# Writing Friday 2020 – Januar, 3. Woche : Blinder Passagier – Teil 2

 

Fünf Themen gibt es im Januar 2020 beim Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy– für jeden Freitag eines. Schöne Idee, und erneut gibt es eine Aufgabe, die ich am liebsten habe – eine Geschichte zu schreiben, in der fünf bestimmte Begriffe vorkommen soll. Bisher hat das immer funktioniert, und da ich noch eine Fortsetzung der Story vom 10. Januar geplant hatte, geht es heute mit der zweiten Aufgabe weiter: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart.

 

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Blinder Passagier – Teil 2

Die vom Abend zuvor blitzblank zurückgelassene Küche morgens um fünf in einem solchen Zustand wiederzufinden, war nicht die Art von Morgengruß, die Chris üblicherweise erwartete. Stiefelabdrücke aus getrocknetem Lehm überall, zwei benutzte Gläser, auf der Spüle und auf der Theke Tims Schlüsselbund, an dem ein silberner Pinguin baumelte: Chris hatte eindeutig einen Gast. Und zwar einen, der schon öfters bei ihm logiert und einen Schlüssel für den Bereich über der Werkstatt hatte. Für den Fall, dass er mal wieder Stress mit seiner Lady hatte. Unwillkürlich fiel Chris wieder ein, was er schon häufiger gedacht hatte: „Die einen haben’s mit Zahlen – die anderen sind eher so die Praktiker.“ Und dann gab es da noch solche, die zwar nichts richtig geregelt bekommen, aber dafür gut im Verbreiten von Chaos sind und sich beim Durchmogeln auf ihren Charme verlassen. Tim. O ja, dieses Durcheinander sah ihm ähnlich. Zu faul zum Spülen, also nehmen wir ein zweites, wenn wir mit dem ersten fertig sind? Sein bester Freund war noch nie der Ordentlichste gewesen, aber so ging das auch nicht.

Chris würde ein ernstes Wort mit ihm reden müssen. Inzwischen konnte er ja schon mal die Gläser zusammenräumen. Und noch während er sich über die Lippenstiftspuren wunderte, hörte er von oben plötzlich ein Geräusch. Bleib ganz ruhig, sagte er sich, als der erste Schreck verflogen war, das wird Tim sein. Umso besser. Jetzt, wo der feine Herr wach war, konnte er auch gleich die Küche aufräumen und sich endlich mal für die Gastfreundschaft revanchieren. Bei der Gelegenheit konnte er dann auch gleich mal erklären, von wem die Abdrücke stammten. Von Delia jedenfalls nicht, die bevorzugte dezentere Farben. Außerdem hätten sie ihre Versöhnung bestimmt nicht hier gefeiert. Dass Tim jetzt seine Eroberungen schon mit hierher brachte und für die Privatparty den teuren Scotch zum Abschuss freigab, der ein Geschenk von Delia zu seinem letzten Geburtstag gewesen war, setzte dieser Dreistigkeit die Krone auf.

Er hatte schon die Hand an der Klinke, da wurde die Tür aufgerissen. Aber vor ihm stand nicht sein Freund. Der saß in Jeans auf dem Bett und hatte die Beine lässig übereinandergeschlagen. Wenigstens ein Shirt hätte er sich anziehen können. Da bewies sein Damenbesuch mehr Anstand. Sie war nicht nur vollständig bekleidet, sondern huschte diskret an ihm vorbei aus seiner Sichtweite. Schön für sie. Er hätte schwören können, dass er sie schon einmal irgendwo gesehen hatte, aber vor Ärger kam er nicht drauf – Ärger, so schwarz wie das Tintenfass, das er jetzt am liebsten gegen die Wand dicht über Tims Kopf gefeuert hätte. Oh Mann, Tintenfässer waren nicht verfügbar, aber verdient hätte er es. Hieß es nicht, dass Freundschaft ein zartes Pflänzchen war, das gehegt und gepflegt werden wollte? Aber mit dieser Aktion hatte er nicht nur die Geduld von Chris überstrapaziert, sondern das Pflänzchen mitsamt Wurzeln aus der Erde gerissen. Heimlich und ohne vorherige Absprache einen Übernachtungsgast einzuschmuggeln, ging gar nicht, auch wenn dieser noch so hübsch war. Sein Vertrauen so zu missbrauchen! Bald schon lagen sie sich in den Haaren.

Für Tim stellte sich Chris nur unnötig an, weil dieser wegen dieser Sache jetzt so ein Riesenfass aufmachte. Ja, hätte er ihn denn nachts aus dem Schlaf klingeln sollen, weil er dringend für jemanden ein Dach über dem Kopf brauchte? – Dringend! Wenn Chris das schon hörte… ihm reichte es, dass er für seinen Kumpel der Depp vom Dienst war, und der sich anscheinend in seiner chaotischen Beziehung mit Delia ziemlich bequem eingerichtet hatte. Sollten sie sich gefälligst endlich versöhnen oder trennen – aber dieses ewige Hin und Her, das er jetzt schon seit einem Jahr miterlebte, stand ihm schon längst bis hier! Er war doch nicht die Heilsarmee! Und auch kein Obdachlosenasyl für irgendeinen wahllosen One-Night-Stand. „Krieg endlich Deinen Mist auf die Reihe!“ Fehlte nur noch, dass Tim jetzt mit dem saublöden Spruch um die Ecke kam, dass er sich langsam mal wieder einkriegen könne. Aber Fehlanzeige. Statt dessen platzte die junge Dame, die sich vor dem nahenden Gewitter in Sicherheit gebracht hatte, in die Kampfpause der beiden Streithähne hinein: „Ich sollte besser gehen.“

Ganz Deiner Meinung, dachte Chris sarkastisch, für Tim aber waren diese Worte das falsche Signal. Warum tat sie so, als sei alles ihre Schuld? Okay, den Seitensprung hatte sie absichtlich herbeigeführt, aber dass Lukas ihr das Gepäck vor die Tür gestellt und bereits für den Austausch der Schlösser gesorgt hatte, war der GAU. Nicht nur, dass sie nicht hinein konnte und sich so ihr Plan, ihm die Affäre brühwarm aufs Brot zu schmieren, in Wohlgefallen aufgelöst hatte, aber mitten in der Nacht dazustehen und nicht zu wissen, wohin… Zufälle? Gibt es nicht, und so war Tim auf die ihm einzige praktikabel erscheinende Lösung verfallen, zumal er sich an dem ganzen Debakel mitverantwortlich fühlte: Sie stand auf der Straße, und er hatte einen Zimmerschlüssel. So einfach war das. Warum Chris mitten in der Nacht unnötig behelligen? Und da der Rest ohnehin bekannt war…

Chris fragte sich zwar, seit wann sein Freund die Mitleidstour bevorzugte, ließ sich dann aber schließlich doch dazu breitschlagen, sich Tims seltsamen Vorschlag, Julia für ein paar Tage bei sich wohnen zu lassen, wenigstens anzuhören. Gut, dass Tim ab morgen die ganze Woche mit dem Laster unterwegs war und erst am Freitagabend wiederkam. Es konnte nicht schaden, wenn hier mal etwas Ruhe einkehrte, und diese Julia schien ja so ganz in Ordnung zu sein und nicht so eine aufgedrehte Tussi wie die Ladys, die sein Kumpel sonst so abschleppte. „Meinetwegen“, brummte er und ließ die beiden stehen, um sich der Harley zu widmen, die unten auf ihn wartete. Nur ein paar Tage, dann würden sie weitersehen.

