# Writing Friday 2020 – Februar, 9. Woche : You can’t play on broken strings

 

Geht Euch das auch so? Gerade erst hat das neue Jahr begonnen, und nun haben wir schon wieder Ende Februar? Und weil ich dieses Jahr bei dem Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy meinen Erfahrungsschatz erweitern möchte, habe ich mir als letzte Übung für diesen Monat etwas ausgesucht, womit ich mich bisher noch nicht ausreichend beschäftigt habe: dem Schreiben von dialoglastigen Texten. Anscheinend habe ich bisher das Motto „A little less conversation, a little more action“ bevorzugt. Mit dem fünften Thema versuche ich, die gewohnten Pfade zu verlassen:

 

5) Schreibe eine “Streit-Szene” – egal ob zwischen einem Paar, Geschwistern oder Freunden – wichtig ist hierbei das Üben eines Dialoges. Lasse aber Beschimpfungen aus und versuche den Konflikt am Ende zu beseitigen.

Streit oder Diskussion zwischen mehreren Personen? Wer sagt denn, dass an einer verbalen Auseinandersetzung immer nur zwei beteiligt sein müssen? Bei dem folgenden Text handelt es sich um eine Gruppe von mehreren Leuten, und er ist ein Auszug aus einer noch nicht abgeschlossenen Story, die ich schon seit längerem geplant habe und von der ich nicht weiß, wann sie enden wird.

 

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You can’t play on broken strings

Wenn der Tag mit einem Anschiss anfängt, dann weißt Du, dass Du nicht alleine bist auf der Welt! – Wer auch immer diesen Satz zuerst von sich gegeben hatte, treffender hätte er nicht das beschreiben können, was uns erwartete. Ein kaputter Verstärker, und natürlich wollte es keiner von den anderen gewesen sein, obwohl jeder, der die Geräte abgeladen hatte, im Prinzip der Übeltäter sein konnte. Blöd, dass es vorher nie zu solchen Pannen gekommen war, sondern erst, seit ich mit von der Partie war. Informiert waren die anderen schon längst, und im Moment war der Schlagzeuger auf Hundertachtzig. Rauswerfen würden sie mich. Im hohen Bogen. Ich konnte ihn sogar verstehen: Mit teilweise beschädigten Instrumenten zu spielen, war schon schwierig genug , aber kaputte Verstärker bedeuteten mit Sicherheit das Aus für den Auftritt. Es sei denn, das Gerät ließe sich reparieren. Aber in der kurzen Zeit? Das war wohl eher unwahrscheinlich. You can’t play on broken strings…

Was glaubst Du, wie das funktionieren soll?“ Natürlich. Frank schon wieder. Dass der sich jetzt mit dummen Sprüchen reintauchsiedern würde, war ja klar: „Das hier ist ein High-End-Produkt und kein Heizlüfter oder Fön, den du mal eben schnell wieder in Ordnung bringen kannst, Kleine.“

Kleine? Das war ja wohl wieder mal typisch.

Vor allem nicht schnell…“, hängte sich jetzt auch noch Paul rein. Die beiden Roadies waren wie immer ein Herz und eine Seele. „… oder willst Du persönlich für den Schaden aufkommen?“ Das war jetzt nicht sein Ernst. Der lieferte damit jetzt nicht wirklich seinem Kumpel die Steilvorlage? Ich hatte geahnt, dass nichts Gutes dabei herauskommen würde, wenn die beiden erst mal in Fahrt kamen. Wenn nur nicht meine schlimmsten Befürchtungen wahr wurden…

Keine schlechte Idee“, gab Frank mit süffisantem Grinsen zurück. Der hatte doch nicht alle Latten am Zaun!

Hast Du sie noch alle?“ fauchte ich ihn an. „Warum sollte ich?“ Vor Wut konnte ich kaum klar denken, und das nutzte er weidlich aus.

