Mein singender, klingender Adventskalender : Türchen Nr. 13

 

 

 

Freitag, der Dreizehnte. Ein Tag, der Gegenstand weitverbreiteten Aberglaubens ist und um den sich viele Mysterien ranken. Das Stichwort für ein Lied mit dem passenden Titel:

 

Mystify“

 

von INXS; die Step-by-Step-Anleitung, wie man aus einem Song einen neuen entwickeln kann. Das musikalische Upgrade. Aber ob das immer so läuft? Ahnung habe ich davon nicht, aber ich muss ja auch nicht alles wissen… https://youtu.be/26ELh7P2ZtA?       

 

 

Diesen Klassiker fand ich so gut, dass eine Textzeile daraus spontan den Weg auf meine selbstbedruckte Tasse fand: „All the stars that shine upon you will kiss you every night“ – mein musikalischer Gruß ans Universum mit der Bitte, auf all jene achtzugeben, die viel zu früh aus meinem Leben für immer verschwunden sind.

Weniger melancholisch und besinnlich geht es morgen mit dem N zu, aber dafür umso dramatischer.

 

# Writing Friday – Dezember, 50. Woche : Zimtschnecken

 

Vier Freitage hat in diesem Monat der „Writing Friday“ auf dem Blog von elizzy – und fünf Themen stehen zur Auswahl. Wie das Mitmachprojekt funktioniert, steht am Ende meines Beitrags zu einem weiteren Thema, ausgewählt aus den folgenden fünf, die bereits Ende November einsehbar waren – hier sind sie nochmal, die Schreibthemen für den Dezember:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Weihnachtsmann war verschwunden, wer würde Weihnachten jetzt…” beginnt. +++ 2) Du wachst auf in einer Schneekugel – wie sieht deine Welt darin aus? +++ 3) Welches ist dein liebstes Buch zur Weihnachtszeit? Stell es uns kurz vor. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Karussell, Zimtschnecken, bitterkalt, grosse Augen, Liebe +++ 5) Welches Schreibthema hat dir am meisten Spass gemacht? Verlinke uns nochmals deine liebste Geschichte beim Writing Friday von 2019.

Wenn Liebe nicht immer durch den Magen geht, davon handelt die nächste Geschichte, die nicht ganz so lang ist wie sonst.

 

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Zimtschnecken

Last Christmas I gave you my heart…“ Oh no, dachte Julia, als sie sich der Glühweinhütte näherte… was für eine Schnapsidee! Sie konnte diesen totgedudelten Ohrwurm, mit dem  alle Jahr für Jahr aufs neue „beglückt“ wurden, nicht mehr hören. Sogar auf dem Weihnachtsmarkt gab es kein Entkommen. Warum wollte Tim sie auch unbedingt in der Nähe des altmodischen Karussells treffen? Anscheinend war für ihn ein solcher Ort der Inbegriff von Romantik, Julia jedoch konnte sich nichts schlimmeres vorstellen als sich inmitten eines wuselnden Haufens schreiender Kinder wiederzufinden, die alle mit dem Feuerwehrauto fahren wollten. Nerviges Gedudel und Geplärre – wahrlich die perfekte Kulisse für ein Date. Schon allein dieses Wort trieb Julia Falten auf die Stirn. „Date“ – früher hätte man Rendez-vous dazu gesagt, dabei war dieses Treffen noch nicht mal eins; ein paar Wochen kannten sie sich nun, und was aus einer Laune heraus entstanden war, hatte sich zu einer „Freundschaft plus“ entwickelt. Noch so ein Wort, das sie genau so wenig mochte wie Zimtschnecken, die dieses Jahr auf dem Weihnachtsmarkt der große Renner waren.