(Fortsetzung folgt)

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Kommt dieser Text nur mir so lang vor? 957 Wörter sind nicht ganz so viele wie im ersten Teil. Wann der dritte Teil folgen wird, steht auf einem anderen Blatt. Die restlichen Aufgaben für den Januar geben eine sofortige Fortsetzung nicht her. Wer’s ganz genau wissen will – hier sind die restlichen Themen für den Januar:

1) Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. +++ 4) Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. +++ 5) Welches ist das erste Buch, das du dir im neuen Jahr gekauft hast? Stelle es kurz vor – wieso war es dieses?

Regeln gibt es auch, und zwar diese: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Die 5 Besten am Donnerstag – Heiss erwartete Serien in diesem Jahr

 

Die Vorfreude darf weitergehen, denn heute geht es bei den 5 Besten am Donnerstag bei passionofarts (ergothek) um Serien, auf die wir uns dieses Jahr ganz besonders freuen. Feste Programmpunkte in diesem Jahr sind bei mir

 

1) Alfred Hitchcock presents – immer mittwochs auf ard one („ONE präsentiert 21 Folgen seiner Krimiserie, die er zwischen 1955 und 1965 für das amerikanische Fernsehen verantwortete. Ausstrahlung zusätzlich mit englischem Originalton“) – einzelne Folgen habe ich als Teenager gesehen – jetzt gibt es alle Folgen im Fernsehen. Mein Geheimtip.

2) Die aktuelle Staffel von Dr. Who mit Jodie Whittaker als Doktor – immer sonntags auf BBC One. Meiner Satellitenschüssel sei Dank – die drei Folgen, die ich bisher gesehen habe, haben mich wieder hoffen lassen, dass diese Serie noch nicht tot ist.

3) Call the Midwife – eine weitere Staffel am Sonntagabend auf BBC One mit den sympathischen Nonnen und Hebammen aus Poplar, einem der ärmsten und heruntergekommensten Viertel von London. Ich liebe dieses History Drama, das sich mit persönlichen Problemen und der Entwicklung der Medizin im 20. Jahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt.

4) Good Omens – immer mittwochs auf BBC Two. Nachdem ich auf diversen WordPress-Blogs so viel Gutes darüber gelesen habe, muss ich die Serie mit David Tennant unbedingt sehen.

5) The Royals – Staffel 3: mein „guilty pleasure“ aus dem DVD-Regal, denn ich war so verwegen, mir diese Serie als Box mit den ersten drei Staffeln zu gönnen. Angeblich soll es noch eine vierte Staffel geben, mit der die Serie abschließt, aber die kenne ich noch nicht.

 

Wenn’s um Abschlußstaffeln geht, so stecke ich gerade mittendrin in „Poldark“ – Staffel 5. Nur noch zwei Folgen, dann bin ich auch mit dieser Serie durch. Außerdem warte ich noch auf „Vikings – Staffel 6, Teil 1“, die leider noch nicht erhältlich ist, außer auf amazon prime, aber ich warte lieber, bis die DVD herauskommt, damit ich endlich dem Ende in Staffel Sechs, Teil 2 entgegenfiebern kann. Gleiches gilt für die neunte Staffel von „American Horror Story (1984)“ – kaufen kann ich sie noch nicht, aber auf Horror aus den 80er Jahren warte ich doch gerne.

 

 

Media Monday # 446: der innere Frieden 2.0

 

 

Im Rahmen des Schreibprojekts #Writing Friday hatte ich bei meinen Plänen für dieses Jahr den sogenannten inneren Frieden erwähnt: „Beenden Sie angefangene Dinge, und Sie werden inneren Frieden erhalten“: Frei nach diesem Motto habe ich zwei angefangene Serien beendet, die unterschiedlicher nicht sein könnten: „Vikings“ und „Poldark“. Das ist gemogelt, denn die sechste und letzte Staffel der Wikingersaga habe ich noch nicht gesehen, sondern jetzt den zweiten Teil der fünften Staffel beendet – und die fünfte und letzte Staffel von „Poldark“ habe ich gestern begonnen. Ich kenne zwar die Bücher, auf der die Serie basiert, aber diese Staffel ist eine Überraschung für mich, und warum das so ist, werde ich in einem gesonderten Beitrag behandeln.

Jetzt ist aber erst einmal Zeit für die sieben Lückentexte des Media Monday:

Media Monday # 446

 

1. Fernab der einschlägigen Streaming-Dienste bevorzuge ich immer noch das Kino, vor allem wenn es um Aufführungen geht, bei denen so ein Fernseh- oder Laptopbildschirm nicht mithalten kann – aktuelles Beispiel: Im März schauen eine Freundin und ich uns eine Live-Übertragung der Oper „Fidelio“ aus dem Royal Opera House an. Die Konzertfilme, die ich letztes Jahr gesehen habe („Aretha Franklin – Amazing Grace“, „INXS – Live Baby Live“ und „Depeche Mode – SPIRITS in the forest“) sind das andere Beispiel dafür.

2. Erstaunlich, wie schnell die Helligkeitsphasen dieser Tage schon wieder länger werden.

3. Diskussionen im Internet (vor allem auf youtube in den Kommentaren), welche Band denn nun die bessere ist oder gar die größte aller Zeiten, sind für mich völlig unsinnig, denn für mich geht es nicht um einen Wettbewerb wie bei der Champion’s League oder beim Super Bowl. Beatles oder Rolling Stones? Ärzte oder Hosen? U2 oder INXS? Prince oder Michael Jackson? Interessiert mich nicht die Bohne. In meiner Plattensammlung ist Platz für viele. A propos Super Bowl: Sportfans können das Event auch im Kino zelebrieren – ein Fall für Lückentext Nr. 1 an diesem Media Monday.

4. Denke ich nur daran, wie viele Flaschen Whisky mein Mann und ich im Laufe unserer gemeinsamen Jahre gesammelt haben (ohne jetzt unbedingt alle auch öffnen zu müssen), habe ich schon das Gefühl, einen Kleinwagen im Regal stehen zu haben.

5. Das Zusammensetzen von 3D-Puzzles hätte ja durchaus das Zeug dazu, für mich neue/s Hobby/Leidenschaft zu werden, denn ich finde es spannend, ein Gebäude wie den Big-Ben-Glockenturm wachsen zu sehen, auch wenn einige Teile dieses Bauwerks zum Haareraufen schwierig sind. Nicht alles ist halt so einfach wie ein rot-weißer Leuchtturm.

6. Wozu man ja auch viel zu selten wirklich Zeit und Gelegenheit findet, ist die ganz große Oper, für die man sich so richtig in Schale werfen kann – jedenfalls bekomme ich sehr oft den Eindruck, wenn ich sehe, wie wenig Wert viele Besucher von Veranstaltungen auf das Tragen festlicher Kleidung legen. Ein Herr, der bei der Show von Nicolai Friedrich in der Reihe vor mir saß, hat seine nach Pommesbude riechende Jacke über die Lehne seines Stuhls gehängt. Die Garderobière wird’s gefreut haben, ich dagegen war wenig begeistert.

7. Zuletzt habe ich mein Archiv bei wattpad aufgeräumt und das war sehr aufschlussreich , weil ich erkannt habe, was ich genreübergreifend nicht lesen möchte: Geschichten, bei denen die einzelnen Kapitel durch sogenannte „Author’s Notes“ unnötig aufgebläht werden, wenn diese länger sind als die eigentliche Handlung der Geschichte. Außerdem mag ich keine Storys, bei denen mir die Möglichkeit, mir ein eigenes Bild von den Charakteren machen zu können, genommen wird, wenn die Autoren ihre Romanfiguren durch Fotografien veranschaulichen.

