# Writing Friday – September, 37. Woche

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den September

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl….” beginnt.   +++   2) Schreibe aus der Sicht von Dornröschen, die über 100 Jahre lang geschlafen hat und im Jahr 2019 wieder erwacht.   +++   3) Clarissa ist 18 Jahre alt und lebt im Jahr 2119 in einer Untergrundorganisation in London. Gegen was setzt sie sich mit den anderen Mitglieder ein?   +++  4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Zaubertrank, entdeckt, Bergkette, verborgen, Sternenhimmel   +++  5) Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

Zwergen, Elfen, Wölfe, Dornröschen… Ein märchenhafter Monat erwartet uns. Heute widme ich mich dem ersten Schreibthema auf der Liste.

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Der Monster-Mash

Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das, obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, niemals in so ein dämliches Kostüm zu schlüpfen. Jetzt saß Lea im Studio und ließ sich von der Maskenbildnerin für ihre Rolle in dem neuesten Werbespot für ein Möbelhaus schminken. Das also kommt dabei heraus, wenn man eine aus Jux eingegangene Wette verliert und sich um eine solche Rolle bewirbt, dachte sie und seufzte tief. „Selbsthilfegruppe für verzweifelte Träume“ – wie passend. Ihre Freunde würden sich totlachen, wenn sie das kurze Filmchen im Fernsehen sehen würden, allen voran Finn, der auf dem Wave-Gotik-Treffen in einem T-Shirt mit dem Spruch „Elben haben doofe Ohren“ herumgelaufen war. Aber vielleicht ging der Kelch ja doch noch an ihr vorbei, denn schließlich war er es, der ständig tönte, Netflix sei das neue Fernsehen. Aber wer konnte schon wissen, ob der Spot nicht auch dort lief. Finn war ja so ein Witzbold – nur gut, dass aus ihm und Sally nichts geworden und diese jetzt mit Michael zusammen war. Jemand musste Finn mit seinen dämlichen Sprüchen Kontra geben und ihn nicht anschmachten wie Sally, womöglich noch mit so großen braunen Augen wie das Schaf auf dem Stuhl neben ihr sie hatte.

Was für eine unangenehme Wärme hier im Studio herrschte – kein Wunder, dass die Kleine in dem Schäfchenkostüm immer wieder einnickte, denn für das Mädchen gab es außer zu warten nichts zu tun, weil es seinen Text längst draufhatte. „Hey Schäfchen, bleib wach“, zischte sie, „oder ich hol mir das Monster zur Unterstützung.“ Das wirkte. Mit einem Mal war Schäfchen hellwach. Hexe, Held und Astronaut waren auch schon da. Nur noch fünf Minuten.

Alle waren hochkonzentriert bei der Sache gewesen, und doch hatten sie mehrere Anläufe gebraucht. Jetzt waren außer Lea nur noch die Dame, die die Hexe gespielt hatte und das lila Monster im Studio. Lea hätte zu gerne gewusst, warum der lila Kollege nicht auch einfach aus seinem Kostüm geschlüpft und nach Hause gegangen war. Aber eigentlich konnte es ihr auch egal sein. Im Gegensatz zu den beiden konnte sie nicht einfach ihr Kostüm ausziehen und einfach verschwinden. Aber abschminken konnte sie sich wenigstens schon mal, wenn sich von dem Stab hier keiner blicken ließ. Mein Gott, das war ja komplizierter als beim Film, dachte sie. Mit Sicherheit würde sie nie in dieser Branche arbeiten; dieser eine Ausflug in die Filmwelt sollte ihr erster und letzter bleiben, das nahm sie sich fest vor, während sie die künstlichen Wimpern ablegte und ihr Gesicht mit einem Schwämmchen bearbeitete. Das dauerte am Ende dann doch länger als erwartet, aber dann war auch das geschafft, und sie konnte das Studio verlassen, nachdem Carl, der Verantwortliche für die Kostüme, das dünne Fähnchen von einem Elfenkleid wieder in Empfang genommen hatte.

Sie hatte kaum die Straßenecke erreicht, als ihr auffiel, dass es in ihrer Tasche nicht klapperte wie sonst. Der Schlüsselbund! Er musste ihr im Studio abhanden gekommen sein, und wenn sie sich noch beeilte, würde jemand sie vielleicht noch ins Studio hinein lassen. Jetzt aber schnell und…. Rrrrums! Peng. Schepper. – fand sie sich auf dem Boden wieder. Sterne, Punkte und lila Flusen tanzten vor Leas Augen, und sie tastete vorsichtig ihre Stirn ab. Das würde eine fette Beule geben. Dem Pechvogel mit den lila Flusen an seiner Fleecejacke, in den sie blindlings hineingerannt war, ging es nicht viel besser. Stöhnend hielt er sich den schmerzenden Schädel. „Verdammt, was….“ , fluchte er. Mehr bekam Lea von der Tirade, die er vom Stapel ließ, nicht mehr mit. Diese Stimme, sie kam ihr so wahnsinnig bekannt vor. Kneif mich einer, sonst glaub ich’s nicht, erstarrte sie augenblicklich, und als sie dann endlich nichts mehr unscharf sah, wusste sie, dass sie sich nicht getäuscht hatte: Finn. Der mit dem Elben-haben-doofe-Ohren-Shirt. Und er hatte in dem Monsterkostüm gesteckt.

Noch wusste sie nicht, wie sie seine Geheimnistuerei einordnen sollte, aber eins wusste sie mit Bestimmtheit: Er würde sie jedenfalls nicht wegen ihrer Elfenrolle in dem Werbespot vor versammelter Mannschaft aufziehen. Nach diesem Auftritt jedenfalls nicht mehr.

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Mal sehen, welche Märchenfigur ich als nächstes reaktiviere.

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