„Der Osten Kanadas“ : Rundreise mit dem Bus vom 4. bis 15. August 2019 – Tag 1 und 2

 

Ankommen – Einchecken – Entspannen und vielleicht noch erste Eindrücke in Toronto sammeln, bevor es losgeht mit zwei Wochen Ostkanada: So hatte ich mir das vorgestellt. Bloß keinen Stress, denn die Rundreise mit dem Bus war ja auch nicht zur Erholung gedacht, sondern zum Sammeln neuer Eindrücke. Und so sah die Strecke aus:

Toronto – Montréal – Québec – Ottawa – Midland – Niagara Falls – Toronto.

 

Ich war so frei, schon bei der Buchung meinen Aufenthalt in Toronto um zwei Tage zu verlängern. Doch manchmal kommt es anders. Nicht nur, dass ich den Nachmittag im Innenhof des Hotels verbrachte, weil das Zimmer erst viel später frei war, sondern dass ich bereits um 18 Uhr nach Ortszeit todmüde ins Bett fiel und am nächsten Tag um zwei Uhr morgens wieder hellwach war und mein Magen knurrte.

 

Wie gut, dass ab sechs Uhr der Swimming Pool im obersten Stockwerk geöffnet war: Da konnte ich noch vor dem Frühstück, das es schon ab halb sieben gab, noch ein paar Bahnen schwimmen und den Sonnenaufgang von der Dachterrasse aus bewundern. Das Essen vom reichhaltigen Büffett konnte man im klimatisierten Speisesaal oder im sonnigen Innenhof genießen. Da ich bereits ahnte, dass ich an diesem Tag noch einige Kilometer zu Fuß zurücklegen würde, verzichtete ich auf eine Wanderung durch den Speisesaal und blieb an der Bar sitzen.

Bei unserer Stadtrundfahrt durch Toronto, die den halben Tag dauerte, kamen wir u.a. am CN-Tower, dem Gebäude der Hudson Bay Company, diversen Museen und dem Casa Loma vorbei. Auch ein paar Rundgänge zu Fuß waren vorgesehen: der Distillery District, der Shopping Mall, in der sich die Hockey Hall of Fame befindet, und dem Hafen am Ontariosee, wo die zwischen Stadt und Toronto Islands pendelnden Fähren und Wassertaxis an- und ablegen. Für eine Überfahrt reichte die Zeit nicht, aber damit hatte ich ein Ziel für meine Verlängerungstage gefunden.

 

Just keep Walking“ : Ich war noch niemals in New York

New York hat das Empire State Building – Toronto den CN Tower. New York hat das Flat Iron Building – Toronto auch, und sogar ein zweites, wenn ich das moderne Hochhaus dazu zähle, das mir auf meiner Wanderung vor die Linse kam. Kennt jemand noch die Werbung, in der einer zu dem Lied „I’m Walking“ meilenweit mit einem Kanister zu seiner bevorzugten Tankstelle unterwegs ist? So ging es mir, als ich mich auf den Weg zum Distillery District machte und mich meine Wanderung am Hundebrunnen mit dem goldenen Knochen auf der Spitze, dem Flat Iron Building und dem St. Lawrence Market vorbeiführte.

 

 

Ich kam mir dabei vor wie einer meiner früheren Chefs, der – zum ersten Mal in New York – selbst die Erfahrung machen durfte, wie lang zwei Blocks werden können. „Unterschätzen Sie niemals die Entfernungen in Kanada“, heißt es in einem Reiseführer. Das gilt nicht nur für Überlandstrecken, sondern auch für Besichtigungen in Toronto, vor allem dann, wenn Ziele als „fußläufig“ beschrieben werden. Das mag ja noch für die „Elgin & Winter Garden Theatres“, ein über 100 Jahre altes Doppeltheater auf zwei Stockwerken zutreffen, denn das lag wirklich nur zehn Gehminuten von meinem Hotel entfernt, aber beim Distillery District kamen mir unterwegs so meine Zweifel.