 

 

# Writing Friday 2020 – Januar, 2. Woche : Blinder Passagier – Teil 1

 

 

Im Sommer 2019 habe ich zum ersten Mal an dem Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy teilgenommen und unter anderem auch Kurzgeschichten gechrieben, die miteinander zusammenhängen, war doch bisher bei den vorgegebenen Themen immer wieder mal eines dabei, das dafür wie geschaffen war. So auch in diesem Monat: 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. Wenn das mal nicht ein super Einstieg ist…

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Blinder Passagier – Teil 1

Dieses Jahr wird fabelhaft, weil es endlich geklappt hat, Bruderherz!“ Nur zu gut erinnerte sich Chris an das Telefongespräch mit Max, der kaum an sich hatte halten können vor Begeisterung, mit der er die frohe Botschaft überbrachte, sobald die Gewinnzahlen gezogen worden waren. Fünf Richtige für diesen Glückspilz. So war es immer schon gewesen. Während seinem älteren Bruder alles zuflog, war er das vom Pech verfolgte Nesthäkchen. Wie Hohn waren ihm Max‘ Worte damals vorgekommen: Mit seiner Werkstatt krebste Chris am Rande der Zahlungsunfähigkeit herum, konnte die Rechnungen gerade noch so bezahlen und schuftete wie ein Depp, um rechtzeitig mit den Aufträgen fertig zu werden, damit die wenigen Kunden nicht auch noch absprangen. Dieses Jahr wird fabelhaft? Für Max vielleicht: toller Job, tolle Freundin und obendrein auch noch Gewinner im Lotto. Tolle Wurst! Wie war das nochmal mit dem Teufel und dem größten Haufen? Manche Sprichwörter sind eben nicht ohne Grund entstanden. Dass das Jahr dann ganz anders verlaufen war, hatte sich als große Überraschung herausgestellt. Eine Überraschung, deren Folgen Chris noch immer beschäftigten.

Es war mitten in der Nacht, er lag wach und konnte nicht schlafen. Er hatte längst den Überblick verloren, wie oft er sich schon von links nach rechts gedreht hatte. Das letzte Mal war es irgendwann nach drei Uhr gewesen, als er wiederholt auf seinen auf sechs Uhr eingestellten Radiowecker gestarrt hatte. Chris seufzte. Andere waren an solchen Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden unterwegs, und er wälzte sich schlaflos hin und her. Wieder einmal, und immer dann, wenn etwas Neues auf ihn zukam. So wie jetzt. Eigentlich sollte er an diesen Zustand längst gewöhnt sein, grübelte er vor sich hin. Die letzten Monate hatten ihm doch deutlich gezeigt, wohin die Reise ging.

Chris hatte es kaum glauben können, dass sich Max, der große Überflieger, innerhalb nur weniger Wochen nach Bekanntgabe der sechsstelligen Gewinnsumme von seiner Freundin getrennt hatte. Das war im Februar gewesen. Den Job hinzuschmeißen, war nur der nächste logische Schritt in dieser Kette, den er allerdings erst im Mai getan hatte. Jetzt ist er völlig irre geworden, hatte Chris da noch gedacht, Max war wohl der Frühling zu Kopf gestiegen. Aber dann hatte der ihm einen Vorschlag gemacht, der überaus vernünftig und verlockend zugleich klang und der auch in gewisser Weise erklärte, woher sein Sinneswandel gekommen war. Was ihm nämlich inzwischen immer stärker gegen den Strich ging, waren die Raffgier und dass für sein Umfeld anscheinend nur noch das Motto „Geld, Geld, Geld“ zählte. Leute, die ihm immer mehr auf den Zeiger gingen. Typisch, ging es Chris durch den Kopf, Max hatte leicht reden, wo er doch selbst genügend davon hatte, während er jeden Monat froh sein konnte, wenn er nicht noch tiefer in den Schulden versank. So eine Zwangsversteigerung kam schneller, als man dachte. Und genau da setzte Max mit seinem Angebot an: Er hatte einfach keine Lust mehr, Leuten, die den Hals nicht voll genug bekamen, auch noch Vorschub zu leisten und mitverantwortlich zu sein, wenn ein mühsam aufgebautes Geschäft am Ende bei der Bank landete. Also hatte er als erstes in der Kanzlei gekündigt, um mit der Hälfte seines Gewinns die Werkstatt seines Brüderchens aus den roten in die schwarzen Zahlen zu befördern. „Sieh es als Investition“, hatte er gesagt, und am Ende war es dann doch eine erheblich höhere Summe gewesen, mit der sich Max an Chris‘ Werkstatt beteiligte. Und seitdem sich Max als Teilhaber bei „M & C Motor Service“ um die Finanzen kümmerte, ging es mit dem Laden endlich langsam aufwärts. Die einen hatten es mehr mit Zahlen und waren handwerkliche Legastheniker, die anderen dagegen eher die Praktiker, denen das Händchen fürs Finanzielle fehlte.

Inzwischen war es schon November, und Chris konnte sich über Aufträge kaum beklagen. Das Jahr raste nur so dahin. Auch wenn er sich über Geld keine Sorgen zu machen brauchte, reichte es noch nicht, jemand zweites für die Werkstatt einzustellen. Da musste er jetzt leider noch für eine Weile alleine durch. Dabei hätte er gerade jetzt Unterstützung gebrauchen können. Beim Gedanken an den Auftrag, den Max für ihn an Land gezogen hatte, fuhr er sich nervös mit den Händen durch das wirr vom Kopf abstehende Haar und schleppte sich zum Fenster. Da unten stand sie, die Maschine, die ihm sein neuester Auftraggeber vor Stunden auf den Hof gerollt hatte. Eine Harley. Custom Made. Von einem Typen, der nach der Devise „Geiz ist Geil“ das Motorrad für einen Spottpreis ersteigert hatte, nun aber damit gar nicht zurecht kam. Das war ja das Dumme an solchen maßgeschneiderten Umbauten: solange man selber damit fährt, ist alles bestens, aber sobald das Fahrzeug den Besitzer wechselt, fängt der Ärger an.

Ein verdächtiges Grollen aus der Ferne ließ nichts gutes erahnen. Ich sollte das edle Teil in die Fahrzeughalle rollen, überlegte sich Chris und streifte sich ein Shirt über. Kurz darauf stand er auch schon in seinen Arbeitsschuhen auf den Hof und bewegte die Maschine langsam in Richtung des geöffneten Hallentors. Ein Traum in Weiß, Rot und Chrom. Für den Käufer war die Harley ein Schnäppchen gewesen, und wie in dessen Augen die Dollarzeichen gestrahlt haben mussten, konnte sich Chris so richtig vorstellen. Wie ein Bündel Uranbrennstäbe. Eigentlich eine Frechheit, wenn kostbare Dinge aus Nachlässen geradezu verschleudert wurden. Als ob die Hinterbliebenen in ihrer Trauer nicht auch so schon genug Probleme hatten. Eigentlich konnte ihm der Umstand, dass der Käufer anscheinend nicht der Hellste war, doch nur recht sein. Das Bike erneut umzubauen und den Bedürfnissen des neuen Eigentümers anzupassen, war für ihn eine der leichteren Übungen und lukrativ noch obendrein. Für eine brandneue Harley hätte der Typ erheblich mehr hinblättern müssen. Trotzdem wurmte es ihn, dass er diesen Kunden ausgerechnet Max verdankte – der selbst mit seinem Anteil das Ende für die Werkstatt abgewendet hatte. Und nun schlug er selbst Profit aus der ganzen Geschichte? Chris wollte gar nicht wissen, wie hoch die Provision für seinen Bruder bei diesem Geschäft war.

