# Writing Friday 2020 – Januar, 4. Woche : Obi-Wan

 

Ob ich beim Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy diesmal zu allen Themen etwas schreiben kann – die Frage bleibt für mich spannend. Weihnachten ist vorbei, die guten Vorsätze sind gefasst, der Fortsetzungsroman ist am Wachsen. Nach Teil eins und zwei muss Teil drei auf sich warten lassen, denn die vierte Aufgabe passt nicht dazu – sie lautet: Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. Eine Übersicht über sämtliche Themen für den Januar und die Regeln findet Ihr am Ende dieses Beitrags.

 

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Obi-Wan

Love it, change it, or leave it. – Als dieses Sprichwort entstand, hat man nicht an mich gedacht. Love it? Really? Are you kidding me? Weihnachten geht maximal drei Tage, und dann gewährt man mir noch eine Gnadenfrist von knapp zwei Wochen? Den Rest des Jahres liege ich dann wieder zusammengeklappt in meiner Schachtel, bis wieder der Vierundzwanzigste naht. Ja, ja, alle Jahre wieder. Ich weiß… Als sie mich damals im Baumarkt holten, hoffte ich, dass wenigstens der Mann so helle sein würde, mich mal wie der Kollege seiner Frau schon Anfang Dezember aufzustellen, damit dessen Frau ihre Freude an ihm hat. Aber Fehlanzeige! Welche Chance habe ich Kunstbäumchen schon gegen eine echte Nordmanntanne… Ach ja – change it. Hm, wenn ich darauf warte, dass sich bei Madame was ändert, werde ich noch alle überleben. Einmal war es fast so weit – Madame hatte erwähnt, dass manche ihren Christbaum bis Mariä Lichtmess stehen lassen, aber da war im Hause S. vielleicht was los! Wie – den Baum den ganzen Januar stehen lassen? Du hast wohl nicht mehr alle Nadeln an der Tanne! Nix da – nach Heilige Drei Könige wird der Obi-Wan abgeräumt und weggepackt. Den Baum bis zum 2. Februar stehen lassen… Und täglich grüßt das Murmeltier. Da bleibt nur noch die dritte Option übrig: Leave it. Genau, einfach abhauen. Damit ihr alle mal wach werdet!“

Beleidigt feilte Obi-Wan an seiner Weihnachtsansprache. Besser gesagt an dem Bekennerschreiben, das er zu fälschen gedachte – das genauso echt war wie seine von ihm eigenhändig geplante Entführung. Darauf gekommen war er, als Frau S. mal wieder eine ihrer Lieblings-CDs durchs Haus hatte dröhnen lassen. Light beams from outer space, drifting to your satellite, your dish responds … Communication – disinformation – So entertaining“ – das geheime Leben der Bäume? Nein, Freunde der Nacht, sinnierte er vor sich hin, das geheime Kommunikationsnetz der Aliens. Eine Satellitenschüssel hatten Herr und Frau S. schon seit Jahren auf dem Dach installiert, und Herr S. hatte einen Teil seiner Freizeit in das Projekt „SETI“ (Search for Extraterrestrial Intelligence) investiert. Das Abhören des Himmels nach Signalen von außerhalb der Erde nahm ihn dermaßen in Anspruch, dass ihm mit Sicherheit nicht auffallen würde, wenn Obi-Wan nach außen kommunizieren würde. Er würde nicht mal bis ins All funken müssen; die erfolgreiche Aufnahme eines Kontakts zu anderen Leidensgefährten würde schon genügen.

Soweit die Theorie. Aber was nach einem ausgefuchsten Plan klang, entpuppte sich als schwieriger als von Obi-wan-Tannobi geplant. Den Namen hatte Andy dem künstlichen Bäumchen, das schon seit mindestens zehn Jahren treu und brav seinen Dienst tat, verpasst, nachdem er einen Glühwein zu viel intus gehabt hatte. Der arme Baum, einen noch blöderen Namen hatten sie ihm wohl nicht geben können – da half auch nicht die Drohung mit dem bösen Obi-Hörnchen. Im Gegenteil. Im nächsten Jahr hielt ein neuer Baumschmuck Einzug in den Haushalt: ein Eichhörnchen, aber Herr S. nannte es „das Obi-Hörnchen“. Zum Glück war das die letzte Peinlichkeit gewesen; dennoch hielt Obi-Wan hier nichts mehr – das Equipment für die Kommunikation stand – sein SOS, das er über die Lichterkette in den Vorgarten auf der anderen Straßenseite funkte, kam bei dem rotleuchtenden Stern der Nachbarn zwar mit Verzögerung an, aber dann flackerte sein Licht dreimal kurz auf, zum Zeichen, dass der Hilferuf vernommen worden war. Den Plan hinüberzumorsen, war ein Kinderspiel gewesen – was nun noch fehlte, war ein geeigneter Zeitpunkt. Und der kam schneller als erwartet.

Ding Dong! Frau S hechtete aus dem Badezimmer. Sie hatte sich gerade abgetrocknet und freute sich auf ihr samstägliches Pflegeritual, da schellte es Sturm. Der Paketbote! Mist – den hatte sie ja gar nicht mehr auf dem Radar gehabt. Ihr Mann war auch keine Hilfe, denn der saß schon wieder vor dem Rechner und war mit SETI beschäftigt. Außer Atem und ohne Schuhe hechtete sie nach draußen. Mit einem fulminanten Sprint erreichte sie das Hoftor genau in dem Augenblick, als der Mann in der braunen Uniform sich bereits zum Gehen anschickte. Das kostbare Paket, auf das sie so lange gewartet hatte, war endlich da. Andy würde begeistert sein, wenn er in ein paar Stunden die Werner-Komplettbox auspacken würde. Große Augen würde er machen. Augen groß wie Teller? Aber nicht so groß wie ihre, als sie die Stelle im Wohnzimmer erblickte, die ihr leer entgegen gähnte. Nur die abgerissene Lichterkette war stummer Zeuge, dass hier bis vor kurzem noch ein Baum gestanden hatte.

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Und zum Schluss nun die Regeln für dieses Projekt:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Die Themen im Januar lauten:

1) Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. +++ 4) Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. +++ 5) Welches ist das erste Buch, das du dir im neuen Jahr gekauft hast? Stelle es kurz vor – wieso war es dieses?