# Writing Friday 2020 – Februar, 8. Woche : Als die Uhren rückwärts liefen

 

Stell Dir eine Welt vor, in der alles möglich ist. Beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy kann das jeder ausprobieren und seinen Gedanken Ausdruck verleihen, egal in welcher Form, und zwar zu vorgegebenen Themen, die am Ende meines Beitrags aufgeführt sind.

Nach dem Murmeltiertag (2. Februar) und dem Valentinstag (14. Februar) hebe ich heute einen eigens erfundenen Tag aus der Taufe: den Verkehrte-Welt-Tag, denn der Karneval geht in seine letzte und entscheidende Phase…

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Als die Uhren rückwärts liefen

 

Die Uhren liefen rückwärts, als der Zwerg aus dem Nebel auf mich zugeschossen kam, gleich nachdem ich das Plakat gesehen hatte:

NEU IN DER STADT – DER SKULPTURENGARTEN – 2. NOVEMBER FEIERLICHE ERÖFFNUNG.

Wow! Das ist ja schon morgen!“ hatte ich überrascht ausgerufen und meine neue Bekanntschaft aus dem Bogside fragen wollen, ob sie nicht Lust hätte, mich dort hin zu begleiten, doch plötzlich war dieser kalkweiße Winzling aus dem Nichts aufgetaucht und hatte sich mir mit einem Sprung in den Weg gestellt. Ich hatte wirklich nur kurz geblinzelt, weil ich meinen Augen kaum getraut hatte. Eine Statue aus dem Park? Eigentlich eher so eins dieser kitschigen Engelchen, wie man sie zu Tausenden in diesen Dekoläden findet – Schnickschnack, den die Welt nicht braucht. Damit kann man mich ja meilenweit jagen. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann hätte ich schwören können, dass es dieser Gnom auf mich abgesehen hatte. Hey Kleiner, hatte ich noch gedacht, Halloween war gestern – Du kannst mit der Maskerade aufhören.

Maskerade? Die Erkenntnis kam leider zu spät. Jagen wollte hier nur einer, und zwar das Engelchen aus weißem Marmor. Das war kein Mensch. Aber auch keine Statue. Ich weiß nicht, was es war, aber es war hinter mir her. Und es war gnadenlos. Verschwunden war das sanfte Lächeln auf seinem Gesichtchen; als ich mir ungläubig die Augen gerieben hatte, nur für einen winzigen Moment, da hatte ich es am Hals.

Beim Anblick seiner schrecklichen Fratze wurde mir eiskalt, und ich konnte nicht mal mehr schreien. Innerhalb eines winzigen Augenblicks geschahen mehrere Dinge gleichzeitig: Während um mich herum alles vorbei raste und zu einer undeutlichen Masse Schatten in unterschiedlichen Grautönen verschwamm, flammte das Zifferblatt meiner Armbanduhr gestochen scharf in der Dunkelheit auf. Die Zeiger rannten nicht nur entgegen ihrer üblichen Richtung, sie drehten förmlich durch. Als sie mit einem Ruck stoppten, bekam das Glas des Zifferblatts einen Sprung, während sich die Zeiger ineinander verhakten. Ich wurde so heftig zu Boden gerissen, dass ich für einen Moment die Besinnung verlor. Irgendwo in der Schwärze um mich herum heulte ein Kauz.

Als ich wieder zu mir kam, war es immer noch dunkel. Nebel wallte aus dem Park, und ein Absperrband bewegte sich sanft im Wind hin und her. Viel Zeit war wohl nicht vergangen. Und doch… Aus der Ferne drangen Stimmen durch den Nebel – Stimmen, die ich kannte: Die einer Frau.. Lara? Und eine, die wie meine eigene klang. Ach nee… Die Fetzen, die ich von ihrer Unterhaltung aufschnappte, kannte ich! Stop! Irgendwas war mit einem von den drei Guinness nicht in Ordnung gewesen, oder woher kam auf einmal diese Halluzination? Oder dieses verflixte Engelchen, das auf mich losgegangen war, hatte mir irgendein Zeugs verabreicht. Mich konnte es doch unmöglich zweimal geben! Lara und ihr elender Fimmel, was Zeitreisen anging. Das war doch alles dummes Zeug! Mir war das alles viel zu abgehoben. Aber nun war es genau der eine Satz, den sie im Lauf des Abends fallengelassen hatte: Never cross your own timeline!

