# Writing Friday 2020 – März, 10. Woche : The Icing on the Cake

 

Der Frühling naht, und mit ihm im Zuge des #Writing Friday auf dem Blog von elizzy, gibt es auch dazu passende Themen, die zur Erinnerung am Ende dieses Beitrags aufgeführt sind. Da es fünf sind, aber der März nur vier Freitage hat, bin ich auf die Idee gekommen, zwei Themen miteinander zu kombinieren:

2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Banane, Zahnlücke, kitzeln, Frühlingsbrise, bunt

und

3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Mia wollte jetzt noch nicht gehen aber…” beginnt.

 

Herausgekommen ist ein sogenanntes Two-in-One-Produkt, das es in sich hat. Auch die oft zitierten Frühlingsgefühle.

 

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The Icing on the cake

Mia wollte jetzt noch nicht gehen, aber es war allerhöchste Zeit, den Laden zu verlassen, denn er würde in wenigen Minuten schließen. Schade, aber nicht zu ändern. „Black & White“ lautete das Motto der Geburtstagsparty ihrer besten Freundin, und sie hatte nicht die leiseste Ahnung gehabt, in was sie sich kleiden könnte. Ausgerechnet die ödesten aller Farben hatte sich Jessi ausgesucht. Dabei wusste sie ganz genau, dass es in Mias Kleiderschrank vorwiegend bunt zuging. Vergeblich hatte Jessi versucht, aus Mia herauszukitzeln, welches Outfit ihr vorschwebte. Dabei hatte Mia selbst keine Ahnung gehabt, wie ihr Kostüm aussehen sollte.

Bis sie das Video auf youtube gesehen hatte. „The icing on the cake“ – ein banaler Popsong aus den Achtziger Jahren, zu dessen Klängen eine Handvoll Models im Stil der Fünfziger Jahre um den spindeldürren Sänger herumtanzten. Alles war echt vintage, angefangen bei der zur Banane aufgesteckten Frisur des einen Mannequins bis hin zu den Kleidern, auf die der Hintergrund – echt Plaste und Elaste – abgestimmt war; da wurde einem ja schon vom Hinsehen schwindelig: Pepitamuster, Streifen und Punkte – der Alptraum eines jeden Fernsehbildschirms. Und je länger sie dem Gehopse zusah, desto weiter schritt der Plan fort, der in ihrem Inneren reifte: Mias Haare waren zwar für eine solche Frisur nicht lang genug, aber was hinderte sie daran, sich auch so ein Kleid zu schneidern. Nur bei dem Muster war sie sich noch nicht sicher.

Am nächsten Tag stand sie vor dem Stoffgeschäft und überschlug im Geiste, wieviel Meter Stoff und Garn sie für das Modell ihrer Träume wohl brauchen würde. Dior hatte damals für eine voluminöse Robe schätzungsweise zwanzig Meter Seide kalkuliert. Mia würde mit weit weniger auskommen müssen, und Seide stand schon gar nicht zur Debatte. Suchend ließ sie ihre Blicke schweifen. Irgendwo mussten sie doch liegen, die Stoffe, die so dringend für ihr Projekt benötigte. Sie hatte sie doch gestern erst auf dem Tisch dort vorne liegen sehen. Statt ihrer türmten sich dort nun Ballen in Rosé, Zartgelb, Mint und Himmelblau. Kein Wunder, bei dem lila Banner, das quer durch den Verkaufsraum gespannt worden war und in weißen Buchstaben verkündete:

„Die Frühlingsbrise für Ihr Nähzimmer – strahlend hell in Pastell!“

Innerlich griff sich Mia an die Stirn. Ein selten dämlicher Werbespruch war ihr schon lange nicht mehr untergekommen. Was sich Elena, die Inhaberin des Ladens, wohl gedacht hatte, wenn sie solch altbackene Phrasen gut fand? Aber wo war sie eigentlich?

Frühlingsbrise? Der Valentinstag war doch gerade erst vorbei. Ihr habt sie ja doch nicht mehr alle, sagte Mia, mehr zu sich selbst, aber wohl offenbar doch laut genug, dass den Spott jemand gehört hatte. Denn hinter ihr erklang ein energisches Räuspern. O Gott, dachte Mia, wie peinlich! Gleich würde Frau Alexandros sie hinauswerfen, und dann hätte sie wirklich ein Problem. Der einzige Stoffladen weit und breit, und sie hätte Hausverbot – wenn sie den Fauxpas nicht auf der Stelle wieder gutmachte. „Bitte entschuldigen Sie, Frau…“ Alexandros, hatte sie eigentlich sagen wollen, aber vor ihr stand nicht Elena, sondern ein junger Mann, den sie noch nie zuvor in diesem Laden gesehen hatte. Mia spürte, wie sich eine verräterische Röte auf ihren Gesichtszügen ausbreitete, und sie wusste nicht, was sie mehr irrtierte: sein unverschämtes Grinsen und ihre Reaktion darauf, oder die Erkenntnis, wie anziehend sie ihn fand. Oder einfach alles zusammen.

Meine Tante ist unterwegs“, erklärte er Mia und lächelte sie an, „Material einkaufen.“

Ich wette, Du weißt überhaupt nicht, wie hinreißend Du mit Deiner Zahnlücke bist, dachte sie und hatte mit einem Mal vergessen, was sie eigentlich gewollt hatte. Der komplette Blackout, der totale Filmriss.

Aber vielleicht kann ich Ihnen in der Zwischenzeit behilflich sein.“

Denk nach, Mia, denk nach… The Icing on the Cake – eigentlich lag der Grund ihres Besuchs doch klar auf der Hand: Schwarz-Weiß war das Motto. In dem Video gab es auch rote Elemente, aber Gesichter gehörten nicht dazu. Schwarz-Weiß – auf dem Tisch vor ihr sah sie nichts davon, aber sie würde ihren letzten Knopf darauf verwetten, dass Elenas Neffe gegen eine ausführliche Beratung gewiss nichts einzuwenden hatte.

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Die Schreibthemen im März: 1) Beschreibe einer blinden Person den Frühlingsanfang. +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Banane, Zahnlücke, kitzeln, Frühlingsbrise, bunt +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Mia wollte jetzt noch nicht gehen aber…” beginnt. +++ 4) Erzähle aus der Sicht deines Balkons / deiner Terrasse. Wie sieht es da aktuell aus? Was könnte in den nächsten paar Tagen dort geschehen? +++ 5) Versuche “Sie war glücklich” in einer Szene zu beschreiben, ohne die Wörter “Glück” oder “glücklich” zu gebrauchen.

Und hier nochmal die Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.