Nur noch wenige Meter, dann stand das Schätzchen im Trockenen. Am liebsten hätte Chris jetzt schon losgelegt, aber mitten in der Nacht an einer schweren Maschine herumzuschrauben, fand erstens von seinen wenigen Nachbarn niemand gut. Und zweitens plagte ihn nach der Anstrengung der Durst. Sein Blick fiel auf die Wanduhr über dem Werkzeugschrank: Fünf Uhr – sich jetzt noch einmal hinzulegen, hatte keinen Sinn. Ein Kaffee wäre jetzt genau das Richtige. Bis zur Küche hatte er es nicht weit, sie war von der Werkzeughalle nur durch eine Tür getrennt. Für gewöhnlich war die Tür verschlossen. Heute nicht. Chris schaltete das Licht ein, und das erste was er sah, waren schmutzige Fußabdrücke auf dem gefliesten Boden. Dann fiel sein Blick auf zwei halbvolle, dreckige Gläser auf der Spüle. Die hatten noch nicht dagestanden, als er am letzten Abend die frisch geputzte und aufgeräumte Küche verlassen hatte, kurz bevor die Harley gebracht worden war.

Irritiert begutachtete er das eine, auf dem Abdrücke von Lippenstift prangten, als er von oben plötzlich ein Geräusch hörte.

(Fortsetzung folgt)

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Alte Gewohnheiten sterben nie: Nämlich die Neigung zu langen Geschichten – diesmal bei etwas über 1100 Wörtern. Hätte ich nicht die Idee gehabt, zwei Teile daraus zu machen, wäre sie noch länger.

Hier nochmal die Themen, die im Januar zur Auswahl stehen: 1) Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. +++ 4) Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. +++ 5) Welches ist das erste Buch, das du dir im neuen Jahr gekauft hast? Stelle es kurz vor – wieso war es dieses?

Regeln gibt es auch, und zwar diese: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Die 5 Besten am Donnerstag – Heiss erwartete Filme in diesem Jahr

 

Vorfreude ist die schönste Freude, so sagt man.

Und davon handelt das heutige Thema bei den 5 Besten am Donnerstag bei passionofarts (ergothek). Da ich letztes Jahr nur zweimal enttäuscht wurde und ich dies für einen guten Schnitt (im Verhältnis 17:2) halte, bleibt auch dieses Jahr meine Vorfreude auf bestimmte Filme ungeschmälert. Egal, ob ich schon letztes Jahr den Trailer gesehen oder darüber in einer Filmzeitschrift gelesen habe, hier kommen fünf Filme, auf die ich mich jetzt schon freue:

Knives Out

Die Mördersuche im familiären Kreis – in knallbunten Farben und mit großem Staraufgebot (Jamie Lee Curtis, Christopher Plummer, Toni Collette u.a.) verspricht mir kurzweilige Unterhaltung. Als James Bond mochte ich Daniel Craig bisher eher nicht so – vielleicht ist er als Kommissar eher meine Kragenweite.

West Side Story

Die Neuverfilmung eines meiner Lieblingsfilme aus den 60er Jahren unter der Regie von Steven Spielberg soll im Dezember in die Kinos kommen. Viel habe ich noch nicht darüber in Erfahrung bringen können. Mich interessiert, wie modern diese Neuauflage werden wird, wenn man an der Musik nichts ändert. Bei Footlose hat es für mich ja auch funktioniert.

The Aeronauts

Das atemberaubend gefilmte Ballonabenteuer aus dem 19. Jahrhundert mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle startet diese Woche. Den Tip habe ich von einer Bloggerin bekommen, und der Trailer hat mich fasziniert.

Little Women

Staraufgebot 2.0 (Emma Watson, Meryl Streep, Saoirse Ronan) – diesmal ist es eine Literaturverfilmung um vier Schwestern nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen und ihr Glück nicht im Heiraten suchen.

Jojo Rabbit

Den Trailer zu dieser Satire habe ich bereits letztes Jahr gesehen: Ein 10jähriger Hitlerjunge, der einen imaginären Freund hat, entdeckt, dass seine Mutter ein jüdisches Mädchen versteckt. Wer beim Zusatz „Rabbit“ nun an einen Hasen als imaginären Freund denkt, irrt sich gewaltig – Jojos imaginärer Freund ist Adolf Hitler. Ups. Hoffen wir mal, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht. 

 

Trailer habe ich diesmal keine hinzugefügt.

Media Monday # 445: Wann ist ein Flop ein Flop?

 

 

Nachdem ich festgestellt habe, dass keiner der von mir letztes Jahr im Kino gesehenen Filme in den Flop Ten gelandet ist, dafür aber gleich zwei in den Top Ten („Amazing Grace“ und „Us“), kann ich mir jetzt ordentlich was auf meinen exzellenten Filmgeschmack einbilden *hust* und hoffe auf weitere cineastische Perlen in diesem Jahr. „Knives Out“ wäre so ein Kandiat – oder „The Aeronauts“ – aber zur Zeit genieße ich lieber ruhige Abende zu Hause. Mit dem zweiten Teil der fünften Staffel von „Vikings“ bin ich noch nicht fertig, und weil ich Kontraste liebe, folgt gleich im Anschluss daran die fünfte und letzte Staffel des Period Dramas „Poldark“ mit einer Handlung, die mit der im Buch genau null Prozent zu tun hat. Aber ich lasse mich ja gerne überraschen.

Keine Überraschung ist, dass sieben Lückentexte zum Media Monday ab 18 Uhr freigeschaltet sind – da heißt es Ran an die Tasten:

Media Monday # 445

 

1. Gute Vorsätze schön und gut, aber was meinen Medienkonsum im neuen Jahr betrifft kann es sein, dass ich diesmal zwar weniger oft ins Kino, dafür aber mehr in Konzerte gehe und mir auch mehr Serien im britischen Fernsehen anschauen werde.

2. Noch sind erst wenige Tage rum, aber manche sind schon wieder im totalen Stressmodus.

3. Den ersten Urlaubstag solltet ihr euch meines Erachtens schon einmal im Kalender anstreichen, denn was ist schöner als wenn viele freie Tage vor einem liegen.

4. Blicke ich sehnsüchtig auf die Zeit „zwischen den Jahren“ zurück hätte ich gerne wieder so ein Kracher-Konzert wie das vom 27. Dezember 2019 – besonders im Auge habe ich dabei den 11. April mit dem Doppelkonzert von Within Temptation und Evanescence in Frankfurt am Main.

5. Einen Städtetrip könnte man ja vielleicht auch mal wieder ins Auge fassen, insgeheim habe ich für mich schon Berlin eingeplant, weil ich gerne die kleinen, im September geborenen Pandas sehen möchte.

6. Top oder Flop – „Der Leuchtturm“ wird mir auf alle Fälle lange in Erinnerung bleiben, schließlich war das nicht nur mein Kinohighlight des Jahres 2019, sondern auch noch mein persönlicher Film des Jahres. Außerdem habe ich zum Geburtstag ein 216teiliges 3D-Puzzle geschenkt bekommen: Ein rot-weißer Leuchtturm, den ich in zwei Stunden fix und fertig aufgebaut hatte.

7. Zuletzt habe ich an meinem Schreibprojekt weitergetüftelt und das war wie ein Nachhausekommen zu alten Bekannten, weil mir die Personen inzwischen irgendwie ans Herz gewachsen sind, auch wenn sie vermutlich nur für mich zum Leben erwachen und nie an das Licht der Öffentlichkeit finden werden.

# Writing Friday 2020 – Januar, 1. Woche : Der innere Frieden

 

Nachdem ich letztes Jahr erkannt habe, wieviel Freude mir das Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy bereitet hat, möchte ich auch in diesem Jahr wieder dabei sein. Mitmachen kann jeder, und in welcher Form man seinen Gedanken zu vorgegebenen Themen*) freien Lauf lässt, bleibt jeder bzw. jedem selbst überlassen, ob als Gedicht, Geschichte oder auch nur durch ein paar Zeilen. Mehr dazu (Themen und Regeln) gibt es am Ende meines Beitrags.

