausstellung der indigenen Künstlerin Rebecca Belmore im MAC. Ob ihr Namensvetter Michael Belmore, dessen großflächige Kupferskulptur in der National Gallery in Ottawa ausgestellt wird, mit ihr verwandt ist, habe ich nicht herausgefunden. Den Kater bin ich übrigens losgeworden. Meine französisch-englische Sprachbarriere aber auch.

 


Wird fortgesetzt.

„Der Osten Kanadas“ : Rundreise mit dem Bus vom 4. bis 15. August 2019 – Tag 1 und 2

 

Ankommen – Einchecken – Entspannen und vielleicht noch erste Eindrücke in Toronto sammeln, bevor es losgeht mit zwei Wochen Ostkanada: So hatte ich mir das vorgestellt. Bloß keinen Stress, denn die Rundreise mit dem Bus war ja auch nicht zur Erholung gedacht, sondern zum Sammeln neuer Eindrücke. Und so sah die Strecke aus:

Toronto – Montréal – Québec – Ottawa – Midland – Niagara Falls – Toronto.

 

Ich war so frei, schon bei der Buchung meinen Aufenthalt in Toronto um zwei Tage zu verlängern. Doch manchmal kommt es anders. Nicht nur, dass ich den Nachmittag im Innenhof des Hotels verbrachte, weil das Zimmer erst viel später frei war, sondern dass ich bereits um 18 Uhr nach Ortszeit todmüde ins Bett fiel und am nächsten Tag um zwei Uhr morgens wieder hellwach war und mein Magen knurrte.

 

Wie gut, dass ab sechs Uhr der Swimming Pool im obersten Stockwerk geöffnet war: Da konnte ich noch vor dem Frühstück, das es schon ab halb sieben gab, noch ein paar Bahnen schwimmen und den Sonnenaufgang von der Dachterrasse aus bewundern. Das Essen vom reichhaltigen Büffett konnte man im klimatisierten Speisesaal oder im sonnigen Innenhof genießen. Da ich bereits ahnte, dass ich an diesem Tag noch einige Kilometer zu Fuß zurücklegen würde, verzichtete ich auf eine Wanderung durch den Speisesaal und blieb an der Bar sitzen.

Bei unserer Stadtrundfahrt durch Toronto, die den halben Tag dauerte, kamen wir u.a. am CN-Tower, dem Gebäude der Hudson Bay Company, diversen Museen und dem Casa Loma vorbei. Auch ein paar Rundgänge zu Fuß waren vorgesehen: der Distillery District, der Shopping Mall, in der sich die Hockey Hall of Fame befindet, und dem Hafen am Ontariosee, wo die zwischen Stadt und Toronto Islands pendelnden Fähren und Wassertaxis an- und ablegen. Für eine Überfahrt reichte die Zeit nicht, aber damit hatte ich ein Ziel für meine Verlängerungstage gefunden.

 

Just keep Walking“ : Ich war noch niemals in New York

New York hat das Empire State Building – Toronto den CN Tower. New York hat das Flat Iron Building – Toronto auch, und sogar ein zweites, wenn ich das moderne Hochhaus dazu zähle, das mir auf meiner Wanderung vor die Linse kam. Kennt jemand noch die Werbung, in der einer zu dem Lied „I’m Walking“ meilenweit mit einem Kanister zu seiner bevorzugten Tankstelle unterwegs ist? So ging es mir, als ich mich auf den Weg zum Distillery District machte und mich meine Wanderung am Hundebrunnen mit dem goldenen Knochen auf der Spitze, dem Flat Iron Building und dem St. Lawrence Market vorbeiführte.

 

 

Ich kam mir dabei vor wie einer meiner früheren Chefs, der – zum ersten Mal in New York – selbst die Erfahrung machen durfte, wie lang zwei Blocks werden können. „Unterschätzen Sie niemals die Entfernungen in Kanada“, heißt es in einem Reiseführer. Das gilt nicht nur für Überlandstrecken, sondern auch für Besichtigungen in Toronto, vor allem dann, wenn Ziele als „fußläufig“ beschrieben werden. Das mag ja noch für die „Elgin & Winter Garden Theatres“, ein über 100 Jahre altes Doppeltheater auf zwei Stockwerken zutreffen, denn das lag wirklich nur zehn Gehminuten von meinem Hotel entfernt, aber beim Distillery District kamen mir unterwegs so meine Zweifel.

