# Writing Friday – November, 44. Woche : Let’s start a band!

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den November

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich … ” beginnt. +++ 2) Es ist Zeit für den Winterschlaf – Bruno der Bär berichtet von seinen Vorbereitungen. Gib Bruno einen einmaligen Charakter und sei kreativ! +++ 3) Dein Lesesessel startet eine Demo – wofür protestiert er? Berichte davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Wind, Comicbuch, klein, Avocado, Eule +++ 5) Welches ist dein Lieblingsgenre? Wieso ist das so? Und was magst du daran?

Auch dieser Monat ist der Kreativität gewidmet. Den Auftakt bildet ein musikalisches Thema.

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Let’s start a band!

Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich fügten sich alle Einzelteile zu einem funktionstüchtigen Ganzen zusammen. Wie lange er über dem Bausatz gebrütet und dabei den Tag verflucht hatte, an dem er auf die Idee gekommen war, dieses Instrument selbst bauen zu wollen. Handwerklich begabt war er ja schon immer gewesen, aber das Theremin stellte ihn vor eine Herausforderung, an der er um ein Haar gescheitert wäre. Dabei hatte sich die Beschreibung so einfach gelesen, und wenn der größte Musiker des 20. Jahrhunderts in seinen Konzerten darauf spielte, dann sah das so leicht und mühelos aus. Dass Theorie und Praxis oft meilenweit auseinanderklaffen, hatte er bei seinem Besuch im Museums erfahren dürfen, wo genau so ein Exemplar ausgestellt wurde, das darauf wartete, dass die Besucher es ausprobierten. Bei den meisten kam nur atonales Gequietsche heraus, das noch nicht einmal zur Untermalung von schlechten Horrorfilmen taugte, doch als Jonathan sich vor dem Kasten aufgestellt hatte, war er überrascht gewesen, dass ihm tatsächlich gelungen war, dem Theremin mit ein wenig Konzentration eine kleine Melodie zu entlocken. Zwei, drei weitere Besuche des Museums hatten ihn endgültig davon überzeugt, dass in ihm eine bisher unentdeckte Begabung schlummerte, die er zum Leben erwecken wollte. Aber ohne eigenes Instrument würde alles nur ein schöner Traum bleiben.

Und nun stand es vor ihm, bereit für die Einweihung. Erwartungsvoll stellte sich Jonathan in Pose und hob die Arme, um das berührungslos zu spielende Musikinstrument endlich zum Klingen zu bringen. Da zerriss ein schrilles Geräusch die Stille. Das Display auf seinem Handy blinkte hektisch. „Sag mal, wo bleibst Du denn?!“ bellte ihm die Stimme seines besten Freundes entgegen. Mark war sauer, und die Zeiger der Uhr verrieten Jonathan auch warum. Oh, Shit – beim Brüten über dem Bausatz hatte er die Bandprobe vergessen. Mark und sein Bruder warteten sicher schon ewig auf ihn. Dabei war dies nicht eine x-beliebige Probe, sondern die letzte, bevor es ins Tonstudio ging, um eine Demo-CD aufzunehmen. Darauf hatten sie schon ewig gewartet, und dank Marks Bruder Brian hatte es dann doch noch mit dem Studio geklappt. Seufzend griff Jonathan nach seinem Keyboard und warf noch einen letzten Blick auf das Theremin, bevor er die Wohnung verließ.

Ihre gemeinsame Session war dann doch besser gelaufen als erwartet. Der Bunker, in dem verschiedene Bands probten, lag zum Glück nicht weit von seiner Wohnung entfernt, und so hatten seine Freunde nicht lange auf ihn warten müssen. Während sie ihr gesamtes Repertoire durchexerzierten, besserte sich Marks Laune merklich, und als sie mit ihren Stücken durch waren, musste Jonathan ihm und seinem Bruder erzählen, was ihn so lange aufgehalten hatte. Aber anstatt verständnislos mit dem Kopf zu schütteln, wollte sich Brian nun davon überzeugen, ob sich die Plackerei mit den vielen Teilen auch gelohnt hatte. Auch Mark war nicht weniger neugierig, und so machten sich die drei zu später Stunde auf den Weg zu Jonathans Wohnung. Oben angekommen, drückte er seinen beiden Freunden erst einmal zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank in die Hand und verstaute sein Keyboard. Noch einen Schluck aus seiner Flasche, denn jetzt war er da, der feierliche Moment. Nun würde sich zeigen, ob ihm das Werk gelungen war oder ob das Gerät stumm blieb.