Jetzt geht es auch schon los mit dem ersten von fünf Themen, und weil das Jahr noch jung ist, habe ich mich für das Erste entschieden: Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus?   –   Nichts leichter als das…

 

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Der innere Frieden

Beenden Sie angefangene Dinge, und Sie werden inneren Frieden erhalten“: Frei nach diesem Motto habe ich mir für 2020 vorgenommen, einige in ihrer Entwicklung stehengebliebene Projekte weiterzuführen oder abzuschließen. Berufliche Ziele meine ich damit nicht – eher Baustellen in meinem Privatleben.

Dazu gehört unter anderem, den inzwischen doch ziemlich verwahrlosten Garten in Angriff zu nehmen – nachdem ich vor ein paar Wochen den Rasen mit dem Mäher bearbeitet habe, ist als nächstes der Wildwuchs bei Bäumen, Büschen und vor allem den Rosen dran. Bisher hatte ich immer eine Gartenfee dafür, aber sie möchte ich im kommenden Jahr schonen, da sie auch nicht jünger wird.

Zum Nähen hatte ich während des letzten Jahres auch eher weniger Lust, aber inzwischen habe ich so viele interessante Ideen geliefert bekommen, dass ich mich diesem lange vernachlässigten Hobby wieder verstärkt widmen möchte. Damit sich das immer noch in großen Lettern erscheinende Stichwort in der Kategoriewolke auf meinem Blog wieder der Realität annähert.

Regelmäßig beim #Writing Friday dabeizusein, ist ein weiteres Ziel. Das und die vage Vorstellung von aufeinander aufbauenden Texten/Kurzgeschichten hat mich zu der Überlegung geführt, meine gesammelten Werke zu einer Art Fortsetzungsroman zusammenzufügen und an anderer Stelle zu veröffentlichen. Schau’n wir mal, was daraus wird. Und vielleicht finde ich über kurz oder lang bzw. immer öfter eine Anwort auf die Frage „What have you done today to make you feel proud?“

 

 

– It’s never too late to try (Heather Small „Proud“ – https://youtu.be/OygsHbM1UCw?t=0) – Was hast Du heute getan, auf das Du stolz sein kannst? – Es ist nie zu spät, es zu versuchen. In diesem Sinne – da freue ich mich noch auf viele vor mir liegende kreative Wochen und viele tolle Geschichten von den anderen, die hier auch wieder dabei sind.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

 

Diesen Januar können wir unter den folgenden Themen auswählen:

1) Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. +++ 4) Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. +++ 5) Welches ist das erste Buch, das du dir im neuen Jahr gekauft hast? Stelle es kurz vor – wieso war es dieses?

Regeln gibt es auch, und zwar diese:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Same procedure as every year, James : der Jahresrückblick – Teil 2

 

und die erste Hälfte des Jahres habe ich schon hier Revue passieren lassen. Nun ist die zweite Hälfte dran.

◆◆◆◆◆◆

Juli

Im Juli regierte das Sommerloch, und selbst im Kino wollte der Funke nicht überspringen. Was hatte ich mich doch so auf den Film „Yesterday“ gefreut, dessen Werbetrailer ich im Frühjahr im Kino gesehen hatte… und dann wurde es am Ende doch nur ein Satz mit X. Im Gegensatz zu vielen anderen konnte ich dem hochgelobten Werk nichts abgewinnen und ging mit dem frustrierenden Gefühl nach Hause, für dieses halbgare Etwas einen wirklich sehenswerten Film links liegen gelassen zu haben. Und richtig: Nachholen ließ sich die Vorstellung von „Kursk“ mit Colin Firth zu meinem großen Unmut nicht, denn als ich wieder eine Reihe freier Abende hatte, war von dem Film weit und breit nichts mehr zu sehen.

Sommerlöcher gehören eindeutig gefüllt. Deshalb deckte ich mich mit Filmen und Serien auf DVD ein: The Royals, Vikings und Broadchurch sowie der Komplettbox von „Die Tribute von Panem“ – als ich aber dann erfuhr, dass es am 14. Juli mit der fünften und letzten Staffel von „Poldarklosgehen würde, gab es für mich kein Halten mehr. Kurzes Nachrechnen: Die Folgen, die ich wegen meiner Kanadareise verpassen würde, programmierte ich kurzerhand in meinen Festplattenrecorder. Diesmal war ich fest davon überzeugt, dass mir nicht derselbe Fehler (mit den neuen Folgen die alten zu überspielen) wie im letzten Jahr passieren würde. Eine weitaus ätzendere Überraschung sollte ich nach meiner Rückkehr erleben.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

August

Über diesen Monat muss ich nicht mehr viel schreiben – meine Reise nach Kanada war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß. Und ein kleiner, harmloser Flirt war auch noch drin. Summer in the City? Den Song konnte ich jetzt endlich sowas von nachvollziehen. Und noch eins durfte ich feststellen: Auch bei 30°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit kann exzessives Walken etwas ganz Wunderbares sein. Müdes Dahinschlurfen auf Flip Flops war gestern – heute geben wir ordentlich Gas und pushen den Kreislauf mal so richtig. Dann schmeckt auch das Bierchen danach, auch wenn’s ein blumig beschriebenes Craft-Beer war, das ich im Normalfall nie getrunken hätte. Binsenweisheit Nummer Zwei: Erleb‘ mal was, ohne ständiges Knipsen mit dem Smartphone. Man bekommt so viel schneller Kontakt mit seiner Umwelt und den Menschen um einen herum. Let’s get connected.

Connected hätte auch mein SAT-Receiver bleiben sollen – so aber hatte ich statt der ersehnten Poldark-Folgen nur je 60 Minuten lang ein schwarzes Bild, einmal mit einer Sendeinfo zusätzlich, dass dort jetzt die Quizshow „Pointless“ laufen würde. Was für ein schlechter Witz. This recording was indeed… Pointless.

Mein Bild des Monats habe ich als Stellvertreter für ein weiteres sonntägliches Projekt, das mir bis zum Jahresende viel Freude bereitet hat: 22 Wochen – ein Objekt, von aequitasetveritas und wortman. Jeden Sonntag gab es von mir ein Bild, auf dem ich mein Lieblingsobjekt immer wieder anders arrangiert habe.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

September

Stell Dir vor, Du hast 30jähriges Firmenjubiläum, aber Du bist gar nicht da. Ein Tag Sonderurlaub winkt Dir trotzdem, und den könnte man doch auch für ein verlängertes Wochenende zum Wegfahren nutzen. Die Idee kam mir, als ich am Anfang des Monats ziellos durchs Internet surfte und durch ein Bild bei pinterest auf einen Twitter-Eintrag umgeleitet wurde, der verkündete, dass es am letzten Septemberwochenende in Berlin zum neunten Mal das australisch-neuseeländische Filmfestival „Down Under Berlin“ geben würde.

Das Programm las sich vielversprechend: viele Kurzfilme, Small-Budget- und Independent-Filme, von denen ich auch schon so einige in meinem Leben gesehen habe, und zum Abschluss die Filmdokumentation von Richard Loewenstein über Michael Hutchence, den 1997 verstorbenen Sänger der Band INXS. Was gab es da für mich noch groß zu überlegen? – Karte kaufen und nix wie hin. Und mit zwanzig Euro für diesen Film und die schwarze Komödie „Book Week“ am Abend davor auch noch eine für mich günstige Veranstaltung. Dass die Unterkunft dann wegen des zur selben Zeit stattfindenden Berlin-Marathons teurer wurde als gedacht, war mir dann auch wieder egal. Pandas gucken im Zoo war noch ein Programmpunkt, der aber dann daran scheiterte, dass die gerade mal vier Wochen alten Knirpse noch viel zu klein und kälteempfindlich waren, um sie der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber ich habe mir vorgenommen, im kommenden Jahr noch einmal nach Berlin zu fahren, denn jetzt sind sie raus aus ihrem kuschelig-warmen Refugium hinter den Kulissen.