Das hier war ein anderes Kaliber als die absurde Drohung „Never type ‚Google‘ into Google – you might break the internet“: Die eigene Zeitlinie zu durchkreuzen führt zu fürchterlichen Folgen, sowohl für einen selbst als auch für andere. Das bedeutete, dass ich unter keinen Umständen mir selbst über den Weg laufen durfte. Niemals durfte das geschehen, und so tat ich das erstbeste, das mir in den Sinn kam: Ich robbte auf dem Bauch in Richtung Fahrbahn und kroch unter einen geparkten Van. Welch heldenhafte Tat. Eines echten Feiglings würdig. Und dennoch die einzig akzeptable Lösung zu diesem Zeitpunkt für dieses Dilemma. Mir auszumalen, was passiert wäre, wenn ich mir selbst gegenüber gestanden hätte, überstieg meine Vorstellungskraft.

Allgemein herrscht ja die Vorstellung, dass man an der Schwelle des Todes sein ganzes Leben im Zeitraffer an sich vorbeiziehen sieht, aber hier war es nicht mein Leben, das ich wie einen Film ablaufen sah, sondern ein Teil der vergangenen Stunden. Und ein Licht, in das ich gehen konnte, gab es auch nicht. Nur Dunkelheit, Nebel und diese gruselige Gestalt in Form einer Putte, die mein hinter Lara hergehendes Ich berührte, das auf der Stelle verschwand. Wie vom Donner gerührt, blieb sie stehen und schaute dem marmornen Nackedei nach, wie er kichernd im Nebel verschwand. Die Luft war rein.

Der Engel hatte keine Ahnung, dass ich ihn bei seinem Treiben beobachtet hatte und mich nun voll auf Lara konzentrierte. Sie wollte doch nicht? Nein, bitte, dachte ich, Du wirst doch nicht so blöd sein, und ihm blindlings hinterher stürzen? Sie schien zu überlegen, noch unschlüssig, was sie als nächstes tun sollte, aber jederzeit bereit zum Sprung. Warte noch, stöhnte ich vor Schmerz. Die Wucht meines Aufpralls war doch stärker als ich dachte. Ächzend kroch ich unter dem Van hervor und versuchte, mich Lara bemerkbar zu machen. „Wie spät ist es?“, war das einzige, was ich noch herausbrachte, bevor sie mir das Zifferblatt ihrer Armbanduhr zeigte und im dunklen Park verschwand, um die Verfolgung desjenigen aufzunehmen, der an meiner Zeitschleife Schuld war. Und was, wenn sie scheiterte? Wenn sie ihn vergeblich in der Dunkelheit suchte? Oder noch schlimmer, wenn er sie auch noch erwischte? Nein, das musste ich unbedingt verhindern. Mühsam erhob ich mich und humpelte in den Park hinein, ohne zu wissen, was mich erwartete.

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Die dritte Story über Begegnungen mit meinen Lieblings-Aliens aus der Sci-Fi-Serie „Doctor Who“, als Teil einer Kette von Ereignissen, die jetzt schon geradezu nach einer Fortsetzung schreit… Kommt Zeit, kommt Rat, und das Jahr hat noch zehn weitere Monate.

Hier nochmal die Themen für den Februar:

1) Eine rote Rose erzählt aus ihrem Alltag, berichte davon. +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Gänsehaut, Libelle, rundherum, aufgeschrieben, 5 Jahre +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Die Uhren liefen rückwärts, als…” beginnt. +++ 4) Welches Buch hat dich als Teenager (von 13 – 18) begeistert? Magst du es heute auch noch? +++ 5) Schreibe eine “Streit-Szene” – egal ob zwischen einem Paar, Geschwistern oder Freunden – wichtig ist hierbei das Üben eines Dialoges. Lasse aber Beschimpfungen aus und versuche den Konflikt am Ende zu beseitigen.

Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.