Was auf der Karte so nah aussah, entpuppte sich als eine Strecke, für die ich fünfzig Minuten brauchte, in zackigem Tempo zu knackiger Musik gelaufen. Das kam meinen Trainingsplänen sehr entgegen, da ich nächstes Jahr vorhabe, beim Walken für den guten Zweck das Ziel in weniger als 45 Minuten zu erreichen. Da ich an diesem Tag noch an den Hafen wollte und dabei mit der Kirche ums Dorf gelaufen bin, schätze ich meinen persönlichen Laufrekord auf zehn Kilometer, wenn nicht gar noch mehr: Just keep walking!

 

I’m a creep, I’m a weirdo – what the hell am I doing here…“

Im Stechschritt Marsch“ kann der Sinn einer Stadtbesichtigung nicht sein. Warum nicht zwischendurch eine kleine Pause einlegen und sich einfach an dem schönen Wetter und der netten Atmosphäre um mich herum erfreuen? Den Hundebrunnen mit seinen vielen unterschiedlichen Hundefiguren, einer Katze und dem goldenen Knochen auf der Spitze hatte ich überraschend schnell gefunden. Check. Als nächstes wollte ich mir den als Highlight angepriesenen St. Lawrence Market anschauen: eine riesige Markthalle mit vielen kleinen Ständen, an denen man Lebensmittel kaufen kann. Doch zuvor noch wurde ich von einer bemalten Fassade angezogen, die sich als Rückseite des Flat Iron Building entpuppte. Check.

So langsam kam ich mir vor wie bei einer Schnitzeljagd oder Fußgänger-Rallye – einer mit musikalischer Untermalung, denn diese Straßenmusikerin war der Hit. Leider spielte sie gerade ihren letzten Song an diesem Nachmittag, für den ich gerne meinen mp3-Player abschaltete: „Creep“ von Radiohead, nur dass mich ihre Version doch sehr an die von Hailey Reinhart (Post Modern Jukebox) erinnerte.

Das Flat Iron Building sollte man besser am Vormittag fotografieren und nicht wie ich, am frühen Nachmittag, denn um drei Uhr nachmittags ist das Licht einfach viel zu grell und die Bilder werden überbelichtet, wenn man zum Fotografieren nur das Smartphone dabei hat. Da in meiner Reisebeschreibung stand, dass im Bus nur Platz für ein Stück Handgepäck ist, habe ich die Fototasche mit Kamera und Zubehör zu Hause gelassen (war vielleicht besser so; allerdings sollte ich in Zukunft wirklich nicht mehr alles einfach so glauben). Was man sich auch sparen kann: Im Distillery District eines dieser „Liebesschlösser“ für zehn Dollar zu kaufen, die man an einem Metallgestell mit dem Schriftzug „LOVE“ befestigen kann, um ein tolles Fotomotiv zu haben. Für den Händler ist es ein Bombengeschäft, für mich sieht das eher nach Beutelschneiderei aus – aber wer’s unbedingt so haben möchte …

 

 

Im Nachhinein hätte ich mir auch keinen Thermobecher kaufen müssen, aber ich hatte von den Papp- und Styroporbechern im Hotelzimmer und beim Frühstück schon bald die Nase voll und fand ihn schöner als die übliche, allseits beliebte Tasse mit Motiv vom Urlaubsort. Dass es in meinem Hotel in Toronto für Kaffee und Tee auch Pötte aus Porzellan gab, habe ich erst am nächsten Tag, an dem es nach Montréal weiterging, herausgefunden. Und das war dann auch der einzige Ort, an dem er noch einmal zum Einsatz kam.

 


Über den Rest der Reise sind weitere Berichte geplant. „Coming Soon“