Andächtig lauschend, saßen sie da, bis die letzten Töne der Erkennungsmelodie von „Inspector Barnaby“ verklungen waren. Zugegeben, im Fernsehen klang das melodischer und flüssiger, aber es war unverkennbar dieses Titelthema, das Jonathan frei aus dem Gedächtnis nachgespielt hatte, wenn auch etwas holprig. „Hey, warum bauen wir das nicht mit in die Proben ein?“, beendete Brian das Schweigen. Ja, warum eigentlich nicht? Inzwischen fand auch Mark die Idee gar nicht so abwegig. Nur Jonathan war skeptisch. Schließlich würde man die zarten Klänge kaum hören können, wenn Marks Gitarrenspiel von seinem Bruder am Bass unterstützt wurde. Allenfalls für eine Soloeinlage würde dieses sehr spezielle Instrument taugen. Aber versuchen konnte man es doch mal.

Aber mal was anderes, Leute“, warf Mark ein. „Habt Ihr Euch schon mal überlegt, wie es weitergehen soll, wenn wir die CD im Kasten haben?“

Brian und Jonathan schauten sich ratlos an. Irgendwie standen sie gerade auf dem Schlauch und hatten keine Ahnung, worauf Mark hinaus wollte.

Na ja, wie sieht’s zum Beispiel aus mit einem Namen?“

Ach herrje, dass sie daran überhaupt nicht mehr gedacht hatten… Aber so, wie sich ihr Repertoire in Richtung 80er Jahre entwickelt hatte, klang der anfangs für ihr Ensemble geplante Name ‚The Kelly Brothers‘ mittlerweile gar nicht mehr passend.

Klingt aber auch nicht besser als Deine Kreation“, sagte Brian zu seinem Bruder. Stimmt, der hatte auch nicht mehr Phantasie bewiesen, als er ‚The Kellys & Friends‘ vorgeschlagen hatte, was schon deswegen zum Scheitern verurteilt war, weil sie nur zu dritt waren. Aber ‚The Kellys & Friend‘ klang noch behämmerter.

Es sei denn, ich frage meinen Kollegen aus der Gitarren-AG“, gab der prompt zurück. Aber ob die Kombination aus Keyboard, zwei Gitarren und einem Bass wirklich so ideal war? Und mit zwei Kellys, einem McIntyre und – falls er Michael wirklich fragte – einem O’Hara, wäre die Illusion eines schottisch-irischen Quartetts perfekt. Allerdings würden sich die Fans der Kelly Family doch ziemlich veralbert vorkommen, zumal ihre Musik mit denen der echten Kellys nicht das Geringste zu tun hatte. Keine perfekte Ausgangsbasis für ihre noch nicht gestartete Karriere als Achtziger-Jahre-Coverband. Ja, ja, das Leben ist grausam und schrecklich gemein, ging es ihm durch den Sinn, als er in Jonathans Wohnung auf und ab wanderte, welches Schweinderl hätten’s denn gern?

Dann fiel sein Blick auf des riesige Konzertplakat, das über dem durchgesessenen Sofa hing: „Oxygène – Jean-Michel Jarre live in Budapest“. Auf dem Tisch daneben stapelten sich CDs des Elektronikkünstlers, und bestimmt besaß Jonathan auch sämtliche Alben von dem Franzosen.

Leute, ich hab’s!“ rief er wie elektrisiert aus. „Verabschiedet Euch von eurem ursprüngichen Plan und vergesst die Kellys. Die Lösung liegt direkt vor unseren Augen. Wie wär’s mit ‚OxyGen‘? Let’s start a band!“

Let’s start a band? Entgeistert starrten Brian und Jonathan ihren Gitarristen an. Was war denn das für ein obskurer Einfall? Aber dann wurde es ihnen klar: Wenn sie noch ein paar Stücke von Jarre einbauten, wären sie nicht bloß eine weitere 80er-Jahre-Coverband, sondern eine Tribute-Band zu Ehren von Jonathans Idol. Und Jonathans selbstgebautes Theremin würde sich bestimmt auch in ihr Programm einbauen lassen.

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Und wer nicht weiß, wie ein Theremin aussieht, hier habe ich ein Foto davon, selbst aufgenommen im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main…

aber meine Versuche dieses Instrument zu spielen, waren nicht von Erfolg gekrönt.

3 Kommentare zu “# Writing Friday – November, 44. Woche : Let’s start a band!

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