# Writing Friday – Oktober, 42. Woche : Do it yourself!

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den Oktober

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt. +++2) Schreibe aus der Sicht eines Hexenbesens. +++ 3) Wovor fürchtest du dich am meisten? Erzähle uns davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond +++ 5) Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

Nachdem es mit den Betrachtungen eines Hexenbesens etwas ruhiger zuging, geht es heute weiter mit dem Mann mit den blutigen Händen. Doch nicht immer ist alles so, wie es scheint.

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Do it yourself!

Er wischte sich das Blut von den Händen und verschwendete keinen Gedanken daran, dass er jetzt aussah wie ein Schwein. Auch der Schraubenschlüssel, mit dem er den Typen außer Gefecht gesetzt und den er unmittelbar nach dem entscheidenden Schlag fallengelassen hatte, war ihm egal. Nur eines zählte: Dass er gerade noch rechtzeitig aufgetaucht war, um seiner Zufallsbekanntschaft beizustehen. Nicht zum ersten Mal hatte sich seine Vorahnung als richtig herausgestellt…

Natürlich war das Mädchen von neulich nicht identisch mit der Studentin auf dem Zeitungsfoto. Dennoch hatte ihn die starke Ähnlichkeit zunächst zweifeln lassen. Ein Anruf bei Chris hatte ihn schließlich davon überzeugt, dass es ihr gutging: Sein bester Freund hatte an Julia ein winziges Zimmerchen über seiner Werkstatt vermietet und sie an den Apparat geholt, damit sie persönlich mit Tim sprechen konnte. Was hatte ihn bloß geritten, einer völlig Fremden so einen Blödsinn zu erzählen? Von wegen sich vorzustellen, dass sie neulich noch neben ihm an der Bar gesessen hatte. Drei Guinness, Tim, und Du bist nicht mehr zurechnungsfähig. Punkten hatte er bei ihr mit seiner Schauergeschichte nicht können, so schnell, wie sie den Schein auf den Tresen geknallt und das Bogside fluchtartig verlassen hatte. Wohl war ihm dabei nicht. Eine so attraktive Frau zu verscheuchen, war eine neue Erfahrung für ihn, und nun regte sich das schlechte Gewissen. Sie völlig unnötig in Angst und Schrecken zu versetzen, noch bevor sie nähere Bekanntschaft schließen oder sich wenigstens einander vorstellen konnten. Jetzt bloß schnell hinterher, hatte sie doch einen Vorsprung von mehreren Minuten. Minuten, in denen alles passieren konnte.

Obwohl der Nebel zurückging, konnte er zunächst nur ihre Schritte hören, sie aber nicht sehen. Dafür aber den Schatten, der wie aus dem Nichts gekommen war und sich zwischen ihn und Lara geschoben hatte. Ein Schatten mit Armen wie Tentakel, die sich nach seinem Opfer ausstreckten; unnatürlich lange Tentakel, durch das Zwielicht grotesk verzerrt, mit Fingern so dürr wie Spinnenbeine, und sie legten sich in Zeitlupe um ihren Hals. Warum schrie sie nicht? Merkte sie denn nicht, dass sie in Lebensgefahr schwebte? Er wusste nur eines: Wenn er nicht umgehend handelte, dann würde es für sie zu spät sein. In seinem Rucksack bollerte der Schraubenschlüssel bei jedem Schritt, den er vorwärts hastete. Gleich würde er nicht mehr bollern.

Lara konnte ihr Glück kaum fassen: Gerade noch hatten sich zwei Hände von hinten um ihren Hals gelegt und zugedrückt, und nun erschlafften sie plötzlich und ließen von ihr ab. Plopp! Der Film, den sie zu sehen erwartet hatte und ihr Leben im Zeitraffer an ihr vorbeischicken sollte, er blieb aus, denn wer auch immer sie hinterrücks überfallen hatte, ging mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Danach Grabesstille. Erstarrt und wie eingefroren stand Lara da. Eine Statue im fahlen Mondlicht. Die eisige Stille machte es ihr unmöglich, auch nur einen Gedanken zu fassen. Es war vorbei, und sie lebte. Ein Leben gegen ein Leben – ihres gegen seines.

Schön wär’s. Der Kerl atmete noch. Ihr Nachbar vom Tresen mit der beschmierten Jeans beugte sich über ihn. Ihr Retter. Und nun fühlte er ihrem Angreifer den Puls. Geschieht dem Schwein recht. Hoffentlich hatte Crocodile Dundee ihm ordentlich weh getan. Rühren konnte der andere sich jedenfalls nicht mehr. Gut so. Der Schraubenschlüssel aus Tims Rucksack hatte ganze Arbeit geleistet. Sein Besitzer natürlich auch. Ob er noch mehr Werkzeug mit sich herumschleppte? Zugetraut hätte sie es ihm. Nur zwei Schritte, dann war sie bei ihm. Mal einen unauffälligen Blick in seinen halb offenen Rucksack zu werfen, musste doch drin sein, und wenn er nicht ganz so unauffällig war, was konnte sein Besitzer schon dagegen haben. Die Gestalt auf dem Boden rührte sich und stöhnte leise vor sich hin. Schnell, tu was. Aber was? Und noch im selben Moment griff Tim wie sie auch, nach dem Rucksack. Zwei Dumme, ein Gedanke – und der Inhalt kullerte über den Bordstein auf die Fahrbahn. Hey, Tim hatte nicht nur einen Satz Schraubenschlüssel dabei, sondern auch eine Dose Ballistol und, was für ein glücklicher Zufall, Kabelbinder. Zwei Dumme, ein Gedanke? O ja, ein KO-geschlagener Möchtegern-Killer, ein Satz Kabelbinder und ein Verkehrsschild – und sie waren zu zweit gegen einen, für den der Abend jetzt nur noch eines in petto haben würde: eine Privatfestsetzung, bis die Polizei eintraf und sich um alles weitere kümmerte.

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Dies war der dritte Teil des literarischen Horrorctobers, der nicht ganz so gruselig verlaufen ist, wie ich es mir zu Beginn des Monats vorgenommen hatte.