Es weht ein laues Lüftchen – Isn’t it ironic ?

 

 

Heute sollte ein Schwertransport mit Rotorblättern für eine Windanlage nach Grävenwiesbach in Mittelhessen fahren. Der Transport wurde abgeblasen. Der Grund dafür war zu starker Wind.

Mindestens genauso „schwierig“ – ähem – oder vielleicht doch eher geschmacklos war die Aneinderreihung der beiden folgenden Werbespots auf dem Sender, der in meinem Autoradio dudelte: Zuerst ein Spot über die „Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Störung“, unter der blinde Menschen unter fehlendem Lichtempfinden leiden. Auf diesen Spot folgte Werbung für den BLACK FRIDAY, oder war’s die BLACK WEEK?

Für den guten Geschmack seh‘ ich schwarz. Wie auch immer – für alle, denen die darin enthaltene Ironie nicht entgangen ist, gibt es heute, passend zur Jahreszeit, den besonderen Ohrwurm: „Ironic“ von Alanis Morrissette – https://youtu.be/Jne9t8sHpUc:

 

Alle Jahre wieder …

 

 

fällt der Startschuss für die Weihnachtszeit schon im Herbst. Die Weihnachtsmärkte werden schon im November eröffnet, und die Werbetrommeln für die neuesten CDs mit Weihnachtsklassikern unterschiedlicher Musiker werden fleißig gerührt. Da war die Ankündigung der Jahrhunderthalle, dass am 24. November der kanadische Sänger Bruce Guthro ein Gastspiel geben würde, eine tolle Nachricht, aber das Motto seiner Tournee durch Deutschland und Dänemark keine Überraschung.

Dieses lautete „Celtic Christmas“, und das Programm sollte laut Ankündigung aus englischen Weihnachtsliedern, irischen Klassikern, Songs aus seiner Heimat und Stücken von Runrig (der Band, für die er nach dem Weggang von Donnie Munro der Sänger war) bestehen. Das klang nach vielversprechenden zwei Stunden – in einer Halle mit einer guten Akustik und ohne Gedrängel, denn es gab keine Stehplätze. Ich hatte einen leicht erhöhten Platz mit erstklassiger Sicht auf die Bühne.

 

Have yourself a merry little Christmas?

Eigentlich hatte ich die Karte ja nicht wegen der englischen Weihnachtslieder oder den angekündigten Songs von Runrig gekauft, sondern weil ich auf sein eigenes Material gespannt war. Ich lasse mich nämlich gern überraschen und mag es eher nicht so gerne, wenn ein Sänger mit einer fantastischen Stimme und hervorragenden eigenen Songs auf die Stimme der Band reduziert wird, für die er 20 Jahre lang gesungen hat, und erwarte daher auch kein Runrig-Konzert, wie das folgende, das 2003 live auf Stirling Castle aufgenommen wurde (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ouHH7GVrkTg);

 

 

 

Es war deshalb auch keine Überraschung für mich, dass während der zwei Stunden drei Lieder dieser Band gespielt wurden: „This time of year“, „Hearts of olden glory“ und „Rocket to the moon“. Wer die Band nicht kennt, dem sagen diese Titel nichts; ich verbinde mit den Songs die Zeit, in der Runrig noch einen anderen Sänger hatte, wie hier in diesem Video von Donnie Munros Abschiedskonzert 1997 (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=g7cId63P65E):

 

 

Jetzt aber genug von Runrig. Hier geht es ja schließlich um Bruce Guthro und seine Begleitmusiker, die aus Irland, England und Dänemark stammen. Richtig schön fand ich, dass ihn sein Sohn und seine Tochter begleiteten: Dylan an der Gitarre und Jodi als Sängerin, die auf der Bühne ihre eigenen Lieder vorstellen durfte, was ich sehr schön fand. Schön fand ich auch, dass die Musiker nicht erst gegen Ende dem Publikum vorgestellt wurden, sondern schon am Anfang des Konzerts. So erfuhr ich auch, dass einer der Musiker schon in England das Musical „Come from away“ musikalisch unterstützt hat – das Musical, an dem ich mich schon in Toronto dieses Jahr erfreuen durfte. So ein Zufall aber auch.

 

Lichterglanz und Schneegestöber?

Eins muss ich sagen: Die Bühnenshow war wirklich stimmungsvoll. Irish Folk, gemischt mit Blues und Gospel, wenn ich das Stichwort „englische Weihnachtslieder“ fällt, muss ich vorwiegend an Christmas Carols denken, mit denen kleine Gesangsgruppen von Haustür zu Haustür ziehen, ähnlich wie bei uns die Sternsinger. Lieder wie „Jingle Bells“, „Let it snow“ oder „Little Drummer Boy“ gehören für mich eher nicht dazu. „Go tell it from a Mountain“ dann schon eher. Gemalte Landschaften im Stil von Thomas Kinkade zaubern mir zwar auch keine weihnachtliche Stimmung herbei, aber wenn die Aufnahmen kanadischer Landschaften überwiegen, dann nehme ich auch kitschige Einsprengsel in Kauf.. Richtig stimmungsvoll wurde es übrigens nach der Pause, als alle sieben um ein Lagerfeuer saßen, um im trauten Kreis Geschichten zu erzählen und ein Akustikset zu spielen. Meinen persönlichen Gänsehautmoment hatte ich, als Bruce mit seinen Kindern den Elvis-Klassiker „Can’t help falling in love“ mit sparsamer Instrumentierung vortrug.

 

Let it snow!

Vor dem Zugabenteil sollte es noch einmal so richtig weihnachtlich werden, und zwar mit dem Anstimmen von „Stille Nacht“ durch das gesamte Publikum. Blöd nur, dass meine Stimme versagte und ich es für „Stille Nacht“ dann doch etwas zu früh fand. Dieses Lied singe ich nämlich am Liebsten an Heiligabend in der Christmette um 22 Uhr; in einer Konzerthalle mit zeitweilig grenzwertiger Beleuchtung eher nicht so gerne.

Was die Beleuchtung angeht, so fragte ich mich des öfteren wirklich, warum die für die Lichttechnik Verantwortlichen nicht die Finger von der Deckenbeleuchtung lassen konnten. Das Geblinke an der Decke, das die Halle in ein kaltes Zwielicht tauchte, das ich ungefähr so gemütlich wie im Wartesaal einer Bahnhofshalle fand, war mein Stimmmungskiller Nummer Eins.

Dicht gefolgt von Filmen und Fotografieren mit dem Smartphone, vor allem dann, wenn jemand meint, die Aufnahme würde mit Blitz besonders gut. Liebe Leute, das tut es nicht! Und aus dem Augenwinkel geblendet zu werden, finde ich auch nicht besonders prickelnd. Aber zum Glück hielt sich dieses Ärgernis sehr in Grenzen und ich hatte noch genügend Spaß an diesem Abend, der mit Schneegestöber auf der Bühne endete.