Das Spielfilmhighlight „Downton Abbey“ genoss ich dann in meinem Lieblings-Arthouse-Kino, dem Cinéma in Frankfurt am Main, bei einem Glas Gin Tonic. An der Stelle gebe ich gerne zu, dass ich mich darauf schon das ganze Jahr gefreut habe – diese Vorfreude toppte noch die auf die Lowenstein’sche Filmdokumentation, aber sie wurde nur noch von meiner Vorfreude auf die Kanadareise übertroffen. Drei Beweise dafür, dass Vorfreude doch immer noch die schönste Freude ist und dass „Yesterday“ wohl nur die unrühmliche Ausnahme war. 

Bild des Monats:

 

◆◆◆◆◆◆

Oktober

Ein Monat unter einem einzigen Motto – es war Zeit für den sogenannten Horrorctober. Ein Wortspiel aus Horror und October. Deshalb auch die Fettschrift in fröhlichem Schwarz. Ha ha. Ja, genau – es galt, in diesem Monat 13 Horrorfilme zu gucken, und welche das waren, entschieden wir selbst. Eingestiegen bin ich spät, aber umso rasanter habe ich dann aufgeholt, und dann waren es zum Schluss doch noch einer mehr. Hier eine kurze Auswahl dessen, was das Angebot unserer Stadtbücherei so hergab – Horror Light, wenn man so will, aber ich fand’s klasse: „Spring“, „Ghost Ship“, „Fright Night“, „10 Cloverfield Lane“, „Lights Out“, „Black Water“ und „In Fear“ – eine große Bandbreite an unterschiedlichen Spielarten: Komödie, Tierhorror, Horror mit Psychos, unheimlichen Wesen und vermeintlichen Weltuntergangshysterikern… dazwischen neben einer Low-Budget-Produktion auch zwei Filme mit Top Besetzung sowie Schauspielern, die ich in solchen Rollen niemals erwartet hätte. Colin Farrell als Vampir und David Tennant als over the top agierender Showmaster und Vampirjäger wider Willen (Fright Night), und Allen Leech (Downton Abbey) als komplett durchgeknallter Mitfahrer in dem kammerspielartigen, hochspannenden „In Fear“.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

November

Dieser Monat gehört nicht zu meinen Favoriten. Aber wie sagte ich nochmal so schön zu meiner Schwester? Wenn der Monat schon so sch***e ist , soll wenigstens das Kalenderblatt was hermachen. Und weil das so ist, gebe ich mir beim Zusamenstellen von zwölf Bildern für den kommenden Kalender inzwischen besonders viel Mühe. Und damit der Monat gar nicht erst so wird, wie meiner Schwester gegenüber geschildert, habe ich die letzten beiden mir noch zustehenden Urlaubstage am 27. und 28. November genommen. Wobei der erste von den beiden der schönere war. Morgens einen Termin, aber nachmittags eine ausgedehnte Tour durch das riesige Main-Taunus-Zentrum, wo es außer vielen Gelegenheiten, in Sachen Weihnachtgeschenk fündig zu werden, auch kleine Buden mit Lebkuchen, Glühwein und anderen netten Dingen gab – asiatisch Essen gehen musste natürlich auch sein, um mich auf einen musikalischen Abend im Kinopolis einzustimmen, zur weltweiten und einzigen Vorstellung des von 92 auf 98 Minuten erweiterten Konzertfilms „INXS – Live Baby Live“ – die über 70.000 Besucher des Wembley-Stadions am 13.7.1991 wurden noch getoppt von dem Gratiskonzert, das Paul Simon einen Monat später vor 600.000 Zuschauern im Central Park gab.

Übrigens waren bei diesem Film weitaus weniger Besucher im Kino als bei „Depeche Mode – SPIRITS in the Forest“, den ich am 21. November im Offenbacher Cinemaxx gesehen habe, aber hat mich das gestört? Nö. Für mich war’s wie in dem nachstehenden Werbetext: „Forget about being in the crowd. The cinema experience makes you feel like you’re ON THE STAGE! Every instrument, every note, is crystal clear and right there in your face“ (https://www.triplem.com.au/story/review-cinematic-release-of-inxs-live-baby-live-is-a-masterpiece-151608) – normalerweise finde ich solche Texte fast schon peinlich, aber den hier finde ich jetzt wirklich mal erfrischend; vielleicht ist das der ganz spezielle australische Humor. Ha ha. Und der Beweis, dass Kino an dieser Stelle mehr leisten kann als Fernsehen, DVD/BluRay und alle Streamingdienste dieser Welt zusammen.

Vielleicht wäre das mal ein Tip für die übernächste Fußball-WM, wenn es draußen wieder einmal viel zu heiß ist für Public Viewing im Freien oder schlechtbelüfteten Kneipen. Ich kann ja nicht jedesmal in den kühlen Norden ausweichen, so wie 2018 bei meinem Dänemark-Urlaub während jenes Fußballgroßereignisses. Vervollständigt haben diesen Monat das Konzertquartett zum einen das folkig-rockige Weihnachtskonzert „Celtic Christmas“ von Bruce Guthro am 24. November in der Jahrhunderthalle und zum anderen das Konzert der Irischen Band Walking on Cars am 3. November in der Batschkapp, über das jetzt erst mal den Mantel des Schweigens breite, obwohl es nicht an der Band lag, sondern an den unschönen Begleitumständen.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

Dezember

Ja, haben wir denn schon Weihnachten? Die Wartezeit bis dahin habe ich mir mit einem virtuellen Adventskalender versüßt, der aus auf youtube gefundenen Videos zu 26 Liedern aus meiner Smartphone-Playlist bestand; schön alphabetisch geordnet von „A wie Alane“ bis „Z wie Zombie“ bestand. Sogar das Q und die für mich wirklich schwierigen Buchstaben R und V waren darin enthalten, und so hatte ich jeden Tag nette Klänge, auf die ich mich schon morgens freuen konnte. Ein netter Blogger hat mir dann auch prompt noch einen Ohrwurm mit Q beschert, der sich aber nicht lange in meinen Gehörgängen gehalten hat. Da waren dann einige Buchstaben doch stärker. Trotzdem ein dickes Dankeschön an diese Aufmunterung des Tages.

Musikalisch stark geprägt war zwar der November, aber ein ganz besonderes Filmerlebnis erwartete mich am 8. Dezember mit dem Konzertfilm „Aretha Franklin – Amazing Grace“, 1972 in einer Kirche an zwei Abenden mitgeschnitten und mit Cameo-Auftritt von Mick Jagger ganz hinten im Publikum. Was für eine Power. Was für eine Stimme – nein, ich meine nicht Herrn Jagger, sondern die Queen of Soul. Der sechzehnte Film – aber nicht mein letzter, denn mit „Der Leuchtturm“ fand mein Filmjahr seinen krönenden Abschluss – und mit „We salute you“, zwei Stunden geballte Power einer seit zwei Jahren bestehenden AC/DC-Tribute-Band nicht nur der krönende Abschluss meines Konzertjahres 2019, sondern auch eine richtig tolle Möglichkeit, meinen Geburtstag zu feiern, wenn ich an diesem Tag schon arbeiten muss und nicht freibekomme.

Die verspätete Geburtstagsüberraschung bekam ich einen Tag später von der BBC serviert. Durch Zufall darauf an Weihnachten gestoßen, als ich von meiner Schwester gebeten wurde, die Setlist für ein bestimmtes Konzert nachzuschlagen. Manchmal hilft das Lesen des gesamten Artikels anstatt selektives Herausfiltern.

Das war es mit meinem Rückblick auf 2019, der jetzt doch länger ausgefallen ist und nicht nur selektiv auf einzelne/wenige Monate. Steckbriefartig gibt es nun noch eine grobe Zusammenfassung meiner rein subjektiv zusammengestellten Tops und Flops.