Nun ja…“, antwortete er betont langsam, und ich betete, dass jetzt nicht das kam, was ich insgeheim befürchtete. „… schon mal was vom Verursacherprinzip gehört?“

Na super! Mission accomplished, Treffer versenkt. Was musste ich dumme Nuss ihn auch noch mit der Nase drauf stoßen! Dank dieser eleganten Überleitung wusste es jetzt auch der letzte, dass meinetwegen der Gig auf der Kippe stand. Das würde ich mir auf keinen Fall gefallen lassen! Eigentlich hatte ich ja Streit vermeiden wollen, aber jetzt war Feierabend!

Was soll das heißen?“ nagelte ich ihn fest. „Ach, jetzt bin ich diejenige, die das Equipment ruiniert hat? Sag mal, geht’s noch?!“ Inzwischen war es mir total egal, wer den Krach noch alles mitbekam. Es betraf ja schließlich alle.

Na ja, du warst immerhin eine der letzten, die beim Ausladen mit dabei war.“

Genau. Eine der letzten. Nicht die letzte. Theoretisch kann es jeder gewesen sein.“

Theoretisch ja.“ Lauernder Blick. „Und praktisch?“ Worauf wollte Frank jetzt schon wieder hinaus? „Komisch, dass solche Pannen nicht vorgekommen sind, als Steve noch mit an Bord war…“

Bingo. Spätestens jetzt wussten alle, dass ich völlig unfähig war und sie es noch bereuen würden, dass man mich als Vertretung für ihren Lieblingskollegen eingestellt hatte. Meine Wangen brannten wegen dieser Blamage wie Feuer.  O, diese Ungerechtigkeit. Aber etwas stimmte hier nicht. Wie schnell doch der Verdacht im Raum gestanden hatte. Zu schnell. Aber wer hatte ihn geäußert? Je länger ich darüber nachdachte, desto stärker wurden die Zweifel. Ryan war bereits vor unserem Zusammentreffen über die Schäden an seinem Schlagzeug informiert gewesen; also musste er es von jemandem haben, dem sämtliche Schäden bereits bekannt waren. Wenn derjenige nicht sogar selbst der Verursacher war und es mir nun in die Schuhe schieben wollte. Wer das war, konnte ich mir denken. Leider fehlte mir der Beweis. Was half es mir oder dem geschrotteten Verstärker, dass ich mit dieser Einschätzung nicht alleine dastand. Meinen Kollegen Dave beschäftigte viel stärker die Frage, ob wir ihn noch reparieren konnten. Und falls nicht, ob der nächste Auftritt noch zu retten war.

Das wird schwierig.“ Dave kratzte sich ratlos am Kopf.

Dass es nicht einfach wird, habe ich auch nicht erwartet“, schaltete sich Brian ein. „Mich interessiert nur eins. Schafft ihr beiden das heute noch?“

Heute noch? Wohl eher nicht“, entfuhr es mir, „wenn wir bestimmte Ersatzteile brauchen.“ Oder gar einen neuen Verstärker. Am besten suchte ich schon mal im Internet, ob irgendwo einer zum Verkauf stand.

Ist ja Spitze!“ – höhnisches Schnauben von Brian, dem ich entnahm, dass seiner Meinung nach meine Einschätzung keinen Schuss Pulver wert war, „was stehen wir hier überhaupt noch rum und reden? Das habt ihr ja echt super hingekriegt.“ Wieso sagte er „Ihr“? „Ja. Ganz große Klasse. Für heute Abend seh‘ ich schwarz.“

Betretenes Schweigen. Aber nicht für lange. „Es sei denn, wir finden eine andere Lösung.“ ließ Mike mitten in die Stille hineinfallen.

Ach, und wie soll diese Lösung aussehen, du Schlaumeier!?“ Brian war noch nicht überzeugt. „Darf ich Dich daran erinnern, dass die Drums und der Verstärker ein Fall für die Tonne sind?

Na ja, also komplett ‚für die Tonne‘ würde ich jetzt nicht sagen“, meldete sich Ryan zu Wort, der sein Drumkit gründlich untersucht und sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. „Das meiste scheint in Ordnung zu sein. Ein paar Teile sind tatsächlich in dem Zustand nicht mehr zu gebrauchen. Unter Umständen könnte ich mit reduziertem Equipment spielen. Aber das hängt davon ab, wie deine ‚Lösung‘ aussehen soll.“

Na ja, mir schwebt da so was wie ein reines Akustik-Set vor“, antwortete Mike.