Was auf der Karte so nah aussah, entpuppte sich als eine Strecke, für die ich fünfzig Minuten brauchte, in zackigem Tempo zu knackiger Musik gelaufen. Das kam meinen Trainingsplänen sehr entgegen, da ich nächstes Jahr vorhabe, beim Walken für den guten Zweck das Ziel in weniger als 45 Minuten zu erreichen. Da ich an diesem Tag noch an den Hafen wollte und dabei mit der Kirche ums Dorf gelaufen bin, schätze ich meinen persönlichen Laufrekord auf zehn Kilometer, wenn nicht gar noch mehr: Just keep walking!

 

I’m a creep, I’m a weirdo – what the hell am I doing here…“

Im Stechschritt Marsch“ kann der Sinn einer Stadtbesichtigung nicht sein. Warum nicht zwischendurch eine kleine Pause einlegen und sich einfach an dem schönen Wetter und der netten Atmosphäre um mich herum erfreuen? Den Hundebrunnen mit seinen vielen unterschiedlichen Hundefiguren, einer Katze und dem goldenen Knochen auf der Spitze hatte ich überraschend schnell gefunden. Check. Als nächstes wollte ich mir den als Highlight angepriesenen St. Lawrence Market anschauen: eine riesige Markthalle mit vielen kleinen Ständen, an denen man Lebensmittel kaufen kann. Doch zuvor noch wurde ich von einer bemalten Fassade angezogen, die sich als Rückseite des Flat Iron Building entpuppte. Check.

So langsam kam ich mir vor wie bei einer Schnitzeljagd oder Fußgänger-Rallye – einer mit musikalischer Untermalung, denn diese Straßenmusikerin war der Hit. Leider spielte sie gerade ihren letzten Song an diesem Nachmittag, für den ich gerne meinen mp3-Player abschaltete: „Creep“ von Radiohead, nur dass mich ihre Version doch sehr an die von Hailey Reinhart (Post Modern Jukebox) erinnerte.

Das Flat Iron Building sollte man besser am Vormittag fotografieren und nicht wie ich, am frühen Nachmittag, denn um drei Uhr nachmittags ist das Licht einfach viel zu grell und die Bilder werden überbelichtet, wenn man zum Fotografieren nur das Smartphone dabei hat. Da in meiner Reisebeschreibung stand, dass im Bus nur Platz für ein Stück Handgepäck ist, habe ich die Fototasche mit Kamera und Zubehör zu Hause gelassen (war vielleicht besser so; allerdings sollte ich in Zukunft wirklich nicht mehr alles einfach so glauben). Was man sich auch sparen kann: Im Distillery District eines dieser „Liebesschlösser“ für zehn Dollar zu kaufen, die man an einem Metallgestell mit dem Schriftzug „LOVE“ befestigen kann, um ein tolles Fotomotiv zu haben. Für den Händler ist es ein Bombengeschäft, für mich sieht das eher nach Beutelschneiderei aus – aber wer’s unbedingt so haben möchte …

 

 

Im Nachhinein hätte ich mir auch keinen Thermobecher kaufen müssen, aber ich hatte von den Papp- und Styroporbechern im Hotelzimmer und beim Frühstück schon bald die Nase voll und fand ihn schöner als die übliche, allseits beliebte Tasse mit Motiv vom Urlaubsort. Dass es in meinem Hotel in Toronto für Kaffee und Tee auch Pötte aus Porzellan gab, habe ich erst am nächsten Tag, an dem es nach Montréal weiterging, herausgefunden. Und das war dann auch der einzige Ort, an dem er noch einmal zum Einsatz kam.

 


Über den Rest der Reise sind weitere Berichte geplant. „Coming Soon“

2 Kommentare zu “„Der Osten Kanadas“ : Rundreise mit dem Bus vom 4. bis 15. August 2019 – Tag 1 und 2

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