Bild des Monats:

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Und hier kommt sie nun, meine höchst subjektive und wahrscheinlich total unfaire Best-of- und Worst-of-Liste:

◆◆◆

Spielfilm des Jahres: „Der Leuchtturm“   —   Würdige Spielfilm-Anwärter: „Downton Abbey“, „Le Mans 66 – gegen jede Chance“, „Official Secrets“   —   Dokumentarfilm des Jahres: „M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit“   —   Würdige Dokumentarfilm-Anwärter: „Depeche Mode – SPIRITS in the Forest“, „Mystify : Michael Hutchence“   —   Verpasste Gelegenheiten zu Filmen, die mich bestimmt sehr beeindruckt hätten: Kursk“, „Systemsprenger“ und „Midsomar“   —   Filmenttäuschungen des Jahres: „Yesterday“ und „Once upon a Time in Hollywood“

◆◆◆

Album des Jahres auf Vinyl: „Songs of Experience“ (U2)   —   Würdige Anwärter auf „Vinyl des Jahres“: „Rockferry“ (Duffy), „Taiga“ (Zola Jesus), „The silent force“ (Within Temptation) und „Born to die – the Paradise Edition“ (Lana del Rey)  —   Vinyl-Oldies des Jahres: „The Swing“ (INXS), „Gold“ (ABBA), „Greatest Hits“ (Queen) und „The unforgettable Fire“ (U2)   —   Enttäuschende Alben des Jahres: „High as hope“ (Florence and the Machine), „Mystify : a musical journey with…“ (Michael Hutchence)

◆◆◆

Konzert des Jahres: We Salute You   —   Konzertflop des Jahres: Walking on Cars   —   Musikvideo des Jahres: „Adore you“ (Harry Styles) — Konzertüberraschung des Jahres: Dixie Chicks, April 2016 – DCXMMXVI World Tour (ausgestrahlt auf 3SAT am 31.12.2019)

◆◆◆

Filme des Jahres auf DVD/im Fernsehen: „Three Summers“, „Hidden Figures“, „Mrs Mallory und der Duft von Curry“, und „Fast Girls“   —   DVD-Flops des Jahres: „Katakomben“, „Ein Goldfisch an der Angel“, „ES“ und „Kinder des Zorns“   —   Bestes Binge-Watching-Erlebnis: „Stirb Langsam“ (Teil 1 bis 4)   —   Weihnachtsfilm des Jahres auf DVD nach der Christmette: „Angels‘ Share – ein Schluck für die Engel“

◆◆◆

Fernsehserien des Jahres im Fernsehen/auf DVD: „Vikings“, „Lucifer“, „9-1-1 Notruf LA“ und „Younger“   —   Serienflops des Jahres: „Charmed“ und „Legacies“   —   Verpasste Serien: „Game of Thrones“ (Staffel 8) und einzelne Folgen von „Poldark“

◆◆◆

Überraschungen des Jahres: Dass ich am 31.12.2019 die fünften Staffel von „Poldark“ im Laden entdeckt habe – und das Silvesterprogramm auf 3SAT mit „Pop Around the Clock“ im Allgemeinen, und davon die Konzerte von The Cure, Metallica, Pink Floyd, Paul Simon und den Dixie Chicks im Einzelnen – bei letzteren fand ich schon allein das Transparent mit der Aufschrift „I postponed my wedding to be here“ mitten im Publikum zum Brüllen. Und diese Frauen sind richtig klasse und rocken das Haus. „Nothing compares 2 U“ die Coverversion mit dem Prince-Logo auf dem purpurnen Vorhang im Hintergrund der Bühne – vorgetragen von einer Sängerin, die mich stark an Pink erinnert.

Mediale Enttäuschungen des Jahres: Die verstümmelte bzw. stark gekürzte Fassung des ursprünglich 92 Minuten langen INXS-Konzerts von 1991 auszustrahlen, auf BBC 2 am 28.12.2019 (57 Minuten) und auf 3SAT am Neujahrsmorgen (74 Minuten). Außerdem das völlig wirre Durcheinandersenden von alten und neuen Dr-Who-Folgen auf ard one. Sowie die wenig hilfreiche Geheimhaltungstaktik mancher Sender, was geplante Serien- und Filmstarts angeht. „Coming Soon“ ist im Juni eine Frechheit, wenn der Film, um den es geht, erst am Jahresende im Spätprogramm läuft.

Enttäuschungen des Jahres im realen Leben: Mein Unvermögen, meine Lieblingsserie aufzunehmen und die Entdeckung, dass es immer schwieriger wird, DVD-Rohlinge zu kaufen. Dann, dass zwei meiner liebsten Kollegen gekündigt haben und jetzt auch noch mein Auto am Tag nach meinem Geburtstag sein Leben ausgehaucht hat.

Entdeckung des Jahres: Dass ich eine Miniserie von aufeinander aufbauenden Kurzgeschichten schreiben konnte und ahne, dass da noch mehr kommen könnte. Der Osten Kanadas und dass ich mich beim Ausgehen pudelwohl gefühlt habe. Das Double-Feature-Bonusprogramm der BBC2 („Mystify : Michael Hutchence“ & „INXS – Live Baby Live“) als verspätetes Birthday Present, rein zufällig beim Surfen gefunden – und weil’s so schön war, auch noch gleich ein ganz besonderes Filmhighlight in der Originalversion – der australische Spielfilm „Three Summers“, den ich so gut fand, dass ich ihn mir gleich auch noch auf einen DVD-Rohling gezogen habe.

◆◆◆

Das war er – mein Jahresrückblick. Ich bin gespannt, was das Jahr so bringt – angefangen hat es schon mal gut. Der Bus war pünktlich. Happy New Year.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Same procedure as every year, James : der Jahresrückblick – Teil 1

aber vielleicht doch nicht so ganz wie erwartet, geht es nun auch damit bei mir los, hatte ich bereits am 8. Dezember damit angefangen. Etwas verfrüht, berichtete ich unter dem Titel „Mein Kinojahr 2019“ über all die Filme, die ich dieses Jahr gesehen hatte – ohne daran zu denken, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein könnte. Entstanden ist dabei ein Querschnitt durch verschiedene Genres (Biopic, Komödie, Horrorfilm, Drama, Blockbuster, Independent-Film, usw) – nur eines fehlte noch: ein Film in Schwarz-Weiß. Das änderte sich am letzten Sonntag vor Weihnachten mit einem Kinobesuch zur Mittagszeit und dem Horrorfilm „The Lighthouse“ (Der Leuchtturm) in der Originalversion ohne Untertitel. Danach war ich so beeindruckt – und das auch noch Tage später, dass ich im Überschwang schrieb, dieser Film könne sich bei meinen bisherigen drei Anwärtern auf den Titel „Film des Jahres“ einreihen. Heute muss ich meine Meinung revidieren. Für mich ist „Der Leuchtturm“ nicht bloß ein Anwärter, sondern tatsächlich Film des Jahres.