Tim war noch nicht da. Typisch. Whats App funktionierte hier auch nicht. Ihn anzufunken, hatte also keinen Sinn. Warten war angesagt, yo! Ihr war ein Rätsel, wie sie mit ihrer Stimme zu ihm durchdringen sollte, bei all dem Lärm. Als ob das, was sie ihm zu sagen hatte, sie nicht schon die ganze Woche über beschäftigte. Da half nur, wenn sie bis zu seinem Erscheinen ihre Stimme ölte. Mit Punsch. Lukas hatte ihr einmal erklärt, dass Alkohol zum Warmhalten völlig ungeeignet war, aber auf den pfiff sie bloß. Wie gut, dass sie den los war, wenn auch unter unschönen Umständen. Ihr war bitterkalt vom Herumstehen im Wind. Komm Julia, kipp weg das Zeug! So langsam konnte der Herr ja auch mal auftauchen. Noch einen Punsch, und sie wäre so blau, dass sie kein vernünftiges Wort mehr herausbringen würde. Und noch eine Woche warten, bis er von seiner nächsten Fahrt zurückkam? Bloß nicht! Zeit, um auf alkoholfreie Getränke umzusteigen. Der heiße Orangensaft duftete verführerisch. Doch Julias Hände griffen ins Leere, weil sie mit einem Mal nichts mehr sah.

Oh Mann! Sich von hinten anschleichen und Leuten die Augen zuhalten – war dieses Spielchen immer noch so beliebt? „Kuckuck“, flötete eine Stimme in höchsten Tönen in ihr Ohr. Daria gehörte diese Stimme schon mal nicht. Ihre beste Freundin weilte nämlich schon seit über einem Monat in Kroatien. Großes Familientreffen zum 80. Geburtstag der Lieblingsoma, das konnte dauern. „Hey, Sweetie! Schau mal, was ich dabei habe!“ rief Tim freudestrahlend, als sie ihre Fassung wiedergewonnen hatte. Hoffentlich nicht das, was sie dachte. Zimtschnecken! Bingo! Frisch vom Stand, zehn Meter weiter. Jetzt rächte es sich, dass sie nie miteinander über ihre Vorlieben, egal welcher Art, gesprochen hatten. Aber wozu auch? Reden war ohnehin nicht so sein Fall, und sie hätte damals schwören können, dass nach dieser einen Nacht ohnehin alles vorbei war und sie sich niemals wiedersehen würden. Ja, mit dem Denken war das so eine Sache. Denke nie, gedacht zu haben, denn wenn Du denkst, dann denkst Du nur, du denkst… Liebe geht durch den Magen? So jedenfalls nicht. Außerdem war jetzt der Moment gekommen, um endlich die Karten auf den Tisch zu legen.

Seine Reaktion verblüffte sie: Zu hören, dass sie jemanden kennengelernt hatte, während er die ganze Woche lang mit dem Laster quer durch das Land gefahren war – jeder andere wäre explodiert. Nicht Tim. „Aber das ist ja fantastisch!“ Wie bitte? Mit großen Augen stand Julia da und traute ihren Ohren nicht, aber es ging noch weiter. „Kenne ich ihn?“ Sie fragte sich, welches Kaninchen er als nächstes aus dem Hut zaubern würde, wenn er auf eine vage Andeutung hin schon so reagierte. Aber wo die Katze schon halb aus dem Sack war, konnte sie auch den Rest davon hinterherschicken.

Natürlich kannte er ihn. Ihr Räuspern und Genestel mit der Tasse sprachen Bände, und er musste nur eins und eins zusammenzählen, um zu erkennen, dass der glückliche Gewinner in diesem ungleichen Match sein bester Freund war, bei dem Julia seit jenem Abend wohnte. Besser gesagt, seit dem Morgen danach – nachdem Julia nach ihrer kurzen, aber heftigen Begegnung durch die Nacht geirrt war. Zugegeben, sie in „sein“ Zimmerchen über der Werkstatt ohne das Wissen des Eigentümers einzuschmuggeln, war keine brilliante Idee gewesen, und Chris hatte sich zu Recht aufgeregt. Aber die richtigen Argumente hatten ihn schließlich überzeugen können und zu dem Deal „Kost und Logie gegen Mitarbeit in der Werkstatt“ geführt. Dass nun der Hase so lief, war im Grunde keine Überraschung für ihn: Er war ja sowieso die ganze Woche auf Achse, und die beiden sahen sich täglich… wenn Chris und Julia miteinander glücklich wurden – warum eigentlich nicht?

Vielleicht war dies ja genau das Signal, damit er endlich damit anfing, ein paar Dinge, die in seinem Privatleben schiefgelaufen waren, gerade zu rücken.

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Und das sind die Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.