„Der Osten Kanadas“ – Tag 3 und 4


Entspannt erste Eindrücke in Toronto zu sammeln, war mir dann doch noch gelungen, und die erste Teilstrecke wartete schon auf uns:

Toronto – Montréal

Free your mind, and the rest (Québec – Ottawa – Midland – Niagara Falls – Toronto) will follow. Und dank meines durcheinandergeratenen Schlafrhythmus‘ war ich auch schon vor dem allgemeinen Weckruf um sechs Uhr morgens wach. Manche brauchen morgens länger, aber zu denen gehöre ich nicht. Da ich auch nicht stundenlang frühstücke, war ich noch vor der für acht Uhr angesetzten Abfahrt am Bus.

Zwischen Toronto und Montréal (das die Olympischen Spiele ausgerichtet hat) lag noch ein Highlight als Teil unseres Programms: eine Fahrt mit dem Schiff zwischen den Thousand Islands – der Inselgruppe im Sankt-Lorenz-Strom, die dem Salatdressing zu seinem Namen verholfen hat.

 

 

If you come to San Francisco…

Nein, das ist nicht die Golden Gate Bridge, auch wenn die USA nicht weit weg sind, wie wir schon in dem malerischen Städtchen Kingston mit seiner Strandpromenade erfahren durften.

 

 

Anscheinend hat man aber in Kanada einen Narren an diesem Brückendesign gefressen, denn in der Nähe von Québec habe ich eine ähnliche Brücke über den Sankt-Lorenz-Strom gesehen. Die letzte, bevor dieses Gewässer in den Atlantischen Ozean mündet.

… be sure to wear some flowers in your hair …

oder einen guten Regenschutz, den ich grundsätzlich nicht dabei habe, egal wohin ich gehe. Denn wenn Wind dazukommt, nützt der beste Schirm oder Poncho nichts. Nass werde ich dann sowieso und muss dann auch noch unnützen Ballast mit mir herumschleppen. Aber ich hatte den perfekten Platz, direkt an einem geöffneten Fenster auf einem bequemen Stuhl und keine krakeelenden und selfieschießenden Dauernervensägen vor der Nase oder im Genick.

Why don’t you stay just a little bit longer? – Ein Quantum Trost

Und zwar in diesem gemütlichen Hotel in einer Nebenstraße, diesmal wirklich gar nicht so weit von den Sehenswürdigkeiten entfernt, in deren Genuß wir am nächsten Tag kommen würden. Die erste Überraschung des Tages: Während ich in Toronto, wo nun wirklich rund um die Uhr Straßenlärm zu hören war, einen Balkon vor dem Zimmer hatte und den durch eine Schiebetür betreten konnte, tat sich hier an diesem Schiebefenster zunächst nichts. Bis ich dann an der Rezeption erfuhr, dass sich einer dieses Problemchens gleich annehmen würde. Dieser nette Herr stand dann kurz darauf mit einem Akkuschrauber vor meinem Zimmer und erklärte mir, die Fenster wären allesamt zugeschraubt worden, um zu verhindern, dass Gegenstände aus dem Fenster geworfen werden – von betrunkenen Gästen. Aber für mich würde er eine Ausnahme machen und die Verschraubung wieder lösen. Da ich gerne bei geöffnetem Fenster schlafe, war das ein Trost für mich. Das hat aber auch nur hier funktioniert (in den restlichen Städten gab es nur noch verglaste Fronten).

Da blieb ich doch gerne im Hotel zum Essen, denn das war hier sehr gut – genau wie die Bar, an der ich schnell mit zwei anderen Gästen ins Gespräch kam: eine Urlauberin aus Alberta und ein Geschäftsreisender aus New Jersey. Obwohl der Herr nicht der Gesprächigste war, hatten wir doch einen lustigen Abend. Ob der mit Wodka gemixte und mit Olive dekorierte Martini dry (gerührt und nicht geschüttelt) seinen Teil dazu beigetragen hat?

I’ve got a hangover…

I’ve been drinking too much. Ouch! Beste Voraussetzungen, um an einer Stadtrundfahrt teilzunehmen, an der wir nicht nur das Olympiastadion aus der Ferne und die Habitation 67 (ein architektonisches Meisterwerk des Brutalismus) aus der Nähe zu sehen bekamen – sondern auch das wahre Highlight, das sich nur zu Fuß erkunden lässt: die Underground City (unterirdische Stadt), in der ein Geschenk der Stadt Berlin an die Stadt Montréal aufgestellt worden ist: ein Stück der Berliner Mauer. Die Mauer muss weg? Hier isse!

 

 

Dieser Spaziergang war genau das Richtige für mich, bevor wir uns noch am Place d’Armes versammelten, um zu erfahren, dass man für den Besuch der berühmten Basilika nicht nur einen Haufen Geld bezahlen, sondern sich in eine lange Schlange einreihen darf. Wie gut, dass ich andere Interessen habe.

I’m singing in the rain

Wenn es heißt, dass diese oder jene Gebäude abgerissen werden, um einem neuen Viertel Platz zu machen, wird bei mir ein Pawlowscher Reflex in Gang gesetzt: Ich muss dieses Gebäude ablichten, bevor es ganz verschwunden ist. In diesem Fall sind es die alten Getreidesilos am LaChine-Kanal. Für die einen sind diese alten Gemäuer ein Ausbund an Scheußlichkeit, für mich das Symbol einer zum Erliegen gekommenen Industriekultur.

 

Mit der richtigen Musik im Ohr läuft es sich auch ohne Schirm ganz gut durch den Nieselregen, und der Rummelplatz am Wasser sieht doch gleich ganz anders aus.

 

So ein Regentag ist geradezu prädestiniert für eine Ausstellung der indigenen Künstlerin Rebecca Belmore im MAC. Ob ihr Namensvetter Michael Belmore, dessen großflächige Kupferskulptur in der National Gallery in Ottawa ausgestellt wird, mit ihr verwandt ist, habe ich nicht herausgefunden. Den Kater bin ich übrigens losgeworden. Meine französisch-englische Sprachbarriere aber auch.

 


Wird fortgesetzt.

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