Mein Kinojahr 2020 : Es lebe die Vielfalt im Januar

 

Wie schon in der Ankündigung erwähnt, fiel für meinen ersten Kinobesuch in diesem Jahr meine Wahl auf „Parasite“, der gleich in mehreren Kategorien für einen Oscar nominiert ist. Das wusste ich aber bei meiner Entscheidung nicht, und für sie hätte es auch keine Rolle gespielt, da die Anzahl der eingesackten Oscars für mich kein Qualitätskriterium ist.

Mich muss bei Spielfilmen entweder die Story interessieren oder die darstellerische Leistung der Schauspieler überzeugen – ganz gleich, ob es sich um eine Komödie, ein Drama oder einen Horrorfilm handelt. Bei Dokumentarfilmen und Biopics (die ohnehin meistens subjektiv sind und eine persönliche Sichtweise des Regisseurs zeigen) lege ich für mich andere Maßstäbe an. Dabei muss ich nicht zwingend ein Fan der Person sein, mit der sich der Film beschäftigt, sonst hätte ich in meinem Leben nicht Dutzende solcher Filme gesehen. Aber wenn der Film zu reißerisch oder zu überladen daherkommt, dann bin ich weniger begeistert. Gefühlt Tausende von Informationen verwirren mich mehr, als dass sie ein rundes Bild der beschriebenen Person ergeben.

Nun aber genug der Vorrede. Die Retrospektive unter dem Stichwort „Cinema-Scope“ kann nun endlich beginnen, weitgehend spoilerfrei:

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Januar

14. Januar – 18:00 Uhr – Harmonie, Frankfurt: Parasite   +++   19. Januar – 14:00 Uhr – Cinema Frankfurt: Little Women   +++ 31. Januar – 17:45 Uhr – Citydome Darmstadt: Mystify: Michael Hutchence

Genau an jenem ersten Abend in diesem Monat, den ich nach meinem Gusto gestalten konnte, lief kein einziger der Filme, die ganz oben auf meiner Prioritätenliste standen. Das war die Chance für Parasite, der sich auf meinem Radar ganz am Rand bewegt hatte und nun in den Fokus meines Interesses rückte. Gute Entscheidung, denn das war eine der erfreulicheren Entdeckungen, die ich in dem noch jungen Jahr machen durfte. Ich liebe solche bitterbösen, sarkastischen Filme.   +++   Pro: originelle Handlung, mit schwarzem Humor und interesantem Twist / Kontra: das sich doch etwas arg hinziehende Ende.


Am 30. Januar sollte eine Literaturverfilmung anlaufen, deren Trailer ich schon 2019 gesehen hatte und von der ich mir viel versprach: Little Women, die wievielte filmische Umsetzung des Romans von Louisa May Alcott, mit hochkarätiger Besetzung (Soairse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Laura Dern und Meryl Streep). Daher war es für mich unumgänglich, mir am 19. Januar die Vorpremiere anzuschauen. Ich fand ihn gut, aber vielleicht nicht ganz so gut wie die Kritiker, die ihn ohne Einschränkung in den Himmel loben. Saoirsa Ronan als Jo, die ihren Weg auch ohne Ehemann machen möchte, und zwar als Schriftstellerin, fand ich überragend. Auch Emma Watson fand ich sehr gut in ihrer Rolle als älteste Schwester, die aus Liebe einen Lehrer heiratet und fortan mit ihrer Familie am Existenzminimum lebt. Leider aber wurde ich weder aus den ständigen Zeitsprüngen noch aus der Rolle schlau, die der Enkel des Nachbars spielt. Mal ist er in Jo verliebt, dann wieder in ihre Schwester. Mir war das leider etwas zu viel an Informationen, die mich verwirrt und dafür gesorgt haben, dass ich den Film mit 134 Minuten Laufzeit als zu lang empfand.  +++   Pro: Saoirse Ronans darstellerische Leistung, stimmungsvolles Gesellschaftsporträt / Kontra: zu viele Details, Zeitsprünge und Längen, insgesamt zu lang und überladen.


Murmeltier-Alarm: Am 30. Januar kam ein weiterer Film in die Kinos, der ebenfalls auf meiner „Will ich sehen“-Liste stand, obwohl ich die australische Originalfassung bereits am 29.9.19 gesehen habe: die von der BBC mitproduzierte Dokumentation Mystify: Michael Hutchence über den 1997 verstorbenen Sänger der Band INXS. Die lief am 28.12.19 im Fernsehprogramm der BBC2, im Doppelpack mit dem Konzert von 1991 im Wembleystadion. Play it again, Sam? Nicht ganz, denn in der Filmzeitschrift war nirgends die Rede von einer Originalversion, was nur bedeuten konnte (so meine Schlussfolgerung), dass die 102 Minuten lange Biografie mit deutschen Untertiteln versehen wurde. Da aber in keinem einzigen Frankfurter Kino der Film im Programm stand, unternahm ich einen Ausflug nach Darmstadt und fand meine Vermutung bestätigt. Ich hätte auch warten können, denn eine Woche später hat ihn das Frankfurter Programmkino „Orfeos Erben“ ins Programm genommen. Hätte, hätte… Oops, I did it again? Ja, warum denn auch nicht? Es soll ja Leute geben, die Dirty Dancing 50mal gesehen haben, was ich persönlich wiederum nicht brauche, auch wenn mich ein Film begeistert oder zum Nachdenken gebracht hat.   +++   Pro: Einfühlsames Charakterporträt (in der Originalversion mit hilfreichen Untertiteln), das das Puzzle aus Youtube-Schnipseln zu einem stimmigen und sinnvollen Bild abrundet. / Kontra: für mich persönlich nichts, aber für andere eventuell zu speziell, um in „den“ (Frankfurter) Kinos einen Verleih zu finden.

Zwei Oscar-nominierte Filme und eine Dokumentation, die mir sehr am Herzen lag – ein gelungener, leicht durchwachsener Start in das Kinojahr 2020.

3 Kommentare zu “Mein Kinojahr 2020 : Es lebe die Vielfalt im Januar

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