# Writing Friday – September, 36. Woche

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht.   +++   Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen.   +++   Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.   +++   Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch.    +++  Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den September

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl….” beginnt.    +++   2) Schreibe aus der Sicht von Dornröschen, die über 100 Jahre lang geschlafen hat und im Jahr 2019 wieder erwacht. +++   3) Clarissa ist 18 Jahre alt und lebt im Jahr 2119 in einer Untergrundorganisation in London. Gegen was setzt sie sich mit den anderen Mitglieder ein?   +++   4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Zaubertrank, entdeckt, Bergkette, verborgen, Sternenhimmel   +++   5) Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

Diesen Monat geht es märchenhaft zu: Elfe, Dornröschen… Da liefert die vierte Schreibaufgabe doch den idealen Auftakt, und zwar mit Schneewittchen und den sieben Zwergen, denen ich in meiner Version Namen gegeben habe: Alpha (der Boss), Beta (sein Deputy), Gamma, Delta, Kappa, My (der Kleinste) und Omega (weil er der letzte ist).

 

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Tief verborgen im Wald, hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen… doch halt! Wie hätte die Geschichte wohl ausgesehen, wenn sich ein Teil von ihr womöglich ein klein wenig anders zugetragen hätte?

Schneewittchen reloaded

Am östlichen Horizont nahm der verblassende Sternenhimmel bereits eine zarte bläuliche Färbung an, als das Zuhause der sieben Zwerge endlich in Sichtweite kam. Wie sie sich nach der anstrengenden Nachtschicht auf ihre weichen Bettchen freuten – besonders My, der Kleinste von ihnen. Zuerst waren sie ja skeptisch gewesen, ob er die ohnehin schon harte Arbeit in der unbeliebtesten Schicht durchhalten würde, aber wider Erwarten hatte er die Zähne zusammengebissen wie ein Großer und sich wacker geschlagen. Nur noch ein Schluck von dem Trunk, den Kappa zubereitet hatte und nur noch aufwärmen musste, dann konnte My endlich…

Was zum!“ hörte er Gamma rufen, und als dann noch Beta und Delta genauso unerfreut reagierten, ahnte er, dass er so bald keine Ruhe finden würde. „Jemand war hier.“ – mehr musste er gar nicht hören. So ein Mist. Der Kessel war leer: Jemand hatte sich nicht nur über den Kessel hergemacht, sondern sich auch gleich am Käse bedient, und das galt auch für die Wurst, die an einem Haken von der Decke baumelte, um sie vor Mäusen zu schützen. Mäuse konnten das unmöglich gewesen sein. Hatte Omega etwa nicht abgeschlossen? Als letzter der Arbeits- und Wohngemeinschaft der Zwerge hieß er schließlich nicht umsonst so, aber Omega war sich keiner Schuld bewusst. Doch alle Spekulationen waren sinnlos, denn sie hatten ungebetenen Besuch, und alles wies darauf hin, dass er noch nicht fort war. Es war Omega, der die Spuren als Erster entdeckte. Fußabdrücke aus Mehl wiesen ihnen den Weg geradewegs in ihren Schlafbereich hinein. Ab hier übernahm Alpha, der Chef des Bergarbeitertrupps, wieder das Kommando. Nachdem sein Stellvertreter Beta ihm noch schnell einen Kerzenleuchter in die Hand gedrückt und seinen Kollegen geraten hatte, sich ebenfalls zu bewaffnen, öffnete Alpha vorsichtig die Tür, die My vor Arbeitsbeginn zum Glück noch schnell geölt hatte.

Zunächst konnten sie außer undeutlicher Schemen nicht viel erkennen, und doch wussten sie, dass da etwas schlummerte und leise vor sich hin schnarchte. Hoffentlich kein Bär – die gab es zwar nur auf der anderen Seite der Bergkette, in der sie Erz abbauten, aber man konnte nie wissen. Alpha winkte Delta heran, um ihn vorzuschicken. Der hatte erstens die besten Augen von allen und zweitens war er so schlau gewesen, sich einen Besen zu schnappen. Das perfekte Werkzeug, um den Eindringling mit genug Abstand anzustupsen und so herauszufinden, wer sich so dreist in ihrem Haus breitmachte. Die Fingerknöchel weiß, so fest hielt Delta den Besenstiel umklammert, näherte er sich auf Zehenspitzen der gleichmäßig atmenden Gestalt mit einem ungewöhnlich tiefen Schlaf. Noch zwei Schritte, dann erkannte er: Das war kein Bär, und auch weder Fuchs noch Wildkatze. Vor ihm lag ein menschliches Wesen, und es roch nach Alkohol.