Wie jetzt? Weg mit den E-Gitarren und dafür her mit akustischen Instrumenten? Was, wenn der Plan gar nicht so blöd war, wie er den anderen anscheinend vorkam? Was, wenn das die Lösung war, die uns genug Zeit verschaffte, die Schäden zu beheben? Hoffnung keimte auf….

Hä?“ Brian verstand offenbar gar nichts. „Jetzt mal ganz langsam zum Mitschreiben: Wir sollen heute Abend ein reines Akustikset spielen?“

Und was genau würde dagegen sprechen?“ Ja, was eigentlich? „Mensch, Leute. Kommt, erinnert euch: Die zwei, drei Stücke, die wir unplugged gespielt haben, sind doch super angekommen!“ Der Sänger war sichtlich angetan von seinem Geistesblitz.

Hm. Ja. Okay. Ein, zwei Stücke schön und gut. Aber ein ganzer Abend unplugged?“ Brian war noch immer skeptisch.

Inzwischen schien sich auch Ryan für die Idee seines Bandkollegen zu erwärmen: „Ja, warum eigentlich nicht? Was haben wir schon zu verlieren?“ Da musste ich ihm recht geben. War dieser Einfall wirklich so abwegig? In Brians Augen wohl schon.

Unplugged. Echt jetzt? Kommt schon, Leute. Wir sind ’ne Rockband und keine Folktruppe.“

Ach, daher wehte also der Wind. So ein Idiot, dachte ich – was für ein Dünkel! Aber da war er bei seinem Drummer an den Falschen geraten. Der schien plötzlich Feuer und Flamme für Mikes Vorschlag: „Besser ein Unplugged-Konzert als gar kein Konzert. Mensch, Brian – wir sind weder AC/DC noch Maiden und können uns Starallüren nicht leisten – also komm mal wieder runter von deinem hohen Ross.“ – Ihr spielt zwar eher Wave statt Rock und hauptsächlich Coverversionen, dachte ich, aber im Prinzip hatte Ryan absolut recht. Ich sagte lieber nichts.

So haben wir Zeit, um zu sehen, ob wir den Verstärker wieder zum Laufen bringen.“ – Dave’s five cents.

Na also, da hörst Du’s,“ sagte Mike zu Brian. „Lass es uns probieren. Diesen einen Abend als Testballon. Wie Ryan schon sagte: Was haben wir schon zu verlieren?“

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Und dann durchforsten die Erzählerin, die den wegen einer Erkrankung ausgefallenen Steve vertreten soll und Dave die Kleinanzeigen und stoßen auf ein Inserat, in dem das so dringend benötigte Teil zum Verkauf angeboten wird. Doch das ist eine andere Geschichte.

Genau wie der Akustikabend der Band, deren Anfänge ich im November unter der Überschrift „Let’s start a band“ niedergeschrieben habe. Gut möglich, dass da noch etwas nachkommt, doch nun ist der Monat für mich erst einmal abgeschlossen. Das Thema mit dem Buch, das mich als Teenager begeistert hat, habe ich diesmal ausgelassen. Meine Teenagerzeit ist einfach viel zu lange her.

Die Schreibthemen im Februar: 1) Eine rote Rose erzählt aus ihrem Alltag, berichte davon. +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Gänsehaut, Libelle, rundherum, aufgeschrieben, 5 Jahre +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Die Uhren liefen rückwärts, als…” beginnt. +++ 4) Welches Buch hat dich als Teenager (von 13 – 18) begeistert? Magst du es heute auch noch? +++ 5) Schreibe eine “Streit-Szene” – egal ob zwischen einem Paar, Geschwistern oder Freunden – wichtig ist hierbei das Üben eines Dialoges. Lasse aber Beschimpfungen aus und versuche den Konflikt am Ende zu beseitigen.

Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.