Und damit habe ich ihn auch schon gefunden, den Einstieg in meinen persönlichen Rückblick auf das vergangene Jahr, den ich der Länge wegen zweigeteilt habe und dem eine Zusammenfassung meiner persönlichen Highlights und Flops in verschiedenen Kategorien (z.B. Film des Jahres) folgt. Lasst Euch überraschen…

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Januar

Schon zu Beginn des Jahres hatte ich das Gefühl, einmal etwas völlig anderes machen zu müssen. Etwas, das von meinen Gewohnheiten abweicht, und wenn es eine Reise in einen ganz anderen Teil der Welt ist. Japan vielleicht. Oder Hawaii. Oder Australien. Oder… ach, wäre das schön. Aber dafür reichen drei Wochen Urlaub lange nicht aus – also musste ein Reiseziel her, das nicht ganz so weit entfernt ist: Kanada. Dahin wollte ich schon mit Anfang Zwanzig. Auch während meiner Ehe kam dieses Thema einmal kurz zur Sprache, aber setzen Sie einmal einen Raucher für einen Langstreckenflug unter Rauchentzug. No way! Aber was hindert mich eigentlich daran, den verpassten Traum der Jugend jetzt nachzuholen? Richtig: Nichts! Leider führte die Suche im Internet zu keinem brauchbaren Ergebnis. Aber der Gang ins Reisebüro, nachdem ich meinen Urlaub eingetragen hatte, brachte mich meinem Ziel ein großes Stück näher, denn in einem Katalog entdeckte ich eine Busrundreise, die genau in dem Zeitraum meines eingetragenen Urlaubs stattfinden sollte. Das war die Lösung, und kurzerhand buchte ich noch zwei Nächte in Toronto hinzu. Nun fehlte nur noch der Reisepass, und die Planung war so gut wie durch.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

Februar

Im Februar habe ich die Schreibplattform wattpad für mich entdeckt und bin dort auf jede Menge kurzweilig zu lesender Bücher, Kurzgeschichtensammlungen und einer wahren Flut an sogenannter Fan Fiction gestoßen, sowohl in deutsch als auch in englisch. Und weil mich das ganze Spektrum an Literatur so unglaublich fasziniert, lese ich inzwischen viele Geschichten parallel nebeneinander her; eine Marotte, die ich jahrelang mit Hingabe gepflegt habe. Nebenbei dachte ich mir bei dem, was andere so veröffentlichen, dass ich mich mit meinen zusammenfabulierten Geschichten nicht verstecken muss, hatte aber zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, dass damit die Saat gestreut war für meine spätere, regelmäßige Teilnahme an einem Projekt, bei dem jede/r mitschreiben kann. Also meldete ich mich bei wattpad ausgerechnet am Valentinstag an und lud etwas später mein erstes Werk, eine Kurzgeschichte namens „Contact“ hoch, die ich hier im Rahmen einer Bloggeraktion bereits vor längerer Zeit veröffentlicht hatte.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

März

In diesem Monat war fleißiges Editieren bisher noch nicht veröffentlichter Texte angesagt, mit denen ich mich in deren bisherigem Zustand unmöglich an die Öffentlichkeit wagen konnte. So dachte ich, und dann kam mir ausgerechnet ein Thema bei dem Projekt „Das Werk zum Wort“ in die Quere, mit dem ich mich schon länger nicht mehr beschäftigt habe, aber das nun förmlich danach schrie, dass ich mich damit erneut auseinandersetzte. Leider kommt es in Wellen, da ich alle für mich wichtigen Personen im Oktober verloren habe: den ersten am 29. Oktober 1992 und den nächsten am 6. Oktober 2016. Manch einen mag das Thema „Trauer“ triggern, bei mir können es immer noch ganz kleine und unerwartete Dinge sein, die mich triggern, und dann ist sie auch schon wieder da, die nächste Welle; aber inzwischen kann ich es aushalten.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

April

Der 1. April ist traditionell der Tag des Aprilscherzes. Der fiel dieses Jahr auf einen Montag und war mein erster Urlaubstag. Wer aber in Urlaub fuhr, war nicht ich, sondern mein Auto, das sich ganz dringend eine Auszeit in der Werkstatt nehmen wollte und mit einem Platten winkte. Ja, ich hatte das Schwenken mit dem Zaunpfahl schon verstanden: Mein Cuore macht Wellnessurlaub, und ich werde zu Sport im Freien verdonnert. Laufen war angesagt – viel Laufen, denn das war die Gelegenheit, für den Ketteler-Lauf im Mai zu trainieren, für den ich mich angemeldet hatte. Letztes Jahr war ich zwar nicht auf dem letzten Platz gelandet, aber jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt, die fünf Kilometer in weniger als 50 Minuten zu laufen. Bei diesem Training ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie schön manche Ecken der Heimatstadt sein können, wenn man sie zu Fuß erkundet, anstatt nur mit dem Auto daran vorbeizufahren.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

Mai

An dieser Stelle zitiere ich Lückentext Nr. 7 aus dem „Media Monday“ vom 27. Mai

7: Zuletzt habe ich nach dem Kettelerlauf versucht, vom Bett aus noch einen Film zu sehen und das war vergebene Liebesmüh, weil ich von 5 Kilometern und zwei Weißweinschorlen auf Eis danach dermaßen platt war, dass ich über zwölf Stunden durchgeschlafen habe.

Der Ketteler-Lauf war für mich das herausragende Ereignis des Monats, das seit seiner Entstehung unter dem Motto „Lauf dem Krebs davon“ firmiert. Eine sehr gute Freundin von mir hat ihren Mann 2017 nach einer langen Leidenszeit mit dieser tückischen Krankheit, die jeden Teil des Körpers befallen kann, für immer verloren. Und seitdem ist es für mich Ehrensache, an diesem Charitylauf teilzunehmen. Mir geht es dabei nicht ums Gewinnen, sondern meine Grenzen neu zu setzen und daran mitzuwirken, dass der Erlös Sportprogrammen für Krebskranke zugute kommt – Sportangebote, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werden.

Kam ich im letzten Jahr noch als fünfundneunzigste von 120 Walkern durch die Ziellinie, so stellte der diesjährige Lauf eine riesige Verbesserung meines Laufergebnisses dar, denn ich brauchte für die Strecke von fünf Kilometern tatsächlich nur 49 Minuten und erreichte somit Platz 35 bei den weiblichen Walkern. Da kann man auch mal zwölf Stunden durchschlafen, bis am nächsten Tag die Sonne lacht.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

Juni

Nachdem ich mein selbstgestecktes Ziel für den Mai mit Bravour erreicht hatte, stand das nächste Projekt auf dem Plan: Kreatives Schreiben unter dem Motto #Writing Friday auf dem Blog von elizzy. Was hatte ich schon groß zu verlieren? Den Pulitzerpreis werde ich mit meinen Texten nie erreichen, aber das ist auch nie mein Ziel gewesen. Beim #Writing Friday geht es darum, sich zu einem oder mehreren vorgegebenen Themen kreativ mit Worten auszudrücken, in welcher Form auch immer. Da unsere Texte immer Freitags auf unseren Blogs erscheinen, hatte meine Woche nun nach dem Sonntag mit dem Media Monday (medienjournal) und dem Werk zum Wort (stepnwolf), dem Serienmittwoch (Corly) und den 5 Besten am Donnerstag (passionofarts) einen weiteren „fixed point in time“ – am Freitag. Schon länger hatte ich damit geliebäugelt, aber nun war die Zeit reif dafür. Zur Auswahl standen folgende Themen:

1) „Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?   —   2) Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich.   —   3) Du kannst plötzlich fliegen. Würdest du jemandem davon erzählen? Was tust du mit dieser neuen Fähigkeit?   —  4) Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.   —   5) Was bedeutet Freundschaft für dich?

Meine Wahl fiel auf die ersten drei Themen; Mit der vierten Aufgabe konnte ich nichts anfangen, und die letzte war mir (noch) zu persönlich. Dass sich aus der Geschichte zur ersten Aufgabe, die ich „Am Haken“ genannt habe, so etwas wie eine Miniserie entwickeln würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Die wichtigste Regel von den wenigen, die elizzy aufgestellt hat, lautete: Habt Spaß. Und das machte es definitiv. Ich bekam Lust auf mehr und machte bis zuletzt regelmäßig mit. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Bild des Monats:

◆◆◆◆◆◆

An dieser Stelle folgt eine Pause vor den Monaten Juli bis Dezember – zu Teil 2 geht es hier.

.