Na toll, stöhnte er, als er mit dem Fuß gegen den leeren Krug stieß, der zur Hälfte unter dem Kopf der Bettenreihe hervorlugte: Nicht nur, dass die wichtigsten Nahrungsmittel dem Einbrecher zum Opfer gefallen waren, auch seinen „Zaubertrank“, den er stundenlang und mit viel Liebe aus den Kräutern des Waldes destilliert hatte, hatte es erwischt. Jetzt war Delta wirklich sauer. Als Vegetarier hatte er sich aus Wurst sowieso nie viel gemacht, aber bei seiner hochprozentigen Köstlichkeit, die so manch langen Winterabend erst erträglich machte und sich außerdem hervorragend zum Einreiben gegen Muskelkater eignete, hörte der Spaß auf. Delta sah Rot. Erst unsere Vorräte plündern, dachte er, und dann Deinen Rausch in unseren Betten ausschlafen – Dir geb ich’s, Freundchen! – Und anstatt die vor ihm liegende Person mit dem Stiel zu berühren, drosch er mit den Borsten auf sie ein. Autsch! Das tat ja schon beim Hinsehen weh. Entsetzt hielt My sich die Augen zu. Wenn er es nun totschlägt. Jemand sollte Delta bremsen, bevor es richtig blutig wird.

Aber Deltas Opfer war hart im Nehmen. Jeden anderen hätte er mit Schlägen dieses Kalibers außer Gefecht gesetzt, nicht aber diesen… Moment – das war zwar ein Mensch, aber kein Er, sondern eine Sie. Und sie war wunderschön. Jedenfalls für Kappa, Beta und Gamma, die ungewöhnlich schnell die Fassung wiedererlangt hatten. My musste sich doch sehr über seine Gesellen wundern. Gewiss, mit ihren roten Lippen und rabenschwarzem Haar war sie recht hübsch, und mit einer vornehmen Blässe war sie auch gesegnet, aber warum jetzt auch noch Omega sichtbar dahinschmolz, ging über seinen Verstand. Hilfesuchend wandte er sich an den Boss, in der Hoffnung, dass der für Ordnung sorgen würde. Aber der dachte gar nicht dran, die Schnapsleiche von ihrem Lager zu entfernen. Statt dessen rissen sich seine Kumpel darum, die Betten so zusammenzuschieben, dass alle Platz fanden.

Mir reicht’s!“ zischte My und machte auf dem Absatz kehrt. Die hatten doch nicht mehr alle Nuggets auf der Lore. Wütend stapfte er zurück an die Feuerstelle. Delta setzte sich zu ihm, dem das hier ebenfalls nicht passte. „Hoffen wir mal, dass er dieser Tussi ordentlich die Ohren langzieht, wenn sie wieder nüchtern ist“, sagte er trocken zu My, und die beiden kratzten die letzten Reste zusammen, die die Unbekannte im Kessel übrig gelassen hatte.

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Wie es mit den sieben Zwergen und Schneewittchen weitergeht, ist bekannt. Aber seid Ihr Euch jetzt wirklich immer noch so sicher, dass die Zwerge Schneewittchen nur aus Mitleid bei sich haben wohnen lassen oder weil sie sie gar so hübsch fanden? Das Leben besteht schließlich aus Geben und Nehmen, und wer sich einfach Dinge nimmt, die ihm nicht gehören, ist der perfekte Kandidat zum Verrichten der unangenehmen Arbeiten wie den Hühnerstall auszumisten oder Zwiebeln und Kartoffeln zu schälen. Und am Ende ist dann auch Delta wieder versöhnt, weil er in My eine große Hilfe beim Destillieren gefunden hat. Zusammen denken sie sich neue Rezepte aus – und auch so manch andere kleine Bosheit. Denn schließlich soll das Leben ja spannend bleiben.

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2 Kommentare zu “# Writing Friday – September, 